Beitrags-Archiv für die Kategory 'Ideen & Konzepte'

Partizipative Mediendidaktik

Mittwoch, 28. November 2012 5:09

Gestern hatte ich die Gelegenheit mit einem Beitrag im Rahmen der  Ringvorlesung Medien & Bildung 2012/13: »Medienbildung zwischen Utopie und Praxis« an der Universität Hamburg vertreten zu sein. Für mich war  dieser Termin besonders bedeutsam, weil er mich im positiven Sinne dazu angehalten hat das Thema „partizipatives Lernen mit digitalen Medien“ (wieder) anzugehen und (wieder) einen Schritt weiterzudenken (Die Vortragsdokumentation wird hier eingestellt werden).

Nachdem die letzten Wochen in erster Linie vom Start in das neue Semester (inkl. der sehr kurzfristigen Aufnahme von mehr als doppelt so vielen Studierenden wie üblich), anhaltenden Organisationsentwicklungsprozessen im Institut und Vorträgen und Tagungsbesuchen sowie vom „üblichen Unialltag“ geprägt war, ist jetzt wieder Zeit an diesem Thema weiterzuarbeiten, das mich nunmehr seit mehr als 3 Jahren umtreibt. Über Weihnachten will ich unter dem Oberthema einer „partizipativen Mediendidaktik“ dazu eine erste Ausformulierung vornehmen, die auf meinem Vortrag auf dem 5. Magdeburger Theorieforum „Partizipative Medienkulturen“ der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) im Juli 2012 basiert. Ausgangslage ist hier die Frage: „Inwiefern bedarf es im Kontext einer partizipativen Medienkultur auch einer partizipativen Mediendidaktik?“

Als Anker für meine Überlegungen gehe ich konzeptionell einerseits von dem „Mitmachpotenzial“ digitaler Medien aus (aktuell vor allem im Zuge der Entwicklungen im Social Web) und von der Idee einer veränderten Lehr- und Lernkultur die die Partizipationsgelegenheiten, -fähigkeiten und -bereitschaft der beteiligten Personen (und Organisationen) verstärkt. Unter dem (Arbeits-)Titel „Partizipative Mediendidaktik“ geht es mir darum, anknüpfend an bestehende Ansätze zur Allgemeinen Didaktik und Mediendidaktik spezifische Überlegungen zu einer Mediendidaktik auszuformulieren und zu differenzieren, die anknüpfend an die zentrale pädagogische Zielsetzung der Partizipation den Beziehungsraum in Verbindung mit Inhalten und Kompetenzen bei der Gestaltung von Lernumgebungen mit digitalen Medien in den Fokus nimmt.

Hierzu werden sicherlich auch die Ergebnisse aus dem Projekt „PaLerMe“ einen Beitrag leisten, dessen finale Auswertung nach einem Stellenwechsel jetzt wieder angegangen werden kann. Über den Fortgang werde ich hier relativ zeitnah berichten.

Thema: Forschung, Ideen & Konzepte, Reflexion, Vortrag | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

GMW-Jahrestagung einmal anders …

Donnerstag, 16. September 2010 21:28

Abreise aus Zürich, die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) in Zürich ist vorbei.

Sie war anders als die vorangegangen. Einmal  hinsichtlich der unterschiedlichen Formate, die hier erprobt wurden: Pre-Conference als UnConference, interaktive Postersession und Learning Café als Alternative und Ergänzung zu klassischen Keynotes, Sessions mit Vorträgen sowie einer Podiumsdiskussion mit aktiver und hoher Publikumsbeteiligung zur Vertiefung von Themen, die auf der diesjährigen Tagung im Laufe der drei Tage in den Fokus rückten (u.a. eScience, wissenschaftliche Weiterbildung, Nachwuchsförderung). Zum anderen wegen der - im Gegensatz zu vorangegangenen Tagungen - über die Sessions hinaus auffällig geringen Präsenz von Medien und Services wie Vortragsaufzeichnungen, Twitternutzung und Twitterwall.

Auf Grund der besonderen Umstände (zeitgleich in Deutschland fand die DeLFI-Tagung, das diesjährige Aussetzen der MedidaPrix-Verleihung) war es mit ca. 250 Teilnehmenden eine kleine, aber feine Jahrestagung. Danke dafür an die Organisatoren. Das Tagungsprogramm war umfangreich und inhaltlich vielfältig und doch blieben viele Räume zum gemeinsamen Austausch und Kennenlernen. Das Conference Dinner fand auf dem Uetliberg statt – mit einem grandiosen Blick über Zürich. Highlight des Abends war selbstredend die wenig ernste, aber durchaus ernst zu nehmende “Abendlecture” von Joachim Wedekind und Koni Osterwalder zur Twitterkultur der versammelten Edu-Community, wie es so schön im Programm heißt.

Ein besonderer und bewegender Moment auf dieser Tagung war es, als im Rahmen der Mitgliederversammlung Rolf Schulmeister nach dem gesundheitsbedingten Rückzug seiner Kandidatur für den Vorstand, spontan per Akklamation zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Der Tagungsband steht zusätzlich wieder als PDF-Version zur Verfügung.

Von den Beiträgen, die ich gehört habe fand ich die Gesamteinschätzung zur Zukunft für E-Learning-Zentren (ELC) an Hochschulen von Nicolas Apostolopolous sehr anregungsreich. Er bezeichnete digitalen Technologien und Medien in der Hochschule als “strategische Waffen” für die Hochschulentwicklung, u.a. für die Entwicklung einer “Neuen Lehre”. Dabei stellte er die Konsolidierung von ELCs nach einer starken Phase der Initialisierung heraus und gab einen Ausblick für Neuausrichtungen. Dabei spielte der Gedanke der Vernetzung von Institutionen für eLearning und eScience und nach wie vor der Gedanke der Dezentralisierung (Fachkultur, Anknüpfung an Studien-Dekane) neben zentralen Einrichtungen eine wichtige Rolle. Er betonte - und da kann ich nur zustimmen - das “2.0″ und damit verbunden die Einführung anspruchsvoller Lehr- und Lernszenarien eben keine einfache Sache sei (”Mit eLearning muss man gerade jetzt anfangen”). So stellte er auch die berechtigte Frage, inwiefern die 2.0-Idee die Strukturen der ELC kannibalisiere. Daher wäre es an der Zeit ELC neu auszurichten und E-Teaching, E-Learning + E-Science + Multimedia (-Dienste) zusammen zudenken und sich gegenseitig stärken zu lassen, sprich die Geschäftsfelder der ELCs mit Blick auf eine E-University zu erweitern. Ich würde hier noch explizit ergänzen, dass gerade im Bereich E-Learning und E-Teaching auch eine enge Kooperation mit der Hochschuldidaktik erfolgen bzw. in diesem Bereich mitgedacht werden müsse. Im Learning Café hat mich die Diskussion um die Varianten von Peer-Review-Verfahren, die von Gabi Reinmann und Silvia Sippel moderiert wurde, sehr zum Nachdenken angeregt – gerade mit Blick auf den nicht unwichtigen Zusatz “peer reviewed” in der eigenen Publikationsliste (Wer sind eigentlich bei welcher Form des Reviews die Peers und welche Funktion hat das jeweilige Review?). Zu der Frage, wie die neuen Medien diese Prozesse unterstützen können, sind wir dann nur noch am Rande gekommen. Christiane Metzger berichtete über das ZEITLast-Projekt, bei dem auch ein Teilprojekt an der Universität Mainz angesiedelt ist. Sie stellte die neuesten Erhebungszahlen der Zeitbudgetanalyse von Studierenden vor, die zeigten, dass die viel beschworene extreme Überlastung von BA-Studierenden mehr einem subjektiven Eindruck, denn einer Tatsache entspricht – zumindest bei der vorliegenden Stichprobe. Es gab offensichtlich weitere Highlights wie die Pre-Conference, die u.a. von Sandra Hofhues und Thomas Bernhardt organisiert wurde sowie die Keynote von Rolf Schulmeister, über die viel zu hören war und an denen ich leider nicht teilnehmen konnte. Besonders gefallen hat mir der gute Mix von “alten” und “neuen” Formaten (eLearning-Café, Vorträge, Un-Conference) – wie immer ist es das angemessene Verhältnis zwischen Diskurs und Präsentation von (anspruchsvollen) Inhalten. Eine Linie, die so unbedingt weiter verfolgt werden sollte.

Ich selbst habe die Tagung nutzen können, um meine Ideen zum partizipativen Lernen im Sinne eines eLearning 2.0 vorzustellen. Meine Präsentationsfolien stelle ich hier zum Nachschauen zur Verfügung:

Nach dem Vortrag habe ich dazu noch einige anregende Diskussionen führen können. Über Nachfragen und Anregungen dazu freue ich mich.

Im kommenden Jahr findet die nächste GMW- zusammen mit der DeLFI-Tagung zum Motto “Wissensgemeinschaften” in Dresden statt. Man darf gespannt sein.

[Nachträge]: Weitere Eindrücke zur Tagung finden sich u.a. bei Thomas Bernhardt, Alexander Florian, Sandra Hofhues, Ralph Müller, Dominik PetkoGabi Reinmann, Mandy Schiefner.

Thema: Ideen & Konzepte, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

Der Stein ist ins Rollen gebracht …

Montag, 26. April 2010 15:05

Die ePortfolio-Arbeit ist in den letzten Jahren im Bereich des akademischen eLearnings schon fast zu einem Trendthema geworden. Seit fast zwei Jahren beschäftige auch ich mich aus mediendidaktischer Perspektive näher mit dieser Thematik, weil sicher in der Auseinandersetzung damit zugleich zentrale Fragestellungen zum veränderten Lehren, Lernen und Prüfen “im Sinne von 2.0″ gut untersuchen lassen.

Im letzten Wintersemester (2009/10) habe ich das erste Mal selbst mit ePortfolios in der alltäglichen akademischen Lehre in der Medienpädagogik gearbeitet, d.h. in einem eher “klassischen” Mittelseminar, zu einem eher “klassischen” Thema (”Ansätze von Medienkompetenz und -bildung”), mit regulären Studierenden (Diplom/Magister) im Hauptstudium unter den üblichen universitären Bedingungen (in der Regel wöchentliche Seminarsitzungen; zusätzliche Einbindung der universitären Lernplattform; Vergabe von “Scheinen” zum Schluss der Veranstaltung), etc. Einige der Studierenden haben freiwillig als alternative Form des Leistungsnachweises ein ePortfolio in Form eines Weblogs (mit Wordpress) zum Thema geführt. Die (medien-)didaktischen Erkenntnisse aus diesem ersten Durchlauf sowie die Ergebnisse der kleinen explorativen Studie, die ich begleitend durchgeführt habe, verschriftliche ich gerade systematisch und werde diese auch im Rahmen meines Vortrags auf der kommenden ECER-Konferenz in Helsinki vorstellen.

In diesem Seminar konnte ich wichtige Erfahrungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit ePortfolios als alternative Methode der Leistungsbewertung machen. Als wesentliche Punkte haben sich für mich die folgenden herauskristallisiert, die m.E. alle sehr stark mit einer klaren und für die Studierenden nachvollziehbaren Struktur des didaktischen Szenarios zusammenhängen:

  • Rolle der Lehrenden als Lernprozessbegleiterin und -prüferin
  • Festlegung von Lern- und Bewertungsphasen
  • Betreuung
  • Verbindlichkeit
  • Wertschätzung
  • Offenheit & Neugierde
  • Freiheit für Schwerpunkte/Interessen der Studierenden
  • Form, Funktion sowie Quantität und Qualität von “Artefakten” (Wahl- und Pflichtbeiträge)
  • Transparenz
  • Mehrarbeit (muss als Mehrwert ersichtlich sein)
  • Technik

Diese ersten Erfahrungen konnte ich jetzt in die Implementierung der ePortfolio-Arbeit in den kompletten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft der Universität Mainz einbringen und weiter entwickeln. In diesem Semester haben knapp 20 Studierende Medienpädagogik als vertiefende Studienrichtung als eine von fünf für die letzten 3 Semester in ihrem BA-Studium gewählt. Sie werden in diesem Schwerpunkt auch ihre BA-Arbeit verfassen, worauf das ePortfolio vorbereitet und hinführt.

Der Rahmen für die Einführung der ePortfolio-Arbeit ist hier relativ günstig, da zeitgleich eine Restrukturierung von Lehre in BA-Studiengängen am Beispiel dieser Studienrichtung erprobt wird. Dieses geschieht im Rahmen des Projekts “ZeitLast“. Wir sind insgesamt vier Lehrende (Stefan Aufenanger, Petra Bauer, Lena Groß und ich), die ihre vier Lehrveranstaltungen gemeinsam geblockt haben und dieses Semester zusammen gestalten. Grob sieht das Szenario so aus, dass es zwei feste Präsenztermine in der Woche mit dazwischen liegenden Selbststudienphasen gibt. Die Studierenden nähern sich einerseits projektorientiert der medienpädagogischen Praxis, andererseits erarbeiten sie sich in Phasen auch theoretische Zusammenhänge. Von uns Lehrenden wird jeweils eine thematische Phase gestaltet (Mediensozialisation, Medienkompetenz u. -bildung, Medienerziehung u. -praxis sowie zur Forschung); zusätzlich gibt es gemeinsame Termine für alle – wie in einem Workshop, nur über einen längeren Zeitraum ;-).
Das ePortfolio (in Form eines Weblogs mit Wordpress erstellt) soll eine Art “persönlicher roter Faden” auf Seiten der Studierenden über die unterschiedlichen Themenphasen hinweg darstellen. Von Seiten der Lehrenden wird das Semester über einen gemeinsamen Kurs auf der Onlineplattform “moodle” gestaltet.
Die Betreuung durch uns Lehrende im Rahmen des Studienschwerpunkts erfolgt im Sinne eines Mentorenprinzips, d.h. jede/r von uns betreut eine kleine Gruppe von Studierenden über das ganze Semester. Daneben soll es Phasen des Peer-to-Peer-Tutoring und ein Tandemprinzip geben.

Letzten Donnerstag habe ich den Studierenden unsere Idee der ePortfolio-Arbeit vorgestellt und erläutert und Sie wurden von einer Tutorin in die Arbeit mit Wordpress eingeführt. Im Moment richten Sie ihr ePortfolio ein und schreiben am ersten Beitrag.

Zielvorstellung ist, dass die Studierenden des Schwerpunkts Medienpädagogik mit Hilfe Ihres ePortfolios gezielter ihren inhaltlichen Platz in der Medienpädagogik bzw. ihren Schwerpunkt finden können. Studiengangsbezogen bestehen die Erwartungen u.a. darin, dass sich die Studierenden über Zwischenschritte und Umwege bewusst(er) auf ihr Praktikum und ihre BA-Arbeit vorbereiten können, schon frühzeitig ihren Interessen folgen können und damit insgesamt motivierter und erfolgreicher studieren.

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwiefern sich unsere Erwartungen erfüllen und wohin die Entwicklungen gehen werden …

Thema: Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (3) | Autor: mayrberger

Partizipation auf Tagungen – Herausforderung Podiumsgespräch

Freitag, 2. Oktober 2009 17:27

Die diesjährige eLearning 2009 in Berlin hat wesentlich dazu beigetragen, dass (immer noch) ein reger Austausch über die Gestaltung von Tagungen stattfindet – und das ist, wie man in Berlin zu sagen pflegt(e), “auch gut so”.

