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Förderung von “guter Lehre” und/mit eLearning durch die “richtige” Haltung?

Montag, 9. November 2009 19:39

In der letzten Woche habe ich an zwei Veranstaltungen teilgenommen, die zwar nacheinander und an anderen Orten stattfanden, aber im Nachhinein eine klare Schnittmenge haben: Einmal war es am Mittwoch der Workshop “Was ist gute Lehre” des Hochschulevaluierungsverbundes Südwest an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und von Donnerstag bis Freitag die Herbsttagung der Kommission Medienpädagogik in der DGfE zum Thema “Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung: Bildungs- und Lernprozesse mit (digitalen) Medien in der Schule und medienpädagogische Professionalisierung.”

Die erste Veranstaltung fokussierte die Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen in der akademischen Lehre. Die andere u.a. Bedingungen und Faktoren, die die erfolgreiche Integration von neuen Medien in Lehr- und Lernprozesse in Schule und Hochschule. Die Überschneidung lag für mich darin, dass es beiden Veranstaltungen bzw. Teilen davon, explizit um “gute Lehre” und Professionalisierungsprozesse ging. Verändertes Lehren und Lernen wurde hier plakativ an den Forderungen “Shift from teaching to learning” und “From Sage on the Stage to Guide on the Side” festgemacht. Konkret lassen sich hier sehr gut parallelen zwischen dem Eröffnungsvortrag von  Prof. Dr. Wolff-Dietrich Webler (Institut für Wissenschafts- und Bildungsforschung Bielefeld) einerseits und den Keynotes der Herbsttagung andererseits ziehen – hier besonders bei den Beiträgen rund um die SITES-Studie (SitesM2 und SITES2006) sowie den Folgestudien am Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung.

Dabei ist mir eine Gemeinsamkeit besonders aufgefallen, die ich hier kurz skizzieren möchte: In beiden Veranstaltungen wurde den “angemessenen” Haltungen und Einstellungen von Lehrenden eine wichtige Rolle beigemessen. Auf der Herbsttagung hatte das Habituskonzept von Pierre Bourdieu Konjunktur und alle größeren empirischen Untersuchungen verwiesen darauf, dass es ein “Mehr” bedürfe, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen (vgl. dazu z.B. den Vortrag von Birgit Eickelmann, TU Dortmund “Empirische Befunde zur nachhaltigen Implementierung digitaler Medien in Schulen”). Es wurde auf Modelle Bezug genommen, die für Veränderungsprozesse neben der Technik und den Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden auch den Willen oder die Motivation hervorhoben.

Das passte wiederum zu dem Tenor des Workshops am Mittwoch, an dem Webler gar eine Zusammenstellung zum “Erwerb für die Lehre förderliche Einstellungen und Haltungen” vorlegte, aus denen ich ausgewählte Aspekte zitiere:

  • “Respekt vor Studierenden als jungen Erwachsenen in einem spezifischen Entwicklungsstadium;
  • anhaltendes Interesse, Entwicklungsprozesse von Menschen zu fördern (über die Vermittlung lediglich von Stoff und Fach hinaus; Bereitschaft zur Hilfe
  • anhaltendes persönliches Interesse an beruflichen Qualifizierungsprozessen und an deren Anleitung
  • Bereitschaft die wiss. Verhaltensweisen nicht nur zu lehren, sondern zu leben
  • In dem pädagogischen Spannungsfeld zwischen Fördern und Auslesen vor allem zu fördern
  • …”

Diese Liste kann man sicherlich noch erweitern und spezifizieren. Doch sie macht recht deutlich, dass es neben Fachkompetenzen, didaktischer Kompetenzen etc. ein “Mehr” braucht, um dem heutigen Anspruch einer subjektorientierten und kompetenzorientierten Lehre gerecht zu werden und als Lehrperson authentisch zu bleiben. Auch im eLearning ist es förderlich und sogar sinnvoll, wenn sich erst eine veränderte Sichtweise auf Lehren und Lernen einstellt (wozu auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit zählt) und dann geschaut wird, welche aktuellen Medien dazu beitragen können, die eigenen didaktische Ideen (besser) zu realisieren (vgl. auch meine Überlegungen zu Lehren 2.0).

Was ich in der Podiumsdiskussion auf dem Workshop in Mainz als einen interessanten und provokativen Punkt - der allerdings nur kurz zum Schluss angesprochen wurde - mitgenommen habe, war die Frage danach, inwiefern man sich damit zufrieden geben müsse, dass es eben “gute Lehrende” gäbe mit der “richtigen” Einstellung und solche, “bei denen Hopfen und Malz verloren wäre”. Im Kontext von eLearning wird hier mit nicht ganz so direkter Konnotation gerne das Modell von Rogers “Diffusions of Innovations” zitiert, dem auch implizit ist, dass es da immer einen “Rest” gibt, der nicht überzeugt werden kann oder nur schwer zu überzeugen ist (”Laggards”).

Die Frage, die mich dann nach den beiden Veranstaltungen (wieder einmal) beschäftigt hat - gerade im Zuge der Diskussion um Professionalisierungsbestrebungen von Hochschullehrenden und in der Lehrerbildung - ist, inwiefern man über “mäßige” Lehre in Schule und Hochschule bzw. in formalen Bildungseinrichtungen einfach hinweg gehen darf? Oder kann man sich als Lehrende/r mittlerweile damit herausreden, dass die Verantwortung für den eigenen Lernprozess ja zunehmend bei den Lernenden liegt?

Nach wie vor denke ich und dazu hat im vergangen Jahr die kollegiale Auseinandersetzung am ZHW zum Qualitätsmanagement einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass man “gute Lehre” ebenso berechtigt “einfordern” wie “fördern” kann und sollte … und letztlich auch den didaktisch begründeten Einsatz von digitalen Medien in Lehr- und Lernprozessen. In diesem Sinne sollte es auch möglich sein, Haltungen und Einstellungen von Lehrenden nach und nach durch Überzeugungsarbeit zu verändern. Oder überwiegt da doch der Idealismus?

Thema: Fragen, Lehre & Studium, Position, Veranstaltung | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

… einfach machen!?

Mittwoch, 27. Mai 2009 19:12

… dachte ich mir, nachdem ich mich nach langem bzw. langjährigem Hin und Her dafür entschieden habe, den Wechsel auf eine neue Stelle und damit auch in einen neuen akademischen Abschnitt nun als Anlass zu nehmen, mit einem persönlichen Weblog zu starten. An dieser Stelle möchte ich auch ein herzliches Dankeschön an Rolf Schulmeister und Ralf Appelt richten, mit denen ich mich immer mal wieder in unterschiedlichen Kontexten anregend über den (Un-)Sinn und Zweck (nicht nur) des Bloggens in der und für die Wissenschaft ausgetauscht habe. Überwogen hat letztlich doch die Neugierde auf das “selber tun” und nicht nur drüber reden – aber wenn, dann richtig.

Aber leichter gesagt als getan … Einen Titel für meinen Blog zu finden, der (voraussichtlich) die nächsten Jahre zu mir und zu meinen Schwerpunkten in Forschung & Lehre “passt” und noch nicht anderweitig verwendet wird, war eine kleine Herausforderung.

Das Thema “Blogging” ist mir das erste Mal auf der EdMedia 2004 in Lugano begegnet. Damals konnte ich noch nicht soviel damit anfangen, hatte mir aber kurz nach der Tagung bei “blogger.com” schon mal einen ersten Blog eingerichtet und konnte mit einem “Hello World” aufwarten. Dabei blieb es dann auch fürs Erste. Woran lag das? In meinem Fall u.a. daran, dass zu der Zeit niemand in meinem Umfeld wahrnehmbar bloggte und mir somit ein “anregungsreiches Umfeld” oder gute Vorbilder fehlten.

In den letzten Jahren erfolgte dann begleitet von der stetigen Frage “Passt das überhaupt zu mir?” eine schrittweise Annäherung an das (weltöffentlich) Bloggen bzw. Techniken des “Web 2.0″ - über das Führen von Veranstaltungsweblogs, Erfahrungen im Rahmen eines Institutionenblogs (ZHW-Weblog) bis hin zum Microblogging via Twitter, womit ich zu Beginn dieses Jahres angefangen habe. Ein weiteres ausschlaggebendes Argument zum “… einfach machen im Sinne von 2.0″ lieferte Thomas Häcker in seinem Vortrag und dem vorgelagerten Workshop zum Thema ePortfolio am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg Anfang diesen Jahres, als er sinngemäß hervorhob, dass Lehrende nichts von ihren Lernenden verlangen sollten, was sie nicht selbst erprobt hätten oder tun würden. Warum hat dieser Prozess sich so lange hingezogen? In meinem Fall daran, dass neben dem fachlichen Interesse am Thema “eLearning 2.0″ wohl auch erst eine entsprechende praktische Überzeugung und Bereitschaft herausbilden musste – nach dem Motto “wenn, dann richtig”, was ja angeblich typisch für “uns” sein soll, wenn man den “Zehn Thesen, warum deutsche Blogs nicht funktionieren” Glauben schenkt.

Nun heißt es: Machen und schauen, wie es sich hier entwickeln wird - in inhaltlicher Sicht, wie auch in zeitlicher Perspektive …

Für mich hat dieser Prozess der Annäherung mindestens Zweierlei hervorgebracht: Ich habe jetzt einen persönlichen Weblog und es haben sich Fragestellungen im Kontext von “2.0″ aufgetan, denen ich auf Grund dieser Erfahrungen empirisch nachgehen werde. Darüber werde ich hier u.a. schreiben.

Thema: Forschung, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger