Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht – Potentiale und Herausforderungen”
Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen der Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht – Potentiale und Herausforderungen”. Die AG Medienpädagogik im Institut Erziehungswissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Aufenanger hat zusammen mit dem Forschungsschwerpunkt “Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) der Johannes Gutenberg – Universität Mainz eine zweitägige Fortbildung im Tagungsformat (nicht nur) für Lehrerinnen und Lehrer in den neuen Räumlichkeiten der FH Mainz angeboten.
Die Veranstaltung war so organisiert, dass vier “akademische” Plenarvorträge rund um das Thema “neue Medien” zu den Themenfeldern “Schulentwicklung”, “Mediensozialisation”, “Rechtsfragen” und “Lehren und Lernen” zur Orientierung angeboten wurden sowie eine Vielzahl an spezifischen Workshops, die an diese Themenfelder anschlossen (siehe Programm Do, 24.9. und Fr. 25.9.). Mit gut 150 Teilnehmenden war die Tagung ausgebucht.
Ich war mit einem Plenarvortrag zum Thema “Schule 2.0?! – Verändertes Lehren und Lernen mit Social Software” beteiligt:
Aus diversen Gesprächen im Anschluss hieran und auch später, wurde mir sehr deutlich, dass – was bei dem Tagungspublikum natürlich auch nahe liegt – eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für die Integration von neuen Medien in die Lehre, sei es nun in Form von “1.0″ oder “2.0″ vorhanden ist, gerade auch weil die neuen Medien eine so bedeutende Rolle in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen spielen. Es zeigte sich, dass nach wie vor “gute Beispiele” und “Anregungen für die Praxis”, wie z.B. in hochschuldidaktischen Fortbildungen auch, die mit relativ geringem oder zumindest angemessenem Aufwand umzusetzen sind, von großem Interesse sind. Gerade hier liegt m.E. auch ein Feld, dass vor allem im Bereich von Social Software noch weiterer Bearbeitung bedarf: Die Erprobung, Dokumentation und Evaluation von guter täglicher (Unterrichts-)Praxis.
Zum Abschluss habe ich ein “World Café” mit den verbliebenen ca. 40 Teilnehmenden durchgeführt, in dem es im Sinne eines Rück- und Ausblicks zur Tagung im groben um die Fragen ging, wie ich als Lehrperson selbst die Integration neuer Medien fördern und wo ich überall Unterstützung erhalten kann und welche Erfahrungen da bisher vorliegen. Nachdem ich bisher selbst an unterschiedlichen Varianten von der Methode “World Café” teilgenommen hatte, war ich gespannt, wie diese Methode wohl bei diesem Publikum und vor allem nach einem langen Tagungstag ankommen würde. Es zeigte sich und das deckt sich auch mit meinen bisherigen Erfahrungen als Teilnehmerin, dass solche eher offenen Formate sehr gut angenommen werden und in diesem Fall noch einmal sehr gut wesentliche Gelingensbedingungen für die Integration von neuen Medien (nicht nur) in die Schule gemeinsam herausgearbeitet und (kritisch) diskutiert werden konnten. Ich nehme aus dieser Erfahrung und auch aus denen zur GMW 2009, über die ich hier berichtete, mit, dass offene Formate heute auf Tagungen (neben herkömmlichen Formaten) unbedingt einen Platz haben sollten. Impulse dieser Art erhoffe ich mir u.a. auch von meiner (erstmaligen) Teilnahme an einem BarCamp, der EduCamp 2010 an der Universität Hamburg.
Die vielfältigen Angebote, die professionelle Organisation sowie zahlreiche Möglichkeiten zum informellen Austausch trugen so auch dazu bei, dass vor allem zum Ende der Tagung verschiedentlich geäußert wurde, dass es so eine Art von Veranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer bitte häufiger geben solle. Eine Dokumentation zur Tagung (Download von Vortragsfolien, Fotos etc.) wird in den nächsten Tagen hier zu finden sein.


