EduCamp 2010 in Hamburg

Samstag, 6. Februar 2010 19:37


EduCamp Hamburg :: 5./6. Februar 2010.

Rückblick auf mein erstes EduCamp …

Zum EduCamp an der Universität Hamburg – einer “Unkonferenz” im Sinne eines BarCamps – bin ich mit vielerlei Erwartungen gegangen: Ich war in erster Linie neugierig darauf, das Veranstaltungsformat mitzuerleben – quasi als Paradebeispiel einer “partizipatorischen Lernumgebung”. Darüber hinaus war ich neugierig darauf, wer die anderen Teilnehmenden sein würden, die ich hier zum Themenfeld “Bildung, Medien, Partizipation” treffen würde. Einige der inhaltlichen Angebote waren schon im Vorfeld auf der educamp-mixxt-Plattform ankündigt worden, die restlichen Angebote wurden zu Beginn des ersten Tags offenbart.

Nach nun zwei Tagen EduCamp, die wie im Fluge vergangen sind und bei mir viele Eindrücke hinterlassen haben, will ich ein kleines Fazit ziehen (auch im Vergleich zu bisherigen Konferenzen, an denen ich teil genommen habe): Insgesamt hat es mir gut gefallen.

Das Format eines EduCamps finde ich eine interessante Alternative zu “klassischen” Konferenzen. Es war eine gute Erfahrung, in die unterschiedlichen Diskussionen “einzutauchen” und so unterschiedliche Menschen mit ihren Perspektiven und Interessen kennen zu lernen. Die kurzen Zeittakte boten die Möglichkeit, in der Regel alle 60 Minuten in ein neues Themenfeld einzusteigen und quasi durch die unterschiedlichen Inhalte und Diskussionen “zu zappen” (hier die Themen vom Freitag und Samstag). Dass inhaltlich (fast) alles möglich ist und der Themenvielfalt (fast) keine Grenzen gesetzt sind, fand ich sehr erfrischend.

Zugleich hatte ich aber auch den Eindruck, dass, wie bei Vorträgen auf herkömmlichen Tagungen auch, vor allem diejenigen von einer Session etwas haben, die sie anbieten und konkrete Fragen mitbringen. Mir ist  im Nachhinein nicht klar, wieviel Struktur und Vorplanung eine Session auf einem BarCamp “haben darf”, um dem partizipatorischen Grundgedanken nicht entgegen zu wirken.

So waren auch die beiden Sessions recht spontan, die ich am Samstag mit angeboten habe: Einmal zusammen mit Christina Schwalbe, Christian Beermann und Sebastian Plönges zum “Paradox ePortfolio” (>Doku) und einmal zusammen mit Benjamin Jörissen zum medienpädagogischen Manifest “Keine Bildung ohne Medien!”. Auch hier war mein Eindruck, dass wir als Initiatoren der jeweiligen Session eben sehr viel mitgenommen haben und ich ein wenig schlechtes Gewissen hatte, für meine Ansprüche so wenig vorbereitet zu sein. Ich hoffe, die Teilnehmenden waren einigermaßen zufrieden – in jedem Fall herzlichen Dank für die facettenreichen Diskussionen!

Andererseits stößt mich auch gerade dieser Gedanke auf die (durchaus selbstkritische) Frage, inwiefern wir heute schon dermaßen vom “Effizienz”-Gedanken geprägt sind (bzw. sein müssen), so dass es mitunter schwer fällt, sich in so einem Rahmen “nur” um des Austauschs willen und ohne konkrete Zielsetzung zusammen zu finden und sich dafür Zeit zu nehmen. Oder schließt sich eine gewisse Struktur und Planung durch die Moderation oder den/die Session-Anbieter/in mit dem Selbstverständnis der EduCamper aus? Bei meinem nächsten EduCamp würde ich wahrscheinlich ein wenig mehr vorbereiten, um thematisch auch in kurzer Zeit tiefer vordringen zu können – ich kann halt nicht so richtig aus meiner (noch habitualisierten) Haut ;-)

Im Grunde läge für mich das ideale Veranstaltungsformat wie folgt aus: Eine Veranstaltung, die einerseits  Räume für den Austausch und für das gemeinsame (Weiter-)Denken bietet, zugleich aber Anregungen durch geladene Inputs, wie z.B. die sehr anregende Podiumsdiskussion nach dem Fish-Bowl-Prinzip auf dem EduCamp (>Doku) oder Keynotes, bereit hält. Organisatorische Prozesse werden abkürzt, indem Strukturen und Inhalte im Vorfeld nach zuvor festgelegten und öffentlich kommunizierten Kriterien ausgewählt werden (also im Sinne eines herkömmlichen Tagungsprogramms), zusätzlich aber Slots für spontane Diskussionsanlässe bereit gehalten werden (ich denke da z.B. an die GMW 2009 in Berlin, als der Begriff eLearning stark zum Schluss eines Vortrags und während und nach der Tagung diskutiert wurde – das hätte eine wunderbare spontane Session auf sicherlich hohem Diskursniveau ergeben).

Was mir sehr positiv an diesem Format auffiel ist, dass die vielfältigen Möglichkeiten wechseln zu können, dann auch dazu führen, viele neue Kontakte zu knüpfen und vor allem die Menschen zu den Twitter-Accounts kennenzulernen. Auch war einfach viel Zeit da, mich mal wieder Face-to-Face mit (ehemaligen) KollegInnen und Studierenden auszutauschen ;-) .

Freitag früh habe ich noch überlegt, ob mein überfüllter Schreibtisch und nahende Deadlines es zulassen, dass ich mir den “Luxus” von zwei Tagen EduCamp “gönnen” kann. Ich bin froh, dass ich mir die Zeit für den Austausch genommen habe!

[08.02.2010]: Hier findet sich die gesammelte Nachlese zum Educamp und hier finden sich schöne Impressionen zum EduCamp von adesigna.

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Neuerscheinung: Fokus Medienpädagogik

Dienstag, 26. Januar 2010 16:29


(Neue) Medien stellen in der sich wandelnden Gesellschaft für Prozesse von Erziehung, Bildung, Sozialisation, Lernen und Organisationsentwicklung eine zentrale Größe dar und werden mit zunehmender Mediatisierung der Lebens- und Arbeitswelt bedeutsamer.

Dieser Sammelband zeigt eine Vielzahl an Perspektiven aktueller empirischer und theoretischer Fragestellungen im (Um-)Feld der Medienpädagogik auf. Namhafte nationale und internationale Autorinnen und Autoren

  • beschäftigen sich mit systematischen und konzeptionellen Fragestellungen der Medienpädagogik mit Blick auf Medienkompetenz, Medienbildung und Media Literacy;
  • diskutieren aus überwiegend empirischer Perspektive die sozialisatorische Bedeutung von (neuen) Medien in, mit und für Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und gehen auf die medienpädagogischen Konsequenzen ein. Stichworte sind hier Medienalltag, Digital Divide, Gender, Computerspiele, Gewalt, Internet und Web 2.0;
  • setzen sich mit der Veränderung von Lehr- und Lernprozessen mit neuen Medien in unterschiedlichen Bildungskontexten wie Schule und Hochschule auseinander und gehen auf Besonderheiten der Netzkultur ein.

Das Buch gibt auch einen Einblick in die Themen und Projekte, die in der AG Medienpädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bearbeitet werden – denn dieses Buch ist zugleich eine Festschrift für den Erziehungswissenschaftler und Medienpädagogen Stefan Aufenanger anlässlich seines 60. Geburtstags.

>> Inhalt

Petra Bauer / Hannah Hoffmann / Kerstin Mayrberger (Hrsg.) (2010): Fokus Medienpädagogik – Aktuelle Forschungs- und Handlungsfelder: München: koaped.

München 2010, 420 Seiten ISBN-10 3-86736-110-X ISBN-13 978-3-86736-110-1 (22,80 €)

>> kopaed

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weniger ist manchmal mehr …

Dienstag, 1. Dezember 2009 10:28

… zu dieser Erkenntnis komme ich auf Grund unseres “Twitter-Versuchs” im Rahmen des Podiumsgesprächs am ePortfolio-Tag im Kontext der diesjährigen Campus Innovation 2009. Über die Idee hatte ich vor einiger Zeit auch schon hier berichtet.

Es ging uns bei diesem Podiumsgespräch allerdings in erster Linie darum, den ePortfolio-Tag inhaltlich zusammenzuführen, d.h. sowohl die ReferentInnen des Tages als auch neu hinzugezogene Gäste, die über praktische Erfahrungen mit der ePortfolio-Arbeit berichteten, gemeinsam an ausgewählten Punkten weiter diskutieren zu lassen. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ganz herzlichen bei den acht Gästen für Ihre Bereitschaft bedanken, sich an dem facettenreichen Gespräch beteiligt zu haben.

Erst in zweiter Linie ging es uns auch darum, zu erproben, inwiefern die Ermöglichung einer stärkeren direkten Beteiligung des Publikums beim Podiumsgespräch für das Gespräch  bereichernd sein kann. Darüber möchte ich hier näher berichten. So haben wir neben der klassischen Beteiligungsmöglichkeit via Publikumsmikrofon auch eine virtuelle Beteiligung via Twitter ermöglicht. Es gab eine mitlaufende Twitterwall, die hinter den Podiumsteilnehmenden aufgebaut war und eine Twitter-Moderation, die Christina Schwalbe übernommen hat, indem sie die Tweets mitverfolgt  und passende Beiträge für das laufende Face-to-Face Gespräch ausgewählt hat. Via Zeichen wurden diese dann in das Gespräch auf dem Podium mit aufgenommen. Über ihre Erfahrungen und ihre Schlussfolgerungen im Sinne von “form follows function!” berichtet sie hier. Zusätzlich hat Ralf Appelt den Diskussionsverlauf in Form eines (subjektiven) Twitter-Protokolls festgehalten. Es wurde während des Podiums dann auch moderat getwittert (#ci09)

Soweit so gut.

Aus Perspektive der Moderatorin auf dem Podium bin ich nun auf Grund dieses Versuchs zu dem Schluss gekommen, dass eben manchmal weniger mehr sein kann und Komplexität eines Szenarios nicht unbedingt auch eine höhere Qualität mit sich bringen muss. Denn meiner Ansicht nach war die Twittereinbindung nur bedingt ein Gewinn. Da das Podium mit acht Personen an sich schon sehr gut besetzt war, waren weitere Impulse nicht wirklich notwendig, um die Diskussion in Gang zu bringen oder zu halten. So konnten auch nicht alle über Twitter formulierten Kommentare oder Nachfragen z.T. aus Zeitgründen berücksichtigt werden. Andererseits wurde die grundsätzliche Möglichkeit der Publikumsbeteiligung durch direkte Nachfragen (via Mikrofon) oder stellvertretend über die Twitter-Moderation auch genutzt bzw. ausprobiert.

Vor dem Hintergrund dieses Szenarios kann ich Folgendes festhalten (auch als Hinweise für die Weiterentwicklung dieser Idee):

  • das Szenario ist sehr komplex, zu viele Kommunikationsebenen und deren Interaktion müssen im Blick behalten werden (Podiumsgäste + Moderation + Publikum im Raum + Twittermoderation (die die virtuelle Beteiligung aus dem Raum und von “ganz außen” im Auge behält) und auf das Thema bezogen werden (Ruth Cohn lässt grüßen ;-) )
  • die Idee der Twitter-Moderation ist zwar praktikabel, aber für den Verlauf einer Diskussion schwer an den richtigen Stellen einzubringen. Wir hatten uns  auf ein Zeichen verständigt und haben das so auch erfolgreich umsetzen können. Allerdings konnte die Twittermoderation  zumeist nur zwischen den anderen Wortmeldungen eingereiht werden und da war die Timeline dann meistens schon wieder einen Schritt weiter.
  • Idealerweise hat die Moderation selbst die Timeline im Auge und verfolgt das Geschehen dort ebenfalls mit. Doch wenn der Blick auf dem Monitor weilt, dann ist es schwierig Kontakt zu den Gästen zu halten, auf denen bei Podiumsgesprächen in der Regel das Hauptaugenmerk liegt.
  • Die PodiumsteilnehmerInnen werden zum Teil von der Twitterwall eingefangen und vom Gespräch miteinander abgelenkt, gerade wenn das Gespräch etwas langatmig wird. Dann ist es schwieig, wieder alle für das gemeinsame Gespräch “einzufangen”. Zudem mag sicherlich auch mit einem gewissen Neuigkeitseffekt zu tun haben.
  • Für mich als Moderatorin war die Erfahrung sehr interessant, nicht zu wissen, was hinter mir auf der Projektionsfläche passiert. Wenn plötzlich gelacht wird und der Grund offensichtlich im Virtuellen liegt, ist es eine Herausforderung die Aufmerksamkeit beim Face-To-Face Gespräch beizubehalten und nicht auch phasenweise das reale Gespräch vor Ort zu Gunsten der virtuellen Beiträge “zu verlassen”.
  • Insofern: Die Einbindung von Twitter in Form einer Twitterwall als weiteren “virtuellen Impulsgeber” würde ich im Rahmen von Podiumsgesprächen, wie wir sie kennen, außen vor lassen.
  • Es sei denn, man inszeniert die Idee Podium völlig neu und stellt den Gedanken der Partizipation “von außen” in den Vordergrund, z.B. mit weniger ExpertInnen, mit noch mehr Twitteraktivitäten als Impulsgeber und einer Moderation, die alle Ebenen selbstständig händelt. Es könnten z.B. zwei ExpertInnen ins Gespräch kommen und dann bewusst gemeinsam auf die vielfältigen Impulse aus dem Publikum oder “ganz von außen” eingehen.
  • Man sollte sich vorab die Frage stellen, worum es einem bei einem Podiumsgespräch oder einer -diskussion geht: um das öffentliche gemeinsame Expertengespräch oder die Partizipation an diesem und welche Bedingungen in welchem Fall erfüllt sein müssen.

Doch wie soll man sich an etwas beteiligen, wenn es sich vielleicht auf Grund zu vielfältiger Impulse gar nicht erst entfalten kann?

Weitere Tagungsrückblicke und -einschätzungen sowie Diskussionen von einzelnen Aspekten im Kontext der Campus Innovation 2009 sind u.a. bei Ilona Buchem, Jochen Robes, Frank Vohle und  Gabi Reinmann zu finden.

[Nachtrag:] Die Aufzeichnungen der Vorträge sind hier zu finden.

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Förderung von “guter Lehre” und/mit eLearning durch die “richtige” Haltung?

Montag, 9. November 2009 19:39

In der letzten Woche habe ich an zwei Veranstaltungen teilgenommen, die zwar nacheinander und an anderen Orten stattfanden, aber im Nachhinein eine klare Schnittmenge haben: Einmal war es am Mittwoch der Workshop “Was ist gute Lehre” des Hochschulevaluierungsverbundes Südwest an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und von Donnerstag bis Freitag die Herbsttagung der Kommission Medienpädagogik in der DGfE zum Thema “Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung: Bildungs- und Lernprozesse mit (digitalen) Medien in der Schule und medienpädagogische Professionalisierung.”

Die erste Veranstaltung fokussierte die Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen in der akademischen Lehre. Die andere u.a. Bedingungen und Faktoren, die die erfolgreiche Integration von neuen Medien in Lehr- und Lernprozesse in Schule und Hochschule. Die Überschneidung lag für mich darin, dass es beiden Veranstaltungen bzw. Teilen davon, explizit um “gute Lehre” und Professionalisierungsprozesse ging. Verändertes Lehren und Lernen wurde hier plakativ an den Forderungen “Shift from teaching to learning” und “From Sage on the Stage to Guide on the Side” festgemacht. Konkret lassen sich hier sehr gut parallelen zwischen dem Eröffnungsvortrag von  Prof. Dr. Wolff-Dietrich Webler (Institut für Wissenschafts- und Bildungsforschung Bielefeld) einerseits und den Keynotes der Herbsttagung andererseits ziehen – hier besonders bei den Beiträgen rund um die SITES-Studie (SitesM2 und SITES2006) sowie den Folgestudien am Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung.

Dabei ist mir eine Gemeinsamkeit besonders aufgefallen, die ich hier kurz skizzieren möchte: In beiden Veranstaltungen wurde den “angemessenen” Haltungen und Einstellungen von Lehrenden eine wichtige Rolle beigemessen. Auf der Herbsttagung hatte das Habituskonzept von Pierre Bourdieu Konjunktur und alle größeren empirischen Untersuchungen verwiesen darauf, dass es ein “Mehr” bedürfe, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen (vgl. dazu z.B. den Vortrag von Birgit Eickelmann, TU Dortmund “Empirische Befunde zur nachhaltigen Implementierung digitaler Medien in Schulen”). Es wurde auf Modelle Bezug genommen, die für Veränderungsprozesse neben der Technik und den Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden auch den Willen oder die Motivation hervorhoben.

Das passte wiederum zu dem Tenor des Workshops am Mittwoch, an dem Webler gar eine Zusammenstellung zum “Erwerb für die Lehre förderliche Einstellungen und Haltungen” vorlegte, aus denen ich ausgewählte Aspekte zitiere:

  • “Respekt vor Studierenden als jungen Erwachsenen in einem spezifischen Entwicklungsstadium;
  • anhaltendes Interesse, Entwicklungsprozesse von Menschen zu fördern (über die Vermittlung lediglich von Stoff und Fach hinaus; Bereitschaft zur Hilfe
  • anhaltendes persönliches Interesse an beruflichen Qualifizierungsprozessen und an deren Anleitung
  • Bereitschaft die wiss. Verhaltensweisen nicht nur zu lehren, sondern zu leben
  • In dem pädagogischen Spannungsfeld zwischen Fördern und Auslesen vor allem zu fördern
  • …”

Diese Liste kann man sicherlich noch erweitern und spezifizieren. Doch sie macht recht deutlich, dass es neben Fachkompetenzen, didaktischer Kompetenzen etc. ein “Mehr” braucht, um dem heutigen Anspruch einer subjektorientierten und kompetenzorientierten Lehre gerecht zu werden und als Lehrperson authentisch zu bleiben. Auch im eLearning ist es förderlich und sogar sinnvoll, wenn sich erst eine veränderte Sichtweise auf Lehren und Lernen einstellt (wozu auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit zählt) und dann geschaut wird, welche aktuellen Medien dazu beitragen können, die eigenen didaktische Ideen (besser) zu realisieren (vgl. auch meine Überlegungen zu Lehren 2.0).

Was ich in der Podiumsdiskussion auf dem Workshop in Mainz als einen interessanten und provokativen Punkt – der allerdings nur kurz zum Schluss angesprochen wurde – mitgenommen habe, war die Frage danach, inwiefern man sich damit zufrieden geben müsse, dass es eben “gute Lehrende” gäbe mit der “richtigen” Einstellung und solche, “bei denen Hopfen und Malz verloren wäre”. Im Kontext von eLearning wird hier mit nicht ganz so direkter Konnotation gerne das Modell von Rogers “Diffusions of Innovations” zitiert, dem auch implizit ist, dass es da immer einen “Rest” gibt, der nicht überzeugt werden kann oder nur schwer zu überzeugen ist (“Laggards”).

Die Frage, die mich dann nach den beiden Veranstaltungen (wieder einmal) beschäftigt hat – gerade im Zuge der Diskussion um Professionalisierungsbestrebungen von Hochschullehrenden und in der Lehrerbildung – ist, inwiefern man über “mäßige” Lehre in Schule und Hochschule bzw. in formalen Bildungseinrichtungen einfach hinweg gehen darf? Oder kann man sich als Lehrende/r mittlerweile damit herausreden, dass die Verantwortung für den eigenen Lernprozess ja zunehmend bei den Lernenden liegt?

Nach wie vor denke ich und dazu hat im vergangen Jahr die kollegiale Auseinandersetzung am ZHW zum Qualitätsmanagement einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass man “gute Lehre” ebenso berechtigt “einfordern” wie “fördern” kann und sollte … und letztlich auch den didaktisch begründeten Einsatz von digitalen Medien in Lehr- und Lernprozessen. In diesem Sinne sollte es auch möglich sein, Haltungen und Einstellungen von Lehrenden nach und nach durch Überzeugungsarbeit zu verändern. Oder überwiegt da doch der Idealismus?

Thema: Fragen, Lehre, Position, Veranstaltung | Kommentare (1)

Mein E-Learning Statement für e-teaching.org

Donnerstag, 15. Oktober 2009 18:51

Das Statement habe ich während der eLearning 2009 in Berlin abgegeben – direkt vor dem Panel, in dem für die Abschaffung des Begriffs eLearning plädiert wurde. Mein Statement würde ich aber auch heute noch so formulieren. Einen Kommentar zur Begriffs-Diskussion folgt demnächst in einem eigenen Beitrag.

Thema: Position | Kommentare (1)

Partizipation auf Tagungen – Herausforderung Podiumsgespräch

Freitag, 2. Oktober 2009 17:27

Die diesjährige eLearning 2009 in Berlin hat wesentlich dazu beigetragen, dass (immer noch) ein reger Austausch über die Gestaltung von Tagungen stattfindet – und das ist, wie man in Berlin zu sagen pflegt(e), “auch gut so”.

Meiner Ansicht nach, ist diese Diskussion um die grundsätzliche Öffnung von Veranstaltungen mehr als fällig – gerade dort, wo über mehr Kommunikation, Interaktion und Partizipation gesprochen wird, scheint mir das Format mit Vorträgen und anschließender Diskussion als alleiniges Format nicht mehr auszureichen. Allerdings kann und sollte nun auch nicht jede Konferenz gleich zu einem Workshop oder BarCamp werden. Es kommt – wie bei der Gestaltung von Lernumgebungen generell – auch hierbei auf den angemessenen Wechsel von zur Zielgruppe (und zur Fachkultur) passenden Methoden an. Und dass Tagungen im Kontext von “eLearning” und “Web 2.0″ offensichtlich an ihrem Format arbeiten müssen, um diesem Anspruch gerecht zu werden, zeigen die facettenreichen Blogbeiträge der letzten Wochen, die ausgehend von der Problematisierung einer sinnvollen Integration von Twitter im Rahmen von (konventionellen) Tagungsformaten auch Anregungen für Tagungsgestaltungen geben (z.B. die Gedanken dazu von J. Wedekind, C. Spannagel oder J. Hochberg und die mittlerweile zahlreichen Kommentare).

Ich finde diese Diskussion nicht nur aus hochschuldidaktischer Perspektive sehr interessant, sondern habe das Ganze auch mit einem Blick auf konkrete Praxis verfolgt. Denn im Herbst findet die Campus Innovation in Hamburg statt und dort wird es im Rahmen des e-Portfolio-Tags, der von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar und mir organisiert wird, ein Podiumsgespräch geben. Und wir können ja nun nicht mehr sagen, wir hätten nicht um die Spannbreite der Bedürfnisse innerhalb der Zielgruppe gewusst ;-) . Dieses betrifft vor allem die Gestaltung des Podiumsgesprächs zum Thema “ePortfolio – Was können Schule und Hochschule voneinander lernen?”, dessen Moderation ich übernehme und als solches eben nicht zu einer Statementrunde avancieren soll, wie G. Reinmann hier zurecht anmerkt. Diese Woche haben wir uns getroffen und darüber beraten, wie es gut machbar ist, den acht Gästen, die alle viel zu dem Thema zu sagen haben werden, einen Rahmen zu ermöglichen, der zu einem “richtigen” (Experten-)Gespräch ermutigt und zugleich das Publikum adäquat mit einbezieht, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass bei diesem Format die geladenen Podiumsgäste im Zentrum der vorgesehenen 90 Minuten stehen.
Wir waren uns aber sehr schnell einig darüber, dass es eine Einbindung des Publikums auf unterschiedlichen Ebenen geben soll – auch über Twitter. Daher haben wir kurzerhand beschlossen, die Moderation durch eine “Twitter”-Moderatorin zu ergänzen, was Christina Schwalbe übernehmen wird, die u.a. die direkten oder “getwitterten” Fragen, Thesen und Anregungen von Seiten des Publikums sammeln und moderieren wird – alles in allem keine leichte Aufgabe für uns … Von diesen methodischen Überlegungen mal abgesehen, dürften aber für eLearning-Interessierte vor allem die Inhalte des gesamten eLearning-Tracks über die beiden Tage von Interesse sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Praxis, Veranstaltung | Kommentare (3)

Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht – Potentiale und Herausforderungen”

Samstag, 26. September 2009 21:02

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen der Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht – Potentiale und Herausforderungen”. Die AG Medienpädagogik im Institut Erziehungswissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Aufenanger hat zusammen mit dem Forschungsschwerpunkt “Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) der Johannes Gutenberg – Universität Mainz eine zweitägige Fortbildung im Tagungsformat (nicht nur) für Lehrerinnen und Lehrer in den neuen Räumlichkeiten der FH Mainz angeboten.
Die Veranstaltung war so organisiert, dass  vier “akademische” Plenarvorträge rund um das Thema “neue Medien” zu den Themenfeldern “Schulentwicklung”, “Mediensozialisation”, “Rechtsfragen” und “Lehren und Lernen” zur Orientierung angeboten wurden sowie eine Vielzahl an spezifischen Workshops, die an diese Themenfelder anschlossen (siehe Programm Do, 24.9. und Fr. 25.9.). Mit gut 150 Teilnehmenden war die Tagung ausgebucht.

Ich war mit einem Plenarvortrag zum Thema “Schule 2.0?! – Verändertes Lehren und Lernen mit Social Software” beteiligt:

View more presentations from Mayke.

Aus diversen Gesprächen im Anschluss hieran und auch später, wurde mir sehr deutlich, dass – was bei dem Tagungspublikum natürlich auch nahe liegt – eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für die Integration von neuen Medien in die Lehre, sei es nun in Form von “1.0″ oder “2.0″ vorhanden ist, gerade auch weil die neuen Medien eine so bedeutende Rolle in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen spielen. Es zeigte  sich, dass nach wie vor “gute Beispiele” und “Anregungen für die Praxis”, wie z.B. in hochschuldidaktischen Fortbildungen auch, die mit relativ geringem oder zumindest angemessenem Aufwand umzusetzen sind, von großem Interesse sind. Gerade hier liegt m.E. auch ein Feld, dass vor allem im Bereich von Social Software noch weiterer Bearbeitung bedarf: Die Erprobung, Dokumentation und Evaluation von guter täglicher (Unterrichts-)Praxis.
Zum Abschluss habe ich ein “World Café” mit den verbliebenen ca. 40 Teilnehmenden durchgeführt, in dem es im Sinne eines Rück- und Ausblicks zur Tagung im groben um die Fragen ging, wie ich als Lehrperson selbst die Integration neuer Medien fördern  und wo ich überall Unterstützung erhalten kann und welche Erfahrungen da bisher vorliegen. Nachdem ich bisher selbst an unterschiedlichen Varianten von der Methode “World Café” teilgenommen hatte, war ich gespannt, wie diese Methode wohl bei diesem Publikum und vor allem nach einem langen Tagungstag ankommen würde. Es zeigte sich und das deckt sich auch mit meinen bisherigen Erfahrungen als Teilnehmerin, dass solche eher offenen Formate sehr gut angenommen werden und in diesem Fall noch einmal sehr gut wesentliche Gelingensbedingungen für die Integration von neuen Medien (nicht nur) in die Schule gemeinsam herausgearbeitet und (kritisch) diskutiert werden konnten. Ich nehme aus dieser Erfahrung und auch aus denen zur GMW 2009, über die ich hier berichtete, mit, dass offene Formate heute auf Tagungen (neben herkömmlichen Formaten) unbedingt einen Platz haben sollten. Impulse dieser Art erhoffe ich mir u.a. auch von meiner (erstmaligen) Teilnahme an einem BarCamp, der EduCamp 2010 an der Universität Hamburg.

