Beitrags-Archiv für die Kategory 'Allgemein'

Blog-Ambivalenz?

Donnerstag, 20. März 2014 10:04

Es ist hier zwar ruhig geworden …

doch umso betriebsamer war in den letzten Monaten der Alltag rund um Forschung, Lehre, Tagungen, Publikationen, Netzwerken, Vorträgen, Nachwuchsbetreuung, Verwaltung, Politik … und ‘das Leben’.

Insofern greift in diesem Blog schlicht die widersprüchliche Logik: Je mehr passiert und je mehr berichtet und erörtert werden könnte, desto weniger Zeit bleibt dafür.

Letztlich ist das natürlich eine Frage der Prioritätensetzung - auch in ‘vollen’ Zeiten. Doch da Entscheidungsoptionen wie „Blogbeitrag schreiben“ oder „Lehre vorbereiten“ oder „überfällige Abschlussarbeitskorrektur vornehmen“ oder „Treffen mit Mitarbeiter/innen und Kolleg/innen“ oder „einfach mal etwas Privates machen“ bei mir regelmäßig dazu führen, dass der Blogbeitrag nicht auf die vorderen Ränge kommt oder kommen kann, ich aber auch nicht voll auf das Bloggen verzichten möchte (weshalb dieser Blog auch nicht eingestellt wird), muss sich eben das Tool den Prioritäten anpassen. Und so überbrücke ich die Zeiträume zwischen den Langbeiträgen hier mit Microblogbeiträgen zu aktuellen Vorhaben, Fundstücken oder Erwähnenswertem (aktuell) via Twitter, Facebook oder (seltener) google+. Aus diesem Grund wird der M-Blog weiterhin unregelmäßig genutzt werden – sicherlich wird auch mal die Zeit kommen, wenn ich die Prioritäten wieder verschieben kann und möchte und ich hier im M-Blog wieder häufiger und ausführlicher über aktuelle Themen und Aktivitäten rund um Medien, Mediendidaktik, Medienbildung etc. berichten und reflektieren kann.
Im letzten Semester hätte ich gerne an dieser Stelle u.a. ausführlicher Reflexionen zur Bedeutung von mobilen Endgeräten für das Lernen angestellt, die Rolle von traditionellen Überlegungen zur Professionalisierung von pädagogischen Fachkräften und Mediendidaktik im Kontext der nun auch (endlich) in Deutschland geführten Debatte um Open Education erörtern wollen oder über den Fortgang der Projekte „PaLerMe“ und „UniPAd“ an der Professur für Mediendidaktik sowie den aktuellen Vorhaben und Ergebnissen berichten wollen. Ebenso gibt es immer etwas aus der und über die Lehre zu berichten und auch meine Zeit als Prüfungsausschussvorsitz hält so einige Lernstücke gen Studiengangsentwicklung bereit, die es zu erörtern gäbe. Nicht zuletzt waren die letzten Monate noch von Prozessen der Institutsentwicklung begleitet, die ich als Direktorin des ehemaligen imb und heutigen imwk (mit)gestalte und verantworte. Mit einem wunderbaren Fest zur Institutseröffnung ist dieser Prozess seit Ende November 2013 nun formal abgeschlossen und der Alltag hat Einzug gehalten.
Bisweilen ereilen einen auch Erfahrungen, die man nicht ignorieren kann und darf. Sie sollten als Lernanlässe genommen werden (wie mir jemand so schön sagte) um Bisheriges anzuschauen, zu hinterfragen und wo notwendig auch neu zu justieren.
In diesem Sinne freue ich mich auf die kommenden Monate. Ich werde den einen oder anderen Faden des letzten Semesters aufgreifen (Partizipation; Lehre mit und über Lernen mit mobilen Endgeräten, …), aber auch (eingeschränkt) fallen lassen können (Verwaltung, Gremien, Vortragstätigkeiten, …). Ebenso werden für mich spannende Aktivitäten hinzukommen (Buch schreiben beginnen) und sich in diesem Sinne die Prioritäten wieder neu formieren.

Und insofern: Es ist hier zwar ruhiger geworden …. doch vielleicht ändert sich das schon im kommenden Semester. Und wenn nicht … dann ist es eben nicht der passende Kommunikationskanal für den Moment. Soviel zu meiner Blog-Ambivalenz!

