GMW-Jahrestagung einmal anders …

Abreise aus Zürich, die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) in Zürich ist vorbei.

Sie war anders als die vorangegangen. Einmal  hinsichtlich der unterschiedlichen Formate, die hier erprobt wurden: Pre-Conference als UnConference, interaktive Postersession und Learning Café als Alternative und Ergänzung zu klassischen Keynotes, Sessions mit Vorträgen sowie einer Podiumsdiskussion mit aktiver und hoher Publikumsbeteiligung zur Vertiefung von Themen, die auf der diesjährigen Tagung im Laufe der drei Tage in den Fokus rückten (u.a. eScience, wissenschaftliche Weiterbildung, Nachwuchsförderung). Zum anderen wegen der - im Gegensatz zu vorangegangenen Tagungen - über die Sessions hinaus auffällig geringen Präsenz von Medien und Services wie Vortragsaufzeichnungen, Twitternutzung und Twitterwall.

Auf Grund der besonderen Umstände (zeitgleich in Deutschland fand die DeLFI-Tagung, das diesjährige Aussetzen der MedidaPrix-Verleihung) war es mit ca. 250 Teilnehmenden eine kleine, aber feine Jahrestagung. Danke dafür an die Organisatoren. Das Tagungsprogramm war umfangreich und inhaltlich vielfältig und doch blieben viele Räume zum gemeinsamen Austausch und Kennenlernen. Das Conference Dinner fand auf dem Uetliberg statt – mit einem grandiosen Blick über Zürich. Highlight des Abends war selbstredend die wenig ernste, aber durchaus ernst zu nehmende “Abendlecture” von Joachim Wedekind und Koni Osterwalder zur Twitterkultur der versammelten Edu-Community, wie es so schön im Programm heißt.

Ein besonderer und bewegender Moment auf dieser Tagung war es, als im Rahmen der Mitgliederversammlung Rolf Schulmeister nach dem gesundheitsbedingten Rückzug seiner Kandidatur für den Vorstand, spontan per Akklamation zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Der Tagungsband steht zusätzlich wieder als PDF-Version zur Verfügung.

Von den Beiträgen, die ich gehört habe fand ich die Gesamteinschätzung zur Zukunft für E-Learning-Zentren (ELC) an Hochschulen von Nicolas Apostolopolous sehr anregungsreich. Er bezeichnete digitalen Technologien und Medien in der Hochschule als “strategische Waffen” für die Hochschulentwicklung, u.a. für die Entwicklung einer “Neuen Lehre”. Dabei stellte er die Konsolidierung von ELCs nach einer starken Phase der Initialisierung heraus und gab einen Ausblick für Neuausrichtungen. Dabei spielte der Gedanke der Vernetzung von Institutionen für eLearning und eScience und nach wie vor der Gedanke der Dezentralisierung (Fachkultur, Anknüpfung an Studien-Dekane) neben zentralen Einrichtungen eine wichtige Rolle. Er betonte - und da kann ich nur zustimmen - das “2.0″ und damit verbunden die Einführung anspruchsvoller Lehr- und Lernszenarien eben keine einfache Sache sei (”Mit eLearning muss man gerade jetzt anfangen”). So stellte er auch die berechtigte Frage, inwiefern die 2.0-Idee die Strukturen der ELC kannibalisiere. Daher wäre es an der Zeit ELC neu auszurichten und E-Teaching, E-Learning + E-Science + Multimedia (-Dienste) zusammen zudenken und sich gegenseitig stärken zu lassen, sprich die Geschäftsfelder der ELCs mit Blick auf eine E-University zu erweitern. Ich würde hier noch explizit ergänzen, dass gerade im Bereich E-Learning und E-Teaching auch eine enge Kooperation mit der Hochschuldidaktik erfolgen bzw. in diesem Bereich mitgedacht werden müsse. Im Learning Café hat mich die Diskussion um die Varianten von Peer-Review-Verfahren, die von Gabi Reinmann und Silvia Sippel moderiert wurde, sehr zum Nachdenken angeregt – gerade mit Blick auf den nicht unwichtigen Zusatz “peer reviewed” in der eigenen Publikationsliste (Wer sind eigentlich bei welcher Form des Reviews die Peers und welche Funktion hat das jeweilige Review?). Zu der Frage, wie die neuen Medien diese Prozesse unterstützen können, sind wir dann nur noch am Rande gekommen. Christiane Metzger berichtete über das ZEITLast-Projekt, bei dem auch ein Teilprojekt an der Universität Mainz angesiedelt ist. Sie stellte die neuesten Erhebungszahlen der Zeitbudgetanalyse von Studierenden vor, die zeigten, dass die viel beschworene extreme Überlastung von BA-Studierenden mehr einem subjektiven Eindruck, denn einer Tatsache entspricht – zumindest bei der vorliegenden Stichprobe. Es gab offensichtlich weitere Highlights wie die Pre-Conference, die u.a. von Sandra Hofhues und Thomas Bernhardt organisiert wurde sowie die Keynote von Rolf Schulmeister, über die viel zu hören war und an denen ich leider nicht teilnehmen konnte. Besonders gefallen hat mir der gute Mix von “alten” und “neuen” Formaten (eLearning-Café, Vorträge, Un-Conference) – wie immer ist es das angemessene Verhältnis zwischen Diskurs und Präsentation von (anspruchsvollen) Inhalten. Eine Linie, die so unbedingt weiter verfolgt werden sollte.

Ich selbst habe die Tagung nutzen können, um meine Ideen zum partizipativen Lernen im Sinne eines eLearning 2.0 vorzustellen. Meine Präsentationsfolien stelle ich hier zum Nachschauen zur Verfügung:

Nach dem Vortrag habe ich dazu noch einige anregende Diskussionen führen können. Über Nachfragen und Anregungen dazu freue ich mich.

Im kommenden Jahr findet die nächste GMW- zusammen mit der DeLFI-Tagung zum Motto “Wissensgemeinschaften” in Dresden statt. Man darf gespannt sein.

[Nachträge]: Weitere Eindrücke zur Tagung finden sich u.a. bei Thomas Bernhardt, Alexander Florian, Sandra Hofhues, Ralph Müller, Dominik PetkoGabi Reinmann, Mandy Schiefner.

Autor: mayrberger
Datum: Donnerstag, 16. September 2010 21:28
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4 Kommentare

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    [...] eine Mütze Schlaf, weshalb inzwischen schon einige Rückblicke auf die GMW’10 online sind (Gabi, Kerstin, Mandy, Ralph und Thomas waren bspw. schneller), denen ich an vielen Stellen beipflichten kann. Ich [...]

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    [...] Antriebskräfte?“. Dankenswerterweise hat Kerstin Mayrberger dazu schon ausführlich gebloggt (hier), weshalb ich mir nun weitere Ausführungen dazu spare Daneben fand ich die Überlegungen von [...]

  3. 3

    [...] in den Trackbacks zu lesen, gibt es bereits weitere Rückblicke auf die GMW10: Gabi Reinmann, Kerstin Mayrberger, Mandy Schiefner, Ralph Müller, Sandra Hofhues … (weitere folgen sicher noch). [...]

  4. 4

    [...] Rückblicken auf die GMW10 in Zürich von Gabi, Kerstin, Mandy, Ralph und Sandra auch von mir ein paar (krankheitsbedingt) verspätete Anmerkungen. Wobei [...]

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