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ePortfolio-Arbeit – ein Zwischenfazit

Dienstag, 31. August 2010 20:15

Im April habe ich hier über den ins Rollen gebrachte ePortfolio-Stein berichtet. Im vergangenen Sommersemester hatte ich nun die Gelegenheit, meine Lehrerfahrungen aus dem WiSe 2009/10 im reorganisierten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft zu vertiefen (Stichworte: Bündelung von vier Lehrveranstaltungen mit vier Lehrenden, Lehre im Block, phasenweise Zuständigkeiten der Lehrenden). Zudem habe ich das SoSe genutzt, um die letzten Auswertungen zu einer explorativen ePortfolio-Studie aus dem WiSe vorzunehmen. Im WiSe hatte ich mit einigen Studierenden Gruppendiskussionen und Einzelinterviews zu ihrer Perspektive auf das Lernen und Geprüft-Werden mit ePortfolios durchgeführt und das Ganze inhaltsanalytisch ausgewertet. Ein Artikel dazu wird Ende des Jahres im gemeinsamen Sammelband von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Christina Schwalbe und mir (nicht nur) zum ePortfolio-Track der Campus Innovation 2009 erscheinen. Auch auf der ECER-Konferenz in der letzten Woche hatte ich einige der Erkenntnisse mit Fokus auf die Gestaltung von Lernumgebungen mit e-Portfolios vorgestellt. Somit hat sich bei mir gerade ein leichtes Gefühl der Sättigung bezüglich der Auseinandersetzung mit e-Portfolios eingestellt. Dennoch werde ich in den folgenden Semestern weitere Varianten erproben, wo es möglich ist. Insgesamt ist es ein guter Moment, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Beim Einsatz von e-Portfolios hatte ich vor allem die Idee des eLearning 2.0 vor Augen (im Sinne der Gestaltung von formalen Lehr- und Lernprozessen mit Social Software). Denn anhand der ePortfolio-Thematik lassen sich m.E. einige der Ideen hinter der “2.0-Idee” gut thematisieren, allen voran das partizipative Lernen bzw. die Öffnung von Lehre mit Social Software. So waren für mich im Verlauf der letzten beiden Semester in dieser Hinsicht (neben den vielfältigen Erfahrungen, die ich aus Lehrendensicht sammeln konnte) drei Punkte für meine weitere Forschung sehr entscheidend:

  1. ePortfolio-Arbeit heißt nicht automatisch partzipatives Lernen,
  2. Studierende haben ganz unterschiedliche Auffassungen von partizipativem Lernen (das Spektrum reichte von der Möglichkeit, sich an der Seminardiskussionen einzubringen bis hin zu eigenen Gestaltungsvorschlägen für den Seminarverlauf) und
  3. unter partizipativem Lernen wird je nach Kontext etwas anderes verstanden.

Diesen Punkte werde ich im Kontext schulischer Medienpädagogik mit Fokus auf Mediendidaktik und eLearning weiter verfolgen. Dabei interessiert mich vor allem der Bereich der mediendidaktischen Kompetenz von (angehenden) LehrerInnen vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Medienwandels.

Thema: Forschung, Fragen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Blick nach vorne: Impulse von der 6. iMedia 2010

Montag, 24. Mai 2010 21:48

Letzten Donnerstag hatte ich die Gelegenheit an der 6. iMedia, dem Forum Integrative Medienbildung in Rheinland-Pfalz, teilzunehmen. Dass die Integration und der Einsatz digitaler Medien in Schule und Unterricht in den unterschiedlichen Schulformen auf reges Interesse stößt, zeigt die Zahl der Teilnehmer/innen von rund 1.000 Personen – davon der größte Teil Lehrerinnen und Lehrer der unterschiedlichen Schulformen. Das Workshopangebot war vielfältig und man hatte im positiven Sinne die Qual der Wahl. Die Angebote zeigten (zumindest in den von mir besuchten Workshops) sehr anschaulich, wie z.B. Weblogs oder Whiteboards in den heutigen Unterricht sinnvoll integriert werden können.

Es war für mich eine gute Erfahrung zu sehen, dass das “Lernen 2.0″ beginnt, Einzug in alle Schulformen zu halten. Hier lässt es sich gut anknüpfen.

Von der Stimmung her fand ich es sehr ermutigend und bereichernd, eine große Zahl von Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Schulformen zu erleben, die sich für den Einsatz digitaler Medien in ihre Schule und ihren Unterricht interessierten und auch mit vielfältigen eigenen Erfahrungen aufwarten konnten. Zugleich frage ich mich auch, weshalb es eine solche Herausforderung darstellt, z.B. heutigen Lehramtsstudierenden die Potentiale digitaler Medien für die Gestaltung von Schule und Unterricht plausibel zu machen – unter Berücksichtigung des eigenen Faches und darüber hinaus? Was muss sich hier auf welcher Seite ändern?

Persönlich habe mich im Zusammenhang mit der iMedia zwei Dinge gefreut: Erstens, dass ich die Gelegenheit hatte, mit den Themen, die mir zur Zeit wichtig sind, einen Impuls für die Tagung geben zu können. Und zweitens: Ich war die erste Frau seit 26 (!) Jahren, die den Impulsvortrag auf dieser Fortbildung bzw. Tagung gehalten hat :-)

Insofern stellte die Teilnahme an der iMedia für mich in jeder Hinsicht einen Blick nach vorne dar …

Meine Präsentationsfolien zum Nachschauen:

Thema: Reflexion, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Hochschuldidaktik und eLearning

Donnerstag, 4. März 2010 12:45

Im Moment findet gerade die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) zusammen mit der 4. Dortmund Spring School for Acadeic Staff Developers (DOSS) zum Thema “Fachbezogene und fachübergreifende Hochschuldidaktik – voneinander lernen” an der TU Dortmund statt. Die hochschuldidaktische Tagung bietet in diesem Jahr unterschiedliche Formate an – vom klassischen Panel mit Vorträgen über Post bis zu Diskurswerkstätten. Ich habe den gestrigen Nachmittag am Panel “Mediale Unterstützung” teilgenommen und war auch selbst mit einem Beitrag beteiligt. Die Themen im Panel waren vielfältig und auf Grund der angenehm großen bzw. kleinen Gruppe von ca. 30 Teilnehmenden hatten wir ausreichend Zeit die insgesamt fünf Beiträge zu diskutieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es war ein wirklich anregungsreicher und angenehm produktiver Nachmittag.

Drei Aspekte fand ich an diesem Nachmittag besonders interessant:

  1. In einigen Beiträgen und im Rahmen der Diskussion kamen wir immer wieder auf das Verhältnis von Hochschuldidaktik und eLearning zu sprechen. Deren Bedeutung in hochschuldidaktischen Fortbildungsprogrammen oder Möglichkeiten der besseren Verzahnung bzw. Nutzung, z.B. bietet das Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen die “klassischen” hochschuldidaktischen Fortbildungsthemen in ihrem Program “WindH-Online” in Form von Blended Learning an. Am Rande diskutierten wir auch, wo denn in der Struktur der Universität oder Universitätsverbünde der Platz des eLearning und der Hochschuldidaktik bzw. entsprechender Zentren sein sollte.
  2. Es wurden darüber hinaus aber auch Fragen diskutiert, wie sie seit langem schon im Kontext der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) Thema sind: Wie bilde ich Hochschullehrende im Bereich eLearning fort? Wie ist die Perspektive der Studierenden? Welche Infrastruktur passt zu welchem didaktischen Szenario? Wie gehe ich vor, wenn ich die Lehre in einem “kleines Fach” attraktiver gestalten und mich mit anderen Hochschulstandorten vernetzen möchte? Braucht es fachspezifisches eLearning? Zum Teil werden diese Fragen auch im Rahmen der Tagungen der Sektion Medienpädagogik in der DGfE diskutiert. Eine Kommunikation und Vernetzung zu “Schnittmengen-Fragen” unter den Fachgesellschaften kann hier für die Zukunft für alle nur förderlich sein. In jedem Fall lohnt es sich für am eLearning interessierte Hochschuldidaktiker/innen der dghd einmal auf eine der nächsten GMW-Tagungen oder -Workshops oder tendenziell lokal orientierten eLearning-Tagungen wie der anstehenden GML 2010 an der FU Berlin vorbei zu schauen.
  3. Für mich war der Beitrag von Dr. Swapna Kumar von der University of Florida (USA) sehr interessant. Sie hat in ihrem Beitrag “Helping instructors in different disciplines transition to online teaching” einen Einblick in die US-spezifische Sichtweise auf eLearning gegeben, (ihre) Begriffsverständnisse und ihr Fortbildungskonzept für Lehrende vorgestellt und von ihren Erfahrungen in der Fortbildung berichtet. Wichtig waren für mich folgende Punkte, die mir zwar bekannt waren, aber in dieser Klarheit, wie sie die Referentin formulierte, nicht (mehr) bewusst waren:
    • Didaktik bzw. didactics ist ein “schlechter” Begriff. Er wird mit traditioneller Lehre, mit Frontalunterricht und passiven Studierenden assoziiert. Und hier gibt es keine Differenzierung. Daher spricht man hier eher von einer “paedagogical perspective”, die dann auch das mit einschließt, was wir in Deutschland unter einer konstruktivistisch orientierten Didaktik oder Lernendenzentrierung fassen.
    • Mit “Blended-Learning” werden in den USA nur solche Szenarien in Verbindung gebracht, die nicht komplett virtuell stattfinden, aber nur wenige Präsenzeinheiten beinhalten. Das Verständnis von Blended Learning als relativ breites Spektrum an eLearning-Szenarien, wie es in der deutschen Community vorherrscht, ist da sehr viel weiter. So würden in den USA Präsenzveranstaltungen, die Online-Elemente integrieren nicht als Blended Learning betrachtet, sondern als reguläre Veranstaltungen, da die Unterstützung durch Lernplattformen schlichtweg üblich ist.
    • Universitäten in den USA böten zunehmend rein virtuelle Kurse an. Dieses betrifft nach Aussage der Referentin zunehmend auch Angebote in Master- und PhD-Studiengängen. Diese Angebote werden von Studierenden belegt, die nach dem BA wieder berufsbegleitend ihr Studium fortsetzen, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt im “student-life-cycle” (vgl. dazu Schulmeisters Ausführungen von 2007). Der Grund für die Zunahme dieser Angebote, läge vor allem darin, dass die Universitäten  mit komplett virtuellen Online-Kursen sehr viel Geld verdienen (Steigerung der Studierendenzahl, kein Raumbedarf etc.) und höhere Gewinne als mit dem Präsenzstudium erzielen können. Da hier ein großes Potential an (zahlungskräftigen) Studierenden liegt, werden Hochschullehrende  gezielt “aufgefordert”, ihre Präsenzveranstaltungen auch für diese Zielgruppe als Online-Variante anzubieten, sprich als Online-Kurs zu konzipieren, zu gestalten und zu betreuen, wenn Sie den Kurs behalten wollen. Dafür müssen sie entsprechend qualifiziert werden. Dazu wurde ein 3 Phasen-Modell vorgestellt (Link zu den Folien folgt).

      [Nachtrag: Von Rolf Schulmeister, der sich in den letzten Jahren sehr ausführlich mit den Entwicklungen im eLearing in den USA beschäftigt hat, erhielt ich folgenden Hinweis, den ich an dieser Stelle gerne ergänze:  Von den mittlerweile 4.6 Mio Einschreibungen in Online-Kurse werden  82 % für undergraduates angeboten (vgl. hier, p. 5). Diese finden in den Community Colleges Absatz und gelten in den Augen des U.S. Dept of Education als "remedial courses" (u.a. Schreiben, Lesen, Mathematik) – daher auch die Nachfrage in Community Colleges. Die US-Regierung überlege (z.B. hier), ob sie solche Kurse fördern solle, da sie wichtig  für Studienabbbrecher und "first generation students" seien.]Ich frage mich in diesem Zusammenhang, ob der Trend der letzten 10 Jahren nun auch im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren eine entsprechende Wendung nimmt: Zum (noch gar nicht üblichen) Blended Learning kämen dann virtuelle Kurse für die heutigen BA-Studierende, die vielleicht erst einmal in den Beruf gehen und dann für Master- oder Promotionsstudium (virtuell) an die Hochschule zurückkommen. Das bleibt eine spannende Frage für die Zukunft, inwiefern dem gerne genommenen Vorbild USA hier gefolgt wird bzw. hiesige Studierende ein entsprechendes Verhalten an den Tag legen werden ….

Ich  war  mit einem Vortrag (Abstract) im Panel vertreten. Die Folien dazu stelle ich hier zur Dokumentation zur Verfügung:

In der anschließenden Diskussion haben wir u.a. darüber gesprochen, dass im Rahmen hochschuldidaktischer Fort- und Weiterbildung zum eLearning sowohl eine interdisziplinäre Perspektive wichtig ist, um die Teilnehmenden über den eigenen Tellerrand schauen zu lassen, aber auch fachspezifische Veranstaltungen ihre Relevanz haben, um zu sehen, was das eigene Fach schon im Bereich eLearning bietet oder bieten kann.

Thema: Community, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

Neuerscheinung: Fokus Medienpädagogik

Dienstag, 26. Januar 2010 16:29

(Neue) Medien stellen in der sich wandelnden Gesellschaft für Prozesse von Erziehung, Bildung, Sozialisation, Lernen und Organisationsentwicklung eine zentrale Größe dar und werden mit zunehmender Mediatisierung der Lebens- und Arbeitswelt bedeutsamer.

Dieser Sammelband zeigt eine Vielzahl an Perspektiven aktueller empirischer und theoretischer Fragestellungen im (Um-)Feld der Medienpädagogik auf. Namhafte nationale und internationale Autorinnen und Autoren

  • beschäftigen sich mit systematischen und konzeptionellen Fragestellungen der Medienpädagogik mit Blick auf Medienkompetenz, Medienbildung und Media Literacy;
  • diskutieren aus überwiegend empirischer Perspektive die sozialisatorische Bedeutung von (neuen) Medien in, mit und für Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und gehen auf die medienpädagogischen Konsequenzen ein. Stichworte sind hier Medienalltag, Digital Divide, Gender, Computerspiele, Gewalt, Internet und Web 2.0;
  • setzen sich mit der Veränderung von Lehr- und Lernprozessen mit neuen Medien in unterschiedlichen Bildungskontexten wie Schule und Hochschule auseinander und gehen auf Besonderheiten der Netzkultur ein.

Das Buch gibt auch einen Einblick in die Themen und Projekte, die in der AG Medienpädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bearbeitet werden – denn dieses Buch ist zugleich eine Festschrift für den Erziehungswissenschaftler und Medienpädagogen Stefan Aufenanger anlässlich seines 60. Geburtstags.

Bauer, P., Hoffmann H. &  Mayrberger, K. (Hrsg.) (2010). Fokus Medienpädagogik – Aktuelle Forschungs- und Handlungsfelder. München: koaped.

München 2010, 420 Seiten ISBN-10 3-86736-110-X ISBN-13 978-3-86736-110-1 (22,80 €)

>> Inhalt und Verlag

>> Rezension

Thema: Publikationen | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Förderung von “guter Lehre” und/mit eLearning durch die “richtige” Haltung?

Montag, 9. November 2009 19:39

In der letzten Woche habe ich an zwei Veranstaltungen teilgenommen, die zwar nacheinander und an anderen Orten stattfanden, aber im Nachhinein eine klare Schnittmenge haben: Einmal war es am Mittwoch der Workshop “Was ist gute Lehre” des Hochschulevaluierungsverbundes Südwest an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und von Donnerstag bis Freitag die Herbsttagung der Kommission Medienpädagogik in der DGfE zum Thema “Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung: Bildungs- und Lernprozesse mit (digitalen) Medien in der Schule und medienpädagogische Professionalisierung.”

Die erste Veranstaltung fokussierte die Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen in der akademischen Lehre. Die andere u.a. Bedingungen und Faktoren, die die erfolgreiche Integration von neuen Medien in Lehr- und Lernprozesse in Schule und Hochschule. Die Überschneidung lag für mich darin, dass es beiden Veranstaltungen bzw. Teilen davon, explizit um “gute Lehre” und Professionalisierungsprozesse ging. Verändertes Lehren und Lernen wurde hier plakativ an den Forderungen “Shift from teaching to learning” und “From Sage on the Stage to Guide on the Side” festgemacht. Konkret lassen sich hier sehr gut parallelen zwischen dem Eröffnungsvortrag von  Prof. Dr. Wolff-Dietrich Webler (Institut für Wissenschafts- und Bildungsforschung Bielefeld) einerseits und den Keynotes der Herbsttagung andererseits ziehen – hier besonders bei den Beiträgen rund um die SITES-Studie (SitesM2 und SITES2006) sowie den Folgestudien am Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung.

Dabei ist mir eine Gemeinsamkeit besonders aufgefallen, die ich hier kurz skizzieren möchte: In beiden Veranstaltungen wurde den “angemessenen” Haltungen und Einstellungen von Lehrenden eine wichtige Rolle beigemessen. Auf der Herbsttagung hatte das Habituskonzept von Pierre Bourdieu Konjunktur und alle größeren empirischen Untersuchungen verwiesen darauf, dass es ein “Mehr” bedürfe, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen (vgl. dazu z.B. den Vortrag von Birgit Eickelmann, TU Dortmund “Empirische Befunde zur nachhaltigen Implementierung digitaler Medien in Schulen”). Es wurde auf Modelle Bezug genommen, die für Veränderungsprozesse neben der Technik und den Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden auch den Willen oder die Motivation hervorhoben.

Das passte wiederum zu dem Tenor des Workshops am Mittwoch, an dem Webler gar eine Zusammenstellung zum “Erwerb für die Lehre förderliche Einstellungen und Haltungen” vorlegte, aus denen ich ausgewählte Aspekte zitiere:

  • “Respekt vor Studierenden als jungen Erwachsenen in einem spezifischen Entwicklungsstadium;
  • anhaltendes Interesse, Entwicklungsprozesse von Menschen zu fördern (über die Vermittlung lediglich von Stoff und Fach hinaus; Bereitschaft zur Hilfe
  • anhaltendes persönliches Interesse an beruflichen Qualifizierungsprozessen und an deren Anleitung
  • Bereitschaft die wiss. Verhaltensweisen nicht nur zu lehren, sondern zu leben
  • In dem pädagogischen Spannungsfeld zwischen Fördern und Auslesen vor allem zu fördern
  • …”

Diese Liste kann man sicherlich noch erweitern und spezifizieren. Doch sie macht recht deutlich, dass es neben Fachkompetenzen, didaktischer Kompetenzen etc. ein “Mehr” braucht, um dem heutigen Anspruch einer subjektorientierten und kompetenzorientierten Lehre gerecht zu werden und als Lehrperson authentisch zu bleiben. Auch im eLearning ist es förderlich und sogar sinnvoll, wenn sich erst eine veränderte Sichtweise auf Lehren und Lernen einstellt (wozu auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit zählt) und dann geschaut wird, welche aktuellen Medien dazu beitragen können, die eigenen didaktische Ideen (besser) zu realisieren (vgl. auch meine Überlegungen zu Lehren 2.0).

Was ich in der Podiumsdiskussion auf dem Workshop in Mainz als einen interessanten und provokativen Punkt – der allerdings nur kurz zum Schluss angesprochen wurde – mitgenommen habe, war die Frage danach, inwiefern man sich damit zufrieden geben müsse, dass es eben “gute Lehrende” gäbe mit der “richtigen” Einstellung und solche, “bei denen Hopfen und Malz verloren wäre”. Im Kontext von eLearning wird hier mit nicht ganz so direkter Konnotation gerne das Modell von Rogers “Diffusions of Innovations” zitiert, dem auch implizit ist, dass es da immer einen “Rest” gibt, der nicht überzeugt werden kann oder nur schwer zu überzeugen ist (“Laggards”).

Die Frage, die mich dann nach den beiden Veranstaltungen (wieder einmal) beschäftigt hat – gerade im Zuge der Diskussion um Professionalisierungsbestrebungen von Hochschullehrenden und in der Lehrerbildung – ist, inwiefern man über “mäßige” Lehre in Schule und Hochschule bzw. in formalen Bildungseinrichtungen einfach hinweg gehen darf? Oder kann man sich als Lehrende/r mittlerweile damit herausreden, dass die Verantwortung für den eigenen Lernprozess ja zunehmend bei den Lernenden liegt?

Nach wie vor denke ich und dazu hat im vergangen Jahr die kollegiale Auseinandersetzung am ZHW zum Qualitätsmanagement einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass man “gute Lehre” ebenso berechtigt “einfordern” wie “fördern” kann und sollte … und letztlich auch den didaktisch begründeten Einsatz von digitalen Medien in Lehr- und Lernprozessen. In diesem Sinne sollte es auch möglich sein, Haltungen und Einstellungen von Lehrenden nach und nach durch Überzeugungsarbeit zu verändern. Oder überwiegt da doch der Idealismus?

Thema: Fragen, Lehre & Studium, Position, Veranstaltung | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Mein E-Learning Statement für e-teaching.org

Donnerstag, 15. Oktober 2009 18:51

Das Statement habe ich während der eLearning 2009 in Berlin abgegeben – direkt vor dem Panel, in dem für die Abschaffung des Begriffs eLearning plädiert wurde. Mein Statement würde ich aber auch heute noch so formulieren. Einen Kommentar zur Begriffs-Diskussion folgt demnächst in einem eigenen Beitrag.

Thema: Position | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Partizipation auf Tagungen – Herausforderung Podiumsgespräch

Freitag, 2. Oktober 2009 17:27

Die diesjährige eLearning 2009 in Berlin hat wesentlich dazu beigetragen, dass (immer noch) ein reger Austausch über die Gestaltung von Tagungen stattfindet – und das ist, wie man in Berlin zu sagen pflegt(e), “auch gut so”.

Meiner Ansicht nach, ist diese Diskussion um die grundsätzliche Öffnung von Veranstaltungen mehr als fällig – gerade dort, wo über mehr Kommunikation, Interaktion und Partizipation gesprochen wird, scheint mir das Format mit Vorträgen und anschließender Diskussion als alleiniges Format nicht mehr auszureichen. Allerdings kann und sollte nun auch nicht jede Konferenz gleich zu einem Workshop oder BarCamp werden. Es kommt – wie bei der Gestaltung von Lernumgebungen generell – auch hierbei auf den angemessenen Wechsel von zur Zielgruppe (und zur Fachkultur) passenden Methoden an. Und dass Tagungen im Kontext von “eLearning” und “Web 2.0″ offensichtlich an ihrem Format arbeiten müssen, um diesem Anspruch gerecht zu werden, zeigen die facettenreichen Blogbeiträge der letzten Wochen, die ausgehend von der Problematisierung einer sinnvollen Integration von Twitter im Rahmen von (konventionellen) Tagungsformaten auch Anregungen für Tagungsgestaltungen geben (z.B. die Gedanken dazu von J. Wedekind, C. Spannagel oder J. Hochberg und die mittlerweile zahlreichen Kommentare).

Ich finde diese Diskussion nicht nur aus hochschuldidaktischer Perspektive sehr interessant, sondern habe das Ganze auch mit einem Blick auf konkrete Praxis verfolgt. Denn im Herbst findet die Campus Innovation in Hamburg statt und dort wird es im Rahmen des e-Portfolio-Tags, der von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar und mir organisiert wird, ein Podiumsgespräch geben. Und wir können ja nun nicht mehr sagen, wir hätten nicht um die Spannbreite der Bedürfnisse innerhalb der Zielgruppe gewusst ;-) . Dieses betrifft vor allem die Gestaltung des Podiumsgesprächs zum Thema “ePortfolio – Was können Schule und Hochschule voneinander lernen?”, dessen Moderation ich übernehme und als solches eben nicht zu einer Statementrunde avancieren soll, wie G. Reinmann hier zurecht anmerkt. Diese Woche haben wir uns getroffen und darüber beraten, wie es gut machbar ist, den acht Gästen, die alle viel zu dem Thema zu sagen haben werden, einen Rahmen zu ermöglichen, der zu einem “richtigen” (Experten-)Gespräch ermutigt und zugleich das Publikum adäquat mit einbezieht, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass bei diesem Format die geladenen Podiumsgäste im Zentrum der vorgesehenen 90 Minuten stehen.
Wir waren uns aber sehr schnell einig darüber, dass es eine Einbindung des Publikums auf unterschiedlichen Ebenen geben soll – auch über Twitter. Daher haben wir kurzerhand beschlossen, die Moderation durch eine “Twitter”-Moderatorin zu ergänzen, was Christina Schwalbe übernehmen wird, die u.a. die direkten oder “getwitterten” Fragen, Thesen und Anregungen von Seiten des Publikums sammeln und moderieren wird – alles in allem keine leichte Aufgabe für uns … Von diesen methodischen Überlegungen mal abgesehen, dürften aber für eLearning-Interessierte vor allem die Inhalte des gesamten eLearning-Tracks über die beiden Tage von Interesse sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Praxis, Veranstaltung | Kommentare (3) | Autor: mayrberger

Eindrücke zur eLearning 2009 in Berlin

Freitag, 18. September 2009 11:13

In den vergangenen Tagen fand die gemeinsame Tagung E-Learning 2009 der GMW und der DeLFI in Berlin an der FU statt – allerdings habe ich mich in erster Linie als Teilnehmerin bei der GMW gesehen und mich vorwiegend in den dortigen Tracks aufgehalten.

Insgesamt bin ich gestern mit einem guten Gefühl von der Tagung weg gefahren – es war im positiven Sinne anstrengend und das ist ja immer ein gutes Zeichen. Das mag vor allem an den vielfältigen Beiträgen und anregenden Gesprächen mit KollegInnen gelegen haben.
Dennoch war ich auch ein wenig überrascht, dass sich zum Thema “eLearning 2.0″ – zumindest im Rahmen der Sessions, in denen ich war – zur Zeit natürlich etwas tut (wie man auch schon in den Beiträgen auf der letzten GMW-Tagung in Krems sehen konnte), aber wichtige Fragen nach wie vor als Herausforderungen beschrieben werden und kaum Zeit blieb, hier tiefer einzusteigen bzw. keiner der Vorträge, denen ich beiwohnte, sich der Herausforderung einer möglichen Antwort angenommen hat, um hieran weiter zu diskutieren. Dabei denke ich einmal an die Diskussion um Begriffe wie “eLearning” oder eben auch “eLearning 2.0″, an der sich sehr gut die unterschiedlichen und individuellen Perspektiven auf das Thema, aber auch “unser” Selbstverständnis von z.B. “Lehren und Lernen mit (neuen/digitalen) Medien”, “computerunterstützes Lernen” oder “technology enhanced learning” aufzeigen ließen. Die andere Frage – die mich auch gerade persönlich umtreibt – ist die nach der Passung der (eher informellen) Web 2.0-Idee in (eher formale) Lehr- und Lernkontexte. Hier wurden entweder implizit Anregungen gegeben oder  die Passung grundsätzlich auf Basis von aktuellen Nutzungszahlen von Web 2.0-Angeboten durch Jugendliche und Studierende in Frage gestellt. Zu der Frage dieser Passung wird es hoffentlich auf der kommenden GMW 2010 in Zürich mehr geben – zumindest ich fühle mich motiviert, dazu einen Beitrag zu leisten ;-)

Zudem habe ich im Rahmen dieser Tagung das erste Mal als “Grenzgängerin” erlebt, d.h. einerseits klassisch den Beiträgen vorne am Mikrofon zu folgen und parallel auch dem Geschehen im Netz via twitter (#bel09) Beachtung zu schenken und mich ebenfalls zu beteiligen. Das war eine sehr spannende Erfahrung, da beides seine Faszination hat und natürlich auch dazu führt, dass man sich phasenweise auf selektive Wahrnehmung und Multitasking einlassen muss, wenn man sich an den unterschiedlichen Kommunikationssettings beteiligen will (grob unterteilt in “Präsentation (mit Nachfragen)”,”virtueller Austausch” und “Face-to-Face-Gespräche” dazwischen). Dass es diese Ebenen im Rahmen der Tagung zwar gab wurde zwar durch das Vorhandensein einer Twitterwall transparent gemacht und zum Schluss mehrfach festgestellt – gerne auch mit Verweis auf die “jüngere Generation”, wobei ein Blick auf die Statistik zeigt, dass sich die Top 10 durchaus aus Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen zusammensetzt, aber eine Verbindung zwischen den Ebenen wurde noch nicht realisiert. Für kommende Tagungen wäre es m.E. hier auch sinnvoll vorab zu klären, welche Bedeutung dem Twittern beigemessen wird: Soll es eher einen zusätzlichen, illustrativen Charakter (nach innen und außen) haben oder phasenweise auch mit einbezogen werden? In diesem Zuge wäre es vielleicht auch eine Überlegung, sich auf eine “twitter etiquette” für diesen Kontext zu einigen, in dem traditionelle Tagungssettings gerade erst dabei sind, sich für neue Ideen zu öffnen – auch wenn es im Widerspruch zur Twitteridee stünde.

Weitere Eindrücke zur der Tagung geben Gabi Reinmann, Michael Kerres und Mandy Schiefner mit Matthias Rohs sowie Joachim Wedekind. Bilder von der Tagung finden sich u.a. auf der Tagungshomepage.

Nachtrag [20.09.09]: Der Tagungsband kann als PDF-Dokument beim Waxmann-Verlag hier heruntergeladen werden.

Nachtrag [22.09.09]: Überblick über die Rückblicke

Thema: Reflexion, Veranstaltung | Kommentare (9) | Autor: mayrberger

“Lehren 2.0″

Mittwoch, 12. August 2009 14:27

Im Juni hatte ich im Blogeintrag “2.0″ als Chance für die akademische Lehre plausibel zu machen ist und bleibt eine Herausforderung einige Punkte referiert, die im Kontext von Lehren und Lernen im Sinne von 2.0 ernst zu nehmen und zu bedenken sind und (nicht nur) für die medien- und hochschuldidaktische Fort- und Weiterbildung im Bereich eLearning in der Hochschule besonderes relevant erscheinen.

Hintergrund hierfür waren die ersten Eindrücke der Auftaktveranstaltung eines Blended Learning-Workshops. Mittlerweile ist sowohl die Onlinephase als auch die Online-Abschlussveranstaltung vergangen und damit ein guter Zeitpunkt nochmals zurück zu blicken und auf exemplarische Herausforderungen einzugehen – sowohl auf Grund der gemachten Erfahrungen meinerseits als auch unter Zunahme von Punkten die im Rahmen der Veranstaltung durch die Teilnehmenden verstärkt diskutiert oder zum Abschluss rückgemeldet wurden. Da es sich bei den Teilnehmenden zugleich um Lehrende handelt, überwiegt naturgemäß die Auseinandersetzung mit der medien- und hochschuldidaktischen Perspektive auf die Gestaltung entsprechender Lernumgebungen und der eigenen (sich in der Regel dann ändernden) Rolle als Lehrende innerhalb dieser.

So haben die Teilnehmenden zum Abschluss der Online-Phase Aspekte zusammen getragen, die auf Grund ihrer gemachten Erfahrungen in dem Workshop dazu beitragen (können), dass man sich als Lernende/r eher motiviert und aktiviert fühlt und damit zugleich beschrieben, was sie für wichtige Aufgaben der Lehrperson im Rahmen von Blended Learning halten. Hier wurde vor allem deutlich, dass ein aktiver Part der Lehrenden (gerade bei Lernenden, die noch Anfänger/innen im Umgang mit Online-Tools sind) auch bei offenen Szenarien notwendig ist und eingefordert wird, z.B. regelmäßige Feedbacks geben, regelmäßig motivieren und aktivieren durch (Kurz-)Nachrichten, das setzen von und erinnern an Fristen sowie die persönliche Ansprache, wo es angebracht erscheint. Zugleich aber auch das Problem der Abgrenzung gesehen wird, d.h. wie häufig will ich betreuen, moderieren, motivieren, aktivieren etc. und auf der anderen Seite das “Zeitproblem” der Lernenden, dass man auch andere Dinge neben dem Onlinekurs zu tun hat und evtl. nur das Nötigste erledigt und sich minimal einbringt. Zudem war es den Telnehmenden wichtig, dass die Lerngegenstände einen persönlichen Bezug ermöglichen, wie z.B. der Entwurf und die Erprobung eigener Blended Learning Szenarien(-ausschnitte) und es motiviert, sich bei Peer-to-Peer Feedbacks  einzubringen, wenn man etwas von den anderen lernt oder mitnehmen kann (z.B. methodische Ideen, Möglichkeiten der Einbindung von Web 2.0-Tools in unterschiedlichen Kontexten). Nicht zuletzt ist für die Motivation eine gute technische Einführung (Förderung von Medienkompetenz) in die verwendeten Anwendungen und Werkzeuge notwendig, zugleich aber auch die Offenheit für die kritische und konstruktive Diskussion von Lehren und Lernen im Netz (z.B. Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht, Kommerzialisierung/Werbung). Ebenso wird die Nachvollziehbarkeit der Auswahl von bestimmten Tools für das Szenario und weshalb man sich als Lernende/r (z.T. zusätzlich) damit auseinandersetzen sollte (in diesem Fall Adobe Connect, Wiki, Forum, Twitter und klassisches Mail) als relevant angesehen, also wie sinnvoll dass ganze Szenario subjektiv für den eigenen Lernprozess erscheint.

Nach nunmehr drei Workshops zum Themenfeld “Lehren und Lernen 2.0 in der Hochschule” innerhalb des letzten Jahres hat sich für mich gezeigt, dass es, wie sich in ähnlicher Weise auch schon in anderen Projektkontexten  bestätigt hatte (z.B. im Rahmen der diskursiven und partizipativen Strategie von KoOP), folgende Punkte sind, die Lehrende motivieren (können), ihre akademische Lehre mit digitalen Medien bzw. Social Software alternativ zu gestalten und damit zu verändern:

  • Beispiele vorgestellt zu bekommen und nachvollziehen zu können und diese kritisch zu diskutieren
  • selbst tätig zu werden und Werkzeuge auszuprobieren
  • aus der Perspektive der bzw. des Lernenden eigene Erfahrungen im Sinne von Lernen 2.0 zu machen
  • am eigenen Szenario zu arbeiten und die Inhalte sofort zu transferieren und damit selbst betroffen zu sein
  • Akzeptanz für die Veränderung von akademischer Lehre zu schaffen und die Möglichkeiten, dieses selbst zu tun

Was mir in diesen Veranstaltungen wieder deutlich wurde – gerade weil a) die 2.0-Tools immer vielfältiger und zahlreicher werden und zum Ausprobieren einladen und b) die Teilnehmenden vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Disziplinen spezifische Szenarien entwickelt haben – sind in erster Linie die folgenden Punkte:

  • “Neues Lernen mit neuen Medien” wörtlich zu nehmen, d.h., dass es erstens um die Veränderung von Lehren, Lernen und Prüfen gehen muss und damit einhergehend die Bereitschaft der Lehrenden und Lernenden (idealerweise auch auf Seiten der Organisation) sich und ihre Lehre ebenfalls zu verändern und erst im zweiten Schritt zu fragen, in welcher Form digitale Medien angestrebte Veränderungen (im jeweiligen Fach) unterstützen oder im besten Fall erst ermöglichen können (Stichwort “Primat der Didaktik”)
  • Auch eine Lernumgebung (in formalen Kontexten), die im Sinne von 2.0 gestaltet ist, braucht sinnvolle und angemessene Phasen sowohl der Konstruktion als auch der Instruktion (Stichwort “Didaktischer oder gemäßigter Konstruktivismus”)
  • “Lehren 2.0″ ist ein (lebens-)langer Prozess und hat auch etwas mit professioneller Gelassenheit zu tun (Stichwort: “Didaktische Innovationen brauchen Zeit”)

Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen der letzten Jahre in Forschung, Entwicklung und Praxis komme ich im Moment zu dem Schluss, dass die persönlichen Haltungen und Einstellungen sowohl auf Seiten der Lehrenden als auch der Lernenden der Anknüpfungspunkt für weitere Veränderungsprozesse sind, um die sich bietenden Möglichkeiten des sich stetig ändernden Netzes für ein Lehren und Lernen im Sinne von 2.0 zu nutzen und auszuschöpfen. Dazu zählen für mich – wenn man das Konzept des Web 2.0 ernst nehmen will und das Subjekt in das Zentrum der Lehre stellt – besonders Aspekte wie “Authentizität”, “Wertschätzung” und “Vertrauen” im gemeinsam gestalteten Lehr- und Lernprozess, aber auch ganz traditionelle Konzepte wie die “Subjektorientierung”, “Handlungsorientierung” und das “Lernen am Modell” – auch im Sinne von “walk what you talk”.

Diese vorläufigen eher grundlegenden (und im Grunde auch nicht neuen) Erkenntnisse stellen momentan (m)eine (didaktische) Grundlage dar, für die weitere Auseinandersetzung mit spezifischen Fähigkeiten, die die Gestaltung von Lernumgebungen bzw. Lernlandschaften im Sinne von “Lehren und Lernen 2.0″ heute von Lehrenden verlangt. Abgesehen von erweiterten medienbezogenen Kompetenzen stellt sich für mich die Frage, ob aus (medien-)didaktischer Perspektive auch in formalen bzw. institutionellen Lernkontexten nicht neue Aspekte hinzukommen müssten (und die oben aufgezeigten Erfahrungswerte doch noch zu kurz greifen) und es sich eben nicht tendenziell um “alten (didaktischen) Wein in neuen (technisch unterstützten) Schäuchen” handelt und sich der Schwerpunkt der (medien-)didaktischen Diskussion und damit einhergehend methodischen Auseinandersetzung lediglich verlagert?

Anregend finde ich zu diesem Thema die Antworten auf “The big Question” vom Juli diesen Jahres im LC Blog:

New Skills and Knowledge for Learning Professionals? – In a Learning 2.0 world, where learning and performance solutions take on a wider variety of forms and where churn happens at a much more rapid pace, what new skills and knowledge are required for learning professionals?

Wie sehen das andere?

Thema: Forschung, Fragen, Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

eAssessment – Rückblick auf den GMW-Workshop 2009

Montag, 22. Juni 2009 18:01

Der diesjährige Expertinnenworkshop der GMW zum Thema “eAssessment” wurde letzte Woche vom E-Learning Center (ELC) der Universität Zürich  ausgerichtet. Und ja, es handelte  sich in der Tat um einen Workshop, der nicht ausschließlich dem Konzept der Referate folgt, wie man es sonst häufig unter dem Label “Workshop” in der Wissenschaft erlebt, sondern Beteiligung fördert und in wesentlichen Phasen von ihr lebte.

Neben kurzen Referaten zu summativen wie formativen Konzepten und Projekterfahrungen zum Thema eAssessment im akademischen Kontext (vgl. Programm) boten das “Learning Café” als Variante und die interaktive Postersession genügend Gelegenheiten ausführlicher miteinander ins Gespräch zu kommen und den eigenen Interessen zu folgen. Ich hoffe, dass weitere “klassische” Veranstaltungsformate den Schritt hin zur (phasenweisen) Öffnung für mehr Beteiligung der Teilnehmenden gehen werden.

Thematisch war es für mich einerseits spannend zu erfahren, wo Projekte sehr aktiver Institutionen in diesem Bereich, wie z.B. das CeDis oder das ZMML, heute stehen – auch mit Blick auf den Ende 2007 im Rahmen von KoOP veranstalten Workshop zum “Computerunterstützten Prüfen”. Weiter nachdenken werde ich sich über das Plädoyer von Nicolas Apostolopoulos, unter bestimmten Bedingungen für das eAssessment auf die eigenen Laptops der Studierenden zu setzen. In diesem Kontext werden auch die ersten (nicht nur technischen) Erfahrungen der Universität Paderborn interessant sein, die alle Studienanfängerinnen und -anfänger im Wintersemester 2009/2010 mit Netbooks ausstattet. Ich finde diese Perspektive vor allem im Kontext formativer Prozesse des eAssessment zukunftsweisend.
Ebenfalls anregend war für mich der Beitrag von Tobias Zimmermann und Karen-Lynn Bucher, die über ihre Erfahrungen mit Online-Diskussionen als Leistungsnachweise in einer Vorlesung mit über 200 Studierenden berichteten – anregend deshalb, weil ich einige Punkte gut nachvollziehen konnte, andere unter anderen Rahmenbedingungen anders machen würde. In jedem Fall hat dieser Beitrag noch einmal exemplarisch für andere Erfahrungen dieser Art daran erinnert, dass man grundsätzlich auch auch in Vorlesungen auf formatives eAssessment von Einzelleistungen setzen kann.
Abgerundet hat den Workshop das Abendessen im “UniTurm” mit beeindruckender Aussicht auf Zürich und Umgebung.

Nachtrag [06.07.09]: Alle Videoaufzeichnungen, Folien und Poster stehen nun auf der Website des E-Learning Centers zum Download bereit.

Thema: Ideen & Konzepte, Veranstaltung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger