Beitrags-Archiv für die Kategory 'Community'

Zwischen Theorie, Empirie, Entwicklung und Anwendung – Rückblick auf die GMW 2013

Dienstag, 10. September 2013 10:44

Die diesjährige GMW 2013 in Frankfurt war für mich in gewisser Weise eine besondere Tagung, denn ich war das erste Mal mit dem Team der „Augsburger Mediendidaktik” dabei. Wir haben mit einem Vortrag zum Projekt UniPAd (PDF) und einem Vortrag zur partizipativen Mediendidaktik (PDF) sozusagen den Einstand für die Aktivitäten der Professur für Mediendidaktik in die GMW-Community gegeben. Zudem fand ich es wichtig, dass alle Nachwuchswissenschaftler/-innen an der Professur die GMW frühzeitig kennen lernen, um einen Eindruck einer wichtigen Bezugs-Community mit ihren Themen und Personen zu erhalten.

Bei der gemeinsamen Nachlese kam vor allem die auffällig unterschiedliche Ausrichtung der Beiträge in Bezug auf Theorie und Praxis zum Ausdruck – gerade im Vergleich zu Tagungen anderen Fachcommunities, wie bspw. der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Dabei wurde das sowohl positiv wie eher negativ wahrgenommen.

Dass diese Diskrepanz wieder so deutlich auffiel, finde ich interessant. Denn schon 2012 wurde im Rahmen einer Klausurtagung des GMW-Vorstands lange an diesem Merkmal der GMW diskutiert und erörtert, inwiefern darin nicht eine Diskrepanz sondern ein spezifischer Mehrwert gerade dieser Fachgesellschaft läge. Das Ergebnis hatte dann auch Eingang in das aktualisierte Strategiepapier für die GMW 2012.

Doch scheinen hier die Wahrnehmungen vielleicht nicht nur beim Nachwuchs, sondern auch in der ganzen Community durchaus unterschiedlich zu sein. Wie also mit dem “Spektrum zwischen Handlungs- und Forschungsorientierung” in den kommenden Jahren konstruktiv umzugehen sein wird – auch das ist eine Herausforderung zwischen Vision und Alltag.

Thema: Community, Veranstaltung | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Forschung in der Medienpädagogik

Montag, 7. November 2011 15:40

Ende letzter Woche fand am 3. und 4. November an der Universität Leipzig die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE zum Thema “Methodologie und Methoden der medienpädagogischen Forschung” statt. Ausgerichtet wurde die Tagung dankenswerter Weise vom Team der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung um Bernd Schorb. Die eher familiären Atmosphäre bei ca. 50 Teilnehmenden erlaubte einen recht intensiven Austausch – doch, wie so häufig, hätte es noch noch mehr Zeit für einen ausührlicheren Austausch bedarf. Das Tagungsprogramm mit seinen systematischen, konzeptionellen sowie projektbezogenen Beiträgen zur Tagungsthematik deckte alle wichtigen Bereiche ab  – von der Entwicklungsforschung und Evaluation bis hin zu Qualitativer und Quantitativer Forschung im nationalen wie internationalen Bereich. Ähnlich wie bei der Herbsttagung 2010 in Zürich (vgl. meinen Rückblick), bei der es um Grundbegriffen der Medienpädagogik ging, standen  auch auf dieser Tagung letztlich wieder Fragen des Selbstverständisses der Medienpädagogik im Gefüge benachbarter Disziplinen wie der Empirischen Bildungswissenschaft im Zentrum, was sich besonders in der abschließenden Diskussion am Freitag zeigte.

