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ePortfolio-Arbeit – ein Zwischenfazit

Dienstag, 31. August 2010 20:15

Im April habe ich hier über den ins Rollen gebrachte ePortfolio-Stein berichtet. Im vergangenen Sommersemester hatte ich nun die Gelegenheit, meine Lehrerfahrungen aus dem WiSe 2009/10 im reorganisierten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft zu vertiefen (Stichworte: Bündelung von vier Lehrveranstaltungen mit vier Lehrenden, Lehre im Block, phasenweise Zuständigkeiten der Lehrenden). Zudem habe ich das SoSe genutzt, um die letzten Auswertungen zu einer explorativen ePortfolio-Studie aus dem WiSe vorzunehmen. Im WiSe hatte ich mit einigen Studierenden Gruppendiskussionen und Einzelinterviews zu ihrer Perspektive auf das Lernen und Geprüft-Werden mit ePortfolios durchgeführt und das Ganze inhaltsanalytisch ausgewertet. Ein Artikel dazu wird Ende des Jahres im gemeinsamen Sammelband von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Christina Schwalbe und mir (nicht nur) zum ePortfolio-Track der Campus Innovation 2009 erscheinen. Auch auf der ECER-Konferenz in der letzten Woche hatte ich einige der Erkenntnisse mit Fokus auf die Gestaltung von Lernumgebungen mit e-Portfolios vorgestellt. Somit hat sich bei mir gerade ein leichtes Gefühl der Sättigung bezüglich der Auseinandersetzung mit e-Portfolios eingestellt. Dennoch werde ich in den folgenden Semestern weitere Varianten erproben, wo es möglich ist. Insgesamt ist es ein guter Moment, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Beim Einsatz von e-Portfolios hatte ich vor allem die Idee des eLearning 2.0 vor Augen (im Sinne der Gestaltung von formalen Lehr- und Lernprozessen mit Social Software). Denn anhand der ePortfolio-Thematik lassen sich m.E. einige der Ideen hinter der “2.0-Idee” gut thematisieren, allen voran das partizipative Lernen bzw. die Öffnung von Lehre mit Social Software. So waren für mich im Verlauf der letzten beiden Semester in dieser Hinsicht (neben den vielfältigen Erfahrungen, die ich aus Lehrendensicht sammeln konnte) drei Punkte für meine weitere Forschung sehr entscheidend:

  1. ePortfolio-Arbeit heißt nicht automatisch partzipatives Lernen,
  2. Studierende haben ganz unterschiedliche Auffassungen von partizipativem Lernen (das Spektrum reichte von der Möglichkeit, sich an der Seminardiskussionen einzubringen bis hin zu eigenen Gestaltungsvorschlägen für den Seminarverlauf) und
  3. unter partizipativem Lernen wird je nach Kontext etwas anderes verstanden.

Diesen Punkte werde ich im Kontext schulischer Medienpädagogik mit Fokus auf Mediendidaktik und eLearning weiter verfolgen. Dabei interessiert mich vor allem der Bereich der mediendidaktischen Kompetenz von (angehenden) LehrerInnen vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Medienwandels.

Thema: Forschung, Fragen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Der Stein ist ins Rollen gebracht …

Montag, 26. April 2010 15:05

Die ePortfolio-Arbeit ist in den letzten Jahren im Bereich des akademischen eLearnings schon fast zu einem Trendthema geworden. Seit fast zwei Jahren beschäftige auch ich mich aus mediendidaktischer Perspektive näher mit dieser Thematik, weil sicher in der Auseinandersetzung damit zugleich zentrale Fragestellungen zum veränderten Lehren, Lernen und Prüfen “im Sinne von 2.0″ gut untersuchen lassen.

Im letzten Wintersemester (2009/10) habe ich das erste Mal selbst mit ePortfolios in der alltäglichen akademischen Lehre in der Medienpädagogik gearbeitet, d.h. in einem eher “klassischen” Mittelseminar, zu einem eher “klassischen” Thema (“Ansätze von Medienkompetenz und -bildung”), mit regulären Studierenden (Diplom/Magister) im Hauptstudium unter den üblichen universitären Bedingungen (in der Regel wöchentliche Seminarsitzungen; zusätzliche Einbindung der universitären Lernplattform; Vergabe von “Scheinen” zum Schluss der Veranstaltung), etc. Einige der Studierenden haben freiwillig als alternative Form des Leistungsnachweises ein ePortfolio in Form eines Weblogs (mit Wordpress) zum Thema geführt. Die (medien-)didaktischen Erkenntnisse aus diesem ersten Durchlauf sowie die Ergebnisse der kleinen explorativen Studie, die ich begleitend durchgeführt habe, verschriftliche ich gerade systematisch und werde diese auch im Rahmen meines Vortrags auf der kommenden ECER-Konferenz in Helsinki vorstellen.

In diesem Seminar konnte ich wichtige Erfahrungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit ePortfolios als alternative Methode der Leistungsbewertung machen. Als wesentliche Punkte haben sich für mich die folgenden herauskristallisiert, die m.E. alle sehr stark mit einer klaren und für die Studierenden nachvollziehbaren Struktur des didaktischen Szenarios zusammenhängen:

  • Rolle der Lehrenden als Lernprozessbegleiterin und -prüferin
  • Festlegung von Lern- und Bewertungsphasen
  • Betreuung
  • Verbindlichkeit
  • Wertschätzung
  • Offenheit & Neugierde
  • Freiheit für Schwerpunkte/Interessen der Studierenden
  • Form, Funktion sowie Quantität und Qualität von “Artefakten” (Wahl- und Pflichtbeiträge)
  • Transparenz
  • Mehrarbeit (muss als Mehrwert ersichtlich sein)
  • Technik

Diese ersten Erfahrungen konnte ich jetzt in die Implementierung der ePortfolio-Arbeit in den kompletten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft der Universität Mainz einbringen und weiter entwickeln. In diesem Semester haben knapp 20 Studierende Medienpädagogik als vertiefende Studienrichtung als eine von fünf für die letzten 3 Semester in ihrem BA-Studium gewählt. Sie werden in diesem Schwerpunkt auch ihre BA-Arbeit verfassen, worauf das ePortfolio vorbereitet und hinführt.

Der Rahmen für die Einführung der ePortfolio-Arbeit ist hier relativ günstig, da zeitgleich eine Restrukturierung von Lehre in BA-Studiengängen am Beispiel dieser Studienrichtung erprobt wird. Dieses geschieht im Rahmen des Projekts “ZeitLast“. Wir sind insgesamt vier Lehrende (Stefan Aufenanger, Petra Bauer, Lena Groß und ich), die ihre vier Lehrveranstaltungen gemeinsam geblockt haben und dieses Semester zusammen gestalten. Grob sieht das Szenario so aus, dass es zwei feste Präsenztermine in der Woche mit dazwischen liegenden Selbststudienphasen gibt. Die Studierenden nähern sich einerseits projektorientiert der medienpädagogischen Praxis, andererseits erarbeiten sie sich in Phasen auch theoretische Zusammenhänge. Von uns Lehrenden wird jeweils eine thematische Phase gestaltet (Mediensozialisation, Medienkompetenz u. -bildung, Medienerziehung u. -praxis sowie zur Forschung); zusätzlich gibt es gemeinsame Termine für alle – wie in einem Workshop, nur über einen längeren Zeitraum ;-) .
Das ePortfolio (in Form eines Weblogs mit Wordpress erstellt) soll eine Art “persönlicher roter Faden” auf Seiten der Studierenden über die unterschiedlichen Themenphasen hinweg darstellen. Von Seiten der Lehrenden wird das Semester über einen gemeinsamen Kurs auf der Onlineplattform “moodle” gestaltet.
Die Betreuung durch uns Lehrende im Rahmen des Studienschwerpunkts erfolgt im Sinne eines Mentorenprinzips, d.h. jede/r von uns betreut eine kleine Gruppe von Studierenden über das ganze Semester. Daneben soll es Phasen des Peer-to-Peer-Tutoring und ein Tandemprinzip geben.

Letzten Donnerstag habe ich den Studierenden unsere Idee der ePortfolio-Arbeit vorgestellt und erläutert und Sie wurden von einer Tutorin in die Arbeit mit Wordpress eingeführt. Im Moment richten Sie ihr ePortfolio ein und schreiben am ersten Beitrag.

Zielvorstellung ist, dass die Studierenden des Schwerpunkts Medienpädagogik mit Hilfe Ihres ePortfolios gezielter ihren inhaltlichen Platz in der Medienpädagogik bzw. ihren Schwerpunkt finden können. Studiengangsbezogen bestehen die Erwartungen u.a. darin, dass sich die Studierenden über Zwischenschritte und Umwege bewusst(er) auf ihr Praktikum und ihre BA-Arbeit vorbereiten können, schon frühzeitig ihren Interessen folgen können und damit insgesamt motivierter und erfolgreicher studieren.

