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MuK goes MOOC

Donnerstag, 2. Mai 2013 6:08

… oder „wenn, dann richtig.“

Seit 2011 gebe ich in jedem Wintersemester eine (verpflichtende) einführende Vorlesung in die Mediendidaktik und Medienpädagogik für Bachelorstudierende im BA MuK, BA Sozialwissenschaft und BA Erziehungswissenschaft mit Wahlpflicht Medienpädagogik. Nach zwei Durchläufen im eher „klassischen“ Vorlesungsmodus habe ich nun ein recht gutes Bild der doch heterogenen Studierendengruppe und ihren Erwartungen erhalten (sehr grob zusammengefasst: Theorieaffinität: eher gering; Praxisbezug: in vielfältiger Weise erwünscht; Mediennutzungserfahrung: eher gering; E-Learning: kaum Kenntnisse; Vorstellung der späteren Tätigkeit: noch unspezifisch; Interesse an Medienpädagogik/Mediendidaktik: bei Einzelnen vorhanden).

Deshalb hatte ich mir schon nach dem letzten Semester vorgenommen, für das kommende Wintersemester das Vorlesungsszenario ganz neu anzugehen und hierfür an meine früheren Erfahrungen mit einer Blended Learning-Vorlesung zur schulischen Medienpädagogik an der Uni Mainz anzuknüpfen. Es sollte eine Veranstaltung werden, die einerseits die Studierenden in die Lage versetzt, das Themenfeld der Medienpädagogik und Mediendidaktik zu überblicken, zu verstehen, was medienpädagogische Praxis in unterschiedlichen Feldern ausmacht und theoretisch wie konzeptionell medienpädagogisches Handeln beschreiben und analysieren zu können. Da die Integration von Medien in der pädagogischen Praxis auch immer eine Frage der Haltung und Einstellung ist, war es mir wichtig, die Studierende durch reflexive und diskursive Elemente mit Unterstützung von Fachtexten, Studien und Praxisbeispielen zu befähigen, zu einer fundierten Position zu gelangen. Dieses wollte ich in einem Blended Learning-Szenario umsetzen, damit die Studierenden schon in ihrem ersten Semester quasi beiläufig „E-Learning“ erleben können und in dieser Hinsicht medienbezogenen Kompetenzen erwerben können.

Mitte März wurden dann 10 Mooc Production Fellowships von iversity und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für die Konzeption und Durchführung von Massive Open Online Courses (MOOC) ausgeschrieben. Nach anfänglicher Skepsis, inwiefern es sich lohnt, dem Trend der MOOCs zu folgen und dem nicht unbeträchtlichen Aufwand in der Vorbereitung und Durchführung auch auf mich zu nehmen, habe ich mich mit meinem Team beraten und wir haben entschieden: Nach dem Motto „… wenn, dann richtig“ groß („Massiv“). Wir haben die schon bestehenden Ideen weiterentwickelt und eine offene („Open“), und interaktionsfördernde E-Learning-Veranstaltung („Online Course“) für eine Zahl X konzipiert, die eine breite Zielgruppe von Studierenden unterschiedlicher Bachelorstudiengänge inklusive aller Lehrämter sowie schon im Beruf stehende Fachkräfte anspricht und damit zu einer „Grundbildung Medien“ für diverse (medien-)pädagogische Berufsfelder beiträgt.

Deshalb bewirbt sich nun auch das Team der Professur für Mediendidaktik um einen Fellowship. Mit dem Preisgeld werden wir u.a. eine angemessene Betreuung der Teilnehmenden gewährleistet und die Produktion von offenen Lernmaterialien in Form von Open Educational Resources (OER) zur Gestaltung von (weiterer) Open Educational Practice (OEP) finanziert.

Nun hoffen wir natürlich, dass unser Konzept überzeugt und freuen uns über viele Stimmen für unseren MOOC hier!

[Nachtrag, 10.06.2013: Die 10 Gewinner aus über 250 Einreichungen stehen nun fest. Unser MOOC-Konzept ist zwar nicht dabei, doch ich werde ab dem kommenden Wintersemester dennoch die Veranstaltung "Einführung in die Medienpädagogik/Mediendidaktik" weiterentwickeln und neu organisieren sowie einige der Ideen zu realisieren.]

Thema: Lehre & Studium | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Partizipation im Studium

Dienstag, 23. April 2013 15:46

Aktuell beschäftige ich mich in verschiedenen Zusammenhängen mit dem pädagogischen Ideal der „Partizipation“ im Bildungskontext. Dabei versuche ich in den ganzen Phänomenen, die mir zwischenzeitlich begegnen nach Erklärungen zu suchen, unter welchen Bedingungen Partizipation im Lehr- und Lernprozess in welcher Weise funktionieren kann.

So bin ich aktuell dabei, rein konzeptionell die Idee einer partizipativen Mediendidaktik „nebenher“ auszuarbeiten.

Daführ lohnt sich flankierend immer auch ein Blick in die Praxis (an der Hochschule). So bin ich beispielsweise ganz gespannt, was nun die finalen Auswertungen der Masterstudierenden aus dem Lehrforschungsprojekt im vergangenen Semester zum Oberthema „Partizipation bzw. partizipatives Lernen mit digitalen Medien (im Studium und in der Freizeit)“ in ihren Gruppenprojekten ergeben werden - die Abschlusspräsentationen waren in dieser Hinsicht durchaus aufschlussreich. Denn auch hier deutete sich an, dass die Erwartungen an Partizipation stellenweise überzogen sind - selbst in solchen studentischen Gruppen, in denen man diese verstärkt vermuten würde.

Ähnliches haben Sandra Hofhues und ich auch hinsichtlich des Projekts „w.e.b.Square“ festgestellt. Das Projekt existiert nunmehr seit sieben Jahren und hat verschiedene mehr oder weniger partizipative Phasen durchlaufen. Aktuell bietet es aus konzeptioneller Sicht optimale Rahmenbedingungen für eine tatsächliche Partizipation von Studierenden bis hin zur Selbstorganisation. Doch das scheint offensichtlich nicht zu genügen. Sandra Hofhues hat schon hier auf unsere Reflexion dieser Situation im Rahmen der letzten Tagung der Sektion Medienpädagogik, die MWB 2013: Medien – Wissen – Bildung: Freie Bildungsmedien und Digitale Archive (11./12. April 2013 in Innsbruck) verwiesen. Die Folien trage ich hier gerne nach:

Bildungsmedien zwischen Sozialisation, Partizipation und Öffentlichkeit from Kerstin Mayrberger

[Link zum Einspieler im Vortrag: Was ist w.e.b.Square?]

Für die Publikation werden wir nun noch versuchen weiteren Fragen nachzugehen: Welche Anreize braucht Partizipation in diesem Kontext? Gibt es eine Art Lifecycle derartiger Projekte? Oder hängt es schlicht mit einer Generationsfrage zusammen? Möglicherweise können uns auch die aktuell am Projekt beteiligten darauf eine Antwort geben.

Zumindest bietet dieses Projekt einen guten Rahmen, um konzeptionelle Überlegungen zum partizipativen Lernen im Hochschulkontext zu hinterfragen und auch um auf dem Boden der partizipativen Tatsachen zu bleiben ;-)

Thema: Lehre & Studium, Reflexion, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

… mit etwas Abstand betrachtet.

Montag, 18. März 2013 19:18

Im Zuge der diesjährigen dghd-Jahrestagung 2013 “Professionalisierung der Hochschuldidaktik” habe ich mich (erneut) mit dem Verhältnis von E-Learning und Hochschuldidaktik beschäftigt. Dieses war und ist meines Erachtens besonders aus zwei Gründen wichtig: „eLearning“, wie es die letzten 10 Jahre diskutiert und konzeptionell besetzt war, geht zunehmend in der Hochschuldidaktik oder im weiteren Feld des Lehren und Lernens an der Hochschule auf, worunter oder worin heute selbstverständlicher digitale Medien aufgehen. Doch - und das ist aus einer weiten medienpädagogischen Sicht der Hauptgrund - schließen allgmeine hochschuldidaktische Kompetenzen nicht zugleich auch spezifische medienbezogene Komptenzen mit ein. Dieses gehen mitnichten auch automatisch in einer hochschuldidaktischen Komptenz auf. Durchaus kann man die Beschäftigung mit Medien in der Lehre als Querschnittsaufgabe betrachten, wenn es um Planung, Leitung oder Methoden sowie das Thema Qualität geht. Doch nimmt das meiner Ansicht nach Medien nicht vollends in den Blick - heute sind Medien mehr als Werkzeuge, um Unterricht oder die Studienorganisation zu optimieren.

Die Rollen von Medien gehört umfassender thematisiert und reflektiert bevor man sie als Hochschullehrende/r einsetzt. So geht beispielsweise mit der Einbindung von Angeboten des Social Webs auch immer die Frage einher, was das offene Netz mit den Lehrenden und Lernenen macht. Die Lernenden werden mehr oder weniger selbstbestimmt Teil des Netzes und damit Teil der Netzkultur, wenn sie z.B. Beiträge im Netz im Seminarwiki verfassen und damit mehr oder weniger anonyme Spuren hinterlassen. Durch das Agieren und Reagieren im Netz werden die Lernenden (hoffentlich) von den Lehrenden und/oder Peers dazu angehalten sich als Teil der mediatisierten Welt wahrzunehmen und die eigene Position darin (kritisch) zu reflektieren - also verkürzt gesagt: angehalten einen Bildungsprozess mit und durch Medien zu erfahren.

Diese Sicht ist nicht neu, aber m. E. wird sie noch zu wenig betont, weshalb ich anknüpfend an meine Überlegungen von 2008 zu einer medienpädagogischen Kompetenz von Hochschullehrenden in der Zeitschrift für E-Learning dazu einen aktualisierten Beitrag auf der diesjährigen dghd-Tagung beigesteuert habe, den ich hier gerne zur Verfügung stelle:

Medienbezogene Professionalität von Hochschullehrenden fördern können from Kerstin Mayrberger

Thema: Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Tablets im Studium - Lernen mit mobilen Endgeräten?

Mittwoch, 13. Februar 2013 16:42

Ein stetiger (Forschungs-)Begleiter an der Professur für Mediendidaktik ist das Projekt „UniPAd“ geworden. Mittlerweile läuft es ein Jahr und entwickelt sich zu einer kleineren Langzeitstudie – so die aktuellen Teilnehmenden bis zum Ende ihres Studiums dabei bleiben können und wollen. Ein kurzer Bericht (PDF) dazu ist kürzlich im Hamburger E-Learning-Magazin zusammen mit anderen Beiträgen, die einen guten Einblick in aktuelle Ideen und Projekte zur Integration mobiler Endgeräte in Hochschule geben, erschienen.

Basierend auf den ersten Nutzungsergebnissen aus der Pilotphase im SoSe 2012 haben wir für das gerade auslaufende WiSe 12/13 eine standardisierte schrifliche Grundbefragung zum Nutzungsverhalten entwickelt und vor Weihnachten mit den gut 40 Teilnehmenden in den beiden Studiengängen BA und MA Medien und Kommunikation durchgeführt. Ziel soll es sein, diese semesterweise durchzuführen und in Teilen weiter zu entwickeln. Ergänzt wird diese Umfrage (weiterhin) durch Erhebungsmethoden, die der Exploration einzelner Phänomene dienen sollen und die uns einen Zugang zur persönlichen Lernumgebung von Studierenden mit mobilen Endgeräten ermöglichen sollen. Zudem wollen wir auf diese Weise weiterer Felder identifzieren, die es sich zu erfragen und zu erforschen lohnt.

Zur Zeit sind wir dabei, den Projektstand und unsere Forschungsinteressen zusammenzuführen und zu konsolidieren. Dieses ist deshalb wichtig, weil die bisherigen Daten stellenweise durchaus ernüchternd sind, was die Gestalt und Nutzung der Persönlichen Lernumgebung angeht. (Nicht nur) Mit Blick auf die diesjährige GMW 2013, die passenderweise nach nach dem Stand der Dinge von E-Learning zwischen Vision und Alltag fragt, entwickeln wir zur Zeit unsere Fragestellung und auch das methodische Vorgehen weiter um diese Ernüchterung zu spezifizieren. Uns interessieren deshalb weitergehende Fragen wie die Folgenden:

  • Wie lassen sich Intentionen, Begründungen und Reflexion über (häufig beiläufige) Prozesse eines selbstgesteuerten Lernens und potenziell selbstorganisierten Wissenserwerbs erfassen?
  • Inwiefern ist die Persönliche Lernumgebung (PLE) an eigene Gestaltungsvorstellungen ausgerichtet, die möglicherweise als subjektive Didaktik bezeichnet werden könnten?
  • Und welche Rolle spielen für die Gestaltung und die Prozesse in der PLE das persönliche Interesse, die Interaktion und der Austausch mit Peers, der Kontext  und besonders die verwendeten (mobilen) Medien mit der passenden (Social) Software?

Gerahmt werden unsere Forschungsperspektiven nach wie vor von einer übergeordenten Idee der zunehmenden Entgrenzung von formalen Lernprozessen und welche Bedeutung diese für die Gestaltung von Lehren und Lernen mit digitalen Medien spielen (werden).

Wir hoffen, dass wir im Laufe des Jahres auf diese Fragen erste Antworten liefern können und schauen bis dahin auch interessiert auf die Erfahrungen in anderen Projekten.

Thema: Forschung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Rückblick auf mein “Mitmachseminar zum Mitmachnetz”

Mittwoch, 16. Februar 2011 7:24

Zu Beginn der Vorlesungszeit hatte ich hier einen Einblick in mein “Mitmachseminar zum Mitmachnetz” gegeben (offiziell: Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive), das in Kooperation mit dem Seminar “w.e.b.Square - wissenschaftliches Publizieren im Netz” an der Uni Augsburg stattfand und dort von Sandra Hofhues und Tamara Ranner angeboten wurde (vgl. Sandras und Tamaras Rückblick).

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich
unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit
partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige
Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung
einbindet, aber auch
eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen
Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik
darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus
plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem
Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung
“laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi
ein Selbstversuch ;-)

Die Erfahrungen, die ich dann im Laufe des Semesters machen konnte, waren - abgesehen vom verhältnismäßig hohen Organisationsaufwand, den dieses Seminar beanspruchte – sehr motivierend.

Die 12 Studierenden, von denen ein Drittel “nur” aus Interesse teilnahm und keinen Leistungsnachweis mehr benötigte, haben in Kleingruppen insgesamt an 5 Projektkonzeptionen zu einem medienpädagogischen Projekt unter Berücksichtigung von Web 2.0-Tools und -Themen ausgearbeitet und theoretisch bzw. konzeptionell begründet: “Aktive Medienarbeit im Kindertageszentrum - Filmproduktion als bildende Kommunikation”, “Web 2.0 Coaching für Eltern – Was macht mein Kind im Internet?”, “Weiterbildung 2.0″, “Digitale Spaltung“ (Schwerpunkt Sonderpädagogik), “Selbstdarstellung in Social Networks unter dem Aspekt des Datenschutzes. Am Beispiel von Facebook”.
Während die Projektideen sich zu Beginn des Semesters langsam formten und die Konzepte bis Weihnachten in einer ersten Fassung entstanden sind, haben wir uns parallel im Seminar u.a. mit Themen wie Medienkompetenz und Medienbildung, Mediennutzung und -sozialisation und der Frage nach den Chancen Grenzen von Selbstorganisation im Web 2.0 beschäftigt. Dieses war insofern für mich spannend, da die Studierendengruppen ihre Projektthemen im Rahmen der relativ breiten Vorgabe (Projektkonzept zum Einsatz/zur Thematisierung von Web 2.0 in der medienpädagogischen Praxis) komplett selbst wählen konnten. Die theoretischen Bezugsrahmen, die für alle Projekte von Interesse waren, wurden gemeinsam thematisiert, spezifische Ansätze wie z.B. die aktive Medienarbeit projektspezifisch angegangen. Letztlich war die Qualität des Produkts “Projektkonzept” eine leitende Prämisse. Hier lag auch neben einem “echten” Web 2.0-Erlebnis für die Studierenden der Ansatzpunkt in der Kooperation mit dem Seminar der Uni-Augsburg. Denn die Studierenden hatten (und das war für mich wie die Mainzer Studierenden neu) noch im Semester die Aufgabe, nach einem Reviewprozess über Weihnachten, der durch die Studierenden der jeweils anderen Uni und durch die jeweils zuständigen Lehrenden erfolgte, zu überarbeiten. Die beiden Projekte, die am stärksten überzeugen konnten, waren virtuell mit ihren Beiträgen zu Gast auf der diesjährigen 4. w.e.b.Square-Tagung mit dem Motto “Bologna 2011. Eine kritische Bilanz aus Studierendensicht”. Letztlich erhielten alle Mainzer Gruppen die Möglichkeit, ihr Projektkonzept für die Tagungsausgabe der Online-Zeitschrift “w.e.b.Square” vorzunehmen, was letztlich drei Mainzer Projekte auch wahrgenommen haben. Für mich hat dieses Element der Lehrveranstaltungen noch einmal gut gezeigt, dass man gerade in projektbezogenen Seminaren auch in der akademischen Lehre nicht nur auf das “akademische Endprodukt” für den Leistungsnachweis schauen sollte. Vielmehr ist es für alle Beteiligten gewinnbringend, wenn es über die üblichen Abschlusspräsentationen durch Vorträge hinaus eine angemessene interne (z.B. gemeinsame Seminarpublikation als Wiki oder “nur” PDF) oder öffentliche Form der Sichtbarmachung gibt – auch wenn es den Aufwand deutlich erhöht, der dann entsprechend einzukalkulieren ist.
Besonders spannend war für mich die technisch basierte virtuelle Vernetzung der beiden Seminare mit Hilfe eines virtuellen Klassenraums (hier: Adobe Connect). Für die Studierenden war es überwiegend neu, “von zu Hause” an zwei virtuellen Sitzungen im Seminar teilnehmen zu können. Die Sicherheit im Umgang mit dem virtuellen Klassenraum stieg zunehmend, z.B. bei den Mainzer Studierenden auch zusätzlich dadurch, dass wir dieses Werkzeug kurzfristig in einer Präsenzsitzung nutzten, als der Beamer ausgefallen war und so alle zumindest auf ihren Laptops einer Präsentation folgen konnten und zugleich auf rechtlicher Ebene eines “Moderators” im Kurs tätig waren. Gerade zur w.e.b.Square-Tagung in Augsburg zeigte sich aber das Merkmal der Ortsunabhängigkeit noch einmal sehr schön: Die Augsburger Studierenden waren bei “ihrer” Tagung vor Ort im Hörsaal, die beiden Referent/innengruppen aus Mainz saßen als Gruppe vor ihren Rechnern in ihren Privatwohnungen/WGs in Mainz und ich selbst war von Hamburg aus virtuell zugegen. Zu den Mainzer Vorträgen wurden wir mit Bild, Ton und Präsentation in den Hörsaal geschaltet und im Anschluss fand mit leichter Verzögerung sogar eine kurze Fragerunde statt (quasi eine “grüne Teilnahme”). Zeitgleich wurde die gesamte Tagung per Videostream öffentlich übertragen und begleitend getwittert (#websquare). Technisch ist das alles nicht neu, aber das technische Arrangement selbst zu organisieren und zu erleben war doch neu und nicht nur für die beteiligten Studierenden, die ihre Sache großartig gemeistert haben, recht aufregend. ;-)

Die Evaluation zum Schluss des Seminars in Mainz hat mir bestätigt, dass es für die Studierende ein erkenntnisreiches und erfahrungsreiches Seminar war, in dem sie sich medienpädagogisches Wissen erarbeitet, Kompetenzen erworben und eine begründete Position zum Web 2.0 gebildet haben – und das ist letztlich die Hauptsache. Besonders schön ist es zu wissen, dass zwei der entwickelten Projektkonzepte von den Studierenden noch in der Praxis umgesetzt
werden: eines im Rahmen einer regulären Tätigkeit im medienpädagogischen Bereich, das andere als komplett selbstorganisiertes Projekt der Studierendengruppe.

Dem Aspekt der “Vernetzung” werden wir drei Dozentinnen an andere Stelle weiter nachgehen.

Eigentlich hatte ich in diesem Wintersemester geplant, mich in Sachen Lehre “etwas zurück zu halten” und mehr Energie in Forschung(-santräge) und Publikationen zu stecken. “Eigentlich” … – für mich kann ich nur sagen, dass ich wichtige und gute Erfahrungen in dieser Lehrveranstaltung sammeln konnte, die mir zudem noch wertvolle Erkenntnisse für anstehende Publikationen zum partizipativen Lernen eröffnet haben. Insofern war es in jeder Hinsicht ein lohnenswertes Lehrprojekt, zugleich ein schöner Selbstversuch und eine tolle Kooperationserfahrung. :-)

Thema: Erfahrung, Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

ePortfolio-Arbeit – ein Zwischenfazit

Dienstag, 31. August 2010 20:15

Im April habe ich hier über den ins Rollen gebrachte ePortfolio-Stein berichtet. Im vergangenen Sommersemester hatte ich nun die Gelegenheit, meine Lehrerfahrungen aus dem WiSe 2009/10 im reorganisierten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft zu vertiefen (Stichworte: Bündelung von vier Lehrveranstaltungen mit vier Lehrenden, Lehre im Block, phasenweise Zuständigkeiten der Lehrenden). Zudem habe ich das SoSe genutzt, um die letzten Auswertungen zu einer explorativen ePortfolio-Studie aus dem WiSe vorzunehmen. Im WiSe hatte ich mit einigen Studierenden Gruppendiskussionen und Einzelinterviews zu ihrer Perspektive auf das Lernen und Geprüft-Werden mit ePortfolios durchgeführt und das Ganze inhaltsanalytisch ausgewertet. Ein Artikel dazu wird Ende des Jahres im gemeinsamen Sammelband von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Christina Schwalbe und mir (nicht nur) zum ePortfolio-Track der Campus Innovation 2009 erscheinen. Auch auf der ECER-Konferenz in der letzten Woche hatte ich einige der Erkenntnisse mit Fokus auf die Gestaltung von Lernumgebungen mit e-Portfolios vorgestellt:

In den folgenden Semestern werde ich weitere Varianten erproben, wo es möglich ist, um die Thematik auch mit Blick auf ein eLearning 2.0 insgesamt zu vertiefen. Insgesamt ist es ein guter Moment, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Beim Einsatz von e-Portfolios hatte ich vor allem die Idee des eLearning 2.0 vor Augen (im Sinne der Gestaltung von formalen Lehr- und Lernprozessen mit Social Software). Denn anhand der ePortfolio-Thematik lassen sich m.E. einige der Ideen hinter der “2.0-Idee” gut thematisieren, allen voran das partizipative Lernen bzw. die Öffnung von Lehre mit Social Software. So waren für mich im Verlauf der letzten beiden Semester in dieser Hinsicht (neben den vielfältigen Erfahrungen, die ich aus Lehrendensicht sammeln konnte) drei Punkte für meine weitere Forschung sehr entscheidend:

  1. ePortfolio-Arbeit heißt nicht automatisch partzipatives Lernen,
  2. Studierende haben ganz unterschiedliche Auffassungen von partizipativem Lernen (das Spektrum reichte von der Möglichkeit, sich an der Seminardiskussionen einzubringen bis hin zu eigenen Gestaltungsvorschlägen für den Seminarverlauf) und
  3. unter partizipativem Lernen wird je nach Kontext etwas anderes verstanden.

Diesen Punkte werde ich im Kontext schulischer Medienpädagogik mit Fokus auf Mediendidaktik und eLearning weiter verfolgen. Dabei interessiert mich vor allem der Bereich der mediendidaktischen Kompetenz von (angehenden) LehrerInnen vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Medienwandels.

Thema: Forschung, Fragen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Der Stein ist ins Rollen gebracht …

Montag, 26. April 2010 15:05

Die ePortfolio-Arbeit ist in den letzten Jahren im Bereich des akademischen eLearnings schon fast zu einem Trendthema geworden. Seit fast zwei Jahren beschäftige auch ich mich aus mediendidaktischer Perspektive näher mit dieser Thematik, weil sicher in der Auseinandersetzung damit zugleich zentrale Fragestellungen zum veränderten Lehren, Lernen und Prüfen “im Sinne von 2.0″ gut untersuchen lassen.

Im letzten Wintersemester (2009/10) habe ich das erste Mal selbst mit ePortfolios in der alltäglichen akademischen Lehre in der Medienpädagogik gearbeitet, d.h. in einem eher “klassischen” Mittelseminar, zu einem eher “klassischen” Thema (”Ansätze von Medienkompetenz und -bildung”), mit regulären Studierenden (Diplom/Magister) im Hauptstudium unter den üblichen universitären Bedingungen (in der Regel wöchentliche Seminarsitzungen; zusätzliche Einbindung der universitären Lernplattform; Vergabe von “Scheinen” zum Schluss der Veranstaltung), etc. Einige der Studierenden haben freiwillig als alternative Form des Leistungsnachweises ein ePortfolio in Form eines Weblogs (mit Wordpress) zum Thema geführt. Die (medien-)didaktischen Erkenntnisse aus diesem ersten Durchlauf sowie die Ergebnisse der kleinen explorativen Studie, die ich begleitend durchgeführt habe, verschriftliche ich gerade systematisch und werde diese auch im Rahmen meines Vortrags auf der kommenden ECER-Konferenz in Helsinki vorstellen.

In diesem Seminar konnte ich wichtige Erfahrungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit ePortfolios als alternative Methode der Leistungsbewertung machen. Als wesentliche Punkte haben sich für mich die folgenden herauskristallisiert, die m.E. alle sehr stark mit einer klaren und für die Studierenden nachvollziehbaren Struktur des didaktischen Szenarios zusammenhängen:

  • Rolle der Lehrenden als Lernprozessbegleiterin und -prüferin
  • Festlegung von Lern- und Bewertungsphasen
  • Betreuung
  • Verbindlichkeit
  • Wertschätzung
  • Offenheit & Neugierde
  • Freiheit für Schwerpunkte/Interessen der Studierenden
  • Form, Funktion sowie Quantität und Qualität von “Artefakten” (Wahl- und Pflichtbeiträge)
  • Transparenz
  • Mehrarbeit (muss als Mehrwert ersichtlich sein)
  • Technik

Diese ersten Erfahrungen konnte ich jetzt in die Implementierung der ePortfolio-Arbeit in den kompletten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft der Universität Mainz einbringen und weiter entwickeln. In diesem Semester haben knapp 20 Studierende Medienpädagogik als vertiefende Studienrichtung als eine von fünf für die letzten 3 Semester in ihrem BA-Studium gewählt. Sie werden in diesem Schwerpunkt auch ihre BA-Arbeit verfassen, worauf das ePortfolio vorbereitet und hinführt.

Der Rahmen für die Einführung der ePortfolio-Arbeit ist hier relativ günstig, da zeitgleich eine Restrukturierung von Lehre in BA-Studiengängen am Beispiel dieser Studienrichtung erprobt wird. Dieses geschieht im Rahmen des Projekts “ZeitLast“. Wir sind insgesamt vier Lehrende (Stefan Aufenanger, Petra Bauer, Lena Groß und ich), die ihre vier Lehrveranstaltungen gemeinsam geblockt haben und dieses Semester zusammen gestalten. Grob sieht das Szenario so aus, dass es zwei feste Präsenztermine in der Woche mit dazwischen liegenden Selbststudienphasen gibt. Die Studierenden nähern sich einerseits projektorientiert der medienpädagogischen Praxis, andererseits erarbeiten sie sich in Phasen auch theoretische Zusammenhänge. Von uns Lehrenden wird jeweils eine thematische Phase gestaltet (Mediensozialisation, Medienkompetenz u. -bildung, Medienerziehung u. -praxis sowie zur Forschung); zusätzlich gibt es gemeinsame Termine für alle – wie in einem Workshop, nur über einen längeren Zeitraum ;-).
Das ePortfolio (in Form eines Weblogs mit Wordpress erstellt) soll eine Art “persönlicher roter Faden” auf Seiten der Studierenden über die unterschiedlichen Themenphasen hinweg darstellen. Von Seiten der Lehrenden wird das Semester über einen gemeinsamen Kurs auf der Onlineplattform “moodle” gestaltet.
Die Betreuung durch uns Lehrende im Rahmen des Studienschwerpunkts erfolgt im Sinne eines Mentorenprinzips, d.h. jede/r von uns betreut eine kleine Gruppe von Studierenden über das ganze Semester. Daneben soll es Phasen des Peer-to-Peer-Tutoring und ein Tandemprinzip geben.

Letzten Donnerstag habe ich den Studierenden unsere Idee der ePortfolio-Arbeit vorgestellt und erläutert und Sie wurden von einer Tutorin in die Arbeit mit Wordpress eingeführt. Im Moment richten Sie ihr ePortfolio ein und schreiben am ersten Beitrag.

Zielvorstellung ist, dass die Studierenden des Schwerpunkts Medienpädagogik mit Hilfe Ihres ePortfolios gezielter ihren inhaltlichen Platz in der Medienpädagogik bzw. ihren Schwerpunkt finden können. Studiengangsbezogen bestehen die Erwartungen u.a. darin, dass sich die Studierenden über Zwischenschritte und Umwege bewusst(er) auf ihr Praktikum und ihre BA-Arbeit vorbereiten können, schon frühzeitig ihren Interessen folgen können und damit insgesamt motivierter und erfolgreicher studieren.

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwiefern sich unsere Erwartungen erfüllen und wohin die Entwicklungen gehen werden …

Thema: Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (3) | Autor: mayrberger

Hochschuldidaktik und eLearning

Donnerstag, 4. März 2010 12:45

Im Moment findet gerade die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) zusammen mit der 4. Dortmund Spring School for Acadeic Staff Developers (DOSS) zum Thema “Fachbezogene und fachübergreifende Hochschuldidaktik – voneinander lernen” an der TU Dortmund statt. Die hochschuldidaktische Tagung bietet in diesem Jahr unterschiedliche Formate an - vom klassischen Panel mit Vorträgen über Post bis zu Diskurswerkstätten. Ich habe den gestrigen Nachmittag am Panel “Mediale Unterstützung” teilgenommen und war auch selbst mit einem Beitrag beteiligt. Die Themen im Panel waren vielfältig und auf Grund der angenehm großen bzw. kleinen Gruppe von ca. 30 Teilnehmenden hatten wir ausreichend Zeit die insgesamt fünf Beiträge zu diskutieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es war ein wirklich anregungsreicher und angenehm produktiver Nachmittag.

Drei Aspekte fand ich an diesem Nachmittag besonders interessant:

  1. In einigen Beiträgen und im Rahmen der Diskussion kamen wir immer wieder auf das Verhältnis von Hochschuldidaktik und eLearning zu sprechen. Deren Bedeutung in hochschuldidaktischen Fortbildungsprogrammen oder Möglichkeiten der besseren Verzahnung bzw. Nutzung, z.B. bietet das Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen die “klassischen” hochschuldidaktischen Fortbildungsthemen in ihrem Program “WindH-Online” in Form von Blended Learning an. Am Rande diskutierten wir auch, wo denn in der Struktur der Universität oder Universitätsverbünde der Platz des eLearning und der Hochschuldidaktik bzw. entsprechender Zentren sein sollte.
  2. Es wurden darüber hinaus aber auch Fragen diskutiert, wie sie seit langem schon im Kontext der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) Thema sind: Wie bilde ich Hochschullehrende im Bereich eLearning fort? Wie ist die Perspektive der Studierenden? Welche Infrastruktur passt zu welchem didaktischen Szenario? Wie gehe ich vor, wenn ich die Lehre in einem “kleines Fach” attraktiver gestalten und mich mit anderen Hochschulstandorten vernetzen möchte? Braucht es fachspezifisches eLearning? Zum Teil werden diese Fragen auch im Rahmen der Tagungen der Sektion Medienpädagogik in der DGfE diskutiert. Eine Kommunikation und Vernetzung zu “Schnittmengen-Fragen” unter den Fachgesellschaften kann hier für die Zukunft für alle nur förderlich sein. In jedem Fall lohnt es sich für am eLearning interessierte Hochschuldidaktiker/innen der dghd einmal auf eine der nächsten GMW-Tagungen oder -Workshops oder tendenziell lokal orientierten eLearning-Tagungen wie der anstehenden GML 2010 an der FU Berlin vorbei zu schauen.
  3. Für mich war der Beitrag von Dr. Swapna Kumar von der University of Florida (USA) sehr interessant. Sie hat in ihrem Beitrag “Helping instructors in different disciplines transition to online teaching” einen Einblick in die US-spezifische Sichtweise auf eLearning gegeben, (ihre) Begriffsverständnisse und ihr Fortbildungskonzept für Lehrende vorgestellt und von ihren Erfahrungen in der Fortbildung berichtet. Wichtig waren für mich folgende Punkte, die mir zwar bekannt waren, aber in dieser Klarheit, wie sie die Referentin formulierte, nicht (mehr) bewusst waren:
    • Didaktik bzw. didactics ist ein “schlechter” Begriff. Er wird mit traditioneller Lehre, mit Frontalunterricht und passiven Studierenden assoziiert. Und hier gibt es keine Differenzierung. Daher spricht man hier eher von einer “paedagogical perspective”, die dann auch das mit einschließt, was wir in Deutschland unter einer konstruktivistisch orientierten Didaktik oder Lernendenzentrierung fassen.
    • Mit “Blended-Learning” werden in den USA nur solche Szenarien in Verbindung gebracht, die nicht komplett virtuell stattfinden, aber nur wenige Präsenzeinheiten beinhalten. Das Verständnis von Blended Learning als relativ breites Spektrum an eLearning-Szenarien, wie es in der deutschen Community vorherrscht, ist da sehr viel weiter. So würden in den USA Präsenzveranstaltungen, die Online-Elemente integrieren nicht als Blended Learning betrachtet, sondern als reguläre Veranstaltungen, da die Unterstützung durch Lernplattformen schlichtweg üblich ist.
    • Universitäten in den USA böten zunehmend rein virtuelle Kurse an. Dieses betrifft nach Aussage der Referentin zunehmend auch Angebote in Master- und PhD-Studiengängen. Diese Angebote werden von Studierenden belegt, die nach dem BA wieder berufsbegleitend ihr Studium fortsetzen, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt im “student-life-cycle” (vgl. dazu Schulmeisters Ausführungen von 2007). Der Grund für die Zunahme dieser Angebote, läge vor allem darin, dass die Universitäten  mit komplett virtuellen Online-Kursen sehr viel Geld verdienen (Steigerung der Studierendenzahl, kein Raumbedarf etc.) und höhere Gewinne als mit dem Präsenzstudium erzielen können. Da hier ein großes Potential an (zahlungskräftigen) Studierenden liegt, werden Hochschullehrende  gezielt “aufgefordert”, ihre Präsenzveranstaltungen auch für diese Zielgruppe als Online-Variante anzubieten, sprich als Online-Kurs zu konzipieren, zu gestalten und zu betreuen, wenn Sie den Kurs behalten wollen. Dafür müssen sie entsprechend qualifiziert werden. Dazu wurde ein 3 Phasen-Modell vorgestellt (Link zu den Folien folgt).

      [Nachtrag: Von Rolf Schulmeister, der sich in den letzten Jahren sehr ausführlich mit den Entwicklungen im eLearing in den USA beschäftigt hat, erhielt ich folgenden Hinweis, den ich an dieser Stelle gerne ergänze:  Von den mittlerweile 4.6 Mio Einschreibungen in Online-Kurse werden  82 % für undergraduates angeboten (vgl. hier, p. 5). Diese finden in den Community Colleges Absatz und gelten in den Augen des U.S. Dept of Education als "remedial courses" (u.a. Schreiben, Lesen, Mathematik) – daher auch die Nachfrage in Community Colleges. Die US-Regierung überlege (z.B. hier), ob sie solche Kurse fördern solle, da sie wichtig  für Studienabbbrecher und "first generation students" seien.]Ich frage mich in diesem Zusammenhang, ob der Trend der letzten 10 Jahren nun auch im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren eine entsprechende Wendung nimmt: Zum (noch gar nicht üblichen) Blended Learning kämen dann virtuelle Kurse für die heutigen BA-Studierende, die vielleicht erst einmal in den Beruf gehen und dann für Master- oder Promotionsstudium (virtuell) an die Hochschule zurückkommen. Das bleibt eine spannende Frage für die Zukunft, inwiefern dem gerne genommenen Vorbild USA hier gefolgt wird bzw. hiesige Studierende ein entsprechendes Verhalten an den Tag legen werden ….

Ich  war  mit einem Vortrag (Abstract) im Panel vertreten. Die Folien dazu stelle ich hier zur Dokumentation zur Verfügung:

In der anschließenden Diskussion haben wir u.a. darüber gesprochen, dass im Rahmen hochschuldidaktischer Fort- und Weiterbildung zum eLearning sowohl eine interdisziplinäre Perspektive wichtig ist, um die Teilnehmenden über den eigenen Tellerrand schauen zu lassen, aber auch fachspezifische Veranstaltungen ihre Relevanz haben, um zu sehen, was das eigene Fach schon im Bereich eLearning bietet oder bieten kann.

Thema: Community, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

Förderung von “guter Lehre” und/mit eLearning durch die “richtige” Haltung?

Montag, 9. November 2009 19:39

In der letzten Woche habe ich an zwei Veranstaltungen teilgenommen, die zwar nacheinander und an anderen Orten stattfanden, aber im Nachhinein eine klare Schnittmenge haben: Einmal war es am Mittwoch der Workshop “Was ist gute Lehre” des Hochschulevaluierungsverbundes Südwest an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und von Donnerstag bis Freitag die Herbsttagung der Kommission Medienpädagogik in der DGfE zum Thema “Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung: Bildungs- und Lernprozesse mit (digitalen) Medien in der Schule und medienpädagogische Professionalisierung.”

Die erste Veranstaltung fokussierte die Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen in der akademischen Lehre. Die andere u.a. Bedingungen und Faktoren, die die erfolgreiche Integration von neuen Medien in Lehr- und Lernprozesse in Schule und Hochschule. Die Überschneidung lag für mich darin, dass es beiden Veranstaltungen bzw. Teilen davon, explizit um “gute Lehre” und Professionalisierungsprozesse ging. Verändertes Lehren und Lernen wurde hier plakativ an den Forderungen “Shift from teaching to learning” und “From Sage on the Stage to Guide on the Side” festgemacht. Konkret lassen sich hier sehr gut parallelen zwischen dem Eröffnungsvortrag von  Prof. Dr. Wolff-Dietrich Webler (Institut für Wissenschafts- und Bildungsforschung Bielefeld) einerseits und den Keynotes der Herbsttagung andererseits ziehen – hier besonders bei den Beiträgen rund um die SITES-Studie (SitesM2 und SITES2006) sowie den Folgestudien am Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung.

Dabei ist mir eine Gemeinsamkeit besonders aufgefallen, die ich hier kurz skizzieren möchte: In beiden Veranstaltungen wurde den “angemessenen” Haltungen und Einstellungen von Lehrenden eine wichtige Rolle beigemessen. Auf der Herbsttagung hatte das Habituskonzept von Pierre Bourdieu Konjunktur und alle größeren empirischen Untersuchungen verwiesen darauf, dass es ein “Mehr” bedürfe, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen (vgl. dazu z.B. den Vortrag von Birgit Eickelmann, TU Dortmund “Empirische Befunde zur nachhaltigen Implementierung digitaler Medien in Schulen”). Es wurde auf Modelle Bezug genommen, die für Veränderungsprozesse neben der Technik und den Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden auch den Willen oder die Motivation hervorhoben.

Das passte wiederum zu dem Tenor des Workshops am Mittwoch, an dem Webler gar eine Zusammenstellung zum “Erwerb für die Lehre förderliche Einstellungen und Haltungen” vorlegte, aus denen ich ausgewählte Aspekte zitiere:

  • “Respekt vor Studierenden als jungen Erwachsenen in einem spezifischen Entwicklungsstadium;
  • anhaltendes Interesse, Entwicklungsprozesse von Menschen zu fördern (über die Vermittlung lediglich von Stoff und Fach hinaus; Bereitschaft zur Hilfe
  • anhaltendes persönliches Interesse an beruflichen Qualifizierungsprozessen und an deren Anleitung
  • Bereitschaft die wiss. Verhaltensweisen nicht nur zu lehren, sondern zu leben
  • In dem pädagogischen Spannungsfeld zwischen Fördern und Auslesen vor allem zu fördern
  • …”

Diese Liste kann man sicherlich noch erweitern und spezifizieren. Doch sie macht recht deutlich, dass es neben Fachkompetenzen, didaktischer Kompetenzen etc. ein “Mehr” braucht, um dem heutigen Anspruch einer subjektorientierten und kompetenzorientierten Lehre gerecht zu werden und als Lehrperson authentisch zu bleiben. Auch im eLearning ist es förderlich und sogar sinnvoll, wenn sich erst eine veränderte Sichtweise auf Lehren und Lernen einstellt (wozu auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit zählt) und dann geschaut wird, welche aktuellen Medien dazu beitragen können, die eigenen didaktische Ideen (besser) zu realisieren (vgl. auch meine Überlegungen zu Lehren 2.0).

Was ich in der Podiumsdiskussion auf dem Workshop in Mainz als einen interessanten und provokativen Punkt - der allerdings nur kurz zum Schluss angesprochen wurde - mitgenommen habe, war die Frage danach, inwiefern man sich damit zufrieden geben müsse, dass es eben “gute Lehrende” gäbe mit der “richtigen” Einstellung und solche, “bei denen Hopfen und Malz verloren wäre”. Im Kontext von eLearning wird hier mit nicht ganz so direkter Konnotation gerne das Modell von Rogers “Diffusions of Innovations” zitiert, dem auch implizit ist, dass es da immer einen “Rest” gibt, der nicht überzeugt werden kann oder nur schwer zu überzeugen ist (”Laggards”).

Die Frage, die mich dann nach den beiden Veranstaltungen (wieder einmal) beschäftigt hat - gerade im Zuge der Diskussion um Professionalisierungsbestrebungen von Hochschullehrenden und in der Lehrerbildung - ist, inwiefern man über “mäßige” Lehre in Schule und Hochschule bzw. in formalen Bildungseinrichtungen einfach hinweg gehen darf? Oder kann man sich als Lehrende/r mittlerweile damit herausreden, dass die Verantwortung für den eigenen Lernprozess ja zunehmend bei den Lernenden liegt?

Nach wie vor denke ich und dazu hat im vergangen Jahr die kollegiale Auseinandersetzung am ZHW zum Qualitätsmanagement einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass man “gute Lehre” ebenso berechtigt “einfordern” wie “fördern” kann und sollte … und letztlich auch den didaktisch begründeten Einsatz von digitalen Medien in Lehr- und Lernprozessen. In diesem Sinne sollte es auch möglich sein, Haltungen und Einstellungen von Lehrenden nach und nach durch Überzeugungsarbeit zu verändern. Oder überwiegt da doch der Idealismus?

Thema: Fragen, Lehre & Studium, Position, Veranstaltung | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Partizipation auf Tagungen – Herausforderung Podiumsgespräch

Freitag, 2. Oktober 2009 17:27

Die diesjährige eLearning 2009 in Berlin hat wesentlich dazu beigetragen, dass (immer noch) ein reger Austausch über die Gestaltung von Tagungen stattfindet – und das ist, wie man in Berlin zu sagen pflegt(e), “auch gut so”.

Meiner Ansicht nach, ist diese Diskussion um die grundsätzliche Öffnung von Veranstaltungen mehr als fällig – gerade dort, wo über mehr Kommunikation, Interaktion und Partizipation gesprochen wird, scheint mir das Format mit Vorträgen und anschließender Diskussion als alleiniges Format nicht mehr auszureichen. Allerdings kann und sollte nun auch nicht jede Konferenz gleich zu einem Workshop oder BarCamp werden. Es kommt - wie bei der Gestaltung von Lernumgebungen generell - auch hierbei auf den angemessenen Wechsel von zur Zielgruppe (und zur Fachkultur) passenden Methoden an. Und dass Tagungen im Kontext von “eLearning” und “Web 2.0″ offensichtlich an ihrem Format arbeiten müssen, um diesem Anspruch gerecht zu werden, zeigen die facettenreichen Blogbeiträge der letzten Wochen, die ausgehend von der Problematisierung einer sinnvollen Integration von Twitter im Rahmen von (konventionellen) Tagungsformaten auch Anregungen für Tagungsgestaltungen geben (z.B. die Gedanken dazu von J. Wedekind, C. Spannagel oder J. Hochberg und die mittlerweile zahlreichen Kommentare).

Ich finde diese Diskussion nicht nur aus hochschuldidaktischer Perspektive sehr interessant, sondern habe das Ganze auch mit einem Blick auf konkrete Praxis verfolgt. Denn im Herbst findet die Campus Innovation in Hamburg statt und dort wird es im Rahmen des e-Portfolio-Tags, der von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar und mir organisiert wird, ein Podiumsgespräch geben. Und wir können ja nun nicht mehr sagen, wir hätten nicht um die Spannbreite der Bedürfnisse innerhalb der Zielgruppe gewusst ;-). Dieses betrifft vor allem die Gestaltung des Podiumsgesprächs zum Thema “ePortfolio – Was können Schule und Hochschule voneinander lernen?”, dessen Moderation ich übernehme und als solches eben nicht zu einer Statementrunde avancieren soll, wie G. Reinmann hier zurecht anmerkt. Diese Woche haben wir uns getroffen und darüber beraten, wie es gut machbar ist, den acht Gästen, die alle viel zu dem Thema zu sagen haben werden, einen Rahmen zu ermöglichen, der zu einem “richtigen” (Experten-)Gespräch ermutigt und zugleich das Publikum adäquat mit einbezieht, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass bei diesem Format die geladenen Podiumsgäste im Zentrum der vorgesehenen 90 Minuten stehen.
Wir waren uns aber sehr schnell einig darüber, dass es eine Einbindung des Publikums auf unterschiedlichen Ebenen geben soll – auch über Twitter. Daher haben wir kurzerhand beschlossen, die Moderation durch eine “Twitter”-Moderatorin zu ergänzen, was Christina Schwalbe übernehmen wird, die u.a. die direkten oder “getwitterten” Fragen, Thesen und Anregungen von Seiten des Publikums sammeln und moderieren wird – alles in allem keine leichte Aufgabe für uns … Von diesen methodischen Überlegungen mal abgesehen, dürften aber für eLearning-Interessierte vor allem die Inhalte des gesamten eLearning-Tracks über die beiden Tage von Interesse sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Praxis, Veranstaltung | Kommentare (3) | Autor: mayrberger