Mobiles Studieren erproben und beforschen
Mittwoch, 20. Juni 2012 9:46
Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.
Nach einigen organisatorischen Vorarbeiten (Technik, Rechtliches, Logistik, Support) läuft nun seit gut acht Wochen im Rahmen meiner Professur für Mediendidaktik am imb das Projekt „UniPAd - iPads an der Universität Augsburg“. Für das Sommersemester 2012 wurden in einem Pilotvorhaben 50 Tablets (hier exemplarisch iPad 2, WiFi, 64 GB) an ausgewählte Studierende der Bachelor- und Masterstudiengänge „Medien und Kommunikation“ für sechs Monate ausgegeben (1:1), die ihnen zur freien Verfügung für Studium, Alltag und Freizeit stehen. Als Gegenleistung wird die Bereitschaft eingefordert, an Erhebungen teilzunehmen, die in diesem Semester laufend vom Team der Professur für Mediendidaktik zum Nutzungsverhalten und zu Gestaltungsprozessen persönlicher Lernumgebungen durchgeführt werden. Zusätzlich entstehen eine Reihe von Abschlussarbeiten in diesem Projektkontext mit spezifischen Fragestellungen u.a. zur Studienorganisation, zur Motivation und Ablenkung oder zu den Grenzen und Herausforderungen des Studieren mit iPads. Diese explorativ angelegten Teiluntersuchungen sollen dazu beitragen, eine Antwort darauf zu finden, inwiefern eine Entgrenzung formaler Lernprozesse durch den Einsatz mobiler Endgeräte wie Tablets im Studium stattfindet, sobald diese Geräte auch in der Freizeit bzw. im Alltag selbstverständlich zur Verfügung stehen. Studium wird hier erst einmal breit verstanden und umfasst Lehre, Betreuung, Prüfung sowie Selbststudium und die Organisation des Studienalltags. Zugleich geht es aber auch darum, kritisch wie konstruktiv zu hinterfragen, wie sich ein erfolgreiches mobiles Lernen zwischen didaktischem Mehrwert und Hype um den Einsatz von mobilen Endgeräten angemessen realisieren lässt.
Bei allen Möglichkeiten, die das persönliche iPad für die leichtere Organisation des Studiums und das bessere Bewältigen des Studienalltags bietet (u.a. Absprachen, Kommunikation, Materialien lesen und bearbeiten) und die – das bestätigen erste Ergebnisse unserer Untersuchungen – auch von den Studierenden gerne genutzt werden, bleiben nach wie vor eine Reihe an Herausforderungen offen. Dieses betreffen sowohl technische Rahmenbedingungen wie auch didaktische und methodische Fragen ein mobiles Lernen sinnvoll in der Hochschullehre zu realisieren und Möglichkeiten mobilen Lernens auszuschöpfen und sogar neu zu schaffen.
Aktuell beschäftigt mich aber vor allem die Frage, ob es angemessen war, Geräte ohne G3-Möglichkeit anzuschaffen (Intention: mehr Geräte für das zur Verfügung stehende Geld, dafür „nur“ WiFi aber 64 GB Speicher) bzw. ob weitere Anschaffungen mit G3 erfolgen sollten. Ich selbst arbeite “nur” mit WiFi und über W-Lan-Zugang zu Hause, in der Uni und per Hotspot unterwegs. Das klappt mit insgesamt gut. Aber wie sich zunehmend in der Untersuchung zeigt, ist das (kostenfreie) W-Lan nocht nicht so allgegenwärtig, wie angenommen und selbst sehr medienaffine Studierende sind heute (zumeist aus Kostengründen) nicht selbstverständlich mit der neuesten Technik ausgestattet, d.h. nicht alle verfügen schon über Smartphones, mit denen sie beispielsweise auch unterwegs via Hotspot ins Netz käme oder haben ein W-Lan im privaten Umfeld zur Verfügung. Der Zugang zum Internet beschränkt sich daher für einige der Studienteilnehmenden nur auf das W-Lan-Netz der Universität Augsburg, das fast flächendeckend zur Verfügung steht. Entsprechend haben die Studierende ganz unterschiedliche Auffassungen davon, ob sie nun mit iPads mobil oder mobiler sind, als zuvor. In diesem Zusammenhang entstand auch im Rahmen meines Masterseminars zum „Mobilen Lernen“ eine interessante Diskussion. Wir diskutierten die Frage, inwiefern Mobiles Lernen immer im Netz stattfinden müsse („always on“). Die Diskussion war teilweise kontrovers und schließlich haben wir uns darauf verständigt, dass mobiles Lernen mit Bezug zum derzeitigen allgemeinen Begriffsverständnis das Internet zentral einschließt, es sich aber auch um mobiles Lernen handelt, wenn phasenweise (geplant) ohne Verbindung zum Internet mit einem mobilen Endgerät gearbeitet wird (z.B. während einer Bahnfahrt oder unterwegs mit einer App zur Bestimmung von Pflanzen).
Insgesamt bleibt es interessant. Das Projekt wird auch im kommenden Semester laufen und so werden wir genügend Zeit haben, auch den Punkten nachzugehen, die sich in diesem „Explorationssemester“ als spannende Phänomene zeigen. Für mich selbst stellt dieses Projekt eine sehr schöne Erfahrung dafür dar, wie sich Forschung und Lehre ganz im Humboldt’schen Sinne vereinen lassen und sich gegenseitig bereichern können.
Thema: Allgemein, Forschung | Kommentare (2) | Autor: mayrberger