Die vielfältigen Angebote, die professionelle Organisation sowie zahlreiche Möglichkeiten zum informellen Austausch trugen so auch dazu bei, dass vor allem zum Ende der Tagung verschiedentlich geäußert wurde, dass es so eine Art von Veranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer bitte häufiger geben solle. Eine Dokumentation zur Tagung (Download von Vortragsfolien, Fotos etc.) wird in den nächsten Tagen hier zu finden sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (2)

Eindrücke zur eLearning 2009 in Berlin

Freitag, 18. September 2009 11:13

In den vergangenen Tagen fand die gemeinsame Tagung E-Learning 2009 der GMW und der DeLFI in Berlin an der FU statt – allerdings habe ich mich in erster Linie als Teilnehmerin bei der GMW gesehen und mich vorwiegend in den dortigen Tracks aufgehalten.

Insgesamt bin ich gestern mit einem guten Gefühl von der Tagung weg gefahren – es war im positiven Sinne anstrengend und das ist ja immer ein gutes Zeichen. Das mag vor allem an den vielfältigen Beiträgen und anregenden Gesprächen mit KollegInnen gelegen haben.
Dennoch war ich auch ein wenig überrascht, dass sich zum Thema “eLearning 2.0″ – zumindest im Rahmen der Sessions, in denen ich war – zur Zeit natürlich etwas tut (wie man auch schon in den Beiträgen auf der letzten GMW-Tagung in Krems sehen konnte), aber wichtige Fragen nach wie vor als Herausforderungen beschrieben werden und kaum Zeit blieb, hier tiefer einzusteigen bzw. keiner der Vorträge, denen ich beiwohnte, sich der Herausforderung einer möglichen Antwort angenommen hat, um hieran weiter zu diskutieren. Dabei denke ich einmal an die Diskussion um Begriffe wie “eLearning” oder eben auch “eLearning 2.0″, an der sich sehr gut die unterschiedlichen und individuellen Perspektiven auf das Thema, aber auch “unser” Selbstverständnis von z.B. “Lehren und Lernen mit (neuen/digitalen) Medien”, “computerunterstützes Lernen” oder “technology enhanced learning” aufzeigen ließen. Die andere Frage – die mich auch gerade persönlich umtreibt – ist die nach der Passung der (eher informellen) Web 2.0-Idee in (eher formale) Lehr- und Lernkontexte. Hier wurden entweder implizit Anregungen gegeben oder  die Passung grundsätzlich auf Basis von aktuellen Nutzungszahlen von Web 2.0-Angeboten durch Jugendliche und Studierende in Frage gestellt. Zu der Frage dieser Passung wird es hoffentlich auf der kommenden GMW 2010 in Zürich mehr geben – zumindest ich fühle mich motiviert, dazu einen Beitrag zu leisten ;-)

Zudem habe ich im Rahmen dieser Tagung das erste Mal als “Grenzgängerin” erlebt, d.h. einerseits klassisch den Beiträgen vorne am Mikrofon zu folgen und parallel auch dem Geschehen im Netz via twitter (#bel09) Beachtung zu schenken und mich ebenfalls zu beteiligen. Das war eine sehr spannende Erfahrung, da beides seine Faszination hat und natürlich auch dazu führt, dass man sich phasenweise auf selektive Wahrnehmung und Multitasking einlassen muss, wenn man sich an den unterschiedlichen Kommunikationssettings beteiligen will (grob unterteilt in “Präsentation (mit Nachfragen)”,”virtueller Austausch” und “Face-to-Face-Gespräche” dazwischen). Dass es diese Ebenen im Rahmen der Tagung zwar gab wurde zwar durch das Vorhandensein einer Twitterwall transparent gemacht und zum Schluss mehrfach festgestellt – gerne auch mit Verweis auf die “jüngere Generation”, wobei ein Blick auf die Statistik zeigt, dass sich die Top 10 durchaus aus Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen zusammensetzt, aber eine Verbindung zwischen den Ebenen wurde noch nicht realisiert. Für kommende Tagungen wäre es m.E. hier auch sinnvoll vorab zu klären, welche Bedeutung dem Twittern beigemessen wird: Soll es eher einen zusätzlichen, illustrativen Charakter (nach innen und außen) haben oder phasenweise auch mit einbezogen werden? In diesem Zuge wäre es vielleicht auch eine Überlegung, sich auf eine “twitter etiquette” für diesen Kontext zu einigen, in dem traditionelle Tagungssettings gerade erst dabei sind, sich für neue Ideen zu öffnen – auch wenn es im Widerspruch zur Twitteridee stünde.

Weitere Eindrücke zur der Tagung geben Gabi Reinmann, Michael Kerres und Mandy Schiefner mit Matthias Rohs sowie Joachim Wedekind. Bilder von der Tagung finden sich u.a. auf der Tagungshomepage.

Nachtrag [20.09.09]: Der Tagungsband kann als PDF-Dokument beim Waxmann-Verlag hier heruntergeladen werden.

Nachtrag [22.09.09]: Überblick über die Rückblicke

Thema: Reflexion, Veranstaltung | Kommentare (8)

“Lehren 2.0″

Mittwoch, 12. August 2009 14:27

Im Juni hatte ich im Blogeintrag “2.0″ als Chance für die akademische Lehre plausibel zu machen ist und bleibt eine Herausforderung einige Punkte referiert, die im Kontext von Lehren und Lernen im Sinne von 2.0 ernst zu nehmen und zu bedenken sind und (nicht nur) für die medien- und hochschuldidaktische Fort- und Weiterbildung im Bereich eLearning in der Hochschule besonderes relevant erscheinen.

Hintergrund hierfür waren die ersten Eindrücke der Auftaktveranstaltung eines Blended Learning-Workshops. Mittlerweile ist sowohl die Onlinephase als auch die Online-Abschlussveranstaltung vergangen und damit ein guter Zeitpunkt nochmals zurück zu blicken und auf exemplarische Herausforderungen einzugehen – sowohl auf Grund der gemachten Erfahrungen meinerseits als auch unter Zunahme von Punkten die im Rahmen der Veranstaltung durch die Teilnehmenden verstärkt diskutiert oder zum Abschluss rückgemeldet wurden. Da es sich bei den Teilnehmenden zugleich um Lehrende handelt, überwiegt naturgemäß die Auseinandersetzung mit der medien- und hochschuldidaktischen Perspektive auf die Gestaltung entsprechender Lernumgebungen und der eigenen (sich in der Regel dann ändernden) Rolle als Lehrende innerhalb dieser.

So haben die Teilnehmenden zum Abschluss der Online-Phase Aspekte zusammen getragen, die auf Grund ihrer gemachten Erfahrungen in dem Workshop dazu beitragen (können), dass man sich als Lernende/r eher motiviert und aktiviert fühlt und damit zugleich beschrieben, was sie für wichtige Aufgaben der Lehrperson im Rahmen von Blended Learning halten. Hier wurde vor allem deutlich, dass ein aktiver Part der Lehrenden (gerade bei Lernenden, die noch Anfänger/innen im Umgang mit Online-Tools sind) auch bei offenen Szenarien notwendig ist und eingefordert wird, z.B. regelmäßige Feedbacks geben, regelmäßig motivieren und aktivieren durch (Kurz-)Nachrichten, das setzen von und erinnern an Fristen sowie die persönliche Ansprache, wo es angebracht erscheint. Zugleich aber auch das Problem der Abgrenzung gesehen wird, d.h. wie häufig will ich betreuen, moderieren, motivieren, aktivieren etc. und auf der anderen Seite das “Zeitproblem” der Lernenden, dass man auch andere Dinge neben dem Onlinekurs zu tun hat und evtl. nur das Nötigste erledigt und sich minimal einbringt. Zudem war es den Telnehmenden wichtig, dass die Lerngegenstände einen persönlichen Bezug ermöglichen, wie z.B. der Entwurf und die Erprobung eigener Blended Learning Szenarien(-ausschnitte) und es motiviert, sich bei Peer-to-Peer Feedbacks  einzubringen, wenn man etwas von den anderen lernt oder mitnehmen kann (z.B. methodische Ideen, Möglichkeiten der Einbindung von Web 2.0-Tools in unterschiedlichen Kontexten). Nicht zuletzt ist für die Motivation eine gute technische Einführung (Förderung von Medienkompetenz) in die verwendeten Anwendungen und Werkzeuge notwendig, zugleich aber auch die Offenheit für die kritische und konstruktive Diskussion von Lehren und Lernen im Netz (z.B. Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht, Kommerzialisierung/Werbung). Ebenso wird die Nachvollziehbarkeit der Auswahl von bestimmten Tools für das Szenario und weshalb man sich als Lernende/r (z.T. zusätzlich) damit auseinandersetzen sollte (in diesem Fall Adobe Connect, Wiki, Forum, Twitter und klassisches Mail) als relevant angesehen, also wie sinnvoll dass ganze Szenario subjektiv für den eigenen Lernprozess erscheint.

Nach nunmehr drei Workshops zum Themenfeld “Lehren und Lernen 2.0 in der Hochschule” innerhalb des letzten Jahres hat sich für mich gezeigt, dass es, wie sich in ähnlicher Weise auch schon in anderen Projektkontexten  bestätigt hatte (z.B. im Rahmen der diskursiven und partizipativen Strategie von KoOP), folgende Punkte sind, die Lehrende motivieren (können), ihre akademische Lehre mit digitalen Medien bzw. Social Software alternativ zu gestalten und damit zu verändern:

  • Beispiele vorgestellt zu bekommen und nachvollziehen zu können und diese kritisch zu diskutieren
  • selbst tätig zu werden und Werkzeuge auszuprobieren
  • aus der Perspektive der bzw. des Lernenden eigene Erfahrungen im Sinne von Lernen 2.0 zu machen
  • am eigenen Szenario zu arbeiten und die Inhalte sofort zu transferieren und damit selbst betroffen zu sein
  • Akzeptanz für die Veränderung von akademischer Lehre zu schaffen und die Möglichkeiten, dieses selbst zu tun

Was mir in diesen Veranstaltungen wieder deutlich wurde – gerade weil a) die 2.0-Tools immer vielfältiger und zahlreicher werden und zum Ausprobieren einladen und b) die Teilnehmenden vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Disziplinen spezifische Szenarien entwickelt haben – sind in erster Linie die folgenden Punkte:

  • “Neues Lernen mit neuen Medien” wörtlich zu nehmen, d.h., dass es erstens um die Veränderung von Lehren, Lernen und Prüfen gehen muss und damit einhergehend die Bereitschaft der Lehrenden und Lernenden (idealerweise auch auf Seiten der Organisation) sich und ihre Lehre ebenfalls zu verändern und erst im zweiten Schritt zu fragen, in welcher Form digitale Medien angestrebte Veränderungen (im jeweiligen Fach) unterstützen oder im besten Fall erst ermöglichen können (Stichwort “Primat der Didaktik”)
  • Auch eine Lernumgebung (in formalen Kontexten), die im Sinne von 2.0 gestaltet ist, braucht sinnvolle und angemessene Phasen sowohl der Konstruktion als auch der Instruktion (Stichwort “Didaktischer oder gemäßigter Konstruktivismus”)
  • “Lehren 2.0″ ist ein (lebens-)langer Prozess und hat auch etwas mit professioneller Gelassenheit zu tun (Stichwort: “Didaktische Innovationen brauchen Zeit”)

Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen der letzten Jahre in Forschung, Entwicklung und Praxis komme ich im Moment zu dem Schluss, dass die persönlichen Haltungen und Einstellungen sowohl auf Seiten der Lehrenden als auch der Lernenden der Anknüpfungspunkt für weitere Veränderungsprozesse sind, um die sich bietenden Möglichkeiten des sich stetig ändernden Netzes für ein Lehren und Lernen im Sinne von 2.0 zu nutzen und auszuschöpfen. Dazu zählen für mich – wenn man das Konzept des Web 2.0 ernst nehmen will und das Subjekt in das Zentrum der Lehre stellt – besonders Aspekte wie “Authentizität”, “Wertschätzung” und “Vertrauen” im gemeinsam gestalteten Lehr- und Lernprozess, aber auch ganz traditionelle Konzepte wie die “Subjektorientierung”, “Handlungsorientierung” und das “Lernen am Modell” – auch im Sinne von “walk what you talk”.

Diese vorläufigen eher grundlegenden (und im Grunde auch nicht neuen) Erkenntnisse stellen momentan (m)eine (didaktische) Grundlage dar, für die weitere Auseinandersetzung mit spezifischen Fähigkeiten, die die Gestaltung von Lernumgebungen bzw. Lernlandschaften im Sinne von “Lehren und Lernen 2.0″ heute von Lehrenden verlangt. Abgesehen von erweiterten medienbezogenen Kompetenzen stellt sich für mich die Frage, ob aus (medien-)didaktischer Perspektive auch in formalen bzw. institutionellen Lernkontexten nicht neue Aspekte hinzukommen müssten (und die oben aufgezeigten Erfahrungswerte doch noch zu kurz greifen) und es sich eben nicht tendenziell um “alten (didaktischen) Wein in neuen (technisch unterstützten) Schäuchen” handelt und sich der Schwerpunkt der (medien-)didaktischen Diskussion und damit einhergehend methodischen Auseinandersetzung lediglich verlagert?

Anregend finde ich zu diesem Thema die Antworten auf “The big Question” vom Juli diesen Jahres im LC Blog:

New Skills and Knowledge for Learning Professionals? – In a Learning 2.0 world, where learning and performance solutions take on a wider variety of forms and where churn happens at a much more rapid pace, what new skills and knowledge are required for learning professionals?

Wie sehen das andere?

Thema: Forschung, Fragen, Lehre, Reflexion | Kommentare (1)

eAssessment – Rückblick auf den GMW-Workshop 2009

Montag, 22. Juni 2009 18:01

Der diesjährige Expertinnenworkshop der GMW zum Thema “eAssessment” wurde letzte Woche vom E-Learning Center (ELC) der Universität Zürich  ausgerichtet. Und ja, es handelte  sich in der Tat um einen Workshop, der nicht ausschließlich dem Konzept der Referate folgt, wie man es sonst häufig unter dem Label “Workshop” in der Wissenschaft erlebt, sondern Beteiligung fördert und in wesentlichen Phasen von ihr lebte.

Neben kurzen Referaten zu summativen wie formativen Konzepten und Projekterfahrungen zum Thema eAssessment im akademischen Kontext (vgl. Programm) boten das “Learning Café” als Variante und die interaktive Postersession genügend Gelegenheiten ausführlicher miteinander ins Gespräch zu kommen und den eigenen Interessen zu folgen. Ich hoffe, dass weitere “klassische” Veranstaltungsformate den Schritt hin zur (phasenweisen) Öffnung für mehr Beteiligung der Teilnehmenden gehen werden.

Thematisch war es für mich einerseits spannend zu erfahren, wo Projekte sehr aktiver Institutionen in diesem Bereich, wie z.B. das CeDis oder das ZMML, heute stehen – auch mit Blick auf den Ende 2007 im Rahmen von KoOP veranstalten Workshop zum “Computerunterstützten Prüfen”. Weiter nachdenken werde ich sich über das Plädoyer von Nicolas Apostolopoulos, unter bestimmten Bedingungen für das eAssessment auf die eigenen Laptops der Studierenden zu setzen. In diesem Kontext werden auch die ersten (nicht nur technischen) Erfahrungen der Universität Paderborn interessant sein, die alle Studienanfängerinnen und -anfänger im Wintersemester 2009/2010 mit Netbooks ausstattet. Ich finde diese Perspektive vor allem im Kontext formativer Prozesse des eAssessment zukunftsweisend.
Ebenfalls anregend war für mich der Beitrag von Tobias Zimmermann und Karen-Lynn Bucher, die über ihre Erfahrungen mit Online-Diskussionen als Leistungsnachweise in einer Vorlesung mit über 200 Studierenden berichteten – anregend deshalb, weil ich einige Punkte gut nachvollziehen konnte, andere unter anderen Rahmenbedingungen anders machen würde. In jedem Fall hat dieser Beitrag noch einmal exemplarisch für andere Erfahrungen dieser Art daran erinnert, dass man grundsätzlich auch auch in Vorlesungen auf formatives eAssessment von Einzelleistungen setzen kann.
Abgerundet hat den Workshop das Abendessen im “UniTurm” mit beeindruckender Aussicht auf Zürich und Umgebung.

Nachtrag [06.07.09]: Alle Videoaufzeichnungen, Folien und Poster stehen nun auf der Website des E-Learning Centers zum Download bereit.

Thema: Ideen & Konzepte, Veranstaltung | Kommentare (0)