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwiefern sich unsere Erwartungen erfüllen und wohin die Entwicklungen gehen werden …

Thema: Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

Hochschuldidaktik und eLearning

Donnerstag, 4. März 2010 12:45

Im Moment findet gerade die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik (dghd) zusammen mit der 4. Dortmund Spring School for Acadeic Staff Developers (DOSS) zum Thema “Fachbezogene und fachübergreifende Hochschuldidaktik – voneinander lernen” an der TU Dortmund statt. Die hochschuldidaktische Tagung bietet in diesem Jahr unterschiedliche Formate an – vom klassischen Panel mit Vorträgen über Post bis zu Diskurswerkstätten. Ich habe den gestrigen Nachmittag am Panel “Mediale Unterstützung” teilgenommen und war auch selbst mit einem Beitrag beteiligt. Die Themen im Panel waren vielfältig und auf Grund der angenehm großen bzw. kleinen Gruppe von ca. 30 Teilnehmenden hatten wir ausreichend Zeit die insgesamt fünf Beiträge zu diskutieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Es war ein wirklich anregungsreicher und angenehm produktiver Nachmittag.

Drei Aspekte fand ich an diesem Nachmittag besonders interessant:

  1. In einigen Beiträgen und im Rahmen der Diskussion kamen wir immer wieder auf das Verhältnis von Hochschuldidaktik und eLearning zu sprechen. Deren Bedeutung in hochschuldidaktischen Fortbildungsprogrammen oder Möglichkeiten der besseren Verzahnung bzw. Nutzung, z.B. bietet das Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen die “klassischen” hochschuldidaktischen Fortbildungsthemen in ihrem Program “WindH-Online” in Form von Blended Learning an. Am Rande diskutierten wir auch, wo denn in der Struktur der Universität oder Universitätsverbünde der Platz des eLearning und der Hochschuldidaktik bzw. entsprechender Zentren sein sollte.
  2. Es wurden darüber hinaus aber auch Fragen diskutiert, wie sie seit langem schon im Kontext der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) Thema sind: Wie bilde ich Hochschullehrende im Bereich eLearning fort? Wie ist die Perspektive der Studierenden? Welche Infrastruktur passt zu welchem didaktischen Szenario? Wie gehe ich vor, wenn ich die Lehre in einem “kleines Fach” attraktiver gestalten und mich mit anderen Hochschulstandorten vernetzen möchte? Braucht es fachspezifisches eLearning? Zum Teil werden diese Fragen auch im Rahmen der Tagungen der Sektion Medienpädagogik in der DGfE diskutiert. Eine Kommunikation und Vernetzung zu “Schnittmengen-Fragen” unter den Fachgesellschaften kann hier für die Zukunft für alle nur förderlich sein. In jedem Fall lohnt es sich für am eLearning interessierte Hochschuldidaktiker/innen der dghd einmal auf eine der nächsten GMW-Tagungen oder -Workshops oder tendenziell lokal orientierten eLearning-Tagungen wie der anstehenden GML 2010 an der FU Berlin vorbei zu schauen.
  3. Für mich war der Beitrag von Dr. Swapna Kumar von der University of Florida (USA) sehr interessant. Sie hat in ihrem Beitrag “Helping instructors in different disciplines transition to online teaching” einen Einblick in die US-spezifische Sichtweise auf eLearning gegeben, (ihre) Begriffsverständnisse und ihr Fortbildungskonzept für Lehrende vorgestellt und von ihren Erfahrungen in der Fortbildung berichtet. Wichtig waren für mich folgende Punkte, die mir zwar bekannt waren, aber in dieser Klarheit, wie sie die Referentin formulierte, nicht (mehr) bewusst waren:
    • Didaktik bzw. didactics ist ein “schlechter” Begriff. Er wird mit traditioneller Lehre, mit Frontalunterricht und passiven Studierenden assoziiert. Und hier gibt es keine Differenzierung. Daher spricht man hier eher von einer “paedagogical perspective”, die dann auch das mit einschließt, was wir in Deutschland unter einer konstruktivistisch orientierten Didaktik oder Lernendenzentrierung fassen.
    • Mit “Blended-Learning” werden in den USA nur solche Szenarien in Verbindung gebracht, die nicht komplett virtuell stattfinden, aber nur wenige Präsenzeinheiten beinhalten. Das Verständnis von Blended Learning als relativ breites Spektrum an eLearning-Szenarien, wie es in der deutschen Community vorherrscht, ist da sehr viel weiter. So würden in den USA Präsenzveranstaltungen, die Online-Elemente integrieren nicht als Blended Learning betrachtet, sondern als reguläre Veranstaltungen, da die Unterstützung durch Lernplattformen schlichtweg üblich ist.
    • Universitäten in den USA böten zunehmend rein virtuelle Kurse an. Dieses betrifft nach Aussage der Referentin zunehmend auch Angebote in Master- und PhD-Studiengängen. Diese Angebote werden von Studierenden belegt, die nach dem BA wieder berufsbegleitend ihr Studium fortsetzen, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt im “student-life-cycle” (vgl. dazu Schulmeisters Ausführungen von 2007). Der Grund für die Zunahme dieser Angebote, läge vor allem darin, dass die Universitäten  mit komplett virtuellen Online-Kursen sehr viel Geld verdienen (Steigerung der Studierendenzahl, kein Raumbedarf etc.) und höhere Gewinne als mit dem Präsenzstudium erzielen können. Da hier ein großes Potential an (zahlungskräftigen) Studierenden liegt, werden Hochschullehrende  gezielt “aufgefordert”, ihre Präsenzveranstaltungen auch für diese Zielgruppe als Online-Variante anzubieten, sprich als Online-Kurs zu konzipieren, zu gestalten und zu betreuen, wenn Sie den Kurs behalten wollen. Dafür müssen sie entsprechend qualifiziert werden. Dazu wurde ein 3 Phasen-Modell vorgestellt (Link zu den Folien folgt).

      [Nachtrag: Von Rolf Schulmeister, der sich in den letzten Jahren sehr ausführlich mit den Entwicklungen im eLearing in den USA beschäftigt hat, erhielt ich folgenden Hinweis, den ich an dieser Stelle gerne ergänze:  Von den mittlerweile 4.6 Mio Einschreibungen in Online-Kurse werden  82 % für undergraduates angeboten (vgl. hier, p. 5). Diese finden in den Community Colleges Absatz und gelten in den Augen des U.S. Dept of Education als "remedial courses" (u.a. Schreiben, Lesen, Mathematik) – daher auch die Nachfrage in Community Colleges. Die US-Regierung überlege (z.B. hier), ob sie solche Kurse fördern solle, da sie wichtig  für Studienabbbrecher und "first generation students" seien.]Ich frage mich in diesem Zusammenhang, ob der Trend der letzten 10 Jahren nun auch im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren eine entsprechende Wendung nimmt: Zum (noch gar nicht üblichen) Blended Learning kämen dann virtuelle Kurse für die heutigen BA-Studierende, die vielleicht erst einmal in den Beruf gehen und dann für Master- oder Promotionsstudium (virtuell) an die Hochschule zurückkommen. Das bleibt eine spannende Frage für die Zukunft, inwiefern dem gerne genommenen Vorbild USA hier gefolgt wird bzw. hiesige Studierende ein entsprechendes Verhalten an den Tag legen werden ….

Ich  war  mit einem Vortrag (Abstract) im Panel vertreten. Die Folien dazu stelle ich hier zur Dokumentation zur Verfügung:

In der anschließenden Diskussion haben wir u.a. darüber gesprochen, dass im Rahmen hochschuldidaktischer Fort- und Weiterbildung zum eLearning sowohl eine interdisziplinäre Perspektive wichtig ist, um die Teilnehmenden über den eigenen Tellerrand schauen zu lassen, aber auch fachspezifische Veranstaltungen ihre Relevanz haben, um zu sehen, was das eigene Fach schon im Bereich eLearning bietet oder bieten kann.

Thema: Community, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

Förderung von “guter Lehre” und/mit eLearning durch die “richtige” Haltung?

Montag, 9. November 2009 19:39

In der letzten Woche habe ich an zwei Veranstaltungen teilgenommen, die zwar nacheinander und an anderen Orten stattfanden, aber im Nachhinein eine klare Schnittmenge haben: Einmal war es am Mittwoch der Workshop “Was ist gute Lehre” des Hochschulevaluierungsverbundes Südwest an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und von Donnerstag bis Freitag die Herbsttagung der Kommission Medienpädagogik in der DGfE zum Thema “Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung: Bildungs- und Lernprozesse mit (digitalen) Medien in der Schule und medienpädagogische Professionalisierung.”

Die erste Veranstaltung fokussierte die Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen in der akademischen Lehre. Die andere u.a. Bedingungen und Faktoren, die die erfolgreiche Integration von neuen Medien in Lehr- und Lernprozesse in Schule und Hochschule. Die Überschneidung lag für mich darin, dass es beiden Veranstaltungen bzw. Teilen davon, explizit um “gute Lehre” und Professionalisierungsprozesse ging. Verändertes Lehren und Lernen wurde hier plakativ an den Forderungen “Shift from teaching to learning” und “From Sage on the Stage to Guide on the Side” festgemacht. Konkret lassen sich hier sehr gut parallelen zwischen dem Eröffnungsvortrag von  Prof. Dr. Wolff-Dietrich Webler (Institut für Wissenschafts- und Bildungsforschung Bielefeld) einerseits und den Keynotes der Herbsttagung andererseits ziehen – hier besonders bei den Beiträgen rund um die SITES-Studie (SitesM2 und SITES2006) sowie den Folgestudien am Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung.

Dabei ist mir eine Gemeinsamkeit besonders aufgefallen, die ich hier kurz skizzieren möchte: In beiden Veranstaltungen wurde den “angemessenen” Haltungen und Einstellungen von Lehrenden eine wichtige Rolle beigemessen. Auf der Herbsttagung hatte das Habituskonzept von Pierre Bourdieu Konjunktur und alle größeren empirischen Untersuchungen verwiesen darauf, dass es ein “Mehr” bedürfe, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen (vgl. dazu z.B. den Vortrag von Birgit Eickelmann, TU Dortmund “Empirische Befunde zur nachhaltigen Implementierung digitaler Medien in Schulen”). Es wurde auf Modelle Bezug genommen, die für Veränderungsprozesse neben der Technik und den Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden auch den Willen oder die Motivation hervorhoben.

Das passte wiederum zu dem Tenor des Workshops am Mittwoch, an dem Webler gar eine Zusammenstellung zum “Erwerb für die Lehre förderliche Einstellungen und Haltungen” vorlegte, aus denen ich ausgewählte Aspekte zitiere:

  • “Respekt vor Studierenden als jungen Erwachsenen in einem spezifischen Entwicklungsstadium;
  • anhaltendes Interesse, Entwicklungsprozesse von Menschen zu fördern (über die Vermittlung lediglich von Stoff und Fach hinaus; Bereitschaft zur Hilfe
  • anhaltendes persönliches Interesse an beruflichen Qualifizierungsprozessen und an deren Anleitung
  • Bereitschaft die wiss. Verhaltensweisen nicht nur zu lehren, sondern zu leben
  • In dem pädagogischen Spannungsfeld zwischen Fördern und Auslesen vor allem zu fördern
  • …”

Diese Liste kann man sicherlich noch erweitern und spezifizieren. Doch sie macht recht deutlich, dass es neben Fachkompetenzen, didaktischer Kompetenzen etc. ein “Mehr” braucht, um dem heutigen Anspruch einer subjektorientierten und kompetenzorientierten Lehre gerecht zu werden und als Lehrperson authentisch zu bleiben. Auch im eLearning ist es förderlich und sogar sinnvoll, wenn sich erst eine veränderte Sichtweise auf Lehren und Lernen einstellt (wozu auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit zählt) und dann geschaut wird, welche aktuellen Medien dazu beitragen können, die eigenen didaktische Ideen (besser) zu realisieren (vgl. auch meine Überlegungen zu Lehren 2.0).

Was ich in der Podiumsdiskussion auf dem Workshop in Mainz als einen interessanten und provokativen Punkt – der allerdings nur kurz zum Schluss angesprochen wurde – mitgenommen habe, war die Frage danach, inwiefern man sich damit zufrieden geben müsse, dass es eben “gute Lehrende” gäbe mit der “richtigen” Einstellung und solche, “bei denen Hopfen und Malz verloren wäre”. Im Kontext von eLearning wird hier mit nicht ganz so direkter Konnotation gerne das Modell von Rogers “Diffusions of Innovations” zitiert, dem auch implizit ist, dass es da immer einen “Rest” gibt, der nicht überzeugt werden kann oder nur schwer zu überzeugen ist (“Laggards”).

Die Frage, die mich dann nach den beiden Veranstaltungen (wieder einmal) beschäftigt hat – gerade im Zuge der Diskussion um Professionalisierungsbestrebungen von Hochschullehrenden und in der Lehrerbildung – ist, inwiefern man über “mäßige” Lehre in Schule und Hochschule bzw. in formalen Bildungseinrichtungen einfach hinweg gehen darf? Oder kann man sich als Lehrende/r mittlerweile damit herausreden, dass die Verantwortung für den eigenen Lernprozess ja zunehmend bei den Lernenden liegt?

Nach wie vor denke ich und dazu hat im vergangen Jahr die kollegiale Auseinandersetzung am ZHW zum Qualitätsmanagement einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass man “gute Lehre” ebenso berechtigt “einfordern” wie “fördern” kann und sollte … und letztlich auch den didaktisch begründeten Einsatz von digitalen Medien in Lehr- und Lernprozessen. In diesem Sinne sollte es auch möglich sein, Haltungen und Einstellungen von Lehrenden nach und nach durch Überzeugungsarbeit zu verändern. Oder überwiegt da doch der Idealismus?

Thema: Fragen, Lehre & Studium, Position, Veranstaltung | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Partizipation auf Tagungen – Herausforderung Podiumsgespräch

Freitag, 2. Oktober 2009 17:27

Die diesjährige eLearning 2009 in Berlin hat wesentlich dazu beigetragen, dass (immer noch) ein reger Austausch über die Gestaltung von Tagungen stattfindet – und das ist, wie man in Berlin zu sagen pflegt(e), “auch gut so”.

Meiner Ansicht nach, ist diese Diskussion um die grundsätzliche Öffnung von Veranstaltungen mehr als fällig – gerade dort, wo über mehr Kommunikation, Interaktion und Partizipation gesprochen wird, scheint mir das Format mit Vorträgen und anschließender Diskussion als alleiniges Format nicht mehr auszureichen. Allerdings kann und sollte nun auch nicht jede Konferenz gleich zu einem Workshop oder BarCamp werden. Es kommt – wie bei der Gestaltung von Lernumgebungen generell – auch hierbei auf den angemessenen Wechsel von zur Zielgruppe (und zur Fachkultur) passenden Methoden an. Und dass Tagungen im Kontext von “eLearning” und “Web 2.0″ offensichtlich an ihrem Format arbeiten müssen, um diesem Anspruch gerecht zu werden, zeigen die facettenreichen Blogbeiträge der letzten Wochen, die ausgehend von der Problematisierung einer sinnvollen Integration von Twitter im Rahmen von (konventionellen) Tagungsformaten auch Anregungen für Tagungsgestaltungen geben (z.B. die Gedanken dazu von J. Wedekind, C. Spannagel oder J. Hochberg und die mittlerweile zahlreichen Kommentare).

Ich finde diese Diskussion nicht nur aus hochschuldidaktischer Perspektive sehr interessant, sondern habe das Ganze auch mit einem Blick auf konkrete Praxis verfolgt. Denn im Herbst findet die Campus Innovation in Hamburg statt und dort wird es im Rahmen des e-Portfolio-Tags, der von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar und mir organisiert wird, ein Podiumsgespräch geben. Und wir können ja nun nicht mehr sagen, wir hätten nicht um die Spannbreite der Bedürfnisse innerhalb der Zielgruppe gewusst ;-) . Dieses betrifft vor allem die Gestaltung des Podiumsgesprächs zum Thema “ePortfolio – Was können Schule und Hochschule voneinander lernen?”, dessen Moderation ich übernehme und als solches eben nicht zu einer Statementrunde avancieren soll, wie G. Reinmann hier zurecht anmerkt. Diese Woche haben wir uns getroffen und darüber beraten, wie es gut machbar ist, den acht Gästen, die alle viel zu dem Thema zu sagen haben werden, einen Rahmen zu ermöglichen, der zu einem “richtigen” (Experten-)Gespräch ermutigt und zugleich das Publikum adäquat mit einbezieht, ohne aus dem Blick zu verlieren, dass bei diesem Format die geladenen Podiumsgäste im Zentrum der vorgesehenen 90 Minuten stehen.
Wir waren uns aber sehr schnell einig darüber, dass es eine Einbindung des Publikums auf unterschiedlichen Ebenen geben soll – auch über Twitter. Daher haben wir kurzerhand beschlossen, die Moderation durch eine “Twitter”-Moderatorin zu ergänzen, was Christina Schwalbe übernehmen wird, die u.a. die direkten oder “getwitterten” Fragen, Thesen und Anregungen von Seiten des Publikums sammeln und moderieren wird – alles in allem keine leichte Aufgabe für uns … Von diesen methodischen Überlegungen mal abgesehen, dürften aber für eLearning-Interessierte vor allem die Inhalte des gesamten eLearning-Tracks über die beiden Tage von Interesse sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Praxis, Veranstaltung | Kommentare (3) | Autor: mayrberger