Forschung in der Medienpädagogik
Montag, 7. November 2011 15:40
Ende letzter Woche fand am 3. und 4. November an der Universität Leipzig die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE zum Thema “Methodologie und Methoden der medienpädagogischen Forschung” statt. Ausgerichtet wurde die Tagung dankenswerter Weise vom Team der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung um Bernd Schorb. Die eher familiären Atmosphäre bei ca. 50 Teilnehmenden erlaubte einen recht intensiven Austausch – doch, wie so häufig, hätte es noch noch mehr Zeit für einen ausührlicheren Austausch bedarf. Das Tagungsprogramm mit seinen systematischen, konzeptionellen sowie projektbezogenen Beiträgen zur Tagungsthematik deckte alle wichtigen Bereiche ab – von der Entwicklungsforschung und Evaluation bis hin zu Qualitativer und Quantitativer Forschung im nationalen wie internationalen Bereich. Ähnlich wie bei der Herbsttagung 2010 in Zürich (vgl. meinen Rückblick), bei der es um Grundbegriffen der Medienpädagogik ging, standen auch auf dieser Tagung letztlich wieder Fragen des Selbstverständisses der Medienpädagogik im Gefüge benachbarter Disziplinen wie der Empirischen Bildungswissenschaft im Zentrum, was sich besonders in der abschließenden Diskussion am Freitag zeigte.
Interessant waren für mich im Laufe der zwei Tage einige Punkte. Dazu zählte am ersten Tag die Diskussion zum Verhältnis von Design Based Research-Ansatz und der Aktions- und Handlungsforschung in der Pädagogik aus den 1970er Jahren, die auch die Schwierigkeiten einschloss, eine nachhaltige Implementationsforschung im Rahmen heutiger Ressourcen über mehrere Zyklen zielführend zu ermöglichen. Zudem war es spannend, sich mit der großen Herausforderung für die Medienpädagogik auseinanderzusetzen einerseits als interdisziplinäre (Tei-)Disziplin (der Erziehungswissenschaft) offen und anschlussfähig sein zu wollen und zu müssen und andererseits einen spezifischen Kern bestimmen zu müssen, damit sie sich und ihre Zuständigkeit gegenüber anderen Disziplinen begründet behaupten kann. Ausgangspunkt hierfür war die eingangs von Gerhard Tulodziecki aufgeworfene Frage, was das genuin medienpädagogische an den vorgestellten Forschungsansätzen oder -perspektiven sei. Diese Frage zog sich bis in die Abschlussdiskussion durch. Es konnte wie zu erwarten war, in der Kürze der Zeit nicht die Antwort gefunden werden, doch schien sich ein Minimalkonsens abzuzeichnen: Die Anwesenden stimmten eher darin überein, dass es sich bei der Medienpädagogik um eine Handlungs- und Reflexionswissenschaft handle. Als pädagogische bzw. heute eher erziehungswissenschaftliche Disziplin mit deutlichem Bezug zu den Sozialwissenschaften beinhaltet die Medienpädagogik dennoch immer auch eine normativen Perspektive (z.B. in Fragen der Medienkompetenzförderung oder Medienerziehung). Dieses mag damit zusammenhängen, dass eher Konsens darüber bestand, dass ein wesentlicher Kern von Medienpädagogik die medienbezogene Auseinandersetzung mit den erziehungswissenschaftlichen Kernbegriffen Bildung, Erziehung, Lernen sowie Entwicklung und Sozialisation meint. Dieses schließt Praxis, Theorie, Forschung und Entwicklung mit ein. Ausgehend von dem Bereich der medienpädagogischen Praxisforschung wurde so auch diskutiert, inwiefern es einer Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und Forschung und Praxisforschung und Evaluation bedürfe. Konsens war, dass in jeder Praxis auch grundlegende Fragestellungen mitbehandelt werden müssten bzw. grundlegende Forschung und Anwendungsorientierung sich ergänzen und nicht ausschließen oder gar in Konkurrenz stünden. Eine Rückbindung von Theorie und Praxis und umgekehrt, könne dazu dienen, den offenen Kern der Medienpädagogik zu stärken und weiter zu etablieren. Abschließend wurde so auch der Punkt besprochen, welche Position die Medienpädagogik heute mit ihrer spezifischen Perspektive in der Wissenschaftscommunity habe und wie sich diese auf die Förderung von Projekten bzw. die Antragstellung bei Drittmittelgebern auswirke. Dass sich die Medienpädagogik auf Grund aktueller Fördertendenzen nicht komplett “verbiegen” könne war Konsens, aber auch, dass sich die Medienpädagogik nur dann stärker etablieren könne (z.B. mit Blick auf Schaffung/Nicht-Streichung von Professuren), wenn sie sichtbarer im Bereich der Drittmittelforschung (z.B. DFG) werde. Ähnlich wie Mandy Rohs‘ ging es mir bei dem Punkt, dass ich einige Aspekte gerne vertiefend diskutiert hätte – ähnlich wie bei der letzten Herbsttagung.
Für die weiteren Tagungen gibt es also noch genügend Potenzial zum weiteren Diskutieren - so im nächsten Jahr an der Universität Hamburg :-).
Eine kurfristige Möglichkeit biete sich hierzu für Interessierte am 17.11.2011 in Nürnberg, wenn sich im Vorfeld der diesjähigen GMK-Jahrestagung die Initative “Keine Bildung ohne Medien trifft!”, um die zukünftige Ausrichtung und Organisation der Initative zu besprechen. Als ein weiterer Erfolg der Arbeit dieser Gruppe kann sicherlich die gemeinsame Publikation der Ergebnisse des bildungspolitischen Medienkongresses aus dem Frühjahr diesen Jahres in Form einer bildungspolitischen Broschüre dienen. Diese Broschüre, die mehrere Feedbackrunden durchlaufen ist, bis sie in der vorliegenden Form einen gewissen Konsens der medienpädagogischen Communtiy abbildet, liegt auch als PDF vor.
Thema: Community, Veranstaltung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

