Blick nach vorne: Impulse von der 6. iMedia 2010

Montag, 24. Mai 2010 21:48

Letzten Donnerstag hatte ich die Gelegenheit an der 6. iMedia, dem Forum Integrative Medienbildung in Rheinland-Pfalz, teilzunehmen. Dass die Integration und der Einsatz digitaler Medien in Schule und Unterricht in den unterschiedlichen Schulformen auf reges Interesse stößt, zeigt die Zahl der Teilnehmer/innen von rund 1.000 Personen – davon der größte Teil Lehrerinnen und Lehrer der unterschiedlichen Schulformen. Das Workshopangebot war vielfältig und man hatte im positiven Sinne die Qual der Wahl. Die Angebote zeigten (zumindest in den von mir besuchten Workshops) sehr anschaulich, wie z.B. Weblogs oder Whiteboards in den heutigen Unterricht sinnvoll integriert werden können.

Es war für mich eine gute Erfahrung zu sehen, dass das “Lernen 2.0″ beginnt, Einzug in alle Schulformen zu halten. Hier lässt es sich gut anknüpfen.

Von der Stimmung her fand ich es sehr ermutigend und bereichernd, eine große Zahl von Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Schulformen zu erleben, die sich für den Einsatz digitaler Medien in ihre Schule und ihren Unterricht interessierten und auch mit vielfältigen eigenen Erfahrungen aufwarten konnten. Zugleich frage ich mich auch, weshalb es eine solche Herausforderung darstellt, z.B. heutigen Lehramtsstudierenden die Potentiale digitaler Medien für die Gestaltung von Schule und Unterricht plausibel zu machen – unter Berücksichtigung des eigenen Faches und darüber hinaus? Was muss sich hier auf welcher Seite ändern?

Persönlich habe mich im Zusammenhang mit der iMedia zwei Dinge gefreut: Erstens, dass ich die Gelegenheit hatte, mit den Themen, die mir zur Zeit wichtig sind, einen Impuls für die Tagung geben zu können. Und zweitens: Ich war die erste Frau seit 26 (!) Jahren, die den Impulsvortrag auf dieser Fortbildung bzw. Tagung gehalten hat :-)

Insofern stellte die Teilnahme an der iMedia für mich in jeder Hinsicht einen Blick nach vorne dar …

Meine Präsentationsfolien zum Nachschauen:

Thema: Reflexion, Vortrag | Kommentare (0)

Der Stein ist ins Rollen gebracht …

Montag, 26. April 2010 15:05

Die ePortfolio-Arbeit ist in den letzten Jahren im Bereich des akademischen eLearnings schon fast zu einem Trendthema geworden. Seit fast zwei Jahren beschäftige auch ich mich aus mediendidaktischer Perspektive näher mit dieser Thematik, weil sicher in der Auseinandersetzung damit zugleich zentrale Fragestellungen zum veränderten Lehren, Lernen und Prüfen “im Sinne von 2.0″ gut untersuchen lassen.

Im letzten Wintersemester (2009/10) habe ich das erste Mal selbst mit ePortfolios in der alltäglichen akademischen Lehre in der Medienpädagogik gearbeitet, d.h. in einem eher “klassischen” Mittelseminar, zu einem eher “klassischen” Thema (“Ansätze von Medienkompetenz und -bildung”), mit regulären Studierenden (Diplom/Magister) im Hauptstudium unter den üblichen universitären Bedingungen (in der Regel wöchentliche Seminarsitzungen; zusätzliche Einbindung der universitären Lernplattform; Vergabe von “Scheinen” zum Schluss der Veranstaltung), etc. Einige der Studierenden haben freiwillig als alternative Form des Leistungsnachweises ein ePortfolio in Form eines Weblogs (mit Wordpress) zum Thema geführt. Die (medien-)didaktischen Erkenntnisse aus diesem ersten Durchlauf sowie die Ergebnisse der kleinen explorativen Studie, die ich begleitend durchgeführt habe, verschriftliche ich gerade systematisch und werde diese auch im Rahmen meines Vortrags auf der kommenden ECER-Konferenz in Helsinki vorstellen.

In diesem Seminar konnte ich wichtige Erfahrungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit ePortfolios als alternative Methode der Leistungsbewertung machen. Als wesentliche Punkte haben sich für mich die folgenden herauskristallisiert, die m.E. alle sehr stark mit einer klaren und für die Studierenden nachvollziehbaren Struktur des didaktischen Szenarios zusammenhängen:

  • Rolle der Lehrenden als Lernprozessbegleiterin und -prüferin
  • Festlegung von Lern- und Bewertungsphasen
  • Betreuung
  • Verbindlichkeit
  • Wertschätzung
  • Offenheit & Neugierde
  • Freiheit für Schwerpunkte/Interessen der Studierenden
  • Form, Funktion sowie Quantität und Qualität von “Artefakten” (Wahl- und Pflichtbeiträge)
  • Transparenz
  • Mehrarbeit (muss als Mehrwert ersichtlich sein)
  • Technik

Diese ersten Erfahrungen konnte ich jetzt in die Implementierung der ePortfolio-Arbeit in den kompletten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft der Universität Mainz einbringen und weiter entwickeln. In diesem Semester haben knapp 20 Studierende Medienpädagogik als vertiefende Studienrichtung als eine von fünf für die letzten 3 Semester in ihrem BA-Studium gewählt. Sie werden in diesem Schwerpunkt auch ihre BA-Arbeit verfassen, worauf das ePortfolio vorbereitet und hinführt.

Der Rahmen für die Einführung der ePortfolio-Arbeit ist hier relativ günstig, da zeitgleich eine Restrukturierung von Lehre in BA-Studiengängen am Beispiel dieser Studienrichtung erprobt wird. Dieses geschieht im Rahmen des Projekts “ZeitLast“. Wir sind insgesamt vier Lehrende (Stefan Aufenanger, Petra Bauer, Lena Groß und ich), die ihre vier Lehrveranstaltungen gemeinsam geblockt haben und dieses Semester zusammen gestalten. Grob sieht das Szenario so aus, dass es zwei feste Präsenztermine in der Woche mit dazwischen liegenden Selbststudienphasen gibt. Die Studierenden nähern sich einerseits projektorientiert der medienpädagogischen Praxis, andererseits erarbeiten sie sich in Phasen auch theoretische Zusammenhänge. Von uns Lehrenden wird jeweils eine thematische Phase gestaltet (Mediensozialisation, Medienkompetenz u. -bildung, Medienerziehung u. -praxis sowie zur Forschung); zusätzlich gibt es gemeinsame Termine für alle – wie in einem Workshop, nur über einen längeren Zeitraum ;-) .
Das ePortfolio (in Form eines Weblogs mit Wordpress erstellt) soll eine Art “persönlicher roter Faden” auf Seiten der Studierenden über die unterschiedlichen Themenphasen hinweg darstellen. Von Seiten der Lehrenden wird das Semester über einen gemeinsamen Kurs auf der Onlineplattform “moodle” gestaltet.
Die Betreuung durch uns Lehrende im Rahmen des Studienschwerpunkts erfolgt im Sinne eines Mentorenprinzips, d.h. jede/r von uns betreut eine kleine Gruppe von Studierenden über das ganze Semester. Daneben soll es Phasen des Peer-to-Peer-Tutoring und ein Tandemprinzip geben.

Letzten Donnerstag habe ich den Studierenden unsere Idee der ePortfolio-Arbeit vorgestellt und erläutert und Sie wurden von einer Tutorin in die Arbeit mit Wordpress eingeführt. Im Moment richten Sie ihr ePortfolio ein und schreiben am ersten Beitrag.

Zielvorstellung ist, dass die Studierenden des Schwerpunkts Medienpädagogik mit Hilfe Ihres ePortfolios gezielter ihren inhaltlichen Platz in der Medienpädagogik bzw. ihren Schwerpunkt finden können. Studiengangsbezogen bestehen die Erwartungen u.a. darin, dass sich die Studierenden über Zwischenschritte und Umwege bewusst(er) auf ihr Praktikum und ihre BA-Arbeit vorbereiten können, schon frühzeitig ihren Interessen folgen können und damit insgesamt motivierter und erfolgreicher studieren.

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwiefern sich unsere Erwartungen erfüllen und wohin die Entwicklungen gehen werden …

Thema: Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (1)

Hochschuldidaktik und eLearning

Donnerstag, 4. März 2010 12:45

Im Moment findet gerade die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) zusammen mit der 4. Dortmund Spring School for Acadeic Staff Developers (DOSS) zum Thema “Fachbezogene und fachübergreifende Hochschuldidaktik – voneinander lernen” an der TU Dortmund statt. Die hochschuldidaktische Tagung bietet in diesem Jahr unterschiedliche Formate an – vom klassischen Panel mit Vorträgen über Post bis zu Diskurswerkstätten. Ich habe den gestrigen Nachmittag am Panel “Mediale Unterstützung” teilgenommen und war auch selbst mit einem Beitrag beteiligt. Die Themen im Panel waren vielfältig und auf Grund der angenehm großen bzw. kleinen Gruppe von ca. 30 Teilnehmenden hatten wir ausreichend Zeit die insgesamt fünf Beiträge zu diskutieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es war ein wirklich anregungsreicher und angenehm produktiver Nachmittag.

Drei Aspekte fand ich an diesem Nachmittag besonders interessant:

  1. In einigen Beiträgen und im Rahmen der Diskussion kamen wir immer wieder auf das Verhältnis von Hochschuldidaktik und eLearning zu sprechen. Deren Bedeutung in hochschuldidaktischen Fortbildungsprogrammen oder Möglichkeiten der besseren Verzahnung bzw. Nutzung, z.B. bietet das Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen die “klassischen” hochschuldidaktischen Fortbildungsthemen in ihrem Program “WindH-Online” in Form von Blended Learning an. Am Rande diskutierten wir auch, wo denn in der Struktur der Universität oder Universitätsverbünde der Platz des eLearning und der Hochschuldidaktik bzw. entsprechender Zentren sein sollte.
  2. Es wurden darüber hinaus aber auch Fragen diskutiert, wie sie seit langem schon im Kontext der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) Thema sind: Wie bilde ich Hochschullehrende im Bereich eLearning fort? Wie ist die Perspektive der Studierenden? Welche Infrastruktur passt zu welchem didaktischen Szenario? Wie gehe ich vor, wenn ich die Lehre in einem “kleines Fach” attraktiver gestalten und mich mit anderen Hochschulstandorten vernetzen möchte? Braucht es fachspezifisches eLearning? Zum Teil werden diese Fragen auch im Rahmen der Tagungen der Sektion Medienpädagogik in der DGfE diskutiert. Eine Kommunikation und Vernetzung zu “Schnittmengen-Fragen” unter den Fachgesellschaften kann hier für die Zukunft für alle nur förderlich sein. In jedem Fall lohnt es sich für am eLearning interessierte Hochschuldidaktiker/innen der dghd einmal auf eine der nächsten GMW-Tagungen oder -Workshops oder tendenziell lokal orientierten eLearning-Tagungen wie der anstehenden GML 2010 an der FU Berlin vorbei zu schauen.
  3. Für mich war der Beitrag von Dr. Swapna Kumar von der University of Florida (USA) sehr interessant. Sie hat in ihrem Beitrag “Helping instructors in different disciplines transition to online teaching” einen Einblick in die US-spezifische Sichtweise auf eLearning gegeben, (ihre) Begriffsverständnisse und ihr Fortbildungskonzept für Lehrende vorgestellt und von ihren Erfahrungen in der Fortbildung berichtet. Wichtig waren für mich folgende Punkte, die mir zwar bekannt waren, aber in dieser Klarheit, wie sie die Referentin formulierte, nicht (mehr) bewusst waren:
    • Didaktik bzw. didactics ist ein “schlechter” Begriff. Er wird mit traditioneller Lehre, mit Frontalunterricht und passiven Studierenden assoziiert. Und hier gibt es keine Differenzierung. Daher spricht man hier eher von einer “paedagogical perspective”, die dann auch das mit einschließt, was wir in Deutschland unter einer konstruktivistisch orientierten Didaktik oder Lernendenzentrierung fassen.
    • Mit “Blended-Learning” werden in den USA nur solche Szenarien in Verbindung gebracht, die nicht komplett virtuell stattfinden, aber nur wenige Präsenzeinheiten beinhalten. Das Verständnis von Blended Learning als relativ breites Spektrum an eLearning-Szenarien, wie es in der deutschen Community vorherrscht, ist da sehr viel weiter. So würden in den USA Präsenzveranstaltungen, die Online-Elemente integrieren nicht als Blended Learning betrachtet, sondern als reguläre Veranstaltungen, da die Unterstützung durch Lernplattformen schlichtweg üblich ist.
    • Universitäten in den USA böten zunehmend rein virtuelle Kurse an. Dieses betrifft nach Aussage der Referentin zunehmend auch Angebote in Master- und PhD-Studiengängen. Diese Angebote werden von Studierenden belegt, die nach dem BA wieder berufsbegleitend ihr Studium fortsetzen, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt im “student-life-cycle” (vgl. dazu Schulmeisters Ausführungen von 2007). Der Grund für die Zunahme dieser Angebote, läge vor allem darin, dass die Universitäten  mit komplett virtuellen Online-Kursen sehr viel Geld verdienen (Steigerung der Studierendenzahl, kein Raumbedarf etc.) und höhere Gewinne als mit dem Präsenzstudium erzielen können. Da hier ein großes Potential an (zahlungskräftigen) Studierenden liegt, werden Hochschullehrende  gezielt “aufgefordert”, ihre Präsenzveranstaltungen auch für diese Zielgruppe als Online-Variante anzubieten, sprich als Online-Kurs zu konzipieren, zu gestalten und zu betreuen, wenn Sie den Kurs behalten wollen. Dafür müssen sie entsprechend qualifiziert werden. Dazu wurde ein 3 Phasen-Modell vorgestellt (Link zu den Folien folgt).

      [Nachtrag: Von Rolf Schulmeister, der sich in den letzten Jahren sehr ausführlich mit den Entwicklungen im eLearing in den USA beschäftigt hat, erhielt ich folgenden Hinweis, den ich an dieser Stelle gerne ergänze:  Von den mittlerweile 4.6 Mio Einschreibungen in Online-Kurse werden  82 % für undergraduates angeboten (vgl. hier, p. 5). Diese finden in den Community Colleges Absatz und gelten in den Augen des U.S. Dept of Education als "remedial courses" (u.a. Schreiben, Lesen, Mathematik) – daher auch die Nachfrage in Community Colleges. Die US-Regierung überlege (z.B. hier), ob sie solche Kurse fördern solle, da sie wichtig  für Studienabbbrecher und "first generation students" seien.]Ich frage mich in diesem Zusammenhang, ob der Trend der letzten 10 Jahren nun auch im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren eine entsprechende Wendung nimmt: Zum (noch gar nicht üblichen) Blended Learning kämen dann virtuelle Kurse für die heutigen BA-Studierende, die vielleicht erst einmal in den Beruf gehen und dann für Master- oder Promotionsstudium (virtuell) an die Hochschule zurückkommen. Das bleibt eine spannende Frage für die Zukunft, inwiefern dem gerne genommenen Vorbild USA hier gefolgt wird bzw. hiesige Studierende ein entsprechendes Verhalten an den Tag legen werden ….

Ich  war  mit einem Vortrag (Abstract) im Panel vertreten. Die Folien dazu stelle ich hier zur Dokumentation zur Verfügung:

In der anschließenden Diskussion haben wir u.a. darüber gesprochen, dass im Rahmen hochschuldidaktischer Fort- und Weiterbildung zum eLearning sowohl eine interdisziplinäre Perspektive wichtig ist, um die Teilnehmenden über den eigenen Tellerrand schauen zu lassen, aber auch fachspezifische Veranstaltungen ihre Relevanz haben, um zu sehen, was das eigene Fach schon im Bereich eLearning bietet oder bieten kann.

Thema: Community, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (2)

EduCamp 2010 in Hamburg

Samstag, 6. Februar 2010 19:37


EduCamp Hamburg :: 5./6. Februar 2010.

Rückblick auf mein erstes EduCamp …

Zum EduCamp an der Universität Hamburg – einer “Unkonferenz” im Sinne eines BarCamps – bin ich mit vielerlei Erwartungen gegangen: Ich war in erster Linie neugierig darauf, das Veranstaltungsformat mitzuerleben – quasi als Paradebeispiel einer “partizipatorischen Lernumgebung”. Darüber hinaus war ich neugierig darauf, wer die anderen Teilnehmenden sein würden, die ich hier zum Themenfeld “Bildung, Medien, Partizipation” treffen würde. Einige der inhaltlichen Angebote waren schon im Vorfeld auf der educamp-mixxt-Plattform ankündigt worden, die restlichen Angebote wurden zu Beginn des ersten Tags offenbart.

Nach nun zwei Tagen EduCamp, die wie im Fluge vergangen sind und bei mir viele Eindrücke hinterlassen haben, will ich ein kleines Fazit ziehen (auch im Vergleich zu bisherigen Konferenzen, an denen ich teil genommen habe): Insgesamt hat es mir wirklich gut gefallen.

Das Format eines EduCamps finde ich eine interessante Alternative zu “klassischen” Konferenzen. Es war eine gute Erfahrung, in die unterschiedlichen Diskussionen “einzutauchen” und so unterschiedliche Menschen mit ihren Perspektiven und Interessen kennen zu lernen. Die kurzen Zeittakte boten die Möglichkeit, in der Regel alle 60 Minuten in ein neues Themenfeld einzusteigen und quasi durch die unterschiedlichen Inhalte und Diskussionen “zu zappen” (hier die Themen vom Freitag und Samstag). Dass inhaltlich (fast) alles möglich ist und der Themenvielfalt (fast) keine Grenzen gesetzt sind, fand ich sehr erfrischend.

Zugleich hatte ich aber auch den Eindruck, dass, wie bei Vorträgen auf herkömmlichen Tagungen auch, vor allem diejenigen von einer Session etwas haben, die sie anbieten und konkrete Fragen mitbringen. Mir ist  im Nachhinein nicht klar, wieviel Struktur und Vorplanung eine Session auf einem BarCamp “haben darf”, um dem partizipatorischen Grundgedanken nicht entgegen zu wirken.

So waren auch die beiden Sessions recht spontan, die ich am Samstag mit angeboten habe: Einmal zusammen mit Christina Schwalbe, Christian Beermann und Sebastian Plönges zum “Paradox ePortfolio” (>Doku) und einmal zusammen mit Benjamin Jörissen zum medienpädagogischen Manifest “Keine Bildung ohne Medien!”. Auch hier war mein Eindruck, dass wir als Initiatoren der jeweiligen Session eben sehr viel mitgenommen haben und ich ein wenig schlechtes Gewissen hatte, für meine Ansprüche so wenig vorbereitet zu sein. Ich hoffe, die Teilnehmenden waren einigermaßen zufrieden – in jedem Fall herzlichen Dank für die facettenreichen Diskussionen!

Andererseits stößt mich auch gerade dieser Gedanke auf die (durchaus selbstkritische) Frage, inwiefern wir heute schon dermaßen vom “Effizienz”-Gedanken geprägt sind (bzw. sein müssen), so dass es mitunter schwer fällt, sich in so einem Rahmen “nur” um des Austauschs willen und ohne konkrete Zielsetzung zusammen zu finden und sich dafür Zeit zu nehmen. Oder schließt sich eine gewisse Struktur und Planung durch die Moderation oder den/die Session-Anbieter/in mit dem Selbstverständnis der EduCamper aus? Bei meinem nächsten EduCamp würde ich wahrscheinlich ein wenig mehr vorbereiten, um thematisch auch in kurzer Zeit tiefer vordringen zu können – ich kann halt nicht so richtig aus meiner (noch habitualisierten) Haut ;-)

Im Grunde läge für mich das ideale Veranstaltungsformat wie folgt aus: Eine Veranstaltung, die einerseits  Räume für den Austausch und für das gemeinsame (Weiter-)Denken bietet, zugleich aber Anregungen durch geladene Inputs, wie z.B. die sehr anregende Podiumsdiskussion nach dem Fish-Bowl-Prinzip auf dem EduCamp (>Doku) oder Keynotes, bereit hält. Organisatorische Prozesse werden abkürzt, indem Strukturen und Inhalte im Vorfeld nach zuvor festgelegten und öffentlich kommunizierten Kriterien ausgewählt werden (also im Sinne eines herkömmlichen Tagungsprogramms), zusätzlich aber Slots für spontane Diskussionsanlässe bereit gehalten werden (ich denke da z.B. an die GMW 2009 in Berlin, als der Begriff eLearning stark zum Schluss eines Vortrags und während und nach der Tagung diskutiert wurde – das hätte eine wunderbare spontane Session auf sicherlich hohem Diskursniveau ergeben).

Was mir sehr positiv an diesem Format auffiel ist, dass die vielfältigen Möglichkeiten wechseln zu können, dann auch dazu führen, viele neue Kontakte zu knüpfen und vor allem die Menschen zu den Twitter-Accounts kennenzulernen. Auch war einfach viel Zeit da, mich mal wieder Face-to-Face mit (ehemaligen) KollegInnen und Studierenden auszutauschen ;-) .

Freitag früh habe ich noch überlegt, ob mein überfüllter Schreibtisch und nahende Deadlines es zulassen, dass ich mir den “Luxus” von zwei Tagen EduCamp “gönnen” kann. Ich bin froh, dass ich mir die Zeit für den Austausch genommen habe!

[08.02.2010]: Hier findet sich die gesammelte Nachlese zum Educamp und hier finden sich schöne Impressionen zum EduCamp von adesigna.

Thema: Reflexion, Veranstaltung | Kommentare (7)

Neuerscheinung: Fokus Medienpädagogik

Dienstag, 26. Januar 2010 16:29

(Neue) Medien stellen in der sich wandelnden Gesellschaft für Prozesse von Erziehung, Bildung, Sozialisation, Lernen und Organisationsentwicklung eine zentrale Größe dar und werden mit zunehmender Mediatisierung der Lebens- und Arbeitswelt bedeutsamer.

Dieser Sammelband zeigt eine Vielzahl an Perspektiven aktueller empirischer und theoretischer Fragestellungen im (Um-)Feld der Medienpädagogik auf. Namhafte nationale und internationale Autorinnen und Autoren

  • beschäftigen sich mit systematischen und konzeptionellen Fragestellungen der Medienpädagogik mit Blick auf Medienkompetenz, Medienbildung und Media Literacy;
  • diskutieren aus überwiegend empirischer Perspektive die sozialisatorische Bedeutung von (neuen) Medien in, mit und für Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und gehen auf die medienpädagogischen Konsequenzen ein. Stichworte sind hier Medienalltag, Digital Divide, Gender, Computerspiele, Gewalt, Internet und Web 2.0;
  • setzen sich mit der Veränderung von Lehr- und Lernprozessen mit neuen Medien in unterschiedlichen Bildungskontexten wie Schule und Hochschule auseinander und gehen auf Besonderheiten der Netzkultur ein.

Das Buch gibt auch einen Einblick in die Themen und Projekte, die in der AG Medienpädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bearbeitet werden – denn dieses Buch ist zugleich eine Festschrift für den Erziehungswissenschaftler und Medienpädagogen Stefan Aufenanger anlässlich seines 60. Geburtstags.

Bauer, P., Hoffmann H. &  Mayrberger, K. (Hrsg.) (2010). Fokus Medienpädagogik – Aktuelle Forschungs- und Handlungsfelder. München: koaped.

München 2010, 420 Seiten ISBN-10 3-86736-110-X ISBN-13 978-3-86736-110-1 (22,80 €)

>> Inhalt und Verlag

Thema: Publikationen | Kommentare (0)

weniger ist manchmal mehr …

Dienstag, 1. Dezember 2009 10:28

… zu dieser Erkenntnis komme ich auf Grund unseres “Twitter-Versuchs” im Rahmen des Podiumsgesprächs am ePortfolio-Tag im Kontext der diesjährigen Campus Innovation 2009. Über die Idee hatte ich vor einiger Zeit auch schon hier berichtet.

Es ging uns bei diesem Podiumsgespräch allerdings in erster Linie darum, den ePortfolio-Tag inhaltlich zusammenzuführen, d.h. sowohl die ReferentInnen des Tages als auch neu hinzugezogene Gäste, die über praktische Erfahrungen mit der ePortfolio-Arbeit berichteten, gemeinsam an ausgewählten Punkten weiter diskutieren zu lassen. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ganz herzlichen bei den acht Gästen für Ihre Bereitschaft bedanken, sich an dem facettenreichen Gespräch beteiligt zu haben.

Erst in zweiter Linie ging es uns auch darum, zu erproben, inwiefern die Ermöglichung einer stärkeren direkten Beteiligung des Publikums beim Podiumsgespräch für das Gespräch  bereichernd sein kann. Darüber möchte ich hier näher berichten. So haben wir neben der klassischen Beteiligungsmöglichkeit via Publikumsmikrofon auch eine virtuelle Beteiligung via Twitter ermöglicht. Es gab eine mitlaufende Twitterwall, die hinter den Podiumsteilnehmenden aufgebaut war und eine Twitter-Moderation, die Christina Schwalbe übernommen hat, indem sie die Tweets mitverfolgt  und passende Beiträge für das laufende Face-to-Face Gespräch ausgewählt hat. Via Zeichen wurden diese dann in das Gespräch auf dem Podium mit aufgenommen. Über ihre Erfahrungen und ihre Schlussfolgerungen im Sinne von “form follows function!” berichtet sie hier. Zusätzlich hat Ralf Appelt den Diskussionsverlauf in Form eines (subjektiven) Twitter-Protokolls festgehalten. Es wurde während des Podiums dann auch moderat getwittert (#ci09)

Soweit so gut.

Aus Perspektive der Moderatorin auf dem Podium bin ich nun auf Grund dieses Versuchs zu dem Schluss gekommen, dass eben manchmal weniger mehr sein kann und Komplexität eines Szenarios nicht unbedingt auch eine höhere Qualität mit sich bringen muss. Denn meiner Ansicht nach war die Twittereinbindung nur bedingt ein Gewinn. Da das Podium mit acht Personen an sich schon sehr gut besetzt war, waren weitere Impulse nicht wirklich notwendig, um die Diskussion in Gang zu bringen oder zu halten. So konnten auch nicht alle über Twitter formulierten Kommentare oder Nachfragen z.T. aus Zeitgründen berücksichtigt werden. Andererseits wurde die grundsätzliche Möglichkeit der Publikumsbeteiligung durch direkte Nachfragen (via Mikrofon) oder stellvertretend über die Twitter-Moderation auch genutzt bzw. ausprobiert.

Vor dem Hintergrund dieses Szenarios kann ich Folgendes festhalten (auch als Hinweise für die Weiterentwicklung dieser Idee):

  • das Szenario ist sehr komplex, zu viele Kommunikationsebenen und deren Interaktion müssen im Blick behalten werden (Podiumsgäste + Moderation + Publikum im Raum + Twittermoderation (die die virtuelle Beteiligung aus dem Raum und von “ganz außen” im Auge behält) und auf das Thema bezogen werden (Ruth Cohn lässt grüßen ;-) )
  • die Idee der Twitter-Moderation ist zwar praktikabel, aber für den Verlauf einer Diskussion schwer an den richtigen Stellen einzubringen. Wir hatten uns  auf ein Zeichen verständigt und haben das so auch erfolgreich umsetzen können. Allerdings konnte die Twittermoderation  zumeist nur zwischen den anderen Wortmeldungen eingereiht werden und da war die Timeline dann meistens schon wieder einen Schritt weiter.
  • Idealerweise hat die Moderation selbst die Timeline im Auge und verfolgt das Geschehen dort ebenfalls mit. Doch wenn der Blick auf dem Monitor weilt, dann ist es schwierig Kontakt zu den Gästen zu halten, auf denen bei Podiumsgesprächen in der Regel das Hauptaugenmerk liegt.
  • Die PodiumsteilnehmerInnen werden zum Teil von der Twitterwall eingefangen und vom Gespräch miteinander abgelenkt, gerade wenn das Gespräch etwas langatmig wird. Dann ist es schwieig, wieder alle für das gemeinsame Gespräch “einzufangen”. Zudem mag sicherlich auch mit einem gewissen Neuigkeitseffekt zu tun haben.
  • Für mich als Moderatorin war die Erfahrung sehr interessant, nicht zu wissen, was hinter mir auf der Projektionsfläche passiert. Wenn plötzlich gelacht wird und der Grund offensichtlich im Virtuellen liegt, ist es eine Herausforderung die Aufmerksamkeit beim Face-To-Face Gespräch beizubehalten und nicht auch phasenweise das reale Gespräch vor Ort zu Gunsten der virtuellen Beiträge “zu verlassen”.
  • Insofern: Die Einbindung von Twitter in Form einer Twitterwall als weiteren “virtuellen Impulsgeber” würde ich im Rahmen von Podiumsgesprächen, wie wir sie kennen, außen vor lassen.
  • Es sei denn, man inszeniert die Idee Podium völlig neu und stellt den Gedanken der Partizipation “von außen” in den Vordergrund, z.B. mit weniger ExpertInnen, mit noch mehr Twitteraktivitäten als Impulsgeber und einer Moderation, die alle Ebenen selbstständig händelt. Es könnten z.B. zwei ExpertInnen ins Gespräch kommen und dann bewusst gemeinsam auf die vielfältigen Impulse aus dem Publikum oder “ganz von außen” eingehen.
  • Man sollte sich vorab die Frage stellen, worum es einem bei einem Podiumsgespräch oder einer -diskussion geht: um das öffentliche gemeinsame Expertengespräch oder die Partizipation an diesem und welche Bedingungen in welchem Fall erfüllt sein müssen.

Doch wie soll man sich an etwas beteiligen, wenn es sich vielleicht auf Grund zu vielfältiger Impulse gar nicht erst entfalten kann?

Weitere Tagungsrückblicke und -einschätzungen sowie Diskussionen von einzelnen Aspekten im Kontext der Campus Innovation 2009 sind u.a. bei Ilona Buchem, Jochen Robes, Frank Vohle und  Gabi Reinmann zu finden.

[Nachtrag:] Die Aufzeichnungen der Vorträge sind hier zu finden.

Thema: Reflexion, Veranstaltung | Kommentare (11)

Förderung von “guter Lehre” und/mit eLearning durch die “richtige” Haltung?

Montag, 9. November 2009 19:39

In der letzten Woche habe ich an zwei Veranstaltungen teilgenommen, die zwar nacheinander und an anderen Orten stattfanden, aber im Nachhinein eine klare Schnittmenge haben: Einmal war es am Mittwoch der Workshop “Was ist gute Lehre” des Hochschulevaluierungsverbundes Südwest an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und von Donnerstag bis Freitag die Herbsttagung der Kommission Medienpädagogik in der DGfE zum Thema “Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung: Bildungs- und Lernprozesse mit (digitalen) Medien in der Schule und medienpädagogische Professionalisierung.”

Die erste Veranstaltung fokussierte die Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen in der akademischen Lehre. Die andere u.a. Bedingungen und Faktoren, die die erfolgreiche Integration von neuen Medien in Lehr- und Lernprozesse in Schule und Hochschule. Die Überschneidung lag für mich darin, dass es beiden Veranstaltungen bzw. Teilen davon, explizit um “gute Lehre” und Professionalisierungsprozesse ging. Verändertes Lehren und Lernen wurde hier plakativ an den Forderungen “Shift from teaching to learning” und “From Sage on the Stage to Guide on the Side” festgemacht. Konkret lassen sich hier sehr gut parallelen zwischen dem Eröffnungsvortrag von  Prof. Dr. Wolff-Dietrich Webler (Institut für Wissenschafts- und Bildungsforschung Bielefeld) einerseits und den Keynotes der Herbsttagung andererseits ziehen – hier besonders bei den Beiträgen rund um die SITES-Studie (SitesM2 und SITES2006) sowie den Folgestudien am Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung.

Dabei ist mir eine Gemeinsamkeit besonders aufgefallen, die ich hier kurz skizzieren möchte: In beiden Veranstaltungen wurde den “angemessenen” Haltungen und Einstellungen von Lehrenden eine wichtige Rolle beigemessen. Auf der Herbsttagung hatte das Habituskonzept von Pierre Bourdieu Konjunktur und alle größeren empirischen Untersuchungen verwiesen darauf, dass es ein “Mehr” bedürfe, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen (vgl. dazu z.B. den Vortrag von Birgit Eickelmann, TU Dortmund “Empirische Befunde zur nachhaltigen Implementierung digitaler Medien in Schulen”). Es wurde auf Modelle Bezug genommen, die für Veränderungsprozesse neben der Technik und den Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden auch den Willen oder die Motivation hervorhoben.

Das passte wiederum zu dem Tenor des Workshops am Mittwoch, an dem Webler gar eine Zusammenstellung zum “Erwerb für die Lehre förderliche Einstellungen und Haltungen” vorlegte, aus denen ich ausgewählte Aspekte zitiere:

  • “Respekt vor Studierenden als jungen Erwachsenen in einem spezifischen Entwicklungsstadium;
  • anhaltendes Interesse, Entwicklungsprozesse von Menschen zu fördern (über die Vermittlung lediglich von Stoff und Fach hinaus; Bereitschaft zur Hilfe
  • anhaltendes persönliches Interesse an beruflichen Qualifizierungsprozessen und an deren Anleitung
  • Bereitschaft die wiss. Verhaltensweisen nicht nur zu lehren, sondern zu leben
  • In dem pädagogischen Spannungsfeld zwischen Fördern und Auslesen vor allem zu fördern
  • …”

Diese Liste kann man sicherlich noch erweitern und spezifizieren. Doch sie macht recht deutlich, dass es neben Fachkompetenzen, didaktischer Kompetenzen etc. ein “Mehr” braucht, um dem heutigen Anspruch einer subjektorientierten und kompetenzorientierten Lehre gerecht zu werden und als Lehrperson authentisch zu bleiben. Auch im eLearning ist es förderlich und sogar sinnvoll, wenn sich erst eine veränderte Sichtweise auf Lehren und Lernen einstellt (wozu auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit zählt) und dann geschaut wird, welche aktuellen Medien dazu beitragen können, die eigenen didaktische Ideen (besser) zu realisieren (vgl. auch meine Überlegungen zu Lehren 2.0).

Was ich in der Podiumsdiskussion auf dem Workshop in Mainz als einen interessanten und provokativen Punkt – der allerdings nur kurz zum Schluss angesprochen wurde – mitgenommen habe, war die Frage danach, inwiefern man sich damit zufrieden geben müsse, dass es eben “gute Lehrende” gäbe mit der “richtigen” Einstellung und solche, “bei denen Hopfen und Malz verloren wäre”. Im Kontext von eLearning wird hier mit nicht ganz so direkter Konnotation gerne das Modell von Rogers “Diffusions of Innovations” zitiert, dem auch implizit ist, dass es da immer einen “Rest” gibt, der nicht überzeugt werden kann oder nur schwer zu überzeugen ist (“Laggards”).

Die Frage, die mich dann nach den beiden Veranstaltungen (wieder einmal) beschäftigt hat – gerade im Zuge der Diskussion um Professionalisierungsbestrebungen von Hochschullehrenden und in der Lehrerbildung – ist, inwiefern man über “mäßige” Lehre in Schule und Hochschule bzw. in formalen Bildungseinrichtungen einfach hinweg gehen darf? Oder kann man sich als Lehrende/r mittlerweile damit herausreden, dass die Verantwortung für den eigenen Lernprozess ja zunehmend bei den Lernenden liegt?

Nach wie vor denke ich und dazu hat im vergangen Jahr die kollegiale Auseinandersetzung am ZHW zum Qualitätsmanagement einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass man “gute Lehre” ebenso berechtigt “einfordern” wie “fördern” kann und sollte … und letztlich auch den didaktisch begründeten Einsatz von digitalen Medien in Lehr- und Lernprozessen. In diesem Sinne sollte es auch möglich sein, Haltungen und Einstellungen von Lehrenden nach und nach durch Überzeugungsarbeit zu verändern. Oder überwiegt da doch der Idealismus?

Thema: Fragen, Lehre & Studium, Position, Veranstaltung | Kommentare (1)

Mein E-Learning Statement für e-teaching.org

Donnerstag, 15. Oktober 2009 18:51

Das Statement habe ich während der eLearning 2009 in Berlin abgegeben – direkt vor dem Panel, in dem für die Abschaffung des Begriffs eLearning plädiert wurde. Mein Statement würde ich aber auch heute noch so formulieren. Einen Kommentar zur Begriffs-Diskussion folgt demnächst in einem eigenen Beitrag.

Thema: Position | Kommentare (1)

Partizipation auf Tagungen – Herausforderung Podiumsgespräch

Freitag, 2. Oktober 2009 17:27

Die diesjährige eLearning 2009 in Berlin hat wesentlich dazu beigetragen, dass (immer noch) ein reger Austausch über die Gestaltung von Tagungen stattfindet – und das ist, wie man in Berlin zu sagen pflegt(e), “auch gut so”.

Meiner Ansicht nach, ist diese Diskussion um die grundsätzliche Öffnung von Veranstaltungen mehr als fällig – gerade dort, wo über mehr Kommunikation, Interaktion und Partizipation gesprochen wird, scheint mir das Format mit Vorträgen und anschließender Diskussion als alleiniges Format nicht mehr auszureichen. Allerdings kann und sollte nun auch nicht jede Konferenz gleich zu einem Workshop oder BarCamp werden. Es kommt – wie bei der Gestaltung von Lernumgebungen generell – auch hierbei auf den angemessenen Wechsel von zur Zielgruppe (und zur Fachkultur) passenden Methoden an. Und dass Tagungen im Kontext von “eLearning” und “Web 2.0″ offensichtlich an ihrem Format arbeiten müssen, um diesem Anspruch gerecht zu werden, zeigen die facettenreichen Blogbeiträge der letzten Wochen, die ausgehend von der Problematisierung einer sinnvollen Integration von Twitter im Rahmen von (konventionellen) Tagungsformaten auch Anregungen für Tagungsgestaltungen geben (z.B. die Gedanken dazu von J. Wedekind, C. Spannagel oder J. Hochberg und die mittlerweile zahlreichen Kommentare).

Ich finde diese Diskussion nicht nur aus hochschuldidaktischer Perspektive sehr interessant, sondern habe das Ganze auch mit einem Blick auf konkrete Praxis verfolgt. Denn im Herbst findet die Campus Innovation in Hamburg statt und dort wird es im Rahmen des e-Portfolio-Tags, der von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar und mir organisiert wird, ein Podiumsgespräch geben. Und wir können ja nun nicht mehr sagen, wir hätten nicht um die Spannbreite der Bedürfnisse innerhalb der Zielgruppe gewusst ;-) . Dieses betrifft vor allem die Gestaltung des Podiumsgesprächs zum Thema “ePortfolio – Was können Schule und Hochschule voneinander lernen?”, dessen Moderation ich übernehme und als solches eben nicht zu einer Statementrunde avancieren soll, wie G. Reinmann hier zurecht anmerkt. Diese Woche haben wir uns getroffen und darüber beraten, wie es gut machbar ist, den acht Gästen, die alle viel zu dem Thema zu sagen haben werden, einen Rahmen zu ermöglichen, der zu einem “richtigen” (Experten-)Gespräch ermutigt und zugleich das Publikum adäquat mit einbezieht, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass bei diesem Format die geladenen Podiumsgäste im Zentrum der vorgesehenen 90 Minuten stehen.
Wir waren uns aber sehr schnell einig darüber, dass es eine Einbindung des Publikums auf unterschiedlichen Ebenen geben soll – auch über Twitter. Daher haben wir kurzerhand beschlossen, die Moderation durch eine “Twitter”-Moderatorin zu ergänzen, was Christina Schwalbe übernehmen wird, die u.a. die direkten oder “getwitterten” Fragen, Thesen und Anregungen von Seiten des Publikums sammeln und moderieren wird – alles in allem keine leichte Aufgabe für uns … Von diesen methodischen Überlegungen mal abgesehen, dürften aber für eLearning-Interessierte vor allem die Inhalte des gesamten eLearning-Tracks über die beiden Tage von Interesse sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Praxis, Veranstaltung | Kommentare (3)

Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht – Potentiale und Herausforderungen”

Samstag, 26. September 2009 21:02

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen der Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht – Potentiale und Herausforderungen”. Die AG Medienpädagogik im Institut Erziehungswissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Aufenanger hat zusammen mit dem Forschungsschwerpunkt “Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) der Johannes Gutenberg – Universität Mainz eine zweitägige Fortbildung im Tagungsformat (nicht nur) für Lehrerinnen und Lehrer in den neuen Räumlichkeiten der FH Mainz angeboten.
Die Veranstaltung war so organisiert, dass  vier “akademische” Plenarvorträge rund um das Thema “neue Medien” zu den Themenfeldern “Schulentwicklung”, “Mediensozialisation”, “Rechtsfragen” und “Lehren und Lernen” zur Orientierung angeboten wurden sowie eine Vielzahl an spezifischen Workshops, die an diese Themenfelder anschlossen (siehe Programm Do, 24.9. und Fr. 25.9.). Mit gut 150 Teilnehmenden war die Tagung ausgebucht.

Ich war mit einem Plenarvortrag zum Thema “Schule 2.0?! – Verändertes Lehren und Lernen mit Social Software” beteiligt:

View more presentations from Mayke.

Aus diversen Gesprächen im Anschluss hieran und auch später, wurde mir sehr deutlich, dass – was bei dem Tagungspublikum natürlich auch nahe liegt – eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für die Integration von neuen Medien in die Lehre, sei es nun in Form von “1.0″ oder “2.0″ vorhanden ist, gerade auch weil die neuen Medien eine so bedeutende Rolle in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen spielen. Es zeigte  sich, dass nach wie vor “gute Beispiele” und “Anregungen für die Praxis”, wie z.B. in hochschuldidaktischen Fortbildungen auch, die mit relativ geringem oder zumindest angemessenem Aufwand umzusetzen sind, von großem Interesse sind. Gerade hier liegt m.E. auch ein Feld, dass vor allem im Bereich von Social Software noch weiterer Bearbeitung bedarf: Die Erprobung, Dokumentation und Evaluation von guter täglicher (Unterrichts-)Praxis.
Zum Abschluss habe ich ein “World Café” mit den verbliebenen ca. 40 Teilnehmenden durchgeführt, in dem es im Sinne eines Rück- und Ausblicks zur Tagung im groben um die Fragen ging, wie ich als Lehrperson selbst die Integration neuer Medien fördern  und wo ich überall Unterstützung erhalten kann und welche Erfahrungen da bisher vorliegen. Nachdem ich bisher selbst an unterschiedlichen Varianten von der Methode “World Café” teilgenommen hatte, war ich gespannt, wie diese Methode wohl bei diesem Publikum und vor allem nach einem langen Tagungstag ankommen würde. Es zeigte sich und das deckt sich auch mit meinen bisherigen Erfahrungen als Teilnehmerin, dass solche eher offenen Formate sehr gut angenommen werden und in diesem Fall noch einmal sehr gut wesentliche Gelingensbedingungen für die Integration von neuen Medien (nicht nur) in die Schule gemeinsam herausgearbeitet und (kritisch) diskutiert werden konnten. Ich nehme aus dieser Erfahrung und auch aus denen zur GMW 2009, über die ich hier berichtete, mit, dass offene Formate heute auf Tagungen (neben herkömmlichen Formaten) unbedingt einen Platz haben sollten. Impulse dieser Art erhoffe ich mir u.a. auch von meiner (erstmaligen) Teilnahme an einem BarCamp, der EduCamp 2010 an der Universität Hamburg.

Die vielfältigen Angebote, die professionelle Organisation sowie zahlreiche Möglichkeiten zum informellen Austausch trugen so auch dazu bei, dass vor allem zum Ende der Tagung verschiedentlich geäußert wurde, dass es so eine Art von Veranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer bitte häufiger geben solle. Eine Dokumentation zur Tagung (Download von Vortragsfolien, Fotos etc.) wird in den nächsten Tagen hier zu finden sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (2)