EduCamp 2010 in Hamburg


EduCamp Hamburg :: 5./6. Februar 2010.

Rückblick auf mein erstes EduCamp …

Zum EduCamp an der Universität Hamburg - einer “Unkonferenz” im Sinne eines BarCamps - bin ich mit vielerlei Erwartungen gegangen: Ich war in erster Linie neugierig darauf, das Veranstaltungsformat mitzuerleben – quasi als Paradebeispiel einer “partizipatorischen Lernumgebung”. Darüber hinaus war ich neugierig darauf, wer die anderen Teilnehmenden sein würden, die ich hier zum Themenfeld “Bildung, Medien, Partizipation” treffen würde. Einige der inhaltlichen Angebote waren schon im Vorfeld auf der educamp-mixxt-Plattform ankündigt worden, die restlichen Angebote wurden zu Beginn des ersten Tags offenbart.

Nach nun zwei Tagen EduCamp, die wie im Fluge vergangen sind und bei mir viele Eindrücke hinterlassen haben, will ich ein kleines Fazit ziehen (auch im Vergleich zu bisherigen Konferenzen, an denen ich teil genommen habe): Insgesamt hat es mir wirklich gut gefallen.

Das Format eines EduCamps finde ich eine interessante Alternative zu “klassischen” Konferenzen. Es war eine gute Erfahrung, in die unterschiedlichen Diskussionen “einzutauchen” und so unterschiedliche Menschen mit ihren Perspektiven und Interessen kennen zu lernen. Die kurzen Zeittakte boten die Möglichkeit, in der Regel alle 60 Minuten in ein neues Themenfeld einzusteigen und quasi durch die unterschiedlichen Inhalte und Diskussionen “zu zappen” (hier die Themen vom Freitag und Samstag). Dass inhaltlich (fast) alles möglich ist und der Themenvielfalt (fast) keine Grenzen gesetzt sind, fand ich sehr erfrischend.

Zugleich hatte ich aber auch den Eindruck, dass, wie bei Vorträgen auf herkömmlichen Tagungen auch, vor allem diejenigen von einer Session etwas haben, die sie anbieten und konkrete Fragen mitbringen. Mir ist  im Nachhinein nicht klar, wieviel Struktur und Vorplanung eine Session auf einem BarCamp “haben darf”, um dem partizipatorischen Grundgedanken nicht entgegen zu wirken.

So waren auch die beiden Sessions recht spontan, die ich am Samstag mit angeboten habe: Einmal zusammen mit Christina Schwalbe, Christian Beermann und Sebastian Plönges zum “Paradox ePortfolio” (>Doku) und einmal zusammen mit Benjamin Jörissen zum medienpädagogischen Manifest “Keine Bildung ohne Medien!”. Auch hier war mein Eindruck, dass wir als Initiatoren der jeweiligen Session eben sehr viel mitgenommen haben und ich ein wenig schlechtes Gewissen hatte, für meine Ansprüche so wenig vorbereitet zu sein. Ich hoffe, die Teilnehmenden waren einigermaßen zufrieden – in jedem Fall herzlichen Dank für die facettenreichen Diskussionen!

Andererseits stößt mich auch gerade dieser Gedanke auf die (durchaus selbstkritische) Frage, inwiefern wir heute schon dermaßen vom “Effizienz”-Gedanken geprägt sind (bzw. sein müssen), so dass es mitunter schwer fällt, sich in so einem Rahmen “nur” um des Austauschs willen und ohne konkrete Zielsetzung zusammen zu finden und sich dafür Zeit zu nehmen. Oder schließt sich eine gewisse Struktur und Planung durch die Moderation oder den/die Session-Anbieter/in mit dem Selbstverständnis der EduCamper aus? Bei meinem nächsten EduCamp würde ich wahrscheinlich ein wenig mehr vorbereiten, um thematisch auch in kurzer Zeit tiefer vordringen zu können – ich kann halt nicht so richtig aus meiner (noch habitualisierten) Haut ;-)

Im Grunde läge für mich das ideale Veranstaltungsformat wie folgt aus: Eine Veranstaltung, die einerseits  Räume für den Austausch und für das gemeinsame (Weiter-)Denken bietet, zugleich aber Anregungen durch geladene Inputs, wie z.B. die sehr anregende Podiumsdiskussion nach dem Fish-Bowl-Prinzip auf dem EduCamp (>Doku) oder Keynotes, bereit hält. Organisatorische Prozesse werden abkürzt, indem Strukturen und Inhalte im Vorfeld nach zuvor festgelegten und öffentlich kommunizierten Kriterien ausgewählt werden (also im Sinne eines herkömmlichen Tagungsprogramms), zusätzlich aber Slots für spontane Diskussionsanlässe bereit gehalten werden (ich denke da z.B. an die GMW 2009 in Berlin, als der Begriff eLearning stark zum Schluss eines Vortrags und während und nach der Tagung diskutiert wurde – das hätte eine wunderbare spontane Session auf sicherlich hohem Diskursniveau ergeben).

Was mir sehr positiv an diesem Format auffiel ist, dass die vielfältigen Möglichkeiten wechseln zu können, dann auch dazu führen, viele neue Kontakte zu knüpfen und vor allem die Menschen zu den Twitter-Accounts kennenzulernen. Auch war einfach viel Zeit da, mich mal wieder Face-to-Face mit (ehemaligen) KollegInnen und Studierenden auszutauschen ;-).

Freitag früh habe ich noch überlegt, ob mein überfüllter Schreibtisch und nahende Deadlines es zulassen, dass ich mir den “Luxus” von zwei Tagen EduCamp “gönnen” kann. Ich bin froh, dass ich mir die Zeit für den Austausch genommen habe!

[08.02.2010]: Hier findet sich die gesammelte Nachlese zum Educamp und hier finden sich schöne Impressionen zum EduCamp von adesigna.

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Autor: mayrberger
Datum: Samstag, 6. Februar 2010 19:37
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Reflexion, Veranstaltung

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9 Kommentare

  1. 1

    Ich kann mich Deiner Auswertung nur anschließen. Dass die Teilnehmer selbst - vorbereitet oder spontan - diejenigen sind, die den “Content” ausmachen, halte ich für eine wichtige Errungenschaft dieses neuen Formats BarCamp. Interessant werden aber für mich jetzt die Weiterentwicklungen zu großen Austausch- und Lernumgebungen, wo es eine Mischung zur Auswahl gibt, in der man außerdem auch strukturierte Formen bekommen kann. Hier könnte man dann vielleicht endlich auch gute Vorträge bekommen, an deren Ende nicht bloß 10 Minuten zum Nachfragen bleiben, sondern die selbst bloß der Auftakt für mindestens ebenso langen Austausch und Diskussion sind. Dazu gehört z.B. auch eine andere Vortragenden-Kultur, nämlich nicht dieses Einfliegen und wieder Davonrauschen, wie es auf herkömmlichen Tagungen üblich ist, wenn sich “Experten” und “Teilnehmer” gegenüberstehen. Auch die informellen Zeiten sind wichtig, für die Raum und Zeit strukturiert bereitgestellt werden muss.

  2. 2

    [...] Rückblick auf mein erstes EduCamp … , Kerstin Mayrberger [...]

  3. 3

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Kerstin Mayrberger, Dennis Schäffer und Jörg Heeren, Claudia Musekamp erwähnt. Claudia Musekamp sagte: Guter Kommentar zum Barcamp Format #ec10hh @M:blog @DennisSchaeffer http://bit.ly/aHaqNW [...]

  4. 4

    [...] zu gehen und wir sind recht schnell auf das eigentliche Problem gekommen. So kann ich mich Kerstins Kommentar eigentlich nur anschließen. Beim nächsten Mal hätte ich auch ein bisschen mehr [...]

  5. 5

    Hallo Kerstin,

    vielen Dank für dein Resümee! Ich bin eigentlich sehr froh, auch als einer der Sessionanbieter nicht in dem Maße vorbereitet gewesen zu sein, wie bei Vorträgen, Referaten etc. Meines Erachtens hat insbesondere die Tatsache, dass es weder Inputreferat noch Powerpoint-Präsentation gab, erheblich dazu beigetragen, dass es zu einer partizipativen Austauschsession kam.

    Natürlich funktioniert das nur, wenn nicht jede Session eines EduCamps so verläuft - insofern macht gerade die Mischung aus inhaltlich vorbereiteten Formaten (z.B. der Diskussionsrunde) und mehr oder weniger spontanen Gesprächskreisen (wie unsere “anonyme Portfoliopraktiker”) den Reiz aus… für mich war die Session jedenfalls sehr lehrreich und irgendwie - beruhigend. Und die Idee Stefan Karlhubers mit dem aggregierenden Tumblelog finde ich mittlerweile sogar großartig…

    Bis bald und liebe Grüße aus Hamburg, Sebastian

  6. 6

    [...] eine Session von Nutzen ist, eine etwas umfangreichere Vorbereitung zu betreiben (siehe hierzu auch Kerstin Mayrberger). Ich persönlich könnte mir vorstellen, dass es sinnvoll ist, die Session noch stärker [...]

  7. 7

    [...] http://kerstin.mayrberger.de/blog/?p=189 [...]

  8. 8

    [...] Reflexionen zu unserer Session finden sich auch bei ↳Christina, ↳Kerstin und [...]

  9. 9

    [...] Mayrberger war 2010 das erste Mal auch das erste Mal bei einem EduCamp und zwar in Hamburg. Sie schreibt: Ich war in erster Linie neugierig darauf, das Veranstaltungsformat mitzuerleben – quasi als [...]

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