Freitag, 16. Oktober 2009 11:20
Eine schöne Präsi zu Schule 2.0. Danke! Viele wissen jetzt, dass Web 2.0 in die Schule gehört. Aber wie dahinein kriegen? Das ist das Problem. Denn Lehrer müssen es machen. Meiner Erfahrung nach reichen vorgeführte goodpractice-Beispiele leider auch nicht – obwohl sie ungeheuer wichtig sind. Wirklich in den Schul- und Unterrichtsalltag hinein kommt das Ding nur, wenn man den Lehrern und Referendaren die Möglichkeit gibt, in professionellen Lerngemeinschaften werkstattmäßig Unterricht damit auszuprobieren, gemeinsam zu reflektieren und zu verbessern. Es muss also in die Lehreraus- und -fortbildung – und nicht belehrend, sondern in einem Setting zum Erproben in der eigenen Praxis mit anschließender Seminarreflexion. Passt das an Deiner Uni mit seminarbegleiteten Praktika zusammen? Und als genauso wichtig erlebe ich immer wieder, dass VOR dem Erproben im eigenen Unterricht eine Phase sein muss, in der die (angehenden)Lehrenden herausfinden müssen, was sie selbst mit Web 2.0 anfangen können und die Tätigkeit mit Web 2.0 aufnehmen für sich selbst – ganz unabhängig vom Unterricht, den sie “geben”. Ist da Möglichkeit im Studium der Lehramtsanwärter? Lernen mit Seminarblogs?
Freitag, 16. Oktober 2009 13:53
Liebe Lisa Rosa, vielen Dank für diese ergänzenden Erfahrungen. Ich kann denen nur zustimmen und durch meine bisherigen Erfahrungen in der hochschuldidaktischen Weiterbildung zu eLearning und Web 2.0 in der Lehre am MoHE an der UHH nur bestätigen. Und da denke ich, dass sich zumindest einige Elemente hieraus auch gut in der universitären Lehrerbildung umsetzen lassen, auch wenn die Rahmenbedingungen hier andere sind (TN-Zahl, Taktung, Ressourcen, Medienausstattung etc.).
Besonders wichtig finde ich aber den Hinweis darauf, dass angehende Lehrer/innen sich gerade beim Thema Web 2.0 sowohl aus persönlicher als auch aus professioneller Perspektive mit dem Thema auseinander setzen und die auch die Gelegenheit dazu erhalten sollten, (jeweils) eine Position zu finden. Genau diese Doppelperspektive wurde in einer meiner letzten Lehrveranstaltungen von den Teilnehmenden im Zuge einer Diskussion, in der es u.a. um die “persönliche und professionelle Abgrenzung im Netz” ging, wiederholt diskutiert, da mit einem Einlassen auf Web 2.0 die (Lehr-)Person ja auch digitale Nähe zulässt (Stichworte: Mitgliedschaft bei StudiVZ oder Facebook, Erreichbarkeit über Skype, Frage noch Doppelaccounts).
Aber da kann ich nur zustimmen: Wenn die digitalen Medien “nachhaltig” in Schule und Unterricht Eingang finden sollen, braucht es auch eine entsprechende persönliche Haltung dazu und die erreicht man nicht (nur) durch das Vorstellen von Best Practice oder über eine “Technikmissionierung”. Diese persönliche Einstellung ist für mich auch ein wichtiger Teil von dem, was ich unter verändertem Lehren und Lernen fassen würde. Wie auch in der Präsentation deutlich gemacht, sollte es nach wie vor in der Lehrerbildung darum gehen, sich mit verändertem Lehren und Lernen (im Sinne von 2.0) auseinander zu setzen und dann zu schauen, wie die neuen Medien dazu einen Beitrag leisten oder solche Prozesse in anderer Form möglich machen können.
Zu den letzten Fragen: Ich denke, dass eine Lehre, die neben Informationsvermittlung auch Erprobung und Reflexion (nicht nur) von 2.0 ermöglicht, grundsätzlich auch in der universitären Lehrerbildung möglich ist (in meiner bisherigen Lehre mit Studierenden der (Medien-)Pädagogik in Hamburg und Mainz habe ich da gute Erfahrungen sammeln können). Aktuell sehe ich da allerdings einige Herausforderungen in der Modularisierung der entsprechenden BA-Studiengänge, die das Thema zum Teil gar nicht immer explizit berücksichtigen oder auch nur im Rahmen einer Massenveranstaltung anbietet oder anbieten muss, die informiert und best-practice Beispiele gibt, aber eben nicht gerade zur Reflexion einlädt … Aber auch hier liegen hier und da schon Beispiele vor, wie man solche Veranstaltungen subjektorientierter gestalten kann. Insofern eine im Moment noch idealistische Antwort, die die kommende Praxis wohl relativeren wird: Ja, es ist möglich