Einblick in die Lehre I: Mitmachseminar zum Mitmachnetz

Die ersten Semesterwochen sind um und die Lehrveranstaltungen “laufen”, so dass nun Zeit ist, auch einen Einblick zu geben. Dieses Semester habe ich mir zwei Veranstaltungen vorgenommen, die jeweils für mich und die Studierenden neue Blended-Learnig-Szenarien darstellen – ein Seminar in der Erziehungswissenschaft und eine “Blended-Learning-Massenveranstaltung” in den Bildungswissenschaften/Lehrerbildung. Über Letzteres will ich demnächst ausführlicher berichten.

Mit dem Angebot des Seminars “Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive” verfolge ich die Idee, meine konzeptionellen Ideen zum partizipativen Lernen in der formalen Hochschullehre zu erproben, ganz im Sinne eines “Mitmachseminars” zum “Mitmachnetz” mit Blick auf medienpädagogische Theorie und Praxis. Für diesen Versuch nutze ich die Gelegenheit, noch einmal ein Seminar für die “Altstudiengänge” mit Schwerpunkt (Medien-)Pädagogik im Diplom und Magister anbieten zu können, da man in diesem Rahmen ja doch etwas flexibler ist. Ich vermute, da die Veranstaltung als Blended-Learning Veranstaltung mit Blockanteilen in den Präsenzphasen geplant ist, die entweder Mo 18-20 Uhr oder an einem Samstag stattfinden, dass sich die Teilnehmerzahl daher letztlich auf knapp 15 beläuft. Für die Erprobung des Szenarios ist es aber optimal: Alle Anwesenden sind interessiert, motiviert und lassen sich auf diese Variante des Lernens, die hier noch nicht selbstverständlich ist, ein – so ist zumindest mein Eindruck nach den ersten Wochen. Da macht es auch von der Lehrendenseite aus Freude, mehr Kapazitäten in die Veranstaltung einzubringen, als gedacht.

Ziel der Veranstaltung ist ein Produkt, das im Rahmen einer Projektarbeit in der Kleingruppe entwickelt wird: Die Studierenden arbeiten möglichst gute Konzepte für die medienpädagogische Praxis aus, in der Web 2.0-Tools und -Ideen im Zentrum stehen. Das Konzept wird theoretisch und konzeptionell eingeordnet und begründet und kann - so die Idee - dann nach dem Seminar in der Praxis erprobt werden. In 3 der 5 Gruppen ist von Beginn an eine praktische Erprobung mitgeplant, z.B. weil man neben dem Studium in der medienpädagogischen Jugendarbeit oder der Erwachsenenbildung tätig ist und das Konzept dort erproben will.

Die Teilnehmenden haben sich bis jetzt einen Überblick zum Thema verschafft und danach im Sinne des “Auftrags” ein Thema gewählt, das sie selbstständig vertiefen. In diesem Fall haben sich fünf Gruppen zu den Themenfeldern (Arbeitstitel der Gruppen) Aktive Medienarbeit/Medienproduktion, Soziale Netzwerke, Eltern, Erwachsenenbildung und Digitale Spaltung/Sonderpädagogik gefunden. Übergreifend diskutieren wir gemeinsam (vorwiegend online) übergreifende Fragestellungen (z.B. die Frage nach der Rolle von Digitale Kompetenzen (Ausgangslage war das Papier der BMBF-Expertengruppe und aktuelle Nutzungszahlen und daran anschließend die Frage nach der Relevanz und dem Verhältnis von Medienkompetenz und Medienbildung; die nächsten Wochen wird das Thema Selbstorganisation und Selbststeuerung Thema sein), die dann auch in die Projektkonzepte einfließen können. Natürlich geht es in diesem Seminar auch darum, Web 2.0-Tools kennenzulernen, um diese in die Projektkonzepte erfahrungsbasiert einbinden zu können.

Besonderes Highlight für alle Beteiligten ist die virtuelle Kooperation mit einer anderen Lehrveranstaltung einer anderen Uni zu einem ähnlichen Thema. In diesem Fall haben Sandra Hofhues (vgl. Sandras Kommentar zum Semesterstart) und ich seit März 2010 unsere Lehrveranstaltungsplanungen abgestimmt, nachdem wir die Idee zur Kooperation am Rande eines Panels auf der DOSS-Tagung in Dortmund hatten und beschlossen haben. Über den Anker der “Qualität” vernetzen wir die beiden produktorientierten Seminare. In der nächsten Woche werden sich die Seminare das erste Mal mit Hilfe von Adobe Connect vernetzen. Das wird für alle eine spannende Erfahrung, da wir ca. 30 Personen sein werden. Bisher habe ich nur mit Gruppen bis ca. 10 Teilnehmenden mit dem virtuellen Klassenraum gearbeitet.

Nach und nach führe ich ergänzend zu den üblichen Übersichten zum Stöbern gezielt Web 2.0-Tools so ein, dass sie mit einer sinnvollen Nutzung im Seminarkontext einhergehen. Aktuell beginnen wir Twitter als ein Tool zu erproben (#mpaed20), das zwar alle Teilnehmenden kennen, aber kaum jemand nutzt. Ich bin gespannt, wie das klappen wird.

Und wie immer, ist ein solches Seminar für Studierende und Lehrende mit einem verhältnismäßigem Extra-Aufwand verbunden. Aber es lohnt sich. So freue ich mich über einige Teilnehmende, die “eigentlich nur einen Teilnahmeschein brauchen” oder “gar nichts”, aber Interesse am Thema und der Arbeitsweise haben oder ihren Leistungsnachweis einmal in anderer Form als einer Hausarbeit oder eines Referats erwerben möchten.

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung einbindet, aber auch eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung “laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi ein Selbstversuch ;-)

Ich werde weiter berichten …

Autor: mayrberger
Datum: Mittwoch, 24. November 2010 10:23
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4 Kommentare

  1. 1

    [...] Einblick in die Lehre I: Mitmachseminar zum Mitmachnetz: http://kerstin.mayrberger.de/blog/?p=297 [...]

  2. 2

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  3. 3

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