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Zwischen Theorie, Empirie, Entwicklung und Anwendung – Rückblick auf die GMW 2013

Dienstag, 10. September 2013 10:44

Die diesjährige GMW 2013 in Frankfurt war für mich in gewisser Weise eine besondere Tagung, denn ich war das erste Mal mit dem Team der „Augsburger Mediendidaktik” dabei. Wir haben mit einem Vortrag zum Projekt UniPAd (PDF) und einem Vortrag zur partizipativen Mediendidaktik (PDF) sozusagen den Einstand für die Aktivitäten der Professur für Mediendidaktik in die GMW-Community gegeben. Zudem fand ich es wichtig, dass alle Nachwuchswissenschaftler/-innen an der Professur die GMW frühzeitig kennen lernen, um einen Eindruck einer wichtigen Bezugs-Community mit ihren Themen und Personen zu erhalten.

Bei der gemeinsamen Nachlese kam vor allem die auffällig unterschiedliche Ausrichtung der Beiträge in Bezug auf Theorie und Praxis zum Ausdruck – gerade im Vergleich zu Tagungen anderen Fachcommunities, wie bspw. der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft. Dabei wurde das sowohl positiv wie eher negativ wahrgenommen.

Dass diese Diskrepanz wieder so deutlich auffiel, finde ich interessant. Denn schon 2012 wurde im Rahmen einer Klausurtagung des GMW-Vorstands lange an diesem Merkmal der GMW diskutiert und erörtert, inwiefern darin nicht eine Diskrepanz sondern ein spezifischer Mehrwert gerade dieser Fachgesellschaft läge. Das Ergebnis hatte dann auch Eingang in das aktualisierte Strategiepapier für die GMW 2012.

Doch scheinen hier die Wahrnehmungen vielleicht nicht nur beim Nachwuchs, sondern auch in der ganzen Community durchaus unterschiedlich zu sein. Wie also mit dem “Spektrum zwischen Handlungs- und Forschungsorientierung” in den kommenden Jahren konstruktiv umzugehen sein wird – auch das ist eine Herausforderung zwischen Vision und Alltag.

Thema: Community, Veranstaltung | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

MuK goes MOOC

Donnerstag, 2. Mai 2013 6:08

… oder „wenn, dann richtig.“

Seit 2011 gebe ich in jedem Wintersemester eine (verpflichtende) einführende Vorlesung in die Mediendidaktik und Medienpädagogik für Bachelorstudierende im BA MuK, BA Sozialwissenschaft und BA Erziehungswissenschaft mit Wahlpflicht Medienpädagogik. Nach zwei Durchläufen im eher „klassischen“ Vorlesungsmodus habe ich nun ein recht gutes Bild der doch heterogenen Studierendengruppe und ihren Erwartungen erhalten (sehr grob zusammengefasst: Theorieaffinität: eher gering; Praxisbezug: in vielfältiger Weise erwünscht; Mediennutzungserfahrung: eher gering; E-Learning: kaum Kenntnisse; Vorstellung der späteren Tätigkeit: noch unspezifisch; Interesse an Medienpädagogik/Mediendidaktik: bei Einzelnen vorhanden).

Deshalb hatte ich mir schon nach dem letzten Semester vorgenommen, für das kommende Wintersemester das Vorlesungsszenario ganz neu anzugehen und hierfür an meine früheren Erfahrungen mit einer Blended Learning-Vorlesung zur schulischen Medienpädagogik an der Uni Mainz anzuknüpfen. Es sollte eine Veranstaltung werden, die einerseits die Studierenden in die Lage versetzt, das Themenfeld der Medienpädagogik und Mediendidaktik zu überblicken, zu verstehen, was medienpädagogische Praxis in unterschiedlichen Feldern ausmacht und theoretisch wie konzeptionell medienpädagogisches Handeln beschreiben und analysieren zu können. Da die Integration von Medien in der pädagogischen Praxis auch immer eine Frage der Haltung und Einstellung ist, war es mir wichtig, die Studierende durch reflexive und diskursive Elemente mit Unterstützung von Fachtexten, Studien und Praxisbeispielen zu befähigen, zu einer fundierten Position zu gelangen. Dieses wollte ich in einem Blended Learning-Szenario umsetzen, damit die Studierenden schon in ihrem ersten Semester quasi beiläufig „E-Learning“ erleben können und in dieser Hinsicht medienbezogenen Kompetenzen erwerben können.

Mitte März wurden dann 10 Mooc Production Fellowships von iversity und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für die Konzeption und Durchführung von Massive Open Online Courses (MOOC) ausgeschrieben. Nach anfänglicher Skepsis, inwiefern es sich lohnt, dem Trend der MOOCs zu folgen und dem nicht unbeträchtlichen Aufwand in der Vorbereitung und Durchführung auch auf mich zu nehmen, habe ich mich mit meinem Team beraten und wir haben entschieden: Nach dem Motto „… wenn, dann richtig“ groß („Massiv“). Wir haben die schon bestehenden Ideen weiterentwickelt und eine offene („Open“), und interaktionsfördernde E-Learning-Veranstaltung („Online Course“) für eine Zahl X konzipiert, die eine breite Zielgruppe von Studierenden unterschiedlicher Bachelorstudiengänge inklusive aller Lehrämter sowie schon im Beruf stehende Fachkräfte anspricht und damit zu einer „Grundbildung Medien“ für diverse (medien-)pädagogische Berufsfelder beiträgt.

Deshalb bewirbt sich nun auch das Team der Professur für Mediendidaktik um einen Fellowship. Mit dem Preisgeld werden wir u.a. eine angemessene Betreuung der Teilnehmenden gewährleistet und die Produktion von offenen Lernmaterialien in Form von Open Educational Resources (OER) zur Gestaltung von (weiterer) Open Educational Practice (OEP) finanziert.

Nun hoffen wir natürlich, dass unser Konzept überzeugt und freuen uns über viele Stimmen für unseren MOOC hier!

[Nachtrag, 10.06.2013: Die 10 Gewinner aus über 250 Einreichungen stehen nun fest. Unser MOOC-Konzept ist zwar nicht dabei, doch ich werde ab dem kommenden Wintersemester dennoch die Veranstaltung "Einführung in die Medienpädagogik/Mediendidaktik" weiterentwickeln und neu organisieren sowie einige der Ideen zu realisieren.]

Thema: Lehre & Studium | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Tablets im Studium - Lernen mit mobilen Endgeräten?

Mittwoch, 13. Februar 2013 16:42

Ein stetiger (Forschungs-)Begleiter an der Professur für Mediendidaktik ist das Projekt „UniPAd“ geworden. Mittlerweile läuft es ein Jahr und entwickelt sich zu einer kleineren Langzeitstudie – so die aktuellen Teilnehmenden bis zum Ende ihres Studiums dabei bleiben können und wollen. Ein kurzer Bericht (PDF) dazu ist kürzlich im Hamburger E-Learning-Magazin zusammen mit anderen Beiträgen, die einen guten Einblick in aktuelle Ideen und Projekte zur Integration mobiler Endgeräte in Hochschule geben, erschienen.

Basierend auf den ersten Nutzungsergebnissen aus der Pilotphase im SoSe 2012 haben wir für das gerade auslaufende WiSe 12/13 eine standardisierte schrifliche Grundbefragung zum Nutzungsverhalten entwickelt und vor Weihnachten mit den gut 40 Teilnehmenden in den beiden Studiengängen BA und MA Medien und Kommunikation durchgeführt. Ziel soll es sein, diese semesterweise durchzuführen und in Teilen weiter zu entwickeln. Ergänzt wird diese Umfrage (weiterhin) durch Erhebungsmethoden, die der Exploration einzelner Phänomene dienen sollen und die uns einen Zugang zur persönlichen Lernumgebung von Studierenden mit mobilen Endgeräten ermöglichen sollen. Zudem wollen wir auf diese Weise weiterer Felder identifzieren, die es sich zu erfragen und zu erforschen lohnt.

Zur Zeit sind wir dabei, den Projektstand und unsere Forschungsinteressen zusammenzuführen und zu konsolidieren. Dieses ist deshalb wichtig, weil die bisherigen Daten stellenweise durchaus ernüchternd sind, was die Gestalt und Nutzung der Persönlichen Lernumgebung angeht. (Nicht nur) Mit Blick auf die diesjährige GMW 2013, die passenderweise nach nach dem Stand der Dinge von E-Learning zwischen Vision und Alltag fragt, entwickeln wir zur Zeit unsere Fragestellung und auch das methodische Vorgehen weiter um diese Ernüchterung zu spezifizieren. Uns interessieren deshalb weitergehende Fragen wie die Folgenden:

  • Wie lassen sich Intentionen, Begründungen und Reflexion über (häufig beiläufige) Prozesse eines selbstgesteuerten Lernens und potenziell selbstorganisierten Wissenserwerbs erfassen?
  • Inwiefern ist die Persönliche Lernumgebung (PLE) an eigene Gestaltungsvorstellungen ausgerichtet, die möglicherweise als subjektive Didaktik bezeichnet werden könnten?
  • Und welche Rolle spielen für die Gestaltung und die Prozesse in der PLE das persönliche Interesse, die Interaktion und der Austausch mit Peers, der Kontext  und besonders die verwendeten (mobilen) Medien mit der passenden (Social) Software?

Gerahmt werden unsere Forschungsperspektiven nach wie vor von einer übergeordenten Idee der zunehmenden Entgrenzung von formalen Lernprozessen und welche Bedeutung diese für die Gestaltung von Lehren und Lernen mit digitalen Medien spielen (werden).

Wir hoffen, dass wir im Laufe des Jahres auf diese Fragen erste Antworten liefern können und schauen bis dahin auch interessiert auf die Erfahrungen in anderen Projekten.

Thema: Forschung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Forschungsprojekt: PaLerMe

Montag, 18. Juli 2011 12:52

Die Vorlesungszeit neigt sich dem Ende. Dafür nimmt nun das Projekt PaLerMe (Partizipative Lehr- und Lernumgebungen mit digitalen Medien im Unterricht gestalten können. Eine empirische Studie zur mediendidaktischen Kompetenz von Lehrkräften“; http://www.zbh.uni-mainz.de/329.php) langsam an Fahrt auf. Zusammen mit Dipl. Päd. Dominika Bock beschäftige ich mich bis Frühjahr kommenden Jahres aus einer vornehmlich mediendidaktischen Perspektive mit dem Einsatz von Social Software im Unterricht in unterschiedlichen Schulstufen und -formen und welche mediendidaktischen Kompetenzen im Rahmen einer umfassenden medienpädagogischen Kompetenz dafür auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer wichtig sind. Dafür sollen bundesweit ausgewählte, schulische Best-Practice-Beispiele zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht untersucht werden. Dabei bedienen wir uns in erster Linie qualitativer Methoden der Schul- bzw. Unterrichtsforschung zur Untersuchung unterschiedlicher Blended-Learning-Szenarien in den unterschiedlichen Schulen.
Den Ausgangspunkt des Projekts PaLerMe stellen die Annahmen dar, dass ein erfolgreicher Einsatz von digitalen Medien, die ein hohes Maß an Aktivität und Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, wie beispielsweise Blogs oder Wikis (Social Software), erfordern, im Unterricht nicht selbstverständlich ist. Zugleich wird zur Zeit davon ausgegangen, dass solche Software-Anwendungen das Potenzial besitzen, Unterricht auf partizipativer Ebene positiv zu beeinflussen und damit einen Beitrag zum Lernerfolg leisten zu können. Dafür braucht es wiederum (nicht nur) bestimmte mediendidaktische Kompetenzen auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer. Dieses Annahmen sollen im Rahmen des Projekts PaLerMe anhand ausgewählter Beispiele empirisch untersucht werden. Ziel der Untersuchung ist ein Ausloten von Gelingensbedingungen für partizipatives Lernen mit digitalen Medien im Unterricht, speziell mit Social Software ganz im Sinne des „Mitmachnetzes“. Im Wesentlichen geht es mir bei dem Projekt mit Fokus auf ein medienbezogenes, partizipatives Lernen als Variante offener, schülerorientierter Lernformen darum, zur aktuellen Diskussion um “Web 2.0″ in Schule und Unterricht eine empirische Perspektive als (mögliche) Brücke zwischen Theorie und Praxis beizusteuern. Darüber hinaus soll das Projekt einen Beitrag zur medienbezogenen Lehrer(aus)bildung leisten und - wenn möglich - allgemeine konzeptionelle Überlegungen für eine ‘partizipative Mediendidaktik’ in formalen Bildungskontexten empirisch fundieren und weiter entwicklen.
Die konzeptionellen Vorarbeiten sind für den Moment abgeschlossen und die Akquise ist am Laufen, so dass - wenn alles klappt - die ersten Erhebungen nach den (jeweiligen) Sommerferien erfolgen können.
Für den Fall, dass es vielleicht in der Bundesrepublik noch eine passende Klasse einer Grundschule, Sekundarstufe I oder II gibt, die zu unserem Vorhaben passen würde und die wir bisher nicht angeschrieben haben, freue ich mich über einen Hinweis an: mayrberger (at) uni-mainz.de

Thema: Forschung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Nachgang zur Tagung “Kreide war gestern – Neue Medien verändern Schule?!”

Samstag, 19. Februar 2011 11:28

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen des Einsatzes von digitalen Medien in Schule und Unterricht und den Chancen und auch Herausforderungen, die damit einhergehen (können). Ich selbst habe mit diesem überblickenden “Impuls” zum veränderten Lehren und Lernen mit digitalen Medien in der Schule zur Tagung “Kreide war gestern – Neue Medien verändern Schule?!” beigetragen:

Ein für mich sehr inspirierender Workshop, den ich besucht habe, war “iPad-Klasse im Einsatz! Wie ein Gerät unterrichtliche Prozesse verändert“. Hier gab es eine motivierenden Einblick, in das was in Schule (auch “nur” als Pilotversuch) aus medienpädagogischer Sicht möglich sein kann, wenn man will, gute Ideen hat und über medienpädagogische Kompetenz verfügt, um ein “rundes” Konzept auf die Beine zu stellen, das “guten” Unterricht mit digitalen Medien realisieren lässt. Besonders gefallen hat mir hierbei, dass auch zwei Schüler mit dabei waren und den Entstehungsprozess einer selbst programmierten App der “App-AG” der BBS (mit Stolz) selbst präsentiert haben und später als kompetente Ansprechpartner beim “Hands-on” dabei waren.

Insgesamt wurde mir aber auch auf dieser Veranstaltung (wieder einmal) deutlich, dass natürlich nach wie vor eine überzogene Technikzentrierung und Euphorie für das Neue (Spielzeug ;-) ) mit Blick auf die nachhaltige Veränderung von Lehr- und Lernprozessen nicht zielführend ist, ebenso wie das Ignorieren der Herausforderungen und Problemen, die mit der vermehrten Nutzung des Internets im Schulkontext auftreten können (nicht zwangsläufig auch müssen, wie andere gute Konzepte wiederum zeigen).

Doch - und das zeigen solche Fortbildungen/Tagungen mir auch immer wieder - “wer nicht wagt, der nicht gewinnt.” Und so braucht es immer wieder diejenigen “Innovators” und “Early Adopter” die mit Neugierde voran schreiten und auch trotz des häufigen Mehraufwands Spaß daran haben, die Möglichkeiten neuer Technologien für das Lehren und Lernen zu erkunden und auszuloten und ihre Erfahrungen auch kund zu tun. Es gilt letztlich gerade für Lehrer/innen eine zeitgemäße (professionelle) Position zwischen Technologieeuphorie und rein bewahrpädagogischem Bedenken zu finden – wie schon seit Beginn der Diskussion um den Einsatz von Computern im Unterricht. Und hier bedarf es m.E. in allen Phasen der Lehrer/innenbildung eine Beschäftigung mit dieser Thematik um zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit mit Bezug auf digitale Medien stetig beizutragen. Denn letztlich kann es für alle Lehrer/innen nur darum gehen, gemeinsam mit den Schüler/innen einen möglichst “guten Unterricht” zu gestalten – und dazu können digitale Medien sinnvoll eingesetzt ihren Beitrag leisten.

Was es nun braucht, sind (weitere) empirische Arbeiten, die die vorliegenden Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis und Ergebnisse sowie erkennbare Tendenzen aus Evaluationsstudien differenziert anschauen und damit die  unterschiedlichen Annahmen in der bestehenden Diskussion schlicht prüfen.

Es gibt viel zu tun …

Thema: Community, Forschung, Position, Praxis, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Rückblick auf mein “Mitmachseminar zum Mitmachnetz”

Mittwoch, 16. Februar 2011 7:24

Zu Beginn der Vorlesungszeit hatte ich hier einen Einblick in mein “Mitmachseminar zum Mitmachnetz” gegeben (offiziell: Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive), das in Kooperation mit dem Seminar “w.e.b.Square - wissenschaftliches Publizieren im Netz” an der Uni Augsburg stattfand und dort von Sandra Hofhues und Tamara Ranner angeboten wurde (vgl. Sandras und Tamaras Rückblick).

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich
unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit
partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige
Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung
einbindet, aber auch
eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen
Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik
darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus
plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem
Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung
“laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi
ein Selbstversuch ;-)

Die Erfahrungen, die ich dann im Laufe des Semesters machen konnte, waren - abgesehen vom verhältnismäßig hohen Organisationsaufwand, den dieses Seminar beanspruchte – sehr motivierend.

Die 12 Studierenden, von denen ein Drittel “nur” aus Interesse teilnahm und keinen Leistungsnachweis mehr benötigte, haben in Kleingruppen insgesamt an 5 Projektkonzeptionen zu einem medienpädagogischen Projekt unter Berücksichtigung von Web 2.0-Tools und -Themen ausgearbeitet und theoretisch bzw. konzeptionell begründet: “Aktive Medienarbeit im Kindertageszentrum - Filmproduktion als bildende Kommunikation”, “Web 2.0 Coaching für Eltern – Was macht mein Kind im Internet?”, “Weiterbildung 2.0″, “Digitale Spaltung“ (Schwerpunkt Sonderpädagogik), “Selbstdarstellung in Social Networks unter dem Aspekt des Datenschutzes. Am Beispiel von Facebook”.
Während die Projektideen sich zu Beginn des Semesters langsam formten und die Konzepte bis Weihnachten in einer ersten Fassung entstanden sind, haben wir uns parallel im Seminar u.a. mit Themen wie Medienkompetenz und Medienbildung, Mediennutzung und -sozialisation und der Frage nach den Chancen Grenzen von Selbstorganisation im Web 2.0 beschäftigt. Dieses war insofern für mich spannend, da die Studierendengruppen ihre Projektthemen im Rahmen der relativ breiten Vorgabe (Projektkonzept zum Einsatz/zur Thematisierung von Web 2.0 in der medienpädagogischen Praxis) komplett selbst wählen konnten. Die theoretischen Bezugsrahmen, die für alle Projekte von Interesse waren, wurden gemeinsam thematisiert, spezifische Ansätze wie z.B. die aktive Medienarbeit projektspezifisch angegangen. Letztlich war die Qualität des Produkts “Projektkonzept” eine leitende Prämisse. Hier lag auch neben einem “echten” Web 2.0-Erlebnis für die Studierenden der Ansatzpunkt in der Kooperation mit dem Seminar der Uni-Augsburg. Denn die Studierenden hatten (und das war für mich wie die Mainzer Studierenden neu) noch im Semester die Aufgabe, nach einem Reviewprozess über Weihnachten, der durch die Studierenden der jeweils anderen Uni und durch die jeweils zuständigen Lehrenden erfolgte, zu überarbeiten. Die beiden Projekte, die am stärksten überzeugen konnten, waren virtuell mit ihren Beiträgen zu Gast auf der diesjährigen 4. w.e.b.Square-Tagung mit dem Motto “Bologna 2011. Eine kritische Bilanz aus Studierendensicht”. Letztlich erhielten alle Mainzer Gruppen die Möglichkeit, ihr Projektkonzept für die Tagungsausgabe der Online-Zeitschrift “w.e.b.Square” vorzunehmen, was letztlich drei Mainzer Projekte auch wahrgenommen haben. Für mich hat dieses Element der Lehrveranstaltungen noch einmal gut gezeigt, dass man gerade in projektbezogenen Seminaren auch in der akademischen Lehre nicht nur auf das “akademische Endprodukt” für den Leistungsnachweis schauen sollte. Vielmehr ist es für alle Beteiligten gewinnbringend, wenn es über die üblichen Abschlusspräsentationen durch Vorträge hinaus eine angemessene interne (z.B. gemeinsame Seminarpublikation als Wiki oder “nur” PDF) oder öffentliche Form der Sichtbarmachung gibt – auch wenn es den Aufwand deutlich erhöht, der dann entsprechend einzukalkulieren ist.
Besonders spannend war für mich die technisch basierte virtuelle Vernetzung der beiden Seminare mit Hilfe eines virtuellen Klassenraums (hier: Adobe Connect). Für die Studierenden war es überwiegend neu, “von zu Hause” an zwei virtuellen Sitzungen im Seminar teilnehmen zu können. Die Sicherheit im Umgang mit dem virtuellen Klassenraum stieg zunehmend, z.B. bei den Mainzer Studierenden auch zusätzlich dadurch, dass wir dieses Werkzeug kurzfristig in einer Präsenzsitzung nutzten, als der Beamer ausgefallen war und so alle zumindest auf ihren Laptops einer Präsentation folgen konnten und zugleich auf rechtlicher Ebene eines “Moderators” im Kurs tätig waren. Gerade zur w.e.b.Square-Tagung in Augsburg zeigte sich aber das Merkmal der Ortsunabhängigkeit noch einmal sehr schön: Die Augsburger Studierenden waren bei “ihrer” Tagung vor Ort im Hörsaal, die beiden Referent/innengruppen aus Mainz saßen als Gruppe vor ihren Rechnern in ihren Privatwohnungen/WGs in Mainz und ich selbst war von Hamburg aus virtuell zugegen. Zu den Mainzer Vorträgen wurden wir mit Bild, Ton und Präsentation in den Hörsaal geschaltet und im Anschluss fand mit leichter Verzögerung sogar eine kurze Fragerunde statt (quasi eine “grüne Teilnahme”). Zeitgleich wurde die gesamte Tagung per Videostream öffentlich übertragen und begleitend getwittert (#websquare). Technisch ist das alles nicht neu, aber das technische Arrangement selbst zu organisieren und zu erleben war doch neu und nicht nur für die beteiligten Studierenden, die ihre Sache großartig gemeistert haben, recht aufregend. ;-)

Die Evaluation zum Schluss des Seminars in Mainz hat mir bestätigt, dass es für die Studierende ein erkenntnisreiches und erfahrungsreiches Seminar war, in dem sie sich medienpädagogisches Wissen erarbeitet, Kompetenzen erworben und eine begründete Position zum Web 2.0 gebildet haben – und das ist letztlich die Hauptsache. Besonders schön ist es zu wissen, dass zwei der entwickelten Projektkonzepte von den Studierenden noch in der Praxis umgesetzt
werden: eines im Rahmen einer regulären Tätigkeit im medienpädagogischen Bereich, das andere als komplett selbstorganisiertes Projekt der Studierendengruppe.

Dem Aspekt der “Vernetzung” werden wir drei Dozentinnen an andere Stelle weiter nachgehen.

Eigentlich hatte ich in diesem Wintersemester geplant, mich in Sachen Lehre “etwas zurück zu halten” und mehr Energie in Forschung(-santräge) und Publikationen zu stecken. “Eigentlich” … – für mich kann ich nur sagen, dass ich wichtige und gute Erfahrungen in dieser Lehrveranstaltung sammeln konnte, die mir zudem noch wertvolle Erkenntnisse für anstehende Publikationen zum partizipativen Lernen eröffnet haben. Insofern war es in jeder Hinsicht ein lohnenswertes Lehrprojekt, zugleich ein schöner Selbstversuch und eine tolle Kooperationserfahrung. :-)

Thema: Erfahrung, Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Einblick in die Lehre II: Universitäre „Massenveranstaltungen“ anders gestalten

Montag, 6. Dezember 2010 15:58

– ein Spagat zwischen hochschuldidaktischem Ideal und alltäglichen Hürden.

In diesem Beitrag möchte ich einen Einblick in erste Erfahrungen mit der Umsetzung eines Blended Learning-Konzepts zur „Einführung in die schulischen Medienpädagogik“ geben – einer sogenannten Massenveranstaltung in den Bildungswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die ich zusammen mit Petra Bauer und Hannah Hoffmann durchführe.

Ausgegangen wurde von mir bei der Reorganisation von der Annahme, dass eine Veranstaltung mit einer sehr hohen Teilnehmendenzahl nicht zwingend einem traditionellen didaktischen Konzept mit starker Lehrendenzentrierung folgen muss und eine Integration von digitalen Medien im Sinne von Blended Learning dazu beitragen kann, die Studierenden aktiver zu beteiligen, um einen möglichst ertragreichen Lehr- und Lernprozess mit einem höheren und nachhaltigen Lernerfolg zu ermöglichen (vgl. Mayrberger/Schulmeister, 2009).
An der Blended Learning-Veranstaltung „Einführung in die schulischen Medienpädagogik“ nehmen im WiSe 2010/11 etwa 400 Studierende der Bildungswissenschaften. Sie müssen eine unbenotete Studienleistung erbringen. Die Veranstaltung umfasst 2 SWS und wird mit 3 bzw. 4 Leistungspunkten angerechnet. Betreut wird die Blended Learning Veranstaltung, die in Kooperation mit einer zweiten Veranstaltung stattfindet, die die Durchführung des Praxisblocks ermöglicht, von 3 Lehrenden und 4 Tutor/innen. Das didaktische Blended-Learning-Szenario lässt sich wie folgt skizzieren:

szenario-bl-medienpaed

Skizze Szenario Blended Learning-Einführung

In den drei Themenblöcken werden die vormals linear aufgebauten Themen der Vorlesung gebündelt und exemplarisch behandelt. Jeder Themenblock beginnt mit einer einführenden Vorlesungssitzung. Darauf folgt eine Online-Phase in der die Präsenzveranstaltungen ausfallen. Die Studierenden erhalten für diese Zeit eine Aufgabenstellung mit Materialien, die im Rahmen einer Forendiskussion innerhalb von 3 Wochen zu bearbeiten und in einer Gruppe von max. 10 Personen zu diskutieren ist. Der Themenblock schließt mit einer Abschlussveranstaltung im Plenum, in der Impulse aus den Online-Diskussionen in den Foren aufgegriffen, diskutiert und konzeptionell verortet werden. Zum Abschluss des Blocks verfassen die Studierenden einen Kurzessay von 2-3 Seiten als Studienleistung. Die Studierenden nehmen über das Semester an allen Präsenzveranstaltungen teil. Je nach Studienordnung wählen sie aus den drei Themenblöcken 1-2 Blöcke aus (je Block max. 200 Plätze), die sie vertiefend in Online-Phasen bearbeiten.
Im Praxisblock wird einmalig über einen Zeitraum von 14 Tagen in Kleingruppen à 5 Personen projektorientiert gearbeitet. Jeder Praxisblock beginnt mit einem Auftaktworkshop zur Vorbereitung auf die produktorientierte Gruppenarbeit in dem auch ein Interaktives Whiteboard zum Einsatz kommt. Ziel ist die Erstellung eines Screencasts, der online eingereicht wird. Die Teilnahme am Praxisblock ist für alle Studierenden verbindlich.
Technisch und organisatorisch wird diese Veranstaltung durch das Learning-Management-System ILIAS unterstützt (u.a. zur Bereitstellung von Materialien, zur Einteilung der Kleingruppen, der elektronischen Einreichung der Studienleistungen sowie zur Betreuung der Studierenden und zur Evaluation).
Wesentliche Erfahrung war bisher, dass die Studierende das Angebot zur zeitlichen Flexiblisierung angenommen haben (die Plätze im Block I zu Beginn des Semesters waren sofort ausgebucht). Eine gründliche Einführung in das eher komplexe didaktische Szenario und die E-Learning-Umgebung hat sich ausgezahlt. Die Grenzen der didaktische Reorganisation dieser Massenveranstaltung liegen letztlich im Bereich der personellen Ressourcen, um eine noch bessere Betreuung gewährleisten und Rückmeldungen zu den Aufgaben geben zu können. Denn fordert man Studierende auf, sich aktiv zu beteiligen, tun die meisten es erfreulicherweise auch, wie sich an zahlreichen und zum Teil ausführlicheren Diskussionen in den Foren zeigt. Eine weitere, erwartbare Herausforderung liegt in der technologieunterstützten Realisierung der didaktischen und der organisatorischen Ansprüche und Letzteres vor allem mit Blick auf die effiziente Organisation der Teilnehmenden und ihrer Leistungen.
Dieses komplexe Blended-Learning Szenario zeigt noch einmal gut, dass sich die Bereiche „IT-Service“ und „Didaktik“ gut ergänzen können und müssen, wenn anspruchsvolleres E-Learning mit vielen Akteuren funktionieren soll: Didaktisch begründete Ansprüche und Wünsche können zur Weiterentwicklung der jeweils verwendeten Software beitragen. Anders herum lädt so manches technische „Feature“, das die Organisation einer Massenveranstaltung verbessern kann, durchaus dazu ein, didaktische Überlegungen wo möglich anzupassen – ganz im Sinne eines Primats der Didaktik.

Quellen:
Mayrberger, K. & Schulmeister, R. (2009). E-Learning in Massenveranstaltungen. Editorial. Zeitschrift für E-Learning, Lernkultur und Bildungstechnologie, 4 (1), 4-7.

[Dieser Beitrag erscheint in dieser Form auch in der AUSGABE #5 des Hamburger E-Learning-Magazins "eLearning in Massenveranstaltungen", 12/2010]

Thema: Community, Lehre & Studium | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Einblick in die Lehre I: Mitmachseminar zum Mitmachnetz

Mittwoch, 24. November 2010 10:23

Die ersten Semesterwochen sind um und die Lehrveranstaltungen “laufen”, so dass nun Zeit ist, auch einen Einblick zu geben. Dieses Semester habe ich mir zwei Veranstaltungen vorgenommen, die jeweils für mich und die Studierenden neue Blended-Learnig-Szenarien darstellen – ein Seminar in der Erziehungswissenschaft und eine “Blended-Learning-Massenveranstaltung” in den Bildungswissenschaften/Lehrerbildung. Über Letzteres will ich demnächst ausführlicher berichten.

Mit dem Angebot des Seminars “Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive” verfolge ich die Idee, meine konzeptionellen Ideen zum partizipativen Lernen in der formalen Hochschullehre zu erproben, ganz im Sinne eines “Mitmachseminars” zum “Mitmachnetz” mit Blick auf medienpädagogische Theorie und Praxis. Für diesen Versuch nutze ich die Gelegenheit, noch einmal ein Seminar für die “Altstudiengänge” mit Schwerpunkt (Medien-)Pädagogik im Diplom und Magister anbieten zu können, da man in diesem Rahmen ja doch etwas flexibler ist. Ich vermute, da die Veranstaltung als Blended-Learning Veranstaltung mit Blockanteilen in den Präsenzphasen geplant ist, die entweder Mo 18-20 Uhr oder an einem Samstag stattfinden, dass sich die Teilnehmerzahl daher letztlich auf knapp 15 beläuft. Für die Erprobung des Szenarios ist es aber optimal: Alle Anwesenden sind interessiert, motiviert und lassen sich auf diese Variante des Lernens, die hier noch nicht selbstverständlich ist, ein – so ist zumindest mein Eindruck nach den ersten Wochen. Da macht es auch von der Lehrendenseite aus Freude, mehr Kapazitäten in die Veranstaltung einzubringen, als gedacht.

Ziel der Veranstaltung ist ein Produkt, das im Rahmen einer Projektarbeit in der Kleingruppe entwickelt wird: Die Studierenden arbeiten möglichst gute Konzepte für die medienpädagogische Praxis aus, in der Web 2.0-Tools und -Ideen im Zentrum stehen. Das Konzept wird theoretisch und konzeptionell eingeordnet und begründet und kann - so die Idee - dann nach dem Seminar in der Praxis erprobt werden. In 3 der 5 Gruppen ist von Beginn an eine praktische Erprobung mitgeplant, z.B. weil man neben dem Studium in der medienpädagogischen Jugendarbeit oder der Erwachsenenbildung tätig ist und das Konzept dort erproben will.

Die Teilnehmenden haben sich bis jetzt einen Überblick zum Thema verschafft und danach im Sinne des “Auftrags” ein Thema gewählt, das sie selbstständig vertiefen. In diesem Fall haben sich fünf Gruppen zu den Themenfeldern (Arbeitstitel der Gruppen) Aktive Medienarbeit/Medienproduktion, Soziale Netzwerke, Eltern, Erwachsenenbildung und Digitale Spaltung/Sonderpädagogik gefunden. Übergreifend diskutieren wir gemeinsam (vorwiegend online) übergreifende Fragestellungen (z.B. die Frage nach der Rolle von Digitale Kompetenzen (Ausgangslage war das Papier der BMBF-Expertengruppe und aktuelle Nutzungszahlen und daran anschließend die Frage nach der Relevanz und dem Verhältnis von Medienkompetenz und Medienbildung; die nächsten Wochen wird das Thema Selbstorganisation und Selbststeuerung Thema sein), die dann auch in die Projektkonzepte einfließen können. Natürlich geht es in diesem Seminar auch darum, Web 2.0-Tools kennenzulernen, um diese in die Projektkonzepte erfahrungsbasiert einbinden zu können.

Besonderes Highlight für alle Beteiligten ist die virtuelle Kooperation mit einer anderen Lehrveranstaltung einer anderen Uni zu einem ähnlichen Thema. In diesem Fall haben Sandra Hofhues (vgl. Sandras Kommentar zum Semesterstart) und ich seit März 2010 unsere Lehrveranstaltungsplanungen abgestimmt, nachdem wir die Idee zur Kooperation am Rande eines Panels auf der DOSS-Tagung in Dortmund hatten und beschlossen haben. Über den Anker der “Qualität” vernetzen wir die beiden produktorientierten Seminare. In der nächsten Woche werden sich die Seminare das erste Mal mit Hilfe von Adobe Connect vernetzen. Das wird für alle eine spannende Erfahrung, da wir ca. 30 Personen sein werden. Bisher habe ich nur mit Gruppen bis ca. 10 Teilnehmenden mit dem virtuellen Klassenraum gearbeitet.

Nach und nach führe ich ergänzend zu den üblichen Übersichten zum Stöbern gezielt Web 2.0-Tools so ein, dass sie mit einer sinnvollen Nutzung im Seminarkontext einhergehen. Aktuell beginnen wir Twitter als ein Tool zu erproben (#mpaed20), das zwar alle Teilnehmenden kennen, aber kaum jemand nutzt. Ich bin gespannt, wie das klappen wird.

Und wie immer, ist ein solches Seminar für Studierende und Lehrende mit einem verhältnismäßigem Extra-Aufwand verbunden. Aber es lohnt sich. So freue ich mich über einige Teilnehmende, die “eigentlich nur einen Teilnahmeschein brauchen” oder “gar nichts”, aber Interesse am Thema und der Arbeitsweise haben oder ihren Leistungsnachweis einmal in anderer Form als einer Hausarbeit oder eines Referats erwerben möchten.

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung einbindet, aber auch eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung “laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi ein Selbstversuch ;-)

Ich werde weiter berichten …

Thema: Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

GMW-Jahrestagung einmal anders …

Donnerstag, 16. September 2010 21:28

Abreise aus Zürich, die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) in Zürich ist vorbei.

Sie war anders als die vorangegangen. Einmal  hinsichtlich der unterschiedlichen Formate, die hier erprobt wurden: Pre-Conference als UnConference, interaktive Postersession und Learning Café als Alternative und Ergänzung zu klassischen Keynotes, Sessions mit Vorträgen sowie einer Podiumsdiskussion mit aktiver und hoher Publikumsbeteiligung zur Vertiefung von Themen, die auf der diesjährigen Tagung im Laufe der drei Tage in den Fokus rückten (u.a. eScience, wissenschaftliche Weiterbildung, Nachwuchsförderung). Zum anderen wegen der - im Gegensatz zu vorangegangenen Tagungen - über die Sessions hinaus auffällig geringen Präsenz von Medien und Services wie Vortragsaufzeichnungen, Twitternutzung und Twitterwall.

Auf Grund der besonderen Umstände (zeitgleich in Deutschland fand die DeLFI-Tagung, das diesjährige Aussetzen der MedidaPrix-Verleihung) war es mit ca. 250 Teilnehmenden eine kleine, aber feine Jahrestagung. Danke dafür an die Organisatoren. Das Tagungsprogramm war umfangreich und inhaltlich vielfältig und doch blieben viele Räume zum gemeinsamen Austausch und Kennenlernen. Das Conference Dinner fand auf dem Uetliberg statt – mit einem grandiosen Blick über Zürich. Highlight des Abends war selbstredend die wenig ernste, aber durchaus ernst zu nehmende “Abendlecture” von Joachim Wedekind und Koni Osterwalder zur Twitterkultur der versammelten Edu-Community, wie es so schön im Programm heißt.

Ein besonderer und bewegender Moment auf dieser Tagung war es, als im Rahmen der Mitgliederversammlung Rolf Schulmeister nach dem gesundheitsbedingten Rückzug seiner Kandidatur für den Vorstand, spontan per Akklamation zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Der Tagungsband steht zusätzlich wieder als PDF-Version zur Verfügung.

Von den Beiträgen, die ich gehört habe fand ich die Gesamteinschätzung zur Zukunft für E-Learning-Zentren (ELC) an Hochschulen von Nicolas Apostolopolous sehr anregungsreich. Er bezeichnete digitalen Technologien und Medien in der Hochschule als “strategische Waffen” für die Hochschulentwicklung, u.a. für die Entwicklung einer “Neuen Lehre”. Dabei stellte er die Konsolidierung von ELCs nach einer starken Phase der Initialisierung heraus und gab einen Ausblick für Neuausrichtungen. Dabei spielte der Gedanke der Vernetzung von Institutionen für eLearning und eScience und nach wie vor der Gedanke der Dezentralisierung (Fachkultur, Anknüpfung an Studien-Dekane) neben zentralen Einrichtungen eine wichtige Rolle. Er betonte - und da kann ich nur zustimmen - das “2.0″ und damit verbunden die Einführung anspruchsvoller Lehr- und Lernszenarien eben keine einfache Sache sei (”Mit eLearning muss man gerade jetzt anfangen”). So stellte er auch die berechtigte Frage, inwiefern die 2.0-Idee die Strukturen der ELC kannibalisiere. Daher wäre es an der Zeit ELC neu auszurichten und E-Teaching, E-Learning + E-Science + Multimedia (-Dienste) zusammen zudenken und sich gegenseitig stärken zu lassen, sprich die Geschäftsfelder der ELCs mit Blick auf eine E-University zu erweitern. Ich würde hier noch explizit ergänzen, dass gerade im Bereich E-Learning und E-Teaching auch eine enge Kooperation mit der Hochschuldidaktik erfolgen bzw. in diesem Bereich mitgedacht werden müsse. Im Learning Café hat mich die Diskussion um die Varianten von Peer-Review-Verfahren, die von Gabi Reinmann und Silvia Sippel moderiert wurde, sehr zum Nachdenken angeregt – gerade mit Blick auf den nicht unwichtigen Zusatz “peer reviewed” in der eigenen Publikationsliste (Wer sind eigentlich bei welcher Form des Reviews die Peers und welche Funktion hat das jeweilige Review?). Zu der Frage, wie die neuen Medien diese Prozesse unterstützen können, sind wir dann nur noch am Rande gekommen. Christiane Metzger berichtete über das ZEITLast-Projekt, bei dem auch ein Teilprojekt an der Universität Mainz angesiedelt ist. Sie stellte die neuesten Erhebungszahlen der Zeitbudgetanalyse von Studierenden vor, die zeigten, dass die viel beschworene extreme Überlastung von BA-Studierenden mehr einem subjektiven Eindruck, denn einer Tatsache entspricht – zumindest bei der vorliegenden Stichprobe. Es gab offensichtlich weitere Highlights wie die Pre-Conference, die u.a. von Sandra Hofhues und Thomas Bernhardt organisiert wurde sowie die Keynote von Rolf Schulmeister, über die viel zu hören war und an denen ich leider nicht teilnehmen konnte. Besonders gefallen hat mir der gute Mix von “alten” und “neuen” Formaten (eLearning-Café, Vorträge, Un-Conference) – wie immer ist es das angemessene Verhältnis zwischen Diskurs und Präsentation von (anspruchsvollen) Inhalten. Eine Linie, die so unbedingt weiter verfolgt werden sollte.

Ich selbst habe die Tagung nutzen können, um meine Ideen zum partizipativen Lernen im Sinne eines eLearning 2.0 vorzustellen. Meine Präsentationsfolien stelle ich hier zum Nachschauen zur Verfügung:

Nach dem Vortrag habe ich dazu noch einige anregende Diskussionen führen können. Über Nachfragen und Anregungen dazu freue ich mich.

Im kommenden Jahr findet die nächste GMW- zusammen mit der DeLFI-Tagung zum Motto “Wissensgemeinschaften” in Dresden statt. Man darf gespannt sein.

[Nachträge]: Weitere Eindrücke zur Tagung finden sich u.a. bei Thomas Bernhardt, Alexander Florian, Sandra Hofhues, Ralph Müller, Dominik PetkoGabi Reinmann, Mandy Schiefner.

Thema: Ideen & Konzepte, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

ePortfolio-Arbeit – ein Zwischenfazit

Dienstag, 31. August 2010 20:15

Im April habe ich hier über den ins Rollen gebrachte ePortfolio-Stein berichtet. Im vergangenen Sommersemester hatte ich nun die Gelegenheit, meine Lehrerfahrungen aus dem WiSe 2009/10 im reorganisierten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft zu vertiefen (Stichworte: Bündelung von vier Lehrveranstaltungen mit vier Lehrenden, Lehre im Block, phasenweise Zuständigkeiten der Lehrenden). Zudem habe ich das SoSe genutzt, um die letzten Auswertungen zu einer explorativen ePortfolio-Studie aus dem WiSe vorzunehmen. Im WiSe hatte ich mit einigen Studierenden Gruppendiskussionen und Einzelinterviews zu ihrer Perspektive auf das Lernen und Geprüft-Werden mit ePortfolios durchgeführt und das Ganze inhaltsanalytisch ausgewertet. Ein Artikel dazu wird Ende des Jahres im gemeinsamen Sammelband von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Christina Schwalbe und mir (nicht nur) zum ePortfolio-Track der Campus Innovation 2009 erscheinen. Auch auf der ECER-Konferenz in der letzten Woche hatte ich einige der Erkenntnisse mit Fokus auf die Gestaltung von Lernumgebungen mit e-Portfolios vorgestellt:

In den folgenden Semestern werde ich weitere Varianten erproben, wo es möglich ist, um die Thematik auch mit Blick auf ein eLearning 2.0 insgesamt zu vertiefen. Insgesamt ist es ein guter Moment, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Beim Einsatz von e-Portfolios hatte ich vor allem die Idee des eLearning 2.0 vor Augen (im Sinne der Gestaltung von formalen Lehr- und Lernprozessen mit Social Software). Denn anhand der ePortfolio-Thematik lassen sich m.E. einige der Ideen hinter der “2.0-Idee” gut thematisieren, allen voran das partizipative Lernen bzw. die Öffnung von Lehre mit Social Software. So waren für mich im Verlauf der letzten beiden Semester in dieser Hinsicht (neben den vielfältigen Erfahrungen, die ich aus Lehrendensicht sammeln konnte) drei Punkte für meine weitere Forschung sehr entscheidend:

  1. ePortfolio-Arbeit heißt nicht automatisch partzipatives Lernen,
  2. Studierende haben ganz unterschiedliche Auffassungen von partizipativem Lernen (das Spektrum reichte von der Möglichkeit, sich an der Seminardiskussionen einzubringen bis hin zu eigenen Gestaltungsvorschlägen für den Seminarverlauf) und
  3. unter partizipativem Lernen wird je nach Kontext etwas anderes verstanden.

Diesen Punkte werde ich im Kontext schulischer Medienpädagogik mit Fokus auf Mediendidaktik und eLearning weiter verfolgen. Dabei interessiert mich vor allem der Bereich der mediendidaktischen Kompetenz von (angehenden) LehrerInnen vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Medienwandels.

Thema: Forschung, Fragen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger