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Partizipation im Studium

Dienstag, 23. April 2013 15:46

Aktuell beschäftige ich mich in verschiedenen Zusammenhängen mit dem pädagogischen Ideal der „Partizipation“ im Bildungskontext. Dabei versuche ich in den ganzen Phänomenen, die mir zwischenzeitlich begegnen nach Erklärungen zu suchen, unter welchen Bedingungen Partizipation im Lehr- und Lernprozess in welcher Weise funktionieren kann.

So bin ich aktuell dabei, rein konzeptionell die Idee einer partizipativen Mediendidaktik „nebenher“ auszuarbeiten.

Daführ lohnt sich flankierend immer auch ein Blick in die Praxis (an der Hochschule). So bin ich beispielsweise ganz gespannt, was nun die finalen Auswertungen der Masterstudierenden aus dem Lehrforschungsprojekt im vergangenen Semester zum Oberthema „Partizipation bzw. partizipatives Lernen mit digitalen Medien (im Studium und in der Freizeit)“ in ihren Gruppenprojekten ergeben werden - die Abschlusspräsentationen waren in dieser Hinsicht durchaus aufschlussreich. Denn auch hier deutete sich an, dass die Erwartungen an Partizipation stellenweise überzogen sind - selbst in solchen studentischen Gruppen, in denen man diese verstärkt vermuten würde.

Ähnliches haben Sandra Hofhues und ich auch hinsichtlich des Projekts „w.e.b.Square“ festgestellt. Das Projekt existiert nunmehr seit sieben Jahren und hat verschiedene mehr oder weniger partizipative Phasen durchlaufen. Aktuell bietet es aus konzeptioneller Sicht optimale Rahmenbedingungen für eine tatsächliche Partizipation von Studierenden bis hin zur Selbstorganisation. Doch das scheint offensichtlich nicht zu genügen. Sandra Hofhues hat schon hier auf unsere Reflexion dieser Situation im Rahmen der letzten Tagung der Sektion Medienpädagogik, die MWB 2013: Medien – Wissen – Bildung: Freie Bildungsmedien und Digitale Archive (11./12. April 2013 in Innsbruck) verwiesen. Die Folien trage ich hier gerne nach:

Bildungsmedien zwischen Sozialisation, Partizipation und Öffentlichkeit from Kerstin Mayrberger

[Link zum Einspieler im Vortrag: Was ist w.e.b.Square?]

Für die Publikation werden wir nun noch versuchen weiteren Fragen nachzugehen: Welche Anreize braucht Partizipation in diesem Kontext? Gibt es eine Art Lifecycle derartiger Projekte? Oder hängt es schlicht mit einer Generationsfrage zusammen? Möglicherweise können uns auch die aktuell am Projekt beteiligten darauf eine Antwort geben.

Zumindest bietet dieses Projekt einen guten Rahmen, um konzeptionelle Überlegungen zum partizipativen Lernen im Hochschulkontext zu hinterfragen und auch um auf dem Boden der partizipativen Tatsachen zu bleiben ;-)

Thema: Lehre & Studium, Reflexion, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Partizipative Mediendidaktik

Mittwoch, 28. November 2012 5:09

Gestern hatte ich die Gelegenheit mit einem Beitrag im Rahmen der  Ringvorlesung Medien & Bildung 2012/13: »Medienbildung zwischen Utopie und Praxis« an der Universität Hamburg vertreten zu sein. Für mich war  dieser Termin besonders bedeutsam, weil er mich im positiven Sinne dazu angehalten hat das Thema „partizipatives Lernen mit digitalen Medien“ (wieder) anzugehen und (wieder) einen Schritt weiterzudenken (Die Vortragsdokumentation wird hier eingestellt werden).

Nachdem die letzten Wochen in erster Linie vom Start in das neue Semester (inkl. der sehr kurzfristigen Aufnahme von mehr als doppelt so vielen Studierenden wie üblich), anhaltenden Organisationsentwicklungsprozessen im Institut und Vorträgen und Tagungsbesuchen sowie vom „üblichen Unialltag“ geprägt war, ist jetzt wieder Zeit an diesem Thema weiterzuarbeiten, das mich nunmehr seit mehr als 3 Jahren umtreibt. Über Weihnachten will ich unter dem Oberthema einer „partizipativen Mediendidaktik“ dazu eine erste Ausformulierung vornehmen, die auf meinem Vortrag auf dem 5. Magdeburger Theorieforum „Partizipative Medienkulturen“ der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) im Juli 2012 basiert. Ausgangslage ist hier die Frage: „Inwiefern bedarf es im Kontext einer partizipativen Medienkultur auch einer partizipativen Mediendidaktik?“

Als Anker für meine Überlegungen gehe ich konzeptionell einerseits von dem „Mitmachpotenzial“ digitaler Medien aus (aktuell vor allem im Zuge der Entwicklungen im Social Web) und von der Idee einer veränderten Lehr- und Lernkultur die die Partizipationsgelegenheiten, -fähigkeiten und -bereitschaft der beteiligten Personen (und Organisationen) verstärkt. Unter dem (Arbeits-)Titel „Partizipative Mediendidaktik“ geht es mir darum, anknüpfend an bestehende Ansätze zur Allgemeinen Didaktik und Mediendidaktik spezifische Überlegungen zu einer Mediendidaktik auszuformulieren und zu differenzieren, die anknüpfend an die zentrale pädagogische Zielsetzung der Partizipation den Beziehungsraum in Verbindung mit Inhalten und Kompetenzen bei der Gestaltung von Lernumgebungen mit digitalen Medien in den Fokus nimmt.

Hierzu werden sicherlich auch die Ergebnisse aus dem Projekt „PaLerMe“ einen Beitrag leisten, dessen finale Auswertung nach einem Stellenwechsel jetzt wieder angegangen werden kann. Über den Fortgang werde ich hier relativ zeitnah berichten.

Thema: Forschung, Ideen & Konzepte, Reflexion, Vortrag | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

Einblick in die Lehre I: Mitmachseminar zum Mitmachnetz

Mittwoch, 24. November 2010 10:23

Die ersten Semesterwochen sind um und die Lehrveranstaltungen “laufen”, so dass nun Zeit ist, auch einen Einblick zu geben. Dieses Semester habe ich mir zwei Veranstaltungen vorgenommen, die jeweils für mich und die Studierenden neue Blended-Learnig-Szenarien darstellen – ein Seminar in der Erziehungswissenschaft und eine “Blended-Learning-Massenveranstaltung” in den Bildungswissenschaften/Lehrerbildung. Über Letzteres will ich demnächst ausführlicher berichten.

Mit dem Angebot des Seminars “Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive” verfolge ich die Idee, meine konzeptionellen Ideen zum partizipativen Lernen in der formalen Hochschullehre zu erproben, ganz im Sinne eines “Mitmachseminars” zum “Mitmachnetz” mit Blick auf medienpädagogische Theorie und Praxis. Für diesen Versuch nutze ich die Gelegenheit, noch einmal ein Seminar für die “Altstudiengänge” mit Schwerpunkt (Medien-)Pädagogik im Diplom und Magister anbieten zu können, da man in diesem Rahmen ja doch etwas flexibler ist. Ich vermute, da die Veranstaltung als Blended-Learning Veranstaltung mit Blockanteilen in den Präsenzphasen geplant ist, die entweder Mo 18-20 Uhr oder an einem Samstag stattfinden, dass sich die Teilnehmerzahl daher letztlich auf knapp 15 beläuft. Für die Erprobung des Szenarios ist es aber optimal: Alle Anwesenden sind interessiert, motiviert und lassen sich auf diese Variante des Lernens, die hier noch nicht selbstverständlich ist, ein – so ist zumindest mein Eindruck nach den ersten Wochen. Da macht es auch von der Lehrendenseite aus Freude, mehr Kapazitäten in die Veranstaltung einzubringen, als gedacht.

Ziel der Veranstaltung ist ein Produkt, das im Rahmen einer Projektarbeit in der Kleingruppe entwickelt wird: Die Studierenden arbeiten möglichst gute Konzepte für die medienpädagogische Praxis aus, in der Web 2.0-Tools und -Ideen im Zentrum stehen. Das Konzept wird theoretisch und konzeptionell eingeordnet und begründet und kann - so die Idee - dann nach dem Seminar in der Praxis erprobt werden. In 3 der 5 Gruppen ist von Beginn an eine praktische Erprobung mitgeplant, z.B. weil man neben dem Studium in der medienpädagogischen Jugendarbeit oder der Erwachsenenbildung tätig ist und das Konzept dort erproben will.

Die Teilnehmenden haben sich bis jetzt einen Überblick zum Thema verschafft und danach im Sinne des “Auftrags” ein Thema gewählt, das sie selbstständig vertiefen. In diesem Fall haben sich fünf Gruppen zu den Themenfeldern (Arbeitstitel der Gruppen) Aktive Medienarbeit/Medienproduktion, Soziale Netzwerke, Eltern, Erwachsenenbildung und Digitale Spaltung/Sonderpädagogik gefunden. Übergreifend diskutieren wir gemeinsam (vorwiegend online) übergreifende Fragestellungen (z.B. die Frage nach der Rolle von Digitale Kompetenzen (Ausgangslage war das Papier der BMBF-Expertengruppe und aktuelle Nutzungszahlen und daran anschließend die Frage nach der Relevanz und dem Verhältnis von Medienkompetenz und Medienbildung; die nächsten Wochen wird das Thema Selbstorganisation und Selbststeuerung Thema sein), die dann auch in die Projektkonzepte einfließen können. Natürlich geht es in diesem Seminar auch darum, Web 2.0-Tools kennenzulernen, um diese in die Projektkonzepte erfahrungsbasiert einbinden zu können.

Besonderes Highlight für alle Beteiligten ist die virtuelle Kooperation mit einer anderen Lehrveranstaltung einer anderen Uni zu einem ähnlichen Thema. In diesem Fall haben Sandra Hofhues (vgl. Sandras Kommentar zum Semesterstart) und ich seit März 2010 unsere Lehrveranstaltungsplanungen abgestimmt, nachdem wir die Idee zur Kooperation am Rande eines Panels auf der DOSS-Tagung in Dortmund hatten und beschlossen haben. Über den Anker der “Qualität” vernetzen wir die beiden produktorientierten Seminare. In der nächsten Woche werden sich die Seminare das erste Mal mit Hilfe von Adobe Connect vernetzen. Das wird