Interessant waren für mich im Laufe der zwei Tage einige Punkte. Dazu zählte am ersten Tag die Diskussion zum Verhältnis von Design Based Research-Ansatz und der Aktions- und Handlungsforschung in der Pädagogik aus den 1970er Jahren, die auch die Schwierigkeiten einschloss, eine nachhaltige Implementationsforschung im Rahmen heutiger Ressourcen über mehrere Zyklen zielführend zu ermöglichen. Zudem war es spannend, sich mit der großen Herausforderung für die Medienpädagogik auseinanderzusetzen einerseits als interdisziplinäre (Tei-)Disziplin (der Erziehungswissenschaft) offen und anschlussfähig sein zu wollen und zu müssen und andererseits einen spezifischen Kern bestimmen zu müssen, damit sie sich und ihre Zuständigkeit gegenüber anderen Disziplinen begründet behaupten kann. Ausgangspunkt hierfür war die eingangs von Gerhard Tulodziecki aufgeworfene Frage, was das genuin medienpädagogische an den vorgestellten Forschungsansätzen oder -perspektiven sei. Diese Frage zog sich  bis in die Abschlussdiskussion durch. Es konnte wie zu erwarten war, in der Kürze der Zeit nicht die Antwort gefunden werden, doch schien sich ein Minimalkonsens abzuzeichnen: Die Anwesenden stimmten eher darin überein, dass es sich bei der Medienpädagogik um eine Handlungs- und Reflexionswissenschaft handle. Als pädagogische bzw. heute eher erziehungswissenschaftliche Disziplin mit deutlichem Bezug zu den Sozialwissenschaften beinhaltet die Medienpädagogik dennoch immer auch eine normativen Perspektive (z.B. in Fragen der Medienkompetenzförderung oder Medienerziehung). Dieses mag damit zusammenhängen, dass eher Konsens darüber bestand, dass ein wesentlicher Kern von Medienpädagogik die medienbezogene Auseinandersetzung mit den erziehungswissenschaftlichen Kernbegriffen Bildung, Erziehung, Lernen sowie Entwicklung und Sozialisation meint. Dieses schließt Praxis, Theorie, Forschung und Entwicklung mit ein. Ausgehend von dem Bereich der medienpädagogischen Praxisforschung wurde so auch diskutiert, inwiefern es einer Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und Forschung und Praxisforschung und Evaluation bedürfe. Konsens war, dass in jeder Praxis auch grundlegende Fragestellungen mitbehandelt werden müssten bzw. grundlegende Forschung und Anwendungsorientierung sich ergänzen und nicht ausschließen oder gar in Konkurrenz stünden. Eine Rückbindung von Theorie und Praxis und umgekehrt, könne dazu dienen, den offenen Kern der Medienpädagogik zu stärken und weiter zu etablieren. Abschließend wurde so auch der Punkt besprochen, welche Position die Medienpädagogik heute mit ihrer spezifischen Perspektive in der Wissenschaftscommunity habe und wie sich diese auf die Förderung von Projekten bzw. die Antragstellung bei Drittmittelgebern auswirke. Dass sich die Medienpädagogik auf Grund aktueller Fördertendenzen nicht komplett “verbiegen” könne war Konsens, aber auch, dass sich die Medienpädagogik nur dann stärker etablieren könne (z.B. mit Blick auf Schaffung/Nicht-Streichung von Professuren), wenn sie sichtbarer im Bereich der Drittmittelforschung (z.B. DFG) werde. Ähnlich wie Mandy Rohs‘ ging es mir bei dem Punkt, dass ich einige Aspekte gerne vertiefend diskutiert hätte – ähnlich wie bei der letzten Herbsttagung.

Für die weiteren Tagungen gibt es also noch genügend Potenzial zum weiteren Diskutieren - so im nächsten Jahr an der Universität Hamburg :-).

Eine kurfristige Möglichkeit biete sich hierzu für Interessierte am 17.11.2011 in Nürnberg, wenn sich im Vorfeld der diesjähigen GMK-Jahrestagung die Initative “Keine Bildung ohne Medien trifft!”, um die zukünftige Ausrichtung und Organisation der Initative zu besprechen. Als ein weiterer Erfolg der Arbeit dieser Gruppe kann sicherlich die gemeinsame Publikation der Ergebnisse des bildungspolitischen Medienkongresses aus dem Frühjahr diesen Jahres in Form einer bildungspolitischen Broschüre dienen. Diese Broschüre, die mehrere Feedbackrunden durchlaufen ist, bis sie in der vorliegenden Form einen gewissen Konsens der medienpädagogischen Communtiy abbildet, liegt auch als PDF vor.

Thema: Community, Veranstaltung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Nachgang zur Tagung “Kreide war gestern – Neue Medien verändern Schule?!”

Samstag, 19. Februar 2011 11:28

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen des Einsatzes von digitalen Medien in Schule und Unterricht und den Chancen und auch Herausforderungen, die damit einhergehen (können). Ich selbst habe mit diesem überblickenden “Impuls” zum veränderten Lehren und Lernen mit digitalen Medien in der Schule zur Tagung “Kreide war gestern – Neue Medien verändern Schule?!” beigetragen:

Ein für mich sehr inspirierender Workshop, den ich besucht habe, war “iPad-Klasse im Einsatz! Wie ein Gerät unterrichtliche Prozesse verändert“. Hier gab es eine motivierenden Einblick, in das was in Schule (auch “nur” als Pilotversuch) aus medienpädagogischer Sicht möglich sein kann, wenn man will, gute Ideen hat und über medienpädagogische Kompetenz verfügt, um ein “rundes” Konzept auf die Beine zu stellen, das “guten” Unterricht mit digitalen Medien realisieren lässt. Besonders gefallen hat mir hierbei, dass auch zwei Schüler mit dabei waren und den Entstehungsprozess einer selbst programmierten App der “App-AG” der BBS (mit Stolz) selbst präsentiert haben und später als kompetente Ansprechpartner beim “Hands-on” dabei waren.

Insgesamt wurde mir aber auch auf dieser Veranstaltung (wieder einmal) deutlich, dass natürlich nach wie vor eine überzogene Technikzentrierung und Euphorie für das Neue (Spielzeug ;-) ) mit Blick auf die nachhaltige Veränderung von Lehr- und Lernprozessen nicht zielführend ist, ebenso wie das Ignorieren der Herausforderungen und Problemen, die mit der vermehrten Nutzung des Internets im Schulkontext auftreten können (nicht zwangsläufig auch müssen, wie andere gute Konzepte wiederum zeigen).

Doch - und das zeigen solche Fortbildungen/Tagungen mir auch immer wieder - “wer nicht wagt, der nicht gewinnt.” Und so braucht es immer wieder diejenigen “Innovators” und “Early Adopter” die mit Neugierde voran schreiten und auch trotz des häufigen Mehraufwands Spaß daran haben, die Möglichkeiten neuer Technologien für das Lehren und Lernen zu erkunden und auszuloten und ihre Erfahrungen auch kund zu tun. Es gilt letztlich gerade für Lehrer/innen eine zeitgemäße (professionelle) Position zwischen Technologieeuphorie und rein bewahrpädagogischem Bedenken zu finden – wie schon seit Beginn der Diskussion um den Einsatz von Computern im Unterricht. Und hier bedarf es m.E. in allen Phasen der Lehrer/innenbildung eine Beschäftigung mit dieser Thematik um zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit mit Bezug auf digitale Medien stetig beizutragen. Denn letztlich kann es für alle Lehrer/innen nur darum gehen, gemeinsam mit den Schüler/innen einen möglichst “guten Unterricht” zu gestalten – und dazu können digitale Medien sinnvoll eingesetzt ihren Beitrag leisten.

Was es nun braucht, sind (weitere) empirische Arbeiten, die die vorliegenden Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis und Ergebnisse sowie erkennbare Tendenzen aus Evaluationsstudien differenziert anschauen und damit die  unterschiedlichen Annahmen in der bestehenden Diskussion schlicht prüfen.

Es gibt viel zu tun …

Thema: Community, Forschung, Position, Praxis, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Einblick in die Lehre II: Universitäre „Massenveranstaltungen“ anders gestalten

Montag, 6. Dezember 2010 15:58

– ein Spagat zwischen hochschuldidaktischem Ideal und alltäglichen Hürden.

In diesem Beitrag möchte ich einen Einblick in erste Erfahrungen mit der Umsetzung eines Blended Learning-Konzepts zur „Einführung in die schulischen Medienpädagogik“ geben – einer sogenannten Massenveranstaltung in den Bildungswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die ich zusammen mit Petra Bauer und Hannah Hoffmann durchführe.

Ausgegangen wurde von mir bei der Reorganisation von der Annahme, dass eine Veranstaltung mit einer sehr hohen Teilnehmendenzahl nicht zwingend einem traditionellen didaktischen Konzept mit starker Lehrendenzentrierung folgen muss und eine Integration von digitalen Medien im Sinne von Blended Learning dazu beitragen kann, die Studierenden aktiver zu beteiligen, um einen möglichst ertragreichen Lehr- und Lernprozess mit einem höheren und nachhaltigen Lernerfolg zu ermöglichen (vgl. Mayrberger/Schulmeister, 2009).
An der Blended Learning-Veranstaltung „Einführung in die schulischen Medienpädagogik“ nehmen im WiSe 2010/11 etwa 400 Studierende der Bildungswissenschaften. Sie müssen eine unbenotete Studienleistung erbringen. Die Veranstaltung umfasst 2 SWS und wird mit 3 bzw. 4 Leistungspunkten angerechnet. Betreut wird die Blended Learning Veranstaltung, die in Kooperation mit einer zweiten Veranstaltung stattfindet, die die Durchführung des Praxisblocks ermöglicht, von 3 Lehrenden und 4 Tutor/innen. Das didaktische Blended-Learning-Szenario lässt sich wie folgt skizzieren:

szenario-bl-medienpaed

Skizze Szenario Blended Learning-Einführung

In den drei Themenblöcken werden die vormals linear aufgebauten Themen der Vorlesung gebündelt und exemplarisch behandelt. Jeder Themenblock beginnt mit einer einführenden Vorlesungssitzung. Darauf folgt eine Online-Phase in der die Präsenzveranstaltungen ausfallen. Die Studierenden erhalten für diese Zeit eine Aufgabenstellung mit Materialien, die im Rahmen einer Forendiskussion innerhalb von 3 Wochen zu bearbeiten und in einer Gruppe von max. 10 Personen zu diskutieren ist. Der Themenblock schließt mit einer Abschlussveranstaltung im Plenum, in der Impulse aus den Online-Diskussionen in den Foren aufgegriffen, diskutiert und konzeptionell verortet werden. Zum Abschluss des Blocks verfassen die Studierenden einen Kurzessay von 2-3 Seiten als Studienleistung. Die Studierenden nehmen über das Semester an allen Präsenzveranstaltungen teil. Je nach Studienordnung wählen sie aus den drei Themenblöcken 1-2 Blöcke aus (je Block max. 200 Plätze), die sie vertiefend in Online-Phasen bearbeiten.
Im Praxisblock wird einmalig über einen Zeitraum von 14 Tagen in Kleingruppen à 5 Personen projektorientiert gearbeitet. Jeder Praxisblock beginnt mit einem Auftaktworkshop zur Vorbereitung auf die produktorientierte Gruppenarbeit in dem auch ein Interaktives Whiteboard zum Einsatz kommt. Ziel ist die Erstellung eines Screencasts, der online eingereicht wird. Die Teilnahme am Praxisblock ist für alle Studierenden verbindlich.
Technisch und organisatorisch wird diese Veranstaltung durch das Learning-Management-System ILIAS unterstützt (u.a. zur Bereitstellung von Materialien, zur Einteilung der Kleingruppen, der elektronischen Einreichung der Studienleistungen sowie zur Betreuung der Studierenden und zur Evaluation).
Wesentliche Erfahrung war bisher, dass die Studierende das Angebot zur zeitlichen Flexiblisierung angenommen haben (die Plätze im Block I zu Beginn des Semesters waren sofort ausgebucht). Eine gründliche Einführung in das eher komplexe didaktische Szenario und die E-Learning-Umgebung hat sich ausgezahlt. Die Grenzen der didaktische Reorganisation dieser Massenveranstaltung liegen letztlich im Bereich der personellen Ressourcen, um eine noch bessere Betreuung gewährleisten und Rückmeldungen zu den Aufgaben geben zu können. Denn fordert man Studierende auf, sich aktiv zu beteiligen, tun die meisten es erfreulicherweise auch, wie sich an zahlreichen und zum Teil ausführlicheren Diskussionen in den Foren zeigt. Eine weitere, erwartbare Herausforderung liegt in der technologieunterstützten Realisierung der didaktischen und der organisatorischen Ansprüche und Letzteres vor allem mit Blick auf die effiziente Organisation der Teilnehmenden und ihrer Leistungen.
Dieses komplexe Blended-Learning Szenario zeigt noch einmal gut, dass sich die Bereiche „IT-Service“ und „Didaktik“ gut ergänzen können und müssen, wenn anspruchsvolleres E-Learning mit vielen Akteuren funktionieren soll: Didaktisch begründete Ansprüche und Wünsche können zur Weiterentwicklung der jeweils verwendeten Software beitragen. Anders herum lädt so manches technische „Feature“, das die Organisation einer Massenveranstaltung verbessern kann, durchaus dazu ein, didaktische Überlegungen wo möglich anzupassen – ganz im Sinne eines Primats der Didaktik.