Meiner Ansicht nach, ist diese Diskussion um die grundsätzliche Öffnung von Veranstaltungen mehr als fällig – gerade dort, wo über mehr Kommunikation, Interaktion und Partizipation gesprochen wird, scheint mir das Format mit Vorträgen und anschließender Diskussion als alleiniges Format nicht mehr auszureichen. Allerdings kann und sollte nun auch nicht jede Konferenz gleich zu einem Workshop oder BarCamp werden. Es kommt - wie bei der Gestaltung von Lernumgebungen generell - auch hierbei auf den angemessenen Wechsel von zur Zielgruppe (und zur Fachkultur) passenden Methoden an. Und dass Tagungen im Kontext von “eLearning” und “Web 2.0″ offensichtlich an ihrem Format arbeiten müssen, um diesem Anspruch gerecht zu werden, zeigen die facettenreichen Blogbeiträge der letzten Wochen, die ausgehend von der Problematisierung einer sinnvollen Integration von Twitter im Rahmen von (konventionellen) Tagungsformaten auch Anregungen für Tagungsgestaltungen geben (z.B. die Gedanken dazu von J. Wedekind, C. Spannagel oder J. Hochberg und die mittlerweile zahlreichen Kommentare).

Ich finde diese Diskussion nicht nur aus hochschuldidaktischer Perspektive sehr interessant, sondern habe das Ganze auch mit einem Blick auf konkrete Praxis verfolgt. Denn im Herbst findet die Campus Innovation in Hamburg statt und dort wird es im Rahmen des e-Portfolio-Tags, der von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar und mir organisiert wird, ein Podiumsgespräch geben. Und wir können ja nun nicht mehr sagen, wir hätten nicht um die Spannbreite der Bedürfnisse innerhalb der Zielgruppe gewusst ;-). Dieses betrifft vor allem die Gestaltung des Podiumsgesprächs zum Thema “ePortfolio – Was können Schule und Hochschule voneinander lernen?”, dessen Moderation ich übernehme und als solches eben nicht zu einer Statementrunde avancieren soll, wie G. Reinmann hier zurecht anmerkt. Diese Woche haben wir uns getroffen und darüber beraten, wie es gut machbar ist, den acht Gästen, die alle viel zu dem Thema zu sagen haben werden, einen Rahmen zu ermöglichen, der zu einem “richtigen” (Experten-)Gespräch ermutigt und zugleich das Publikum adäquat mit einbezieht, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass bei diesem Format die geladenen Podiumsgäste im Zentrum der vorgesehenen 90 Minuten stehen.
Wir waren uns aber sehr schnell einig darüber, dass es eine Einbindung des Publikums auf unterschiedlichen Ebenen geben soll – auch über Twitter. Daher haben wir kurzerhand beschlossen, die Moderation durch eine “Twitter”-Moderatorin zu ergänzen, was Christina Schwalbe übernehmen wird, die u.a. die direkten oder “getwitterten” Fragen, Thesen und Anregungen von Seiten des Publikums sammeln und moderieren wird – alles in allem keine leichte Aufgabe für uns … Von diesen methodischen Überlegungen mal abgesehen, dürften aber für eLearning-Interessierte vor allem die Inhalte des gesamten eLearning-Tracks über die beiden Tage von Interesse sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Praxis, Veranstaltung | Kommentare (3) | Autor: mayrberger

Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht - Potentiale und Herausforderungen”

Samstag, 26. September 2009 21:02

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen der Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht - Potentiale und Herausforderungen”. Die AG Medienpädagogik im Institut Erziehungswissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Aufenanger hat zusammen mit dem Forschungsschwerpunkt “Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) der Johannes Gutenberg - Universität Mainz eine zweitägige Fortbildung im Tagungsformat (nicht nur) für Lehrerinnen und Lehrer in den neuen Räumlichkeiten der FH Mainz angeboten.
Die Veranstaltung war so organisiert, dass  vier “akademische” Plenarvorträge rund um das Thema “neue Medien” zu den Themenfeldern “Schulentwicklung”, “Mediensozialisation”, “Rechtsfragen” und “Lehren und Lernen” zur Orientierung angeboten wurden sowie eine Vielzahl an spezifischen Workshops, die an diese Themenfelder anschlossen (siehe Programm Do, 24.9. und Fr. 25.9.). Mit gut 150 Teilnehmenden war die Tagung ausgebucht.

Ich war mit einem Plenarvortrag zum Thema “Schule 2.0?! - Verändertes Lehren und Lernen mit Social Software” beteiligt:

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Aus diversen Gesprächen im Anschluss hieran und auch später, wurde mir sehr deutlich, dass – was bei dem Tagungspublikum natürlich auch nahe liegt – eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für die Integration von neuen Medien in die Lehre, sei es nun in Form von “1.0″ oder “2.0″ vorhanden ist, gerade auch weil die neuen Medien eine so bedeutende Rolle in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen spielen. Es zeigte  sich, dass nach wie vor “gute Beispiele” und “Anregungen für die Praxis”, wie z.B. in hochschuldidaktischen Fortbildungen auch, die mit relativ geringem oder zumindest angemessenem Aufwand umzusetzen sind, von großem Interesse sind. Gerade hier liegt m.E. auch ein Feld, dass vor allem im Bereich von Social Software noch weiterer Bearbeitung bedarf: Die Erprobung, Dokumentation und Evaluation von guter täglicher (Unterrichts-)Praxis.
Zum Abschluss habe ich ein “World Café” mit den verbliebenen ca. 40 Teilnehmenden durchgeführt, in dem es im Sinne eines Rück- und Ausblicks zur Tagung im groben um die Fragen ging, wie ich als Lehrperson selbst die Integration neuer Medien fördern  und wo ich überall Unterstützung erhalten kann und welche Erfahrungen da bisher vorliegen. Nachdem ich bisher selbst an unterschiedlichen Varianten von der Methode “World Café” teilgenommen hatte, war ich gespannt, wie diese Methode wohl bei diesem Publikum und vor allem nach einem langen Tagungstag ankommen würde. Es zeigte sich und das deckt sich auch mit meinen bisherigen Erfahrungen als Teilnehmerin, dass solche eher offenen Formate sehr gut angenommen werden und in diesem Fall noch einmal sehr gut wesentliche Gelingensbedingungen für die Integration von neuen Medien (nicht nur) in die Schule gemeinsam herausgearbeitet und (kritisch) diskutiert werden konnten. Ich nehme aus dieser Erfahrung und auch aus denen zur GMW 2009, über die ich hier berichtete, mit, dass offene Formate heute auf Tagungen (neben herkömmlichen Formaten) unbedingt einen Platz haben sollten. Impulse dieser Art erhoffe ich mir u.a. auch von meiner (erstmaligen) Teilnahme an einem BarCamp, der EduCamp 2010 an der Universität Hamburg.

Die vielfältigen Angebote, die professionelle Organisation sowie zahlreiche Möglichkeiten zum informellen Austausch trugen so auch dazu bei, dass vor allem zum Ende der Tagung verschiedentlich geäußert wurde, dass es so eine Art von Veranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer bitte häufiger geben solle. Eine Dokumentation zur Tagung (Download von Vortragsfolien, Fotos etc.) wird in den nächsten Tagen hier zu finden sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

eAssessment – Rückblick auf den GMW-Workshop 2009

Montag, 22. Juni 2009 18:01

Der diesjährige Expertinnenworkshop der GMW zum Thema “eAssessment” wurde letzte Woche vom E-Learning Center (ELC) der Universität Zürich  ausgerichtet. Und ja, es handelte  sich in der Tat um einen Workshop, der nicht ausschließlich dem Konzept der Referate folgt, wie man es sonst häufig unter dem Label “Workshop” in der Wissenschaft erlebt, sondern Beteiligung fördert und in wesentlichen Phasen von ihr lebte.

Neben kurzen Referaten zu summativen wie formativen Konzepten und Projekterfahrungen zum Thema eAssessment im akademischen Kontext (vgl. Programm) boten das “Learning Café” als Variante und die interaktive Postersession genügend Gelegenheiten ausführlicher miteinander ins Gespräch zu kommen und den eigenen Interessen zu folgen. Ich hoffe, dass weitere “klassische” Veranstaltungsformate den Schritt hin zur (phasenweisen) Öffnung für mehr Beteiligung der Teilnehmenden gehen werden.

Thematisch war es für mich einerseits spannend zu erfahren, wo Projekte sehr aktiver Institutionen in diesem Bereich, wie z.B. das CeDis oder das ZMML, heute stehen - auch mit Blick auf den Ende 2007 im Rahmen von KoOP veranstalten Workshop zum “Computerunterstützten Prüfen”. Weiter nachdenken werde ich sich über das Plädoyer von Nicolas Apostolopoulos, unter bestimmten Bedingungen für das eAssessment auf die eigenen Laptops der Studierenden zu setzen. In diesem Kontext werden auch die ersten (nicht nur technischen) Erfahrungen der Universität Paderborn interessant sein, die alle Studienanfängerinnen und -anfänger im Wintersemester 2009/2010 mit Netbooks ausstattet. Ich finde diese Perspektive vor allem im Kontext formativer Prozesse des eAssessment zukunftsweisend.
Ebenfalls anregend war für mich der Beitrag von Tobias Zimmermann und Karen-Lynn Bucher, die über ihre Erfahrungen mit Online-Diskussionen als Leistungsnachweise in einer Vorlesung mit über 200 Studierenden berichteten – anregend deshalb, weil ich einige Punkte gut nachvollziehen konnte, andere unter anderen Rahmenbedingungen anders machen würde. In jedem Fall hat dieser Beitrag noch einmal exemplarisch für andere Erfahrungen dieser Art daran erinnert, dass man grundsätzlich auch auch in Vorlesungen auf formatives eAssessment von Einzelleistungen setzen kann.
Abgerundet hat den Workshop das Abendessen im “UniTurm” mit beeindruckender Aussicht auf Zürich und Umgebung.

Nachtrag [06.07.09]: Alle Videoaufzeichnungen, Folien und Poster stehen nun auf der Website des E-Learning Centers zum Download bereit.

Thema: Ideen & Konzepte, Veranstaltung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

“2.0″ als Chance für die akademische Lehre plausibel zu machen ist und bleibt eine Herausforderung

Sonntag, 21. Juni 2009 2:05

Vergangenes Wochenende fand der erste Teil meines Blended-Learning Workshops zu “Social Software in der Hochschullehre” im Rahmen des MoHE am Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung statt.
Wie immer ist es eine Bereicherung mich mit interessierten und zugleich anspruchsvollen Teilnehmenden des Studiengangs, die zugleich Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Fächern sind, über die Chancen und Grenzen der Integration von digitalen Medien in die akademische Lehre allgemein und hier im besonderen von Social Software auszutauschen.
Trotzdem die Vorkenntnisse, Erwartungen und Bedürfnisse der Teilnehmenden relativ heterogen waren, haben wir uns sowohl einen ersten Über- bzw. eher Einblick in die Tools verschafft und diese erprobt, als auch zentrale Punkte ansprechen können. Zum Teil wurde - trotz oder gerade auf Grund des hohen Anteils an Noviz/innen im Workshop - “der Finger in die Wunde gelegt”, d.h. es wurden auch Themen und Fragen angesprochen, deren mögliche “Lösungen” auch zur Zeit noch innerhalb der Fachcommunity diskutiert werden.

Einige dieser Aspekte notiere ich hier als Fragen, um auch weiterhin im Blick zu behalten, womit sich (nicht nur junge) Lehrende auseinander setzen:

  • Mehrmals wurde gefragt: Inwiefern stehen Aufwand und Nutzen der Integration von neuen Medien bzw. der Umsetzung von eLearning in einem adäquaten Verhältnis? Lohnt es sich, z.B. die knappe Zeit als Promovendin in aufwändige Lehre zu investieren statt in Forschungsprojekte?
  • Wo erhalte ich klare Handlungsempfehlungen her, wie Szenarienübersichten für unterschiedlichste Einsatzmöglichkeiten, Toolempfehlungen für konkrete Kontexte etc.?
  • Wie kann ich mit Widerständen im Kollegium oder bei den Studierenden gegenüber ungewohnten Lehr- und Lernmethoden (mit und ohne digitale Medien) umgehen?
  • Wie verändert sich meine Rolle als Lehrende/r im Zuge von “2.0″ – wie verändert sich das Verhältnis von Nähe und Distanz (Sollte ich z.B. jede “Freundschaftsanfrage” von Studierenden in eine Online-Community konsequenterweise angenommen werden? Wie erreichbar muss ich sein – 24/7? )? Wo bzw. habe ich als Lehrende meine persönliche Grenze?
  • Wie gehe ich mit Tools auf dem Web 2.0-Markt um, hinter denen ökonomische Interessen stehen (Sammlung von persönlichen Daten zu Marketingzwecken etc.)?
  • Wie gehe ich mit rechtlichen Aspekten um? Wie pragmatisch kann und will ich in dieser Hinsicht sein?
  • Lehre im Sinne von 2.0 heißt auch, die “Türen des Klassenraums zu öffnen”(z.B. in Form von Vorlesungsaufzeichnungen via Podcasting) - Wie gehe ich damit als Lehrende/r um?
  • Sind die Studierenden technisch so fit, wie behauptet wird? Wollen sie eLearning in seinen Varianten überhaupt?
  • Wie kann man Studierenden, die zunehmend in eine Konkurrenzsituation stehen (nicht nur um die späteren Arbeitsplätze, sondern z.B. auch um die begrenzten MA-Studienplätze) zum kooperieren und (halb-)öffentlichen Publizieren anregen und überzeugen?
  • Wie kann ich die Qualität der Inhalte (”User generated Content”) unterstützen und gewährleisten? Wie gehe ich mit Plagiaten um?
  • Kann ich Studierenden “zwingen” (z.B. qua Leistungsnachweis) ihre Inhalte ins öffentliche Netz zu stellen? … oder sich einen Account bei einem kommerziellen Anbieter einzurichten?
  • Wie kann ich die Lernenden motivieren, sich bei dieser Form des Lernens zu engagieren?
  • Wie kann ich die Online-Kommunikation und Partizipation fördern?
  • Reichen die technischen und auch personellen Ressourcen vor Ort aus?
  • Welche Implementierungsstrategien gibt es?
  • Inwieweit handelt es sich bei Social Software nicht um die “nächste Sau, die durch das Dorf getrieben wird”?
  • Wie gehe ich mit dem Widerspruch von eLearning 2.0 und den strukturellen Rahmenbedingungen an der Universität um (Fachkultur, Organisation, Vorgaben im Rahmen der BA etc.)?

Einige der Fragen haben wir ausführlicher besprechen können, andere konten wir nur anreißen und gemeinsam ein Spektrum an Handlungsmöglichkeiten erarbeiten. Bei einigen Fragen wurde in der Diskussion auch deutlich, dass es sich hier um die persönliche Haltung und Einstellung zum Lehren 2.0 handelt. In jedem Fall führten die Auseinandersetzungen dazu, dass einige mit neuen Impulsen und Reflexionen in die Online-Phase gegangen sind.

Zwar nehmen Praxiserfahrungen, empirische Untersuchungen und “best practice”-Beispiele deutlich zu (vgl. u.a. das Themenspecial zu Web 2.0 auf e-teaching.org oder ausgewählte Publikationen der GMW-Buchreihe “Medien in der Wissenschaft” oder der zeitschrift für e-learning), doch gibt es eben nicht DIE Handreichung, DAS Szenario und DIE Checkliste etc., um die Integration von digitalen Medien in die akademische Lehre (nicht nur im Sinne von 2.0) erfolgreich unter Berücksichtigung des jeweiligen fachspezifischen Kontexts und der  Fachkultur zu etablieren.

Ich verstehe die genannten Fragen, die nur einen Ausschnitt zeigen, auch weiterhin als Auftrag (an die Fachcommunity), noch breiter empirisch, konzeptionell aber auch ganz praktisch bzw. entwicklungsorientiert zu arbeiten, um die Veränderung von Lehren und Lernen mit Unterstützung digitaler Medien (nicht nur) im akademischen Bereich zu fördern und plausibel zu machen.

Der Workshop befindet sich im Moment in der Online-Phase und ich bin neugierig, wie die Teilnehmenden ihre zum Teil ersten eLearning-Erfahrungen aus Lehrenden- und Lernendenperspektive in vier Wochen einschätzen werden.

Thema: Community, Forschung, Fragen, Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (2) | Autor: mayrberger