Eindrücke zur eLearning 2009 in Berlin

In den vergangenen Tagen fand die gemeinsame Tagung E-Learning 2009 der GMW und der DeLFI in Berlin an der FU statt – allerdings habe ich mich in erster Linie als Teilnehmerin bei der GMW gesehen und mich vorwiegend in den dortigen Tracks aufgehalten.

Insgesamt bin ich gestern mit einem guten Gefühl von der Tagung weg gefahren – es war im positiven Sinne anstrengend und das ist ja immer ein gutes Zeichen. Das mag vor allem an den vielfältigen Beiträgen und anregenden Gesprächen mit KollegInnen gelegen haben.
Dennoch war ich auch ein wenig überrascht, dass sich zum Thema “eLearning 2.0″ - zumindest im Rahmen der Sessions, in denen ich war - zur Zeit natürlich etwas tut (wie man auch schon in den Beiträgen auf der letzten GMW-Tagung in Krems sehen konnte), aber wichtige Fragen nach wie vor als Herausforderungen beschrieben werden und kaum Zeit blieb, hier tiefer einzusteigen bzw. keiner der Vorträge, denen ich beiwohnte, sich der Herausforderung einer möglichen Antwort angenommen hat, um hieran weiter zu diskutieren. Dabei denke ich einmal an die Diskussion um Begriffe wie “eLearning” oder eben auch “eLearning 2.0″, an der sich sehr gut die unterschiedlichen und individuellen Perspektiven auf das Thema, aber auch “unser” Selbstverständnis von z.B. “Lehren und Lernen mit (neuen/digitalen) Medien”, “computerunterstützes Lernen” oder “technology enhanced learning” aufzeigen ließen. Die andere Frage – die mich auch gerade persönlich umtreibt – ist die nach der Passung der (eher informellen) Web 2.0-Idee in (eher formale) Lehr- und Lernkontexte. Hier wurden entweder implizit Anregungen gegeben oder  die Passung grundsätzlich auf Basis von aktuellen Nutzungszahlen von Web 2.0-Angeboten durch Jugendliche und Studierende in Frage gestellt. Zu der Frage dieser Passung wird es hoffentlich auf der kommenden GMW 2010 in Zürich mehr geben – zumindest ich fühle mich motiviert, dazu einen Beitrag zu leisten ;-)

Zudem habe ich im Rahmen dieser Tagung das erste Mal als “Grenzgängerin” erlebt, d.h. einerseits klassisch den Beiträgen vorne am Mikrofon zu folgen und parallel auch dem Geschehen im Netz via twitter (#bel09) Beachtung zu schenken und mich ebenfalls zu beteiligen. Das war eine sehr spannende Erfahrung, da beides seine Faszination hat und natürlich auch dazu führt, dass man sich phasenweise auf selektive Wahrnehmung und Multitasking einlassen muss, wenn man sich an den unterschiedlichen Kommunikationssettings beteiligen will (grob unterteilt in “Präsentation (mit Nachfragen)”,”virtueller Austausch” und “Face-to-Face-Gespräche” dazwischen). Dass es diese Ebenen im Rahmen der Tagung zwar gab wurde zwar durch das Vorhandensein einer Twitterwall transparent gemacht und zum Schluss mehrfach festgestellt – gerne auch mit Verweis auf die “jüngere Generation”, wobei ein Blick auf die Statistik zeigt, dass sich die Top 10 durchaus aus Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen zusammensetzt, aber eine Verbindung zwischen den Ebenen wurde noch nicht realisiert. Für kommende Tagungen wäre es m.E. hier auch sinnvoll vorab zu klären, welche Bedeutung dem Twittern beigemessen wird: Soll es eher einen zusätzlichen, illustrativen Charakter (nach innen und außen) haben oder phasenweise auch mit einbezogen werden? In diesem Zuge wäre es vielleicht auch eine Überlegung, sich auf eine “twitter etiquette” für diesen Kontext zu einigen, in dem traditionelle Tagungssettings gerade erst dabei sind, sich für neue Ideen zu öffnen – auch wenn es im Widerspruch zur Twitteridee stünde.

Weitere Eindrücke zur der Tagung geben Gabi Reinmann, Michael Kerres und Mandy Schiefner mit Matthias Rohs sowie Joachim Wedekind. Bilder von der Tagung finden sich u.a. auf der Tagungshomepage.

Nachtrag [20.09.09]: Der Tagungsband kann als PDF-Dokument beim Waxmann-Verlag hier heruntergeladen werden.

Nachtrag [22.09.09]: Überblick über die Rückblicke

Autor: mayrberger
Datum: Freitag, 18. September 2009 11:13
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9 Kommentare

  1. 1

    Ein sehr spannender und einen guten Überblick gebender Bericht mit vielen neuen spannenden Fragestellungen. Besonders spannend finde ich dabei, inwiefern Twittern zum Lernen beitragen könnte oder es vielleicht bereits tut? Mal wieder ist die Forschung also gefragt und herausgefordert.

    Viele Grüße aus Hamburg
    Daniela

  2. 2

    Liebe Kerstin
    Die Verbindung informeller Medien mit der formellen Lehrpraxis klingt sehr spannend, da freue ich mich auf deinen Beitrag :-)
    Liebe Grüsse
    Mandy

  3. 3

    [...] http://kerstin.mayrberger.de/blog/?p=107 (Eindrücke zur eLearning 2009 in Berlin) [...]

  4. 4

    [...] http://kerstin.mayrberger.de/blog/?p=107 [...]

  5. 5

    [...] zur eLearning 2009 in Berlin http://kerstin.mayrberger.de/blog/?p=107 (E-Learning 2.0, [...]

  6. 6

    [...] werden konnten. Ich nehme aus dieser Erfahrung und auch aus denen zur GMW 2009, über die ich hier berichtete, mit, dass offene Formate heute auf Tagungen (neben herkömmlichen Formaten) unbedingt [...]

  7. 7

    [...] E-Learning 2009: Carola Brunnbauer, Ilona Buchem, Nadine Kämper, Michael Kerres, Marcel Kirchner, Kerstin Mayrberger, Mandy Schiefner/Matthias Rohs, Joachim [...]

  8. 8

    [...] Eindrücke zur eLearning 2009 in Berlin von Kerstin Mayrberger (18.09.2009) [...]

  9. 9

    [...] ein Netz von genau zwei Weblogs (nämlich ein Netz bestehend aus dem ZHW-Weblog und dem Weblog von Kerstin Mayrberger). Ok, bleiben wir mal beim ZHW-Weblog – dieses Weblog liegt ja in unserem hauptsächlichen [...]

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