Thema: Allgemein, Reflexion | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Eindrücke von der didacta 2013

Sonntag, 24. Februar 2013 15:06

Die diesjährige didacta (in Köln) bot wieder einmal eine guten Über- und Einblick besonders zu digitalen und analogen Bildungsmedien für den didaktischen und pädagogischen Einsatz in Kindergarten, Schule und Weiterbildung. Mich hat mit Blick auf meine eigenen Arbeitsschwerpunkte natürlich besonders interessiert, welche Tablets unterschiedlicher Anbieter zur Zeit auf dem Markt sind, was an Cloud-Lösungen angeboten wird und wie der Stand in der Entwicklung bei digitalen Lehr- und Lernmaterialien ist. Dabei zeigten die Gespräche bei den drei großen Schulbuchverlagen eindrücklich, dass man sich nun auf den Weg gemacht hat - aber doch jeder in seinem Tempo. Gerade das Gespräch mit einer kompetenten Vertreterin beim K****-Verlag war sehr informativ und zeigte, dass die digitalen Versionen bei paralleler Marktforschung stetig weiterentwicklet werden (sollen), indem die digitalen Versionen der Bücher aktuell kostenfrei zur Erprobung frei gegeben sind. Von einer abwartenden Haltung - wie noch im letzten Jahr - war hier nichts zu spüren; auch die “Nur-PDF-Variante” wird nicht als akzeptable Lösung gesehen, wie es noch bei anderen der Fall zu sein scheint. Darüber hinaus finde ich es immer spannend, die Angebote zur physischen Ausstattung von Lernräumen anzuschauen - innovative Sitzmöbel, Tische und für die jüngeren Bewegungsmöbel - auch das macht eine anregungsreiche und flexible Lernumgebung aus (so man die finanziellen Mittel und die entsprechenden Quadratmeter zur Verfügung hat), die meiner Ansicht nach völlig unterschätzt wird. Ein schönes nicht digitales Fundstück habe ich am Stand der Firma Lego in der Reihe Legoeducation entdeckt das Produkt LEGO® Education BuildToExpress entdeckt. Neben den schon bekannten Möglichkeiten aus Legosteinen Roboter zu bauen und zu programmieren, gibt es nun auch diese “Kreativboxen” mit einer “wilden Mischung” an Legoteilen zur Unterstützung der Artikulationsfähigkeit (für alle die, die nicht so gerne Zeichnen), um beispielsweise nachzubauen, welches Gefühl nach dem Lesen eines bestimmten Textes vorherrscht und später mit Blick auf die Konstruktionen aller darüber zu sprechen. Als “altes Legokind” war ich hier sofort von dieser Alternative der Visualisierung begeistert und habe mir die eine oder andere Idee schon gemerkt, um im nächsten Semester meinen Studierenden den Konstruktivismus handlungsorientierter nahe zu bringen ;-) Es war jedenfalls sehr anregungsreich wie alle Besucher an den Ständen entlang zu schlendern und Altes wie Neues zu entdecken.

Am Mittwoch war ich sozusagen ganz offiziell unterwegs und im Rahmen des Hochschultags zum Thema wissenschaftliches Fehlverhalten in Schule und Hochschule auf dem Podium zum Thema “Abschreiben unerwünscht!” vertreten. Nachdem sich alle Beteiligten relativ schnell darüber einig waren, dass Software zur Plagiatserkennung a) nicht alle Formen der Plagiate erkennen können und b) somit in keinster Weise hinreichend sind, wurde ausgiebig über die Notwendigkeit von Informations- und Medienkompetenz, später dann über eine medienpädagogische Grundbildung für Lernende wie Lehrende gesprochen und schließlich innovative Formen des Lehren und Lernens mit digitalen Medien mit dem Publikum erörtert, die ein plagiieren (weitestgehend) ausschließen können.

Insgesamt war es ein sehr anregender Besuch und zugleich auch ein wenig ernüchternd - alles geht dann doch seinen relativ gemächlichen Gang: Die Interaktiven Whiteboards wurden in einer auffällig enormen Dichte zu Präsentationszwecken genutzt (wozu sie sich ja auch besonders eignen), nach wie vor wurde der Duden als Buch zum Messerabatt sehr nachgefragt (obwohl die App besser ist, wie ich persönlich finde) und digitale wie analoge Medien haben ihren Platz in den  Bildungseinrichtungen der unterschiedlichen Alltagsstufen – und das ist auch gut so ;-). Denn ein weiterer Eindruck, der für mich geblieben ist, ist der von zahlreichen Lehrer-/innen und Pädagog/-innen, die auf der Messe unterwegs waren, um für “ihre Kinder” neueste Schulbücher, Handreichungen, Hocker oder auch Bastelmaterial günstig zu erwerben, in ihren praktischen Koffern zu sammeln und nach Hause zu bringen – bleibt die Hoffnung, dass diese Dinge ihren Platz in einem innovativen pädagogischen und didaktischem Setting finden … in dem digitale Medien eine sinnvolle Erweiterung darstellen können ;-)

Thema: Allgemein | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Mobiles Studieren erproben und beforschen

Mittwoch, 20. Juni 2012 9:46

Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Nach einigen organisatorischen Vorarbeiten (Technik, Rechtliches, Logistik, Support) läuft nun seit gut acht Wochen im Rahmen meiner Professur für Mediendidaktik am imb das Projekt „UniPAd - iPads an der Universität Augsburg“. Für das Sommersemester 2012 wurden in einem Pilotvorhaben 50 Tablets (hier exemplarisch iPad 2, WiFi, 64 GB) an ausgewählte Studierende der Bachelor- und Masterstudiengänge „Medien und Kommunikation“ für sechs Monate ausgegeben (1:1), die ihnen zur freien Verfügung für Studium, Alltag und Freizeit stehen. Als Gegenleistung wird die Bereitschaft eingefordert, an Erhebungen teilzunehmen, die in diesem Semester laufend vom Team der Professur für Mediendidaktik zum Nutzungsverhalten und zu Gestaltungsprozessen persönlicher Lernumgebungen durchgeführt werden. Zusätzlich entstehen eine Reihe von Abschlussarbeiten in diesem Projektkontext mit spezifischen Fragestellungen u.a. zur Studienorganisation, zur Motivation und Ablenkung oder zu den Grenzen und Herausforderungen des Studieren mit iPads. Diese explorativ angelegten Teiluntersuchungen sollen dazu beitragen, eine Antwort darauf zu finden, inwiefern eine Entgrenzung formaler Lernprozesse durch den Einsatz mobiler Endgeräte wie Tablets im Studium stattfindet, sobald diese Geräte auch in der Freizeit bzw. im Alltag selbstverständlich zur Verfügung stehen. Studium wird hier erst einmal breit verstanden und umfasst Lehre, Betreuung, Prüfung sowie Selbststudium und die Organisation des Studienalltags. Zugleich geht es aber auch darum, kritisch wie konstruktiv zu hinterfragen, wie sich ein erfolgreiches mobiles Lernen zwischen didaktischem Mehrwert und Hype um den Einsatz von mobilen Endgeräten angemessen realisieren lässt.

Bei allen Möglichkeiten, die das persönliche iPad für die leichtere Organisation des Studiums und das bessere Bewältigen des Studienalltags bietet (u.a. Absprachen, Kommunikation, Materialien lesen und bearbeiten) und die – das bestätigen erste Ergebnisse unserer Untersuchungen – auch von den Studierenden gerne genutzt werden, bleiben nach wie vor eine Reihe an Herausforderungen offen. Dieses betreffen sowohl technische Rahmenbedingungen wie auch didaktische und methodische Fragen ein mobiles Lernen sinnvoll in der Hochschullehre zu realisieren und Möglichkeiten mobilen Lernens auszuschöpfen und sogar neu zu schaffen.

Aktuell beschäftigt mich aber vor allem die Frage, ob es angemessen war, Geräte ohne G3-Möglichkeit anzuschaffen (Intention: mehr Geräte für das zur Verfügung stehende Geld, dafür „nur“ WiFi aber 64 GB Speicher) bzw. ob weitere Anschaffungen mit G3 erfolgen sollten. Ich selbst arbeite “nur” mit WiFi und über W-Lan-Zugang zu Hause, in der Uni und per Hotspot unterwegs. Das klappt mit insgesamt gut. Aber  wie sich zunehmend in der Untersuchung zeigt, ist das (kostenfreie) W-Lan nocht nicht so allgegenwärtig, wie angenommen und selbst sehr medienaffine Studierende sind heute (zumeist aus Kostengründen) nicht selbstverständlich mit der neuesten Technik ausgestattet, d.h. nicht alle verfügen schon über Smartphones, mit denen sie beispielsweise auch unterwegs via Hotspot ins Netz käme oder haben ein W-Lan im privaten Umfeld zur Verfügung. Der Zugang zum Internet beschränkt sich daher für einige der Studienteilnehmenden nur auf das W-Lan-Netz der Universität Augsburg, das fast flächendeckend zur Verfügung steht. Entsprechend haben die Studierende ganz unterschiedliche Auffassungen davon, ob sie nun mit iPads mobil oder mobiler sind, als zuvor.
In diesem Zusammenhang entstand auch im Rahmen meines Masterseminars zum „Mobilen Lernen“ eine interessante Diskussion. Wir diskutierten die Frage, inwiefern Mobiles Lernen immer im Netz stattfinden müsse („always on“). Die Diskussion war teilweise kontrovers und schließlich  haben wir uns  darauf verständigt, dass mobiles Lernen mit Bezug zum derzeitigen allgemeinen Begriffsverständnis das Internet zentral einschließt, es sich aber auch um mobiles Lernen handelt, wenn phasenweise (geplant) ohne Verbindung zum Internet mit einem mobilen Endgerät gearbeitet wird (z.B. während einer Bahnfahrt oder unterwegs mit einer App zur Bestimmung von Pflanzen).

Insgesamt bleibt es interessant. Das Projekt wird auch im kommenden Semester laufen und so werden wir genügend Zeit haben, auch den Punkten nachzugehen, die sich in diesem „Explorationssemester“ als spannende Phänomene zeigen. Für mich selbst stellt dieses Projekt  eine sehr schöne Erfahrung dafür dar, wie sich Forschung und Lehre ganz im Humboldt’schen Sinne vereinen lassen und sich gegenseitig bereichern können.

Thema: Allgemein, Forschung | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

… in eigener Sache.

Montag, 19. September 2011 12:32

Seit heute ist es nun offiziell: Zum 1. Oktober 2011 werde ich von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz an die Universität Augsburg wechseln. Dort trete ich eine Universitätsprofessur für Mediendidaktik (W2) am Institut für Medien und Bildungstechnologie (imb) in der Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät an.

Auch auf diesem Wege möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei allen Studierenden, Mitarbeiter/-innen und Kolleg/-innen für die gute
und anregende Zusammenarbeit in Mainz bedanken.

Ich würde mich freuen, wenn sich die eine oder andere Verbindung auch über die Landesgrenzen hinweg halten ließe – einer virtuellen Vernetzung steht heute ja (fast) nichts mehr im Wege ;-)

Jetzt freue ich mich, auf das was kommt – vor allem aber auf die sich nun eröffnenden Möglichkeiten in Lehre, Forschung und Entwicklung.

Thema: Allgemein | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Tablets im Unterricht - ein Zwischenfazit

Freitag, 16. September 2011 19:07

Im Mai diesen Jahres hatte ich hier schon über die wissenschaftliche Begleitung des Projekts “iPad im Einsatz - Education 2013″ an einer gymnasialen Oberstufe berichtet, die ich zusammen mit Luise Ludwig durchgeführt habe. Zwischenzeitlich ist das die Pilotphase zur Einführung von iPads im Unterricht (als ein Beispiel für tablets im Unterricht)  abgeschlossen und es erscheint mir an der Zeit für mein Zwischenfazit. Dabei beziehe ich mich vor allem auf die Beobachtungen und Erfahrungen, die ich an unseren beiden Hospitationstagen an der BBS im Mai gemacht habe und auf die Gespräche mit den Lehrer/-innen und der Schulleitung bei der Präsentation der Ergebnisse. Für die Ergebnispräsentation haben wir zusammen mit der Schulleitung ein besonders Format gewählt: Sie wurde eingebettet in einen ganztägigen Studientag am Schuljahresbeginn zum Thema iPads, der zugleich die Auftaktveranstaltung für den iPad-Einsatz (1:1) in den beiden Abschlussklassen war. Das besondere war bei dieser Fortbildung , dass den Vormittag über die Schüler/innen und Lehrer/innen gemeinsam an Workshops teilnehmen konnten oder sich die ersten Ergebnisse der Studie gemeinsam anhörten. Im zweiten Teil des Tages wurde dann den Lehrenden der zweite Teil der Ergebnisse der Studie vorgestellt und den Nachmittag über in Fächergruppen gemeinsam an möglichen, realisierbaren Szenarien zum didaktisch sinnvollen Einsatz des iPad 2 im Unterricht gearbeitet wurde. So wurden Ideen für den Sportunterricht (z.B. Bewegungsabläufe mit der Kamera des iPads aufnehmen, um sie direkt im Anschluss (oder später) anschauen und besprechen zu können), den Chemieunterricht (z.B. von zentralen Abläufen einen Trickfilm mit Legetechnik handlungsorientiert erarbeiten zu lassen), den Deutschunterricht oder zum fächerübergreifenden Themenfeld “Gewalt”, bei dem die Fächer Recht, Psychologie, Gesundheit, Pädagogik usf. vernetzt wurden.

Mich hat besonders dieser Nachmittag beeindruckt. In dieser relativ kurzen Zeitspanne hat sich für mich wiederholt gezeigt, dass das Neue seine Zeit braucht, um sich didaktisch sinnvoll im Schulalltag zu integrieren, aber vor allem, dass die beteiligten Akteure für Neues gemeinsame(!) Zeit brauchen. Diese Beobachtung bestätigt hier zwar eher bisherige Erkenntnisse, die zur Implementation von Innovationen in Bildungsorganisationen wie der Schule vorliegen, doch lässt sich m.E. nicht oft genug betonen, dass es gerade bei der Einführung von neuen Technologien in die Schule nicht in erster Linie um die organisatorische und technische Einführung geht. Es ist zwar essentiell, dass die Technik a) vorhanden ist und b) funktioniert und problemlos im Lehr- und Lernalltag benutzt werden kann, doch nur das Vorhandensein von Geräten führt nicht dazu, dass sich ein didaktisch sinnvoller Einsatz quasi “nebenher” entwickelt. Man bleibt dann (nachvollziehbarerweise) doch erst einmal bei den bisherigen didaktischen Konzepten und methodischen Ansätzen und versucht diese mit den neuen Geräten umzusetzen oder zu optimieren. Um sich darüber hinaus auch Neues für die Verwendung des neuen digitalen Werkzug und Mediums zu überlegen, das der Weiterentwicklung der Technologie Rechnung trägt (Stichworte sind hier u.a. Lernorte, Mobilität, Individualisierung, Öffnung), bedarf es eine systematischen und kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den Grenzen (!) und Potenzialen der jeweils neuen Geräte für den Unterricht, aber auch für das gemeinsame Arbeiten der Schüler/innen untereinander sowie der Lehrenden mit den Lernenden.

Die Diskussion um den Einsatz von tablets (und pressewirksamer iPads ;-) im Unterricht legt den Finger wiederholt in die technische, organisatorische und didaktische Wunde der Schulen, wenn es um eine adäquate Ausstattung und Infrastruktur für die Umsetzung moderner Unterrichtskonzepte mit Medien geht und die damit verbundene medienbezogene und didaktische Fortbildung alle beteiligter Akteure (vgl. dazu auch die Diskussionen in den letzten 10 Jahre zum Einsatz von Laptops in Schulen wie z.B. im Kontext des SEMIK-Projekts). Denn die Arbeit in einem Projekt wird nicht weniger, wenn erst einmal ein Satz von X Laptops, Netbooks oder iPads angeschafft wurde und z.B. das W-Lan zuverlässig funktioniert – dann beginnt erst die wirklich herausfordernde Arbeit, um eine langfristige, didaktisch motivierte Akzeptanz bei allen Akteuren zu erzielen. ;-)

Soviel zu meinem aktuellen Fazit.

Darüber hinaus haben Luise Ludwig und ich in einem Workshop zu „Lerninfrastruktur in Schulen: 1:1-Computing“ im Rahmen der Tagung “Wissensgemeinschaften” in Dresden einige unserer Ergebnisse und Einschätzungen vorgestellt. Zum Workshop wird noch ein Tagungsband erscheinen. Vorgestellt haben wir zur Diskussion zum Teil über den Text hinaus die folgenden Punkte:

Der Workshop in Dresden war insgesamt sehr informativ und es gab interessante Diskussionen (Danke an die Organisatoren!). Eine weitere Vernetzung ist geplant.

Thema: Allgemein, Forschung, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Shared Space - Zur Planbarkeit des Unplanbaren

Montag, 15. August 2011 16:53

Beim Lesen des Artikels “Alle haben Vorfahrt!” von Hanno Rauterberg aus dem Feuilleton der ZEIT (Nr. 31/2011, S. 48) zu modernen Konzepten der Stadtplanung kamen mir einige nahe liegende Parallelen zur Diskussion um ein verändertes Lernen in den Sinn.

Es geht hierbei um das Konzept des ‘Shared Space’. Der mancherorts bestehende “Schilderwald”, der den Verkehr stillschweigend regelt und damit anonymisiert, wird (im Extremfall komplett) zugunsten des Rechts-vor-links-Gebots als Basisregel “gerodet”, damit sich alle Teilnehmenden direkt verständigen und aufeinander achten – u.a. um wieder “mehr Leben” in Form von Interaktion in die Straßen zu bringen. “Mit dem Shared Space kehrt das Unvorhersehbare zurück in die Städte: Nicht Sicherheit, sondern Unsicherheit befördert dieser Raum. Er fordert Anteilnahme, Aufmerksamkeit, er verlangt, dass jeder den anderen sieht. Wenn Fußgänger, Skateboardfahrer, Radfahrer, Autofahrer, wenn die Eiligen und die Langsamen, wenn die Raser, die Flaneure, die Kinder, die Alten, die Karrieristen und die In-den-Tag-hinein-Lebenden sich einen Raum teilen, dann kann das nur gelingen, wenn sie sich gegenseitig im Blick haben.” Die Folgen sind dem Autor nach paradox, wonach die wachsende Unsicherheit  das Fahren sicherer mache und die Langsamkeit zu mehr Tempo führe, denn der Verkehr fließe langsam, aber kontinuierlich. Die Stadtplaner/innen planen das Unplanbare. Wie immer bei der Einführung von Neuem, ist eine möglichst frühe Einbindung der “Betroffenen” mit ihren spezifischen Bedürfnissen (Stichwort Diversität) der wichtigste Faktor für das Gelingen - das verschweigt auch der Beitrag nicht.

Auch Didaktiker/innen gestalten heute sich öffnende Lernräume mit digitalen Medien und so werden sie zunehmend zu einem ‘Shared Space’ in dem nicht mehr alles voll geplant ist, sondern von den Interaktionen und Entscheidungen der Lernenden und Lehrenden abhängt.

Um es kurz zu sagen: Es geht heute auch darum, in Lernsituationen mit Hilfe von Basisregeln gemeinsam individuelle (Lern-)Ziele zu erreichen und spezifische Kompetenzen auszuformen. Sich mehr Zeit für das Miteinander nehmen, um (selbstständig) effektiver zu lernen, sei es in Projekten oder problemorientierten Szenarien – auch wenn dieses (anfänglich?) nicht für alle Lernenden gilt, von denen eine solche Offenheit auch als chaotisch oder unnötig erschwerend wahrgenommen werden kann (vgl. auch die auf Sicherheit und Effizienz ausgerichteten Kommentare der Leser/innen zu dem Online-Artikel).

Das Stadtplanungskonzept des Shared Space ist für mich ein Indiz für eine sich weiter entwickelnde Gesellschaft, denn es bietet grundsätzlich
eine innovative Alternative, die zum Zeitgeist passt (wenn man es nicht ideologisiert) bzw. ein Gegengewicht zu den Individualisierungstrends darstellt – genau wie beim Lernen. Doch kann es nur funktionieren, wenn sich ein Kulturwandel vollzieht.

Wenn also eine neue Kultur des Zusammenlebens und der Verkehrsplanung Einzug halten könnte - wie lange braucht es dann noch, für die Akzeptanz einer veränderte Lehr- und Lernkultur? Oder handelt es sich lediglich um den Zeitgeist einiger Idealisten? Folgt bald doch die Ernüchterung - ganz im Sinne eines Kommentars, den ich einmal am Rande eines Workshops sinngemäß wie folgt erhielt: … das klingt ja alles ganz interessant, aber wenn ich Leute brauche, die Gabelstapler fahren sollen, dann brauchen die zuvor doch keine Selbstfindung und Reflexion zu betreiben, sondern sollen den Anweisungen folgen - und sonst nichts.

Das heißt dann wohl: weiterfahren und beobachten ;-)

Thema: Allgemein, Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger