Tag-Archiv für » 2.0 «

MuK goes MOOC

Donnerstag, 2. Mai 2013 6:08

… oder „wenn, dann richtig.“

Seit 2011 gebe ich in jedem Wintersemester eine (verpflichtende) einführende Vorlesung in die Mediendidaktik und Medienpädagogik für Bachelorstudierende im BA MuK, BA Sozialwissenschaft und BA Erziehungswissenschaft mit Wahlpflicht Medienpädagogik. Nach zwei Durchläufen im eher „klassischen“ Vorlesungsmodus habe ich nun ein recht gutes Bild der doch heterogenen Studierendengruppe und ihren Erwartungen erhalten (sehr grob zusammengefasst: Theorieaffinität: eher gering; Praxisbezug: in vielfältiger Weise erwünscht; Mediennutzungserfahrung: eher gering; E-Learning: kaum Kenntnisse; Vorstellung der späteren Tätigkeit: noch unspezifisch; Interesse an Medienpädagogik/Mediendidaktik: bei Einzelnen vorhanden).

Deshalb hatte ich mir schon nach dem letzten Semester vorgenommen, für das kommende Wintersemester das Vorlesungsszenario ganz neu anzugehen und hierfür an meine früheren Erfahrungen mit einer Blended Learning-Vorlesung zur schulischen Medienpädagogik an der Uni Mainz anzuknüpfen. Es sollte eine Veranstaltung werden, die einerseits die Studierenden in die Lage versetzt, das Themenfeld der Medienpädagogik und Mediendidaktik zu überblicken, zu verstehen, was medienpädagogische Praxis in unterschiedlichen Feldern ausmacht und theoretisch wie konzeptionell medienpädagogisches Handeln beschreiben und analysieren zu können. Da die Integration von Medien in der pädagogischen Praxis auch immer eine Frage der Haltung und Einstellung ist, war es mir wichtig, die Studierende durch reflexive und diskursive Elemente mit Unterstützung von Fachtexten, Studien und Praxisbeispielen zu befähigen, zu einer fundierten Position zu gelangen. Dieses wollte ich in einem Blended Learning-Szenario umsetzen, damit die Studierenden schon in ihrem ersten Semester quasi beiläufig „E-Learning“ erleben können und in dieser Hinsicht medienbezogenen Kompetenzen erwerben können.

Mitte März wurden dann 10 Mooc Production Fellowships von iversity und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für die Konzeption und Durchführung von Massive Open Online Courses (MOOC) ausgeschrieben. Nach anfänglicher Skepsis, inwiefern es sich lohnt, dem Trend der MOOCs zu folgen und dem nicht unbeträchtlichen Aufwand in der Vorbereitung und Durchführung auch auf mich zu nehmen, habe ich mich mit meinem Team beraten und wir haben entschieden: Nach dem Motto „… wenn, dann richtig“ groß („Massiv“). Wir haben die schon bestehenden Ideen weiterentwickelt und eine offene („Open“), und interaktionsfördernde E-Learning-Veranstaltung („Online Course“) für eine Zahl X konzipiert, die eine breite Zielgruppe von Studierenden unterschiedlicher Bachelorstudiengänge inklusive aller Lehrämter sowie schon im Beruf stehende Fachkräfte anspricht und damit zu einer „Grundbildung Medien“ für diverse (medien-)pädagogische Berufsfelder beiträgt.

Deshalb bewirbt sich nun auch das Team der Professur für Mediendidaktik um einen Fellowship. Mit dem Preisgeld werden wir u.a. eine angemessene Betreuung der Teilnehmenden gewährleistet und die Produktion von offenen Lernmaterialien in Form von Open Educational Resources (OER) zur Gestaltung von (weiterer) Open Educational Practice (OEP) finanziert.

Nun hoffen wir natürlich, dass unser Konzept überzeugt und freuen uns über viele Stimmen für unseren MOOC hier!

[Nachtrag, 10.06.2013: Die 10 Gewinner aus über 250 Einreichungen stehen nun fest. Unser MOOC-Konzept ist zwar nicht dabei, doch ich werde ab dem kommenden Wintersemester dennoch die Veranstaltung "Einführung in die Medienpädagogik/Mediendidaktik" weiterentwickeln und neu organisieren sowie einige der Ideen zu realisieren.]

Thema: Lehre & Studium | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

… mit etwas Abstand betrachtet.

Montag, 18. März 2013 19:18

Im Zuge der diesjährigen dghd-Jahrestagung 2013 “Professionalisierung der Hochschuldidaktik” habe ich mich (erneut) mit dem Verhältnis von E-Learning und Hochschuldidaktik beschäftigt. Dieses war und ist meines Erachtens besonders aus zwei Gründen wichtig: „eLearning“, wie es die letzten 10 Jahre diskutiert und konzeptionell besetzt war, geht zunehmend in der Hochschuldidaktik oder im weiteren Feld des Lehren und Lernens an der Hochschule auf, worunter oder worin heute selbstverständlicher digitale Medien aufgehen. Doch - und das ist aus einer weiten medienpädagogischen Sicht der Hauptgrund - schließen allgmeine hochschuldidaktische Kompetenzen nicht zugleich auch spezifische medienbezogene Komptenzen mit ein. Dieses gehen mitnichten auch automatisch in einer hochschuldidaktischen Komptenz auf. Durchaus kann man die Beschäftigung mit Medien in der Lehre als Querschnittsaufgabe betrachten, wenn es um Planung, Leitung oder Methoden sowie das Thema Qualität geht. Doch nimmt das meiner Ansicht nach Medien nicht vollends in den Blick - heute sind Medien mehr als Werkzeuge, um Unterricht oder die Studienorganisation zu optimieren.

Die Rollen von Medien gehört umfassender thematisiert und reflektiert bevor man sie als Hochschullehrende/r einsetzt. So geht beispielsweise mit der Einbindung von Angeboten des Social Webs auch immer die Frage einher, was das offene Netz mit den Lehrenden und Lernenen macht. Die Lernenden werden mehr oder weniger selbstbestimmt Teil des Netzes und damit Teil der Netzkultur, wenn sie z.B. Beiträge im Netz im Seminarwiki verfassen und damit mehr oder weniger anonyme Spuren hinterlassen. Durch das Agieren und Reagieren im Netz werden die Lernenden (hoffentlich) von den Lehrenden und/oder Peers dazu angehalten sich als Teil der mediatisierten Welt wahrzunehmen und die eigene Position darin (kritisch) zu reflektieren - also verkürzt gesagt: angehalten einen Bildungsprozess mit und durch Medien zu erfahren.

Diese Sicht ist nicht neu, aber m. E. wird sie noch zu wenig betont, weshalb ich anknüpfend an meine Überlegungen von 2008 zu einer medienpädagogischen Kompetenz von Hochschullehrenden in der Zeitschrift für E-Learning dazu einen aktualisierten Beitrag auf der diesjährigen dghd-Tagung beigesteuert habe, den ich hier gerne zur Verfügung stelle:

Medienbezogene Professionalität von Hochschullehrenden fördern können from Kerstin Mayrberger

Thema: Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Forschungsprojekt: PaLerMe

Montag, 18. Juli 2011 12:52

Die Vorlesungszeit neigt sich dem Ende. Dafür nimmt nun das Projekt PaLerMe (Partizipative Lehr- und Lernumgebungen mit digitalen Medien im Unterricht gestalten können. Eine empirische Studie zur mediendidaktischen Kompetenz von Lehrkräften“; http://www.zbh.uni-mainz.de/329.php) langsam an Fahrt auf. Zusammen mit Dipl. Päd. Dominika Bock beschäftige ich mich bis Frühjahr kommenden Jahres aus einer vornehmlich mediendidaktischen Perspektive mit dem Einsatz von Social Software im Unterricht in unterschiedlichen Schulstufen und -formen und welche mediendidaktischen Kompetenzen im Rahmen einer umfassenden medienpädagogischen Kompetenz dafür auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer wichtig sind. Dafür sollen bundesweit ausgewählte, schulische Best-Practice-Beispiele zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht untersucht werden. Dabei bedienen wir uns in erster Linie qualitativer Methoden der Schul- bzw. Unterrichtsforschung zur Untersuchung unterschiedlicher Blended-Learning-Szenarien in den unterschiedlichen Schulen.
Den Ausgangspunkt des Projekts PaLerMe stellen die Annahmen dar, dass ein erfolgreicher Einsatz von digitalen Medien, die ein hohes Maß an Aktivität und Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, wie beispielsweise Blogs oder Wikis (Social Software), erfordern, im Unterricht nicht selbstverständlich ist. Zugleich wird zur Zeit davon ausgegangen, dass solche Software-Anwendungen das Potenzial besitzen, Unterricht auf partizipativer Ebene positiv zu beeinflussen und damit einen Beitrag zum Lernerfolg leisten zu können. Dafür braucht es wiederum (nicht nur) bestimmte mediendidaktische Kompetenzen auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer. Dieses Annahmen sollen im Rahmen des Projekts PaLerMe anhand ausgewählter Beispiele empirisch untersucht werden. Ziel der Untersuchung ist ein Ausloten von Gelingensbedingungen für partizipatives Lernen mit digitalen Medien im Unterricht, speziell mit Social Software ganz im Sinne des „Mitmachnetzes“. Im Wesentlichen geht es mir bei dem Projekt mit Fokus auf ein medienbezogenes, partizipatives Lernen als Variante offener, schülerorientierter Lernformen darum, zur aktuellen Diskussion um “Web 2.0″ in Schule und Unterricht eine empirische Perspektive als (mögliche) Brücke zwischen Theorie und Praxis beizusteuern. Darüber hinaus soll das Projekt einen Beitrag zur medienbezogenen Lehrer(aus)bildung leisten und - wenn möglich - allgemeine konzeptionelle Überlegungen für eine ‘partizipative Mediendidaktik’ in formalen Bildungskontexten empirisch fundieren und weiter entwicklen.
Die konzeptionellen Vorarbeiten sind für den Moment abgeschlossen und die Akquise ist am Laufen, so dass - wenn alles klappt - die ersten Erhebungen nach den (jeweiligen) Sommerferien erfolgen können.
Für den Fall, dass es vielleicht in der Bundesrepublik noch eine passende Klasse einer Grundschule, Sekundarstufe I oder II gibt, die zu unserem Vorhaben passen würde und die wir bisher nicht angeschrieben haben, freue ich mich über einen Hinweis an: mayrberger (at) uni-mainz.de

Thema: Forschung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Nachgang zur Tagung “Kreide war gestern – Neue Medien verändern Schule?!”

Samstag, 19. Februar 2011 11:28

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen des Einsatzes von digitalen Medien in Schule und Unterricht und den Chancen und auch Herausforderungen, die damit einhergehen (können). Ich selbst habe mit diesem überblickenden “Impuls” zum veränderten Lehren und Lernen mit digitalen Medien in der Schule zur Tagung “Kreide war gestern – Neue Medien verändern Schule?!” beigetragen:

Ein für mich sehr inspirierender Workshop, den ich besucht habe, war “iPad-Klasse im Einsatz! Wie ein Gerät unterrichtliche Prozesse verändert“. Hier gab es eine motivierenden Einblick, in das was in Schule (auch “nur” als Pilotversuch) aus medienpädagogischer Sicht möglich sein kann, wenn man will, gute Ideen hat und über medienpädagogische Kompetenz verfügt, um ein “rundes” Konzept auf die Beine zu stellen, das “guten” Unterricht mit digitalen Medien realisieren lässt. Besonders gefallen hat mir hierbei, dass auch zwei Schüler mit dabei waren und den Entstehungsprozess einer selbst programmierten App der “App-AG” der BBS (mit Stolz) selbst präsentiert haben und später als kompetente Ansprechpartner beim “Hands-on” dabei waren.

Insgesamt wurde mir aber auch auf dieser Veranstaltung (wieder einmal) deutlich, dass natürlich nach wie vor eine überzogene Technikzentrierung und Euphorie für das Neue (Spielzeug ;-) ) mit Blick auf die nachhaltige Veränderung von Lehr- und Lernprozessen nicht zielführend ist, ebenso wie das Ignorieren der Herausforderungen und Problemen, die mit der vermehrten Nutzung des Internets im Schulkontext auftreten können (nicht zwangsläufig auch müssen, wie andere gute Konzepte wiederum zeigen).

Doch - und das zeigen solche Fortbildungen/Tagungen mir auch immer wieder - “wer nicht wagt, der nicht gewinnt.” Und so braucht es immer wieder diejenigen “Innovators” und “Early Adopter” die mit Neugierde voran schreiten und auch trotz des häufigen Mehraufwands Spaß daran haben, die Möglichkeiten neuer Technologien für das Lehren und Lernen zu erkunden und auszuloten und ihre Erfahrungen auch kund zu tun. Es gilt letztlich gerade für Lehrer/innen eine zeitgemäße (professionelle) Position zwischen Technologieeuphorie und rein bewahrpädagogischem Bedenken zu finden – wie schon seit Beginn der Diskussion um den Einsatz von Computern im Unterricht. Und hier bedarf es m.E. in allen Phasen der Lehrer/innenbildung eine Beschäftigung mit dieser Thematik um zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit mit Bezug auf digitale Medien stetig beizutragen. Denn letztlich kann es für alle Lehrer/innen nur darum gehen, gemeinsam mit den Schüler/innen einen möglichst “guten Unterricht” zu gestalten – und dazu können digitale Medien sinnvoll eingesetzt ihren Beitrag leisten.

Was es nun braucht, sind (weitere) empirische Arbeiten, die die vorliegenden Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis und Ergebnisse sowie erkennbare Tendenzen aus Evaluationsstudien differenziert anschauen und damit die  unterschiedlichen Annahmen in der bestehenden Diskussion schlicht prüfen.

Es gibt viel zu tun …

Thema: Community, Forschung, Position, Praxis, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Rückblick auf mein “Mitmachseminar zum Mitmachnetz”

Mittwoch, 16. Februar 2011 7:24

Zu Beginn der Vorlesungszeit hatte ich hier einen Einblick in mein “Mitmachseminar zum Mitmachnetz” gegeben (offiziell: Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive), das in Kooperation mit dem Seminar “w.e.b.Square - wissenschaftliches Publizieren im Netz” an der Uni Augsburg stattfand und dort von Sandra Hofhues und Tamara Ranner angeboten wurde (vgl. Sandras und Tamaras Rückblick).

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich
unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit
partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige
Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung
einbindet, aber auch
eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen
Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik
darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus
plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem
Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung
“laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi
ein Selbstversuch ;-)

Die Erfahrungen, die ich dann im Laufe des Semesters machen konnte, waren - abgesehen vom verhältnismäßig hohen Organisationsaufwand, den dieses Seminar beanspruchte – sehr motivierend.

Die 12 Studierenden, von denen ein Drittel “nur” aus Interesse teilnahm und keinen Leistungsnachweis mehr benötigte, haben in Kleingruppen insgesamt an 5 Projektkonzeptionen zu einem medienpädagogischen Projekt unter Berücksichtigung von Web 2.0-Tools und -Themen ausgearbeitet und theoretisch bzw. konzeptionell begründet: “Aktive Medienarbeit im Kindertageszentrum - Filmproduktion als bildende Kommunikation”, “Web 2.0 Coaching für Eltern – Was macht mein Kind im Internet?”, “Weiterbildung 2.0″, “Digitale Spaltung“ (Schwerpunkt Sonderpädagogik), “Selbstdarstellung in Social Networks unter dem Aspekt des Datenschutzes. Am Beispiel von Facebook”.
Während die Projektideen sich zu Beginn des Semesters langsam formten und die Konzepte bis Weihnachten in einer ersten Fassung entstanden sind, haben wir uns parallel im Seminar u.a. mit Themen wie Medienkompetenz und Medienbildung, Mediennutzung und -sozialisation und der Frage nach den Chancen Grenzen von Selbstorganisation im Web 2.0 beschäftigt. Dieses war insofern für mich spannend, da die Studierendengruppen ihre Projektthemen im Rahmen der relativ breiten Vorgabe (Projektkonzept zum Einsatz/zur Thematisierung von Web 2.0 in der medienpädagogischen Praxis) komplett selbst wählen konnten. Die theoretischen Bezugsrahmen, die für alle Projekte von Interesse waren, wurden gemeinsam thematisiert, spezifische Ansätze wie z.B. die aktive Medienarbeit projektspezifisch angegangen. Letztlich war die Qualität des Produkts “Projektkonzept” eine leitende Prämisse. Hier lag auch neben einem “echten” Web 2.0-Erlebnis für die Studierenden der Ansatzpunkt in der Kooperation mit dem Seminar der Uni-Augsburg. Denn die Studierenden hatten (und das war für mich wie die Mainzer Studierenden neu) noch im Semester die Aufgabe, nach einem Reviewprozess über Weihnachten, der durch die Studierenden der jeweils anderen Uni und durch die jeweils zuständigen Lehrenden erfolgte, zu überarbeiten. Die beiden Projekte, die am stärksten überzeugen konnten, waren virtuell mit ihren Beiträgen zu Gast auf der diesjährigen 4. w.e.b.Square-Tagung mit dem Motto “Bologna 2011. Eine kritische Bilanz aus Studierendensicht”. Letztlich erhielten alle Mainzer Gruppen die Möglichkeit, ihr Projektkonzept für die Tagungsausgabe der Online-Zeitschrift “w.e.b.Square” vorzunehmen, was letztlich drei Mainzer Projekte auch wahrgenommen haben. Für mich hat dieses Element der Lehrveranstaltungen noch einmal gut gezeigt, dass man gerade in projektbezogenen Seminaren auch in der akademischen Lehre nicht nur auf das “akademische Endprodukt” für den Leistungsnachweis schauen sollte. Vielmehr ist es für alle Beteiligten gewinnbringend, wenn es über die üblichen Abschlusspräsentationen durch Vorträge hinaus eine angemessene interne (z.B. gemeinsame Seminarpublikation als Wiki oder “nur” PDF) oder öffentliche Form der Sichtbarmachung gibt – auch wenn es den Aufwand deutlich erhöht, der dann entsprechend einzukalkulieren ist.
Besonders spannend war für mich die technisch basierte virtuelle Vernetzung der beiden Seminare mit Hilfe eines virtuellen Klassenraums (hier: Adobe Connect). Für die Studierenden war es überwiegend neu, “von zu Hause” an zwei virtuellen Sitzungen im Seminar teilnehmen zu können. Die Sicherheit im Umgang mit dem virtuellen Klassenraum stieg zunehmend, z.B. bei den Mainzer Studierenden auch zusätzlich dadurch, dass wir dieses Werkzeug kurzfristig in einer Präsenzsitzung nutzten, als der Beamer ausgefallen war und so alle zumindest auf ihren Laptops einer Präsentation folgen konnten und zugleich auf rechtlicher Ebene eines “Moderators” im Kurs tätig waren. Gerade zur w.e.b.Square-Tagung in Augsburg zeigte sich aber das Merkmal der Ortsunabhängigkeit noch einmal sehr schön: Die Augsburger Studierenden waren bei “ihrer” Tagung vor Ort im Hörsaal, die beiden Referent/innengruppen aus Mainz saßen als Gruppe vor ihren Rechnern in ihren Privatwohnungen/WGs in Mainz und ich selbst war von Hamburg aus virtuell zugegen. Zu den Mainzer Vorträgen wurden wir mit Bild, Ton und Präsentation in den Hörsaal geschaltet und im Anschluss fand mit leichter Verzögerung sogar eine kurze Fragerunde statt (quasi eine “grüne Teilnahme”). Zeitgleich wurde die gesamte Tagung per Videostream öffentlich übertragen und begleitend getwittert (#websquare). Technisch ist das alles nicht neu, aber das technische Arrangement selbst zu organisieren und zu erleben war doch neu und nicht nur für die beteiligten Studierenden, die ihre Sache großartig gemeistert haben, recht aufregend. ;-)

Die Evaluation zum Schluss des Seminars in Mainz hat mir bestätigt, dass es für die Studierende ein erkenntnisreiches und erfahrungsreiches Seminar war, in dem sie sich medienpädagogisches Wissen erarbeitet, Kompetenzen erworben und eine begründete Position zum Web 2.0 gebildet haben – und das ist letztlich die Hauptsache. Besonders schön ist es zu wissen, dass zwei der entwickelten Projektkonzepte von den Studierenden noch in der Praxis umgesetzt
werden: eines im Rahmen einer regulären Tätigkeit im medienpädagogischen Bereich, das andere als komplett selbstorganisiertes Projekt der Studierendengruppe.

Dem Aspekt der “Vernetzung” werden wir drei Dozentinnen an andere Stelle weiter nachgehen.

Eigentlich hatte ich in diesem Wintersemester geplant, mich in Sachen Lehre “etwas zurück zu halten” und mehr Energie in Forschung(-santräge) und Publikationen zu stecken. “Eigentlich” … – für mich kann ich nur sagen, dass ich wichtige und gute Erfahrungen in dieser Lehrveranstaltung sammeln konnte, die mir zudem noch wertvolle Erkenntnisse für anstehende Publikationen zum partizipativen Lernen eröffnet haben. Insofern war es in jeder Hinsicht ein lohnenswertes Lehrprojekt, zugleich ein schöner Selbstversuch und eine tolle Kooperationserfahrung. :-)

Thema: Erfahrung, Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Neuerscheinung: Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen

Donnerstag, 16. Dezember 2010 0:04

E-Portfolios und digitale Lerntagebücher, Social Networks und Bewertungs-Plattformen für Schulen, Lehrer und Lehrveranstaltungen – die aktuellen Entwicklungen der Medientechnologie fördern Transparenz und Öffentlichkeit. Durch die damit zusammenhängenden Kulturtechniken entwickeln sich neue Formen von Kontrolle und Selbstkontrolle. Die Individuen übernehmen selbst die Verantwortung für ihre Bildung. Durch freiere Wahl der Lernwege und -ziele verlieren traditionelle Verfahren der Leistungsmessung und Zugangsberechtigung an Bedeutung. Lernende können für ihre Kompetenzen und Talente direkt um Anerkennung werben. Die Liberalisierung von Bildung geht aber mit ihrer Ökonomisierung einher. Der Gegenstand der bildenden Bemächtigung ist nicht mehr die Welt, sondern die eigene Vita.

Vor dem Hintergrund der ambivalenten Mechanismen von Kontrolle und Selbstkontrolle eröffnen die Beiträge in diesem Band ebenso weite wie fokussierte Perspektiven auf neue Medientechnologie und die Konjunktur des Portfolios in der Bildung.

Meyer, Torsten; Mayrberger, Kerstin; Münte-Goussar, Stephan & Schwalbe, Christina (Hg.) (2011). Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen, Wiesbaden: VS-Verlag. (Medienbildung und Gesellschaft Bd. 19); 305 S. Br., ISBN: 978-3-531-17683-3, 39,90 Euro.

Mit Beiträgen von: Peter Baasch, Peter Baumgartner, Detlev Bieler, Iris Brucker, Thomas Czerwionka, Matthias Fink, Thomas Häcker, Sara Haese, Wolf Hilzensauer, Klaus Himpsl-Gutermann, Benjamin Jörissen, Rudolf Kammerl, Sönke Knutzen, Anne-Britt Mahler, Kerstin Mayrberger, Marianne Merkt, Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Corinna Peters, Sebastian Plönges, Ramon Reichert, Gabi Reinmann, Theo Röhle, Sandra Schaffert, Christina Schwalbe, Silvia Sippel, Thomas Sporer, Thomas Unruh

Reaktionen

Thema: Erfahrung, Forschung, Praxis, Publikationen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Einblick in die Lehre I: Mitmachseminar zum Mitmachnetz

Mittwoch, 24. November 2010 10:23

Die ersten Semesterwochen sind um und die Lehrveranstaltungen “laufen”, so dass nun Zeit ist, auch einen Einblick zu geben. Dieses Semester habe ich mir zwei Veranstaltungen vorgenommen, die jeweils für mich und die Studierenden neue Blended-Learnig-Szenarien darstellen – ein Seminar in der Erziehungswissenschaft und eine “Blended-Learning-Massenveranstaltung” in den Bildungswissenschaften/Lehrerbildung. Über Letzteres will ich demnächst ausführlicher berichten.

Mit dem Angebot des Seminars “Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive” verfolge ich die Idee, meine konzeptionellen Ideen zum partizipativen Lernen in der formalen Hochschullehre zu erproben, ganz im Sinne eines “Mitmachseminars” zum “Mitmachnetz” mit Blick auf medienpädagogische Theorie und Praxis. Für diesen Versuch nutze ich die Gelegenheit, noch einmal ein Seminar für die “Altstudiengänge” mit Schwerpunkt (Medien-)Pädagogik im Diplom und Magister anbieten zu können, da man in diesem Rahmen ja doch etwas flexibler ist. Ich vermute, da die Veranstaltung als Blended-Learning Veranstaltung mit Blockanteilen in den Präsenzphasen geplant ist, die entweder Mo 18-20 Uhr oder an einem Samstag stattfinden, dass sich die Teilnehmerzahl daher letztlich auf knapp 15 beläuft. Für die Erprobung des Szenarios ist es aber optimal: Alle Anwesenden sind interessiert, motiviert und lassen sich auf diese Variante des Lernens, die hier noch nicht selbstverständlich ist, ein – so ist zumindest mein Eindruck nach den ersten Wochen. Da macht es auch von der Lehrendenseite aus Freude, mehr Kapazitäten in die Veranstaltung einzubringen, als gedacht.

Ziel der Veranstaltung ist ein Produkt, das im Rahmen einer Projektarbeit in der Kleingruppe entwickelt wird: Die Studierenden arbeiten möglichst gute Konzepte für die medienpädagogische Praxis aus, in der Web 2.0-Tools und -Ideen im Zentrum stehen. Das Konzept wird theoretisch und konzeptionell eingeordnet und begründet und kann - so die Idee - dann nach dem Seminar in der Praxis erprobt werden. In 3 der 5 Gruppen ist von Beginn an eine praktische Erprobung mitgeplant, z.B. weil man neben dem Studium in der medienpädagogischen Jugendarbeit oder der Erwachsenenbildung tätig ist und das Konzept dort erproben will.

Die Teilnehmenden haben sich bis jetzt einen Überblick zum Thema verschafft und danach im Sinne des “Auftrags” ein Thema gewählt, das sie selbstständig vertiefen. In diesem Fall haben sich fünf Gruppen zu den Themenfeldern (Arbeitstitel der Gruppen) Aktive Medienarbeit/Medienproduktion, Soziale Netzwerke, Eltern, Erwachsenenbildung und Digitale Spaltung/Sonderpädagogik gefunden. Übergreifend diskutieren wir gemeinsam (vorwiegend online) übergreifende Fragestellungen (z.B. die Frage nach der Rolle von Digitale Kompetenzen (Ausgangslage war das Papier der BMBF-Expertengruppe und aktuelle Nutzungszahlen und daran anschließend die Frage nach der Relevanz und dem Verhältnis von Medienkompetenz und Medienbildung; die nächsten Wochen wird das Thema Selbstorganisation und Selbststeuerung Thema sein), die dann auch in die Projektkonzepte einfließen können. Natürlich geht es in diesem Seminar auch darum, Web 2.0-Tools kennenzulernen, um diese in die Projektkonzepte erfahrungsbasiert einbinden zu können.

Besonderes Highlight für alle Beteiligten ist die virtuelle Kooperation mit einer anderen Lehrveranstaltung einer anderen Uni zu einem ähnlichen Thema. In diesem Fall haben Sandra Hofhues (vgl. Sandras Kommentar zum Semesterstart) und ich seit März 2010 unsere Lehrveranstaltungsplanungen abgestimmt, nachdem wir die Idee zur Kooperation am Rande eines Panels auf der DOSS-Tagung in Dortmund hatten und beschlossen haben. Über den Anker der “Qualität” vernetzen wir die beiden produktorientierten Seminare. In der nächsten Woche werden sich die Seminare das erste Mal mit Hilfe von Adobe Connect vernetzen. Das wird für alle eine spannende Erfahrung, da wir ca. 30 Personen sein werden. Bisher habe ich nur mit Gruppen bis ca. 10 Teilnehmenden mit dem virtuellen Klassenraum gearbeitet.

Nach und nach führe ich ergänzend zu den üblichen Übersichten zum Stöbern gezielt Web 2.0-Tools so ein, dass sie mit einer sinnvollen Nutzung im Seminarkontext einhergehen. Aktuell beginnen wir Twitter als ein Tool zu erproben (#mpaed20), das zwar alle Teilnehmenden kennen, aber kaum jemand nutzt. Ich bin gespannt, wie das klappen wird.

Und wie immer, ist ein solches Seminar für Studierende und Lehrende mit einem verhältnismäßigem Extra-Aufwand verbunden. Aber es lohnt sich. So freue ich mich über einige Teilnehmende, die “eigentlich nur einen Teilnahmeschein brauchen” oder “gar nichts”, aber Interesse am Thema und der Arbeitsweise haben oder ihren Leistungsnachweis einmal in anderer Form als einer Hausarbeit oder eines Referats erwerben möchten.

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung einbindet, aber auch eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung “laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi ein Selbstversuch ;-)

Ich werde weiter berichten …

Thema: Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

GMW-Jahrestagung einmal anders …

Donnerstag, 16. September 2010 21:28

Abreise aus Zürich, die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) in Zürich ist vorbei.

Sie war anders als die vorangegangen. Einmal  hinsichtlich der unterschiedlichen Formate, die hier erprobt wurden: Pre-Conference als UnConference, interaktive Postersession und Learning Café als Alternative und Ergänzung zu klassischen Keynotes, Sessions mit Vorträgen sowie einer Podiumsdiskussion mit aktiver und hoher Publikumsbeteiligung zur Vertiefung von Themen, die auf der diesjährigen Tagung im Laufe der drei Tage in den Fokus rückten (u.a. eScience, wissenschaftliche Weiterbildung, Nachwuchsförderung). Zum anderen wegen der - im Gegensatz zu vorangegangenen Tagungen - über die Sessions hinaus auffällig geringen Präsenz von Medien und Services wie Vortragsaufzeichnungen, Twitternutzung und Twitterwall.

Auf Grund der besonderen Umstände (zeitgleich in Deutschland fand die DeLFI-Tagung, das diesjährige Aussetzen der MedidaPrix-Verleihung) war es mit ca. 250 Teilnehmenden eine kleine, aber feine Jahrestagung. Danke dafür an die Organisatoren. Das Tagungsprogramm war umfangreich und inhaltlich vielfältig und doch blieben viele Räume zum gemeinsamen Austausch und Kennenlernen. Das Conference Dinner fand auf dem Uetliberg statt – mit einem grandiosen Blick über Zürich. Highlight des Abends war selbstredend die wenig ernste, aber durchaus ernst zu nehmende “Abendlecture” von Joachim Wedekind und Koni Osterwalder zur Twitterkultur der versammelten Edu-Community, wie es so schön im Programm heißt.

Ein besonderer und bewegender Moment auf dieser Tagung war es, als im Rahmen der Mitgliederversammlung Rolf Schulmeister nach dem gesundheitsbedingten Rückzug seiner Kandidatur für den Vorstand, spontan per Akklamation zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Der Tagungsband steht zusätzlich wieder als PDF-Version zur Verfügung.

Von den Beiträgen, die ich gehört habe fand ich die Gesamteinschätzung zur Zukunft für E-Learning-Zentren (ELC) an Hochschulen von Nicolas Apostolopolous sehr anregungsreich. Er bezeichnete digitalen Technologien und Medien in der Hochschule als “strategische Waffen” für die Hochschulentwicklung, u.a. für die Entwicklung einer “Neuen Lehre”. Dabei stellte er die Konsolidierung von ELCs nach einer starken Phase der Initialisierung heraus und gab einen Ausblick für Neuausrichtungen. Dabei spielte der Gedanke der Vernetzung von Institutionen für eLearning und eScience und nach wie vor der Gedanke der Dezentralisierung (Fachkultur, Anknüpfung an Studien-Dekane) neben zentralen Einrichtungen eine wichtige Rolle. Er betonte - und da kann ich nur zustimmen - das “2.0″ und damit verbunden die Einführung anspruchsvoller Lehr- und Lernszenarien eben keine einfache Sache sei (”Mit eLearning muss man gerade jetzt anfangen”). So stellte er auch die berechtigte Frage, inwiefern die 2.0-Idee die Strukturen der ELC kannibalisiere. Daher wäre es an der Zeit ELC neu auszurichten und E-Teaching, E-Learning + E-Science + Multimedia (-Dienste) zusammen zudenken und sich gegenseitig stärken zu lassen, sprich die Geschäftsfelder der ELCs mit Blick auf eine E-University zu erweitern. Ich würde hier noch explizit ergänzen, dass gerade im Bereich E-Learning und E-Teaching auch eine enge Kooperation mit der Hochschuldidaktik erfolgen bzw. in diesem Bereich mitgedacht werden müsse. Im Learning Café hat mich die Diskussion um die Varianten von Peer-Review-Verfahren, die von Gabi Reinmann und Silvia Sippel moderiert wurde, sehr zum Nachdenken angeregt – gerade mit Blick auf den nicht unwichtigen Zusatz “peer reviewed” in der eigenen Publikationsliste (Wer sind eigentlich bei welcher Form des Reviews die Peers und welche Funktion hat das jeweilige Review?). Zu der Frage, wie die neuen Medien diese Prozesse unterstützen können, sind wir dann nur noch am Rande gekommen. Christiane Metzger berichtete über das ZEITLast-Projekt, bei dem auch ein Teilprojekt an der Universität Mainz angesiedelt ist. Sie stellte die neuesten Erhebungszahlen der Zeitbudgetanalyse von Studierenden vor, die zeigten, dass die viel beschworene extreme Überlastung von BA-Studierenden mehr einem subjektiven Eindruck, denn einer Tatsache entspricht – zumindest bei der vorliegenden Stichprobe. Es gab offensichtlich weitere Highlights wie die Pre-Conference, die u.a. von Sandra Hofhues und Thomas Bernhardt organisiert wurde sowie die Keynote von Rolf Schulmeister, über die viel zu hören war und an denen ich leider nicht teilnehmen konnte. Besonders gefallen hat mir der gute Mix von “alten” und “neuen” Formaten (eLearning-Café, Vorträge, Un-Conference) – wie immer ist es das angemessene Verhältnis zwischen Diskurs und Präsentation von (anspruchsvollen) Inhalten. Eine Linie, die so unbedingt weiter verfolgt werden sollte.

Ich selbst habe die Tagung nutzen können, um meine Ideen zum partizipativen Lernen im Sinne eines eLearning 2.0 vorzustellen. Meine Präsentationsfolien stelle ich hier zum Nachschauen zur Verfügung:

Nach dem Vortrag habe ich dazu noch einige anregende Diskussionen führen können. Über Nachfragen und Anregungen dazu freue ich mich.

Im kommenden Jahr findet die nächste GMW- zusammen mit der DeLFI-Tagung zum Motto “Wissensgemeinschaften” in Dresden statt. Man darf gespannt sein.

[Nachträge]: Weitere Eindrücke zur Tagung finden sich u.a. bei Thomas Bernhardt, Alexander Florian, Sandra Hofhues, Ralph Müller, Dominik PetkoGabi Reinmann, Mandy Schiefner.

Thema: Ideen & Konzepte, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

Blick nach vorne: Impulse von der 6. iMedia 2010

Montag, 24. Mai 2010 21:48

Letzten Donnerstag hatte ich die Gelegenheit an der 6. iMedia, dem Forum Integrative Medienbildung in Rheinland-Pfalz, teilzunehmen. Dass die Integration und der Einsatz digitaler Medien in Schule und Unterricht in den unterschiedlichen Schulformen auf reges Interesse stößt, zeigt die Zahl der Teilnehmer/innen von rund 1.000 Personen – davon der größte Teil Lehrerinnen und Lehrer der unterschiedlichen Schulformen. Das Workshopangebot war vielfältig und man hatte im positiven Sinne die Qual der Wahl. Die Angebote zeigten (zumindest in den von mir besuchten Workshops) sehr anschaulich, wie z.B. Weblogs oder Whiteboards in den heutigen Unterricht sinnvoll integriert werden können.

Es war für mich eine gute Erfahrung zu sehen, dass das “Lernen 2.0″ beginnt, Einzug in alle Schulformen zu halten. Hier lässt es sich gut anknüpfen.

Von der Stimmung her fand ich es sehr ermutigend und bereichernd, eine große Zahl von Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Schulformen zu erleben, die sich für den Einsatz digitaler Medien in ihre Schule und ihren Unterricht interessierten und auch mit vielfältigen eigenen Erfahrungen aufwarten konnten. Zugleich frage ich mich auch, weshalb es eine solche Herausforderung darstellt, z.B. heutigen Lehramtsstudierenden die Potentiale digitaler Medien für die Gestaltung von Schule und Unterricht plausibel zu machen – unter Berücksichtigung des eigenen Faches und darüber hinaus? Was muss sich hier auf welcher Seite ändern?

Persönlich habe mich im Zusammenhang mit der iMedia zwei Dinge gefreut: Erstens, dass ich die Gelegenheit hatte, mit den Themen, die mir zur Zeit wichtig sind, einen Impuls für die Tagung geben zu können. Und zweitens: Ich war die erste Frau seit 26 (!) Jahren, die den Impulsvortrag auf dieser Fortbildung bzw. Tagung gehalten hat :-)

Insofern stellte die Teilnahme an der iMedia für mich in jeder Hinsicht einen Blick nach vorne dar …

Meine Präsentationsfolien zum Nachschauen:

Thema: Reflexion, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Der Stein ist ins Rollen gebracht …

Montag, 26. April 2010 15:05

Die ePortfolio-Arbeit ist in den letzten Jahren im Bereich des akademischen eLearnings schon fast zu einem Trendthema geworden. Seit fast zwei Jahren beschäftige auch ich mich aus mediendidaktischer Perspektive näher mit dieser Thematik, weil sicher in der Auseinandersetzung damit zugleich zentrale Fragestellungen zum veränderten Lehren, Lernen und Prüfen “im Sinne von 2.0″ gut untersuchen lassen.

Im letzten Wintersemester (2009/10) habe ich das erste Mal selbst mit ePortfolios in der alltäglichen akademischen Lehre in der Medienpädagogik gearbeitet, d.h. in einem eher “klassischen” Mittelseminar, zu einem eher “klassischen” Thema (”Ansätze von Medienkompetenz und -bildung”), mit regulären Studierenden (Diplom/Magister) im Hauptstudium unter den üblichen universitären Bedingungen (in der Regel wöchentliche Seminarsitzungen; zusätzliche Einbindung der universitären Lernplattform; Vergabe von “Scheinen” zum Schluss der Veranstaltung), etc. Einige der Studierenden haben freiwillig als alternative Form des Leistungsnachweises ein ePortfolio in Form eines Weblogs (mit Wordpress) zum Thema geführt. Die (medien-)didaktischen Erkenntnisse aus diesem ersten Durchlauf sowie die Ergebnisse der kleinen explorativen Studie, die ich begleitend durchgeführt habe, verschriftliche ich gerade systematisch und werde diese auch im Rahmen meines Vortrags auf der kommenden ECER-Konferenz in Helsinki vorstellen.

In diesem Seminar konnte ich wichtige Erfahrungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit ePortfolios als alternative Methode der Leistungsbewertung machen. Als wesentliche Punkte haben sich für mich die folgenden herauskristallisiert, die m.E. alle sehr stark mit einer klaren und für die Studierenden nachvollziehbaren Struktur des didaktischen Szenarios zusammenhängen:

  • Rolle der Lehrenden als Lernprozessbegleiterin und -prüferin
  • Festlegung von Lern- und Bewertungsphasen
  • Betreuung
  • Verbindlichkeit
  • Wertschätzung
  • Offenheit & Neugierde
  • Freiheit für Schwerpunkte/Interessen der Studierenden
  • Form, Funktion sowie Quantität und Qualität von “Artefakten” (Wahl- und Pflichtbeiträge)
  • Transparenz
  • Mehrarbeit (muss als Mehrwert ersichtlich sein)
  • Technik

Diese ersten Erfahrungen konnte ich jetzt in die Implementierung der ePortfolio-Arbeit in den kompletten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft der Universität Mainz einbringen und weiter entwickeln. In diesem Semester haben knapp 20 Studierende Medienpädagogik als vertiefende Studienrichtung als eine von fünf für die letzten 3 Semester in ihrem BA-Studium gewählt. Sie werden in diesem Schwerpunkt auch ihre BA-Arbeit verfassen, worauf das ePortfolio vorbereitet und hinführt.

Der Rahmen für die Einführung der ePortfolio-Arbeit ist hier relativ günstig, da zeitgleich eine Restrukturierung von Lehre in BA-Studiengängen am Beispiel dieser Studienrichtung erprobt wird. Dieses geschieht im Rahmen des Projekts “ZeitLast“. Wir sind insgesamt vier Lehrende (Stefan Aufenanger, Petra Bauer, Lena Groß und ich), die ihre vier Lehrveranstaltungen gemeinsam geblockt haben und dieses Semester zusammen gestalten. Grob sieht das Szenario so aus, dass es zwei feste Präsenztermine in der Woche mit dazwischen liegenden Selbststudienphasen gibt. Die Studierenden nähern sich einerseits projektorientiert der medienpädagogischen Praxis, andererseits erarbeiten sie sich in Phasen auch theoretische Zusammenhänge. Von uns Lehrenden wird jeweils eine thematische Phase gestaltet (Mediensozialisation, Medienkompetenz u. -bildung, Medienerziehung u. -praxis sowie zur Forschung); zusätzlich gibt es gemeinsame Termine für alle – wie in einem Workshop, nur über einen längeren Zeitraum ;-).
Das ePortfolio (in Form eines Weblogs mit Wordpress erstellt) soll eine Art “persönlicher roter Faden” auf Seiten der Studierenden über die unterschiedlichen Themenphasen hinweg darstellen. Von Seiten der Lehrenden wird das Semester über einen gemeinsamen Kurs auf der Onlineplattform “moodle” gestaltet.
Die Betreuung durch uns Lehrende im Rahmen des Studienschwerpunkts erfolgt im Sinne eines Mentorenprinzips, d.h. jede/r von uns betreut eine kleine Gruppe von Studierenden über das ganze Semester. Daneben soll es Phasen des Peer-to-Peer-Tutoring und ein Tandemprinzip geben.

Letzten Donnerstag habe ich den Studierenden unsere Idee der ePortfolio-Arbeit vorgestellt und erläutert und Sie wurden von einer Tutorin in die Arbeit mit Wordpress eingeführt. Im Moment richten Sie ihr ePortfolio ein und schreiben am ersten Beitrag.

Zielvorstellung ist, dass die Studierenden des Schwerpunkts Medienpädagogik mit Hilfe Ihres ePortfolios gezielter ihren inhaltlichen Platz in der Medienpädagogik bzw. ihren Schwerpunkt finden können. Studiengangsbezogen bestehen die Erwartungen u.a. darin, dass sich die Studierenden über Zwischenschritte und Umwege bewusst(er) auf ihr Praktikum und ihre BA-Arbeit vorbereiten können, schon frühzeitig ihren Interessen folgen können und damit insgesamt motivierter und erfolgreicher studieren.

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwiefern sich unsere Erwartungen erfüllen und wohin die Entwicklungen gehen werden …

Thema: Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (3) | Autor: mayrberger