Quellen:
Mayrberger, K. & Schulmeister, R. (2009). E-Learning in Massenveranstaltungen. Editorial. Zeitschrift für E-Learning, Lernkultur und Bildungstechnologie, 4 (1), 4-7.

[Dieser Beitrag erscheint in dieser Form auch in der AUSGABE #5 des Hamburger E-Learning-Magazins "eLearning in Massenveranstaltungen", 12/2010]

Thema: Community, Lehre & Studium | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

“… jetzt ist mir klarer, wie Sie das mit dem Gestaltungsbegriff meinen.”

Sonntag, 7. November 2010 19:49

… solche und ähnliche Äußerungen waren im Laufe der Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZ), die es sich zum Auftrag gemacht hat, “Medienbildung im Spannungsfeld medienpädagogischer Leitbegriffe” zu diskutieren, zu hören. Und diskutiert wurde in der Tat - viel und vor allem theoretisch, was ich sehr bereichernd fand. Dazu ein kurzer Rückblick meinerseits:

Als Leitbegriffe wurden Mediendidaktik, Media Literacy und Medienerziehung ins Programm der Tagung aufgenommen. Dieses Mal konnte man sich schon vorab ausführlicher mit den Positionen der Referent/innen (hier) auseinandersetzen, die im Zuge der Tagung nur als kurze Impulse vorgetragen wurden, damit genügend Raum für gemeinsame Diskussionen blieb.

Natürlich wurde auch die Frage thematisiert, was eigentlich ein Leitbegriff der Medienpädagogik sei und ob dieses für alle die genannten Begriffe gelte. Relativ einig war man sich darin, dass Medienpädagogik das Dach bilde, was m.E. besonders im Zuge der immer wieder geführten Diskussion um das Verhältnis von Medienpädagogik und Mediendidaktik ein wichtiger Schritt ist. Gerhard Tulodziecki zeigte in seinem Impuls (und seinem sehr lesenswerten Beitrag) die Entwicklung der Leitbegriffe auf und stellte nebenbei fest, dass der Begriff der Medienkompetenz gar nicht zuerst von Dieter Baacke genutzt wurde. So manche Verbindung zwischen den Begriffen und Konzepten ist mir auf Grund der spezifischen Positionen der Kolleg/innen noch einmal in neuem Lichte erschienen. Dazu gehört z.B. der Zusammenhang von Medienbildung und Mediendidaktik im Sinne eines “Lernen mit Medien über Welt”, wofür es entsprechende Lernumgebungen bedarf. Aufschlussreich war es, einmal ausführlicher über den Zusammenhang von Medienbildung, Medienerziehung und Medienpädagogik als Handlungswissenschaft und die Rolle von Normen und Werten zu diskutieren. Gerade im Zuge der Diskussion um den Leitbegriff hat Dominik Petko darauf hingewiesen, dass sich die Medienpädagogik insgesamt und die Mediendidaktik im Besonderen vermehrt den Wirkungen und deren Evaluation zuwenden müsse, also mehr empirische Arbeit zu leisten wäre, was zwar keine neue Forderung ist, im Kontext dieser Tagung aber sehr gut platziert war. Dem kann ich nur zustimmen, wobei ich mich sicherlich eher den experimentierenden, denn den experimentellen Forschungsdesigns verbunden fühle. Wichtig war für mich noch einmal das Einvernehmen darüber, dass die Medienpädagogik als Handlungswissenschaft theoretisch, empirisch und praktisch einen Beitrag zu leisten habe – auch wenn im Rahmen dieser Tagung zugegebenermaßen das Theoretische die Überhand hatte. Damit sind nur einige Punkte genannt, die im Laufe der zwei Tage angesprochen wurden. Für die weitere Diskussion finde ich den Hinweis von Gerhard Tulodziecki wichtig, der sinngemäß darauf hinwies, die Begriffe weiterhin in einem Spannungsfeld zu halten und sie nicht schon jetzt als gegensätzlich oder komplementär festzuschreiben.

Im Zusammenhang der Tagung tauchte häufiger der Verweis auf die Begriffsverwendungen (besonders von Medienkompetenz und Medienbildung) innerhalb der Fachcommunity und außerhalb dieser in Praxis und Politik auf. Den Diskussionsteilnehmenden war sicherlich klar, dass die hoch differenzierenden Diskussionen nicht in erster Linie für die konkrete Praxis relevant sind und es hier eher um eine Diskussion um “Drinnen-Begriffe” statt “Draußen-Begriffe” ging. Doch darin sehe ich gerade die Herausforderung und Leistung in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Medienpädagogik für die unterschiedlichen medienpädagogischen Praxen: Ich will selbst ein klares Theoriegerüst haben, das sich eben in solchen Diskussionen wie die erlebte festigt, erweitert und verändert, um dann für die Praxis die entsprechenden Reduktionen vornehmen und die Anliegen der Medienpädagogik verständlich machen zu können.

Insgesamt war es eine sehr schöne und im positiven Sinne anstrengende Tagung im herbstlich, sonnigen Zürich (Danke an Heinz Moser und sein Team für die hervorragende Organisation und das Aufnehmen dieser Thematik als Tagungsthema!). Besonders gelungen war die Mischung der Teilnehmenden: Die knapp 40 Personen setzten sich zusammen aus allen Altersgruppen und Generationen von wissenschaftlich arbeitenden Medienpädagog/innen (vom Emeritus, der die Disziplin wesentlich mitgeprägt hat bis zur Doktorandin), so das ein intensiver fachlicher und persönlicher Austausch in konstruktiver wie kontroverser Atmosphäre möglich war. Ein besonderer Dank geht von mir an Dieter Spanhel und Gerhard Tulodziecki, die mit ihren lang ausgereiften Positionen und Überzeugungen die Diskussion immer wieder neu beflügelt haben. Für mich war es eine medienpädagogische “Sternstunde”, die mir wichtige Impulse für die weitere Auseinandersetzung mit medienpädagogischen Fragestellung besonders mit Fokus auf die Gestaltung von Lehr- und Lernumgebungen mit digitalen Medien gegeben hat.

Einige der Impulse werde ich noch ganz konkret in diesem Semester in die Blended-Learning-Vorlesung “Einführung in die schulische Medienpädagogik” und im Teil Medienbildung der Vorlesung “Lebenslanges Lernen und Medienbildung”, die ich mit meiner Kollegin Regina Egetenmeyer zusammen gebe, aufnehmen. Darin sehe ich meinen Beitrag, die Theoriediskussion auch für die Praxis von angehenden Lehrer/innen und Medienpädagog/innen fruchtbar zu machen.

[Für weitere Tagungseindrücke und -reflexionen sei auf die Beiträge von Benjamin Jörissen, Joachim Wedekind, Mandy Schiefner (Tag 1 und Tag 2), Michael Kerres und Jürg Fraevel sowie Beat Döbeli Honegger verwiesen.]

Thema: Community, Position, Reflexion, Veranstaltung | Kommentare (7) | Autor: mayrberger

Hochschuldidaktik und eLearning

Donnerstag, 4. März 2010 12:45

Im Moment findet gerade die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) zusammen mit der 4. Dortmund Spring School for Acadeic Staff Developers (DOSS) zum Thema “Fachbezogene und fachübergreifende Hochschuldidaktik – voneinander lernen” an der TU Dortmund statt. Die hochschuldidaktische Tagung bietet in diesem Jahr unterschiedliche Formate an - vom klassischen Panel mit Vorträgen über Post bis zu Diskurswerkstätten. Ich habe den gestrigen Nachmittag am Panel “Mediale Unterstützung” teilgenommen und war auch selbst mit einem Beitrag beteiligt. Die Themen im Panel waren vielfältig und auf Grund der angenehm großen bzw. kleinen Gruppe von ca. 30 Teilnehmenden hatten wir ausreichend Zeit die insgesamt fünf Beiträge zu diskutieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es war ein wirklich anregungsreicher und angenehm produktiver Nachmittag.

Drei Aspekte fand ich an diesem Nachmittag besonders interessant:

  1. In einigen Beiträgen und im Rahmen der Diskussion kamen wir immer wieder auf das Verhältnis von Hochschuldidaktik und eLearning zu sprechen. Deren Bedeutung in hochschuldidaktischen Fortbildungsprogrammen oder Möglichkeiten der besseren Verzahnung bzw. Nutzung, z.B. bietet das Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen die “klassischen” hochschuldidaktischen Fortbildungsthemen in ihrem Program “WindH-Online” in Form von Blended Learning an. Am Rande diskutierten wir auch, wo denn in der Struktur der Universität oder Universitätsverbünde der Platz des eLearning und der Hochschuldidaktik bzw. entsprechender Zentren sein sollte.
  2. Es wurden darüber hinaus aber auch Fragen diskutiert, wie sie seit langem schon im Kontext der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) Thema sind: Wie bilde ich Hochschullehrende im Bereich eLearning fort? Wie ist die Perspektive der Studierenden? Welche Infrastruktur passt zu welchem didaktischen Szenario? Wie gehe ich vor, wenn ich die Lehre in einem “kleines Fach” attraktiver gestalten und mich mit anderen Hochschulstandorten vernetzen möchte? Braucht es fachspezifisches eLearning? Zum Teil werden diese Fragen auch im Rahmen der Tagungen der Sektion Medienpädagogik in der DGfE diskutiert. Eine Kommunikation und Vernetzung zu “Schnittmengen-Fragen” unter den Fachgesellschaften kann hier für die Zukunft für alle nur förderlich sein. In jedem Fall lohnt es sich für am eLearning interessierte Hochschuldidaktiker/innen der dghd einmal auf eine der nächsten GMW-Tagungen oder -Workshops oder tendenziell lokal orientierten eLearning-Tagungen wie der anstehenden GML 2010 an der FU Berlin vorbei zu schauen.
  3. Für mich war der Beitrag von Dr. Swapna Kumar von der University of Florida (USA) sehr interessant. Sie hat in ihrem Beitrag “Helping instructors in different disciplines transition to online teaching” einen Einblick in die US-spezifische Sichtweise auf eLearning gegeben, (ihre) Begriffsverständnisse und ihr Fortbildungskonzept für Lehrende vorgestellt und von ihren Erfahrungen in der Fortbildung berichtet. Wichtig waren für mich folgende Punkte, die mir zwar bekannt waren, aber in dieser Klarheit, wie sie die Referentin formulierte, nicht (mehr) bewusst waren:
    • Didaktik bzw. didactics ist ein “schlechter” Begriff. Er wird mit traditioneller Lehre, mit Frontalunterricht und passiven Studierenden assoziiert. Und hier gibt es keine Differenzierung. Daher spricht man hier eher von einer “paedagogical perspective”, die dann auch das mit einschließt, was wir in Deutschland unter einer konstruktivistisch orientierten Didaktik oder Lernendenzentrierung fassen.
    • Mit “Blended-Learning” werden in den USA nur solche Szenarien in Verbindung gebracht, die nicht komplett virtuell stattfinden, aber nur wenige Präsenzeinheiten beinhalten. Das Verständnis von Blended Learning als relativ breites Spektrum an eLearning-Szenarien, wie es in der deutschen Community vorherrscht, ist da sehr viel weiter. So würden in den USA Präsenzveranstaltungen, die Online-Elemente integrieren nicht als Blended Learning betrachtet, sondern als reguläre Veranstaltungen, da die Unterstützung durch Lernplattformen schlichtweg üblich ist.
    • Universitäten in den USA böten zunehmend rein virtuelle Kurse an. Dieses betrifft nach Aussage der Referentin zunehmend auch Angebote in Master- und PhD-Studiengängen. Diese Angebote werden von Studierenden belegt, die nach dem BA wieder berufsbegleitend ihr Studium fortsetzen, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt im “student-life-cycle” (vgl. dazu Schulmeisters Ausführungen von 2007). Der Grund für die Zunahme dieser Angebote, läge vor allem darin, dass die Universitäten  mit komplett virtuellen Online-Kursen sehr viel Geld verdienen (Steigerung der Studierendenzahl, kein Raumbedarf etc.) und höhere Gewinne als mit dem Präsenzstudium erzielen können. Da hier ein großes Potential an (zahlungskräftigen) Studierenden liegt, werden Hochschullehrende  gezielt “aufgefordert”, ihre Präsenzveranstaltungen auch für diese Zielgruppe als Online-Variante anzubieten, sprich als Online-Kurs zu konzipieren, zu gestalten und zu betreuen, wenn Sie den Kurs behalten wollen. Dafür müssen sie entsprechend qualifiziert werden. Dazu wurde ein 3 Phasen-Modell vorgestellt (Link zu den Folien folgt).

      [Nachtrag: Von Rolf Schulmeister, der sich in den letzten Jahren sehr ausführlich mit den Entwicklungen im eLearing in den USA beschäftigt hat, erhielt ich folgenden Hinweis, den ich an dieser Stelle gerne ergänze:  Von den mittlerweile 4.6 Mio Einschreibungen in Online-Kurse werden  82 % für undergraduates angeboten (vgl. hier, p. 5). Diese finden in den Community Colleges Absatz und gelten in den Augen des U.S. Dept of Education als "remedial courses" (u.a. Schreiben, Lesen, Mathematik) – daher auch die Nachfrage in Community Colleges. Die US-Regierung überlege (z.B. hier), ob sie solche Kurse fördern solle, da sie wichtig  für Studienabbbrecher und "first generation students" seien.]Ich frage mich in diesem Zusammenhang, ob der Trend der letzten 10 Jahren nun auch im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren eine entsprechende Wendung nimmt: Zum (noch gar nicht üblichen) Blended Learning kämen dann virtuelle Kurse für die heutigen BA-Studierende, die vielleicht erst einmal in den Beruf gehen und dann für Master- oder Promotionsstudium (virtuell) an die Hochschule zurückkommen. Das bleibt eine spannende Frage für die Zukunft, inwiefern dem gerne genommenen Vorbild USA hier gefolgt wird bzw. hiesige Studierende ein entsprechendes Verhalten an den Tag legen werden ….

Ich  war  mit einem Vortrag (Abstract) im Panel vertreten. Die Folien dazu stelle ich hier zur Dokumentation zur Verfügung:

In der anschließenden Diskussion haben wir u.a. darüber gesprochen, dass im Rahmen hochschuldidaktischer Fort- und Weiterbildung zum eLearning sowohl eine interdisziplinäre Perspektive wichtig ist, um die Teilnehmenden über den eigenen Tellerrand schauen zu lassen, aber auch fachspezifische Veranstaltungen ihre Relevanz haben, um zu sehen, was das eigene Fach schon im Bereich eLearning bietet oder bieten kann.

Thema: Community, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

“2.0″ als Chance für die akademische Lehre plausibel zu machen ist und bleibt eine Herausforderung

Sonntag, 21. Juni 2009 2:05

Vergangenes Wochenende fand der erste Teil meines Blended-Learning Workshops zu “Social Software in der Hochschullehre” im Rahmen des MoHE am Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung statt.
Wie immer ist es eine Bereicherung mich mit interessierten und zugleich anspruchsvollen Teilnehmenden des Studiengangs, die zugleich Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Fächern sind, über die Chancen und Grenzen der Integration von digitalen Medien in die akademische Lehre allgemein und hier im besonderen von Social Software auszutauschen.
Trotzdem die Vorkenntnisse, Erwartungen und Bedürfnisse der Teilnehmenden relativ heterogen waren, haben wir uns sowohl einen ersten Über- bzw. eher Einblick in die Tools verschafft und diese erprobt, als auch zentrale Punkte ansprechen können. Zum Teil wurde - trotz oder gerade auf Grund des hohen Anteils an Noviz/innen im Workshop - “der Finger in die Wunde gelegt”, d.h. es wurden auch Themen und Fragen angesprochen, deren mögliche “Lösungen” auch zur Zeit noch innerhalb der Fachcommunity diskutiert werden.

Einige dieser Aspekte notiere ich hier als Fragen, um auch weiterhin im Blick zu behalten, womit sich (nicht nur junge) Lehrende auseinander setzen:

  • Mehrmals wurde gefragt: Inwiefern stehen Aufwand und Nutzen der Integration von neuen Medien bzw. der Umsetzung von eLearning in einem adäquaten Verhältnis? Lohnt es sich, z.B. die knappe Zeit als Promovendin in aufwändige Lehre zu investieren statt in Forschungsprojekte?
  • Wo erhalte ich klare Handlungsempfehlungen her, wie Szenarienübersichten für unterschiedlichste Einsatzmöglichkeiten, Toolempfehlungen für konkrete Kontexte etc.?
  • Wie kann ich mit Widerständen im Kollegium oder bei den Studierenden gegenüber ungewohnten Lehr- und Lernmethoden (mit und ohne digitale Medien) umgehen?
  • Wie verändert sich meine Rolle als Lehrende/r im Zuge von “2.0″ – wie verändert sich das Verhältnis von Nähe und Distanz (Sollte ich z.B. jede “Freundschaftsanfrage” von Studierenden in eine Online-Community konsequenterweise angenommen werden? Wie erreichbar muss ich sein – 24/7? )? Wo bzw. habe ich als Lehrende meine persönliche Grenze?
  • Wie gehe ich mit Tools auf dem Web 2.0-Markt um, hinter denen ökonomische Interessen stehen (Sammlung von persönlichen Daten zu Marketingzwecken etc.)?
  • Wie gehe ich mit rechtlichen Aspekten um? Wie pragmatisch kann und will ich in dieser Hinsicht sein?
  • Lehre im Sinne von 2.0 heißt auch, die “Türen des Klassenraums zu öffnen”(z.B. in Form von Vorlesungsaufzeichnungen via Podcasting) - Wie gehe ich damit als Lehrende/r um?
  • Sind die Studierenden technisch so fit, wie behauptet wird? Wollen sie eLearning in seinen Varianten überhaupt?
  • Wie kann man Studierenden, die zunehmend in eine Konkurrenzsituation stehen (nicht nur um die späteren Arbeitsplätze, sondern z.B. auch um die begrenzten MA-Studienplätze) zum kooperieren und (halb-)öffentlichen Publizieren anregen und überzeugen?
  • Wie kann ich die Qualität der Inhalte (”User generated Content”) unterstützen und gewährleisten? Wie gehe ich mit Plagiaten um?
  • Kann ich Studierenden “zwingen” (z.B. qua Leistungsnachweis) ihre Inhalte ins öffentliche Netz zu stellen? … oder sich einen Account bei einem kommerziellen Anbieter einzurichten?
  • Wie kann ich die Lernenden motivieren, sich bei dieser Form des Lernens zu engagieren?
  • Wie kann ich die Online-Kommunikation und Partizipation fördern?
  • Reichen die technischen und auch personellen Ressourcen vor Ort aus?
  • Welche Implementierungsstrategien gibt es?
  • Inwieweit handelt es sich bei Social Software nicht um die “nächste Sau, die durch das Dorf getrieben wird”?
  • Wie gehe ich mit dem Widerspruch von eLearning 2.0 und den strukturellen Rahmenbedingungen an der Universität um (Fachkultur, Organisation, Vorgaben im Rahmen der BA etc.)?

Einige der Fragen haben wir ausführlicher besprechen können, andere konten wir nur anreißen und gemeinsam ein Spektrum an Handlungsmöglichkeiten erarbeiten. Bei einigen Fragen wurde in der Diskussion auch deutlich, dass es sich hier um die persönliche Haltung und Einstellung zum Lehren 2.0 handelt. In jedem Fall führten die Auseinandersetzungen dazu, dass einige mit neuen Impulsen und Reflexionen in die Online-Phase gegangen sind.

Zwar nehmen Praxiserfahrungen, empirische Untersuchungen und “best practice”-Beispiele deutlich zu (vgl. u.a. das Themenspecial zu Web 2.0 auf e-teaching.org oder ausgewählte Publikationen der GMW-Buchreihe “Medien in der Wissenschaft” oder der zeitschrift für e-learning), doch gibt es eben nicht DIE Handreichung, DAS Szenario und DIE Checkliste etc., um die Integration von digitalen Medien in die akademische Lehre (nicht nur im Sinne von 2.0) erfolgreich unter Berücksichtigung des jeweiligen fachspezifischen Kontexts und der  Fachkultur zu etablieren.

Ich verstehe die genannten Fragen, die nur einen Ausschnitt zeigen, auch weiterhin als Auftrag (an die Fachcommunity), noch breiter empirisch, konzeptionell aber auch ganz praktisch bzw. entwicklungsorientiert zu arbeiten, um die Veränderung von Lehren und Lernen mit Unterstützung digitaler Medien (nicht nur) im akademischen Bereich zu fördern und plausibel zu machen.

Der Workshop befindet sich im Moment in der Online-Phase und ich bin neugierig, wie die Teilnehmenden ihre zum Teil ersten eLearning-Erfahrungen aus Lehrenden- und Lernendenperspektive in vier Wochen einschätzen werden.

Thema: Community, Forschung, Fragen, Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

“Medienpädagogisches Manifest” – Keine Bildung ohne Medien!

Mittwoch, 27. Mai 2009 22:46

Das Medienpädagogische Manifest, das nach längerem Aushandlungsprozess von medienpädagogischen Institutionen, der Kommission Medienpädagogik in der DGfE, der GMK, dem JFF sowie dem Hans-Bredow-Institut, gemeinsam auf den Weg gebracht wurde, wurde auf der diesjährigen Frühjahrstagung der Kommission Medienpädagogik in Magdeburg veröffentlicht. Weitere unterstützende Unterschriften werden noch gesammelt (hier).

Dass es zu diesem gemeinsamen Schritt gekommen ist, u.a. eine dauerhafte und nachhaltige Verankerung der Medienpädagogik in allen Bildungsbereichen zu fordern, ist lobenswert und ein Erfolg. Doch wie es immer bei Papieren ist, die Konsensfähigkeit wiederspiegeln, gibt es Punkte, die gesondert betont und kommentiert werden sollten, wie schon an einigen Stellen geschehen (u.a. Stefan Aufenanger, Gabi Reinmann, Joachim Wedekind).

Ich möchte ebenfalls auf einen Aspekt näher eingehen, der mir in diesem Manifest unverhältnismäßig knapp dargestellt erscheint: das Lehren und Lernen mit (neuen) Medien bzw. mediendidaktische Überlegungen.
Ich erinnere mich noch gut an die Mitgliederversammlung der Kommission Medienpädagogik während der Frühjahrstagung in Dresden 2008, als es in der Diskussion einer älteren Version des Manifests darum ging, ob es nun “Lehren und Lernen mit neuen Medien” und/oder “Mediendidaktik” heißen solle. Explizit übrig geblieben ist in der Endversion davon leider nichts.

Zugleich wird diskutiert, inwiefern der Bereich der Mediendidaktik noch als Teilbereich der Medienpädagogik gelten kann oder auf Grund von Veränderungen vor allem im Feld des hochschulbezogenen eLearnings schon eine eigenständige Richtung darstellt bzw. darstellen sollte (vgl. z.B. Publikationen von Michael Kerres).

Beim Lesen des Manifests habe ich mich daher aus systematischer Perspektive gefragt, ob hier durch das wenig explizite Eingehen auf das Lehren und Lernen mit (neuen) Medien eine Diskussion vorerst implizit beendet bzw. wieder aufs Tableau gebraucht wird: Inwiefern die Bereiche der Mediendidaktik, allgemeiner des Lehren und Lernen mit neuen Medien oder das eLearning noch zur Medienpädagogik gerechnet werden oder zunehmend nicht (mehr)? In diesem Sinne bin ich u.a. gespannt auf die Ergebnisse der Diskussion, die im Rahmen der GMW zu diesem Papier geführt werden, wie von Gabi Reinmann in ihrem Beitrag in Aussicht gestellt, wurde und welche Folgen sich daraus ergeben.

Trotzdem habe ich mich entschieden, dieses Manifest persönlich zu unterstützen, da es wichtige Impulse setzt und ein deutliches Zeichen der sichtbaren Vernetzung medienpädagogischer Aktivitäten im deutschsprachigen Raum darstellt. Ich hoffe insofern auch, dass diesem Papier weitere Initiati

Thema: Community, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger