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Neuerscheinung: Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen

Donnerstag, 16. Dezember 2010 0:04

E-Portfolios und digitale Lerntagebücher, Social Networks und Bewertungs-Plattformen für Schulen, Lehrer und Lehrveranstaltungen – die aktuellen Entwicklungen der Medientechnologie fördern Transparenz und Öffentlichkeit. Durch die damit zusammenhängenden Kulturtechniken entwickeln sich neue Formen von Kontrolle und Selbstkontrolle. Die Individuen übernehmen selbst die Verantwortung für ihre Bildung. Durch freiere Wahl der Lernwege und -ziele verlieren traditionelle Verfahren der Leistungsmessung und Zugangsberechtigung an Bedeutung. Lernende können für ihre Kompetenzen und Talente direkt um Anerkennung werben. Die Liberalisierung von Bildung geht aber mit ihrer Ökonomisierung einher. Der Gegenstand der bildenden Bemächtigung ist nicht mehr die Welt, sondern die eigene Vita.

Vor dem Hintergrund der ambivalenten Mechanismen von Kontrolle und Selbstkontrolle eröffnen die Beiträge in diesem Band ebenso weite wie fokussierte Perspektiven auf neue Medientechnologie und die Konjunktur des Portfolios in der Bildung.

Meyer, Torsten; Mayrberger, Kerstin; Münte-Goussar, Stephan & Schwalbe, Christina (Hg.) (2011). Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen, Wiesbaden: VS-Verlag. (Medienbildung und Gesellschaft Bd. 19); 305 S. Br., ISBN: 978-3-531-17683-3, 39,90 Euro.

Mit Beiträgen von: Peter Baasch, Peter Baumgartner, Detlev Bieler, Iris Brucker, Thomas Czerwionka, Matthias Fink, Thomas Häcker, Sara Haese, Wolf Hilzensauer, Klaus Himpsl-Gutermann, Benjamin Jörissen, Rudolf Kammerl, Sönke Knutzen, Anne-Britt Mahler, Kerstin Mayrberger, Marianne Merkt, Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Corinna Peters, Sebastian Plönges, Ramon Reichert, Gabi Reinmann, Theo Röhle, Sandra Schaffert, Christina Schwalbe, Silvia Sippel, Thomas Sporer, Thomas Unruh

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Thema: Erfahrung, Forschung, Praxis, Publikationen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

GMW-Jahrestagung einmal anders …

Donnerstag, 16. September 2010 21:28

Abreise aus Zürich, die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) in Zürich ist vorbei.

Sie war anders als die vorangegangen. Einmal  hinsichtlich der unterschiedlichen Formate, die hier erprobt wurden: Pre-Conference als UnConference, interaktive Postersession und Learning Café als Alternative und Ergänzung zu klassischen Keynotes, Sessions mit Vorträgen sowie einer Podiumsdiskussion mit aktiver und hoher Publikumsbeteiligung zur Vertiefung von Themen, die auf der diesjährigen Tagung im Laufe der drei Tage in den Fokus rückten (u.a. eScience, wissenschaftliche Weiterbildung, Nachwuchsförderung). Zum anderen wegen der - im Gegensatz zu vorangegangenen Tagungen - über die Sessions hinaus auffällig geringen Präsenz von Medien und Services wie Vortragsaufzeichnungen, Twitternutzung und Twitterwall.

Auf Grund der besonderen Umstände (zeitgleich in Deutschland fand die DeLFI-Tagung, das diesjährige Aussetzen der MedidaPrix-Verleihung) war es mit ca. 250 Teilnehmenden eine kleine, aber feine Jahrestagung. Danke dafür an die Organisatoren. Das Tagungsprogramm war umfangreich und inhaltlich vielfältig und doch blieben viele Räume zum gemeinsamen Austausch und Kennenlernen. Das Conference Dinner fand auf dem Uetliberg statt – mit einem grandiosen Blick über Zürich. Highlight des Abends war selbstredend die wenig ernste, aber durchaus ernst zu nehmende “Abendlecture” von Joachim Wedekind und Koni Osterwalder zur Twitterkultur der versammelten Edu-Community, wie es so schön im Programm heißt.

Ein besonderer und bewegender Moment auf dieser Tagung war es, als im Rahmen der Mitgliederversammlung Rolf Schulmeister nach dem gesundheitsbedingten Rückzug seiner Kandidatur für den Vorstand, spontan per Akklamation zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Der Tagungsband steht zusätzlich wieder als PDF-Version zur Verfügung.

Von den Beiträgen, die ich gehört habe fand ich die Gesamteinschätzung zur Zukunft für E-Learning-Zentren (ELC) an Hochschulen von Nicolas Apostolopolous sehr anregungsreich. Er bezeichnete digitalen Technologien und Medien in der Hochschule als “strategische Waffen” für die Hochschulentwicklung, u.a. für die Entwicklung einer “Neuen Lehre”. Dabei stellte er die Konsolidierung von ELCs nach einer starken Phase der Initialisierung heraus und gab einen Ausblick für Neuausrichtungen. Dabei spielte der Gedanke der Vernetzung von Institutionen für eLearning und eScience und nach wie vor der Gedanke der Dezentralisierung (Fachkultur, Anknüpfung an Studien-Dekane) neben zentralen Einrichtungen eine wichtige Rolle. Er betonte - und da kann ich nur zustimmen - das “2.0″ und damit verbunden die Einführung anspruchsvoller Lehr- und Lernszenarien eben keine einfache Sache sei (”Mit eLearning muss man gerade jetzt anfangen”). So stellte er auch die berechtigte Frage, inwiefern die 2.0-Idee die Strukturen der ELC kannibalisiere. Daher wäre es an der Zeit ELC neu auszurichten und E-Teaching, E-Learning + E-Science + Multimedia (-Dienste) zusammen zudenken und sich gegenseitig stärken zu lassen, sprich die Geschäftsfelder der ELCs mit Blick auf eine E-University zu erweitern. Ich würde hier noch explizit ergänzen, dass gerade im Bereich E-Learning und E-Teaching auch eine enge Kooperation mit der Hochschuldidaktik erfolgen bzw. in diesem Bereich mitgedacht werden müsse. Im Learning Café hat mich die Diskussion um die Varianten von Peer-Review-Verfahren, die von Gabi Reinmann und Silvia Sippel moderiert wurde, sehr zum Nachdenken angeregt – gerade mit Blick auf den nicht unwichtigen Zusatz “peer reviewed” in der eigenen Publikationsliste (Wer sind eigentlich bei welcher Form des Reviews die Peers und welche Funktion hat das jeweilige Review?). Zu der Frage, wie die neuen Medien diese Prozesse unterstützen können, sind wir dann nur noch am Rande gekommen. Christiane Metzger berichtete über das ZEITLast-Projekt, bei dem auch ein Teilprojekt an der Universität Mainz angesiedelt ist. Sie stellte die neuesten Erhebungszahlen der Zeitbudgetanalyse von Studierenden vor, die zeigten, dass die viel beschworene extreme Überlastung von BA-Studierenden mehr einem subjektiven Eindruck, denn einer Tatsache entspricht – zumindest bei der vorliegenden Stichprobe. Es gab offensichtlich weitere Highlights wie die Pre-Conference, die u.a. von Sandra Hofhues und Thomas Bernhardt organisiert wurde sowie die Keynote von Rolf Schulmeister, über die viel zu hören war und an denen ich leider nicht teilnehmen konnte. Besonders gefallen hat mir der gute Mix von “alten” und “neuen” Formaten (eLearning-Café, Vorträge, Un-Conference) – wie immer ist es das angemessene Verhältnis zwischen Diskurs und Präsentation von (anspruchsvollen) Inhalten. Eine Linie, die so unbedingt weiter verfolgt werden sollte.

Ich selbst habe die Tagung nutzen können, um meine Ideen zum partizipativen Lernen im Sinne eines eLearning 2.0 vorzustellen. Meine Präsentationsfolien stelle ich hier zum Nachschauen zur Verfügung:

Nach dem Vortrag habe ich dazu noch einige anregende Diskussionen führen können. Über Nachfragen und Anregungen dazu freue ich mich.

Im kommenden Jahr findet die nächste GMW- zusammen mit der DeLFI-Tagung zum Motto “Wissensgemeinschaften” in Dresden statt. Man darf gespannt sein.

[Nachträge]: Weitere Eindrücke zur Tagung finden sich u.a. bei Thomas Bernhardt, Alexander Florian, Sandra Hofhues, Ralph Müller, Dominik PetkoGabi Reinmann, Mandy Schiefner.

Thema: Ideen & Konzepte, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

ePortfolio-Arbeit – ein Zwischenfazit

Dienstag, 31. August 2010 20:15

Im April habe ich hier über den ins Rollen gebrachte ePortfolio-Stein berichtet. Im vergangenen Sommersemester hatte ich nun die Gelegenheit, meine Lehrerfahrungen aus dem WiSe 2009/10 im reorganisierten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft zu vertiefen (Stichworte: Bündelung von vier Lehrveranstaltungen mit vier Lehrenden, Lehre im Block, phasenweise Zuständigkeiten der Lehrenden). Zudem habe ich das SoSe genutzt, um die letzten Auswertungen zu einer explorativen ePortfolio-Studie aus dem WiSe vorzunehmen. Im WiSe hatte ich mit einigen Studierenden Gruppendiskussionen und Einzelinterviews zu ihrer Perspektive auf das Lernen und Geprüft-Werden mit ePortfolios durchgeführt und das Ganze inhaltsanalytisch ausgewertet. Ein Artikel dazu wird Ende des Jahres im gemeinsamen Sammelband von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Christina Schwalbe und mir (nicht nur) zum ePortfolio-Track der Campus Innovation 2009 erscheinen. Auch auf der ECER-Konferenz in der letzten Woche hatte ich einige der Erkenntnisse mit Fokus auf die Gestaltung von Lernumgebungen mit e-Portfolios vorgestellt:

In den folgenden Semestern werde ich weitere Varianten erproben, wo es möglich ist, um die Thematik auch mit Blick auf ein eLearning 2.0 insgesamt zu vertiefen. Insgesamt ist es ein guter Moment, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Beim Einsatz von e-Portfolios hatte ich vor allem die Idee des eLearning 2.0 vor Augen (im Sinne der Gestaltung von formalen Lehr- und Lernprozessen mit Social Software). Denn anhand der ePortfolio-Thematik lassen sich m.E. einige der Ideen hinter der “2.0-Idee” gut thematisieren, allen voran das partizipative Lernen bzw. die Öffnung von Lehre mit Social Software. So waren für mich im Verlauf der letzten beiden Semester in dieser Hinsicht (neben den vielfältigen Erfahrungen, die ich aus Lehrendensicht sammeln konnte) drei Punkte für meine weitere Forschung sehr entscheidend:

  1. ePortfolio-Arbeit heißt nicht automatisch partzipatives Lernen,
  2. Studierende haben ganz unterschiedliche Auffassungen von partizipativem Lernen (das Spektrum reichte von der Möglichkeit, sich an der Seminardiskussionen einzubringen bis hin zu eigenen Gestaltungsvorschlägen für den Seminarverlauf) und
  3. unter partizipativem Lernen wird je nach Kontext etwas anderes verstanden.

Diesen Punkte werde ich im Kontext schulischer Medienpädagogik mit Fokus auf Mediendidaktik und eLearning weiter verfolgen. Dabei interessiert mich vor allem der Bereich der mediendidaktischen Kompetenz von (angehenden) LehrerInnen vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Medienwandels.

Thema: Forschung, Fragen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Der Stein ist ins Rollen gebracht …

Montag, 26. April 2010 15:05

Die ePortfolio-Arbeit ist in den letzten Jahren im Bereich des akademischen eLearnings schon fast zu einem Trendthema geworden. Seit fast zwei Jahren beschäftige auch ich mich aus mediendidaktischer Perspektive näher mit dieser Thematik, weil sicher in der Auseinandersetzung damit zugleich zentrale Fragestellungen zum veränderten Lehren, Lernen und Prüfen “im Sinne von 2.0″ gut untersuchen lassen.

Im letzten Wintersemester (2009/10) habe ich das erste Mal selbst mit ePortfolios in der alltäglichen akademischen Lehre in der Medienpädagogik gearbeitet, d.h. in einem eher “klassischen” Mittelseminar, zu einem eher “klassischen” Thema (”Ansätze von Medienkompetenz und -bildung”), mit regulären Studierenden (Diplom/Magister) im Hauptstudium unter den üblichen universitären Bedingungen (in der Regel wöchentliche Seminarsitzungen; zusätzliche Einbindung der universitären Lernplattform; Vergabe von “Scheinen” zum Schluss der Veranstaltung), etc. Einige der Studierenden haben freiwillig als alternative Form des Leistungsnachweises ein ePortfolio in Form eines Weblogs (mit Wordpress) zum Thema geführt. Die (medien-)didaktischen Erkenntnisse aus diesem ersten Durchlauf sowie die Ergebnisse der kleinen explorativen Studie, die ich begleitend durchgeführt habe, verschriftliche ich gerade systematisch und werde diese auch im Rahmen meines Vortrags auf der kommenden ECER-Konferenz in Helsinki vorstellen.

In diesem Seminar konnte ich wichtige Erfahrungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit ePortfolios als alternative Methode der Leistungsbewertung machen. Als wesentliche Punkte haben sich für mich die folgenden herauskristallisiert, die m.E. alle sehr stark mit einer klaren und für die Studierenden nachvollziehbaren Struktur des didaktischen Szenarios zusammenhängen:

  • Rolle der Lehrenden als Lernprozessbegleiterin und -prüferin
  • Festlegung von Lern- und Bewertungsphasen
  • Betreuung
  • Verbindlichkeit
  • Wertschätzung
  • Offenheit & Neugierde
  • Freiheit für Schwerpunkte/Interessen der Studierenden
  • Form, Funktion sowie Quantität und Qualität von “Artefakten” (Wahl- und Pflichtbeiträge)
  • Transparenz
  • Mehrarbeit (muss als Mehrwert ersichtlich sein)
  • Technik

Diese ersten Erfahrungen konnte ich jetzt in die Implementierung der ePortfolio-Arbeit in den kompletten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft der Universität Mainz einbringen und weiter entwickeln. In diesem Semester haben knapp 20 Studierende Medienpädagogik als vertiefende Studienrichtung als eine von fünf für die letzten 3 Semester in ihrem BA-Studium gewählt. Sie werden in diesem Schwerpunkt auch ihre BA-Arbeit verfassen, worauf das ePortfolio vorbereitet und hinführt.

Der Rahmen für die Einführung der ePortfolio-Arbeit ist hier relativ günstig, da zeitgleich eine Restrukturierung von Lehre in BA-Studiengängen am Beispiel dieser Studienrichtung erprobt wird. Dieses geschieht im Rahmen des Projekts “ZeitLast“. Wir sind insgesamt vier Lehrende (Stefan Aufenanger, Petra Bauer, Lena Groß und ich), die ihre vier Lehrveranstaltungen gemeinsam geblockt haben und dieses Semester zusammen gestalten. Grob sieht das Szenario so aus, dass es zwei feste Präsenztermine in der Woche mit dazwischen liegenden Selbststudienphasen gibt. Die Studierenden nähern sich einerseits projektorientiert der medienpädagogischen Praxis, andererseits erarbeiten sie sich in Phasen auch theoretische Zusammenhänge. Von uns Lehrenden wird jeweils eine thematische Phase gestaltet (Mediensozialisation, Medienkompetenz u. -bildung, Medienerziehung u. -praxis sowie zur Forschung); zusätzlich gibt es gemeinsame Termine für alle – wie in einem Workshop, nur über einen längeren Zeitraum ;-).
Das ePortfolio (in Form eines Weblogs mit Wordpress erstellt) soll eine Art “persönlicher roter Faden” auf Seiten der Studierenden über die unterschiedlichen Themenphasen hinweg darstellen. Von Seiten der Lehrenden wird das Semester über einen gemeinsamen Kurs auf der Onlineplattform “moodle” gestaltet.
Die Betreuung durch uns Lehrende im Rahmen des Studienschwerpunkts erfolgt im Sinne eines Mentorenprinzips, d.h. jede/r von uns betreut eine kleine Gruppe von Studierenden über das ganze Semester. Daneben soll es Phasen des Peer-to-Peer-Tutoring und ein Tandemprinzip geben.

Letzten Donnerstag habe ich den Studierenden unsere Idee der ePortfolio-Arbeit vorgestellt und erläutert und Sie wurden von einer Tutorin in die Arbeit mit Wordpress eingeführt. Im Moment richten Sie ihr ePortfolio ein und schreiben am ersten Beitrag.

Zielvorstellung ist, dass die Studierenden des Schwerpunkts Medienpädagogik mit Hilfe Ihres ePortfolios gezielter ihren inhaltlichen Platz in der Medienpädagogik bzw. ihren Schwerpunkt finden können. Studiengangsbezogen bestehen die Erwartungen u.a. darin, dass sich die Studierenden über Zwischenschritte und Umwege bewusst(er) auf ihr Praktikum und ihre BA-Arbeit vorbereiten können, schon frühzeitig ihren Interessen folgen können und damit insgesamt motivierter und erfolgreicher studieren.

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwiefern sich unsere Erwartungen erfüllen und wohin die Entwicklungen gehen werden …

Thema: Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (3) | Autor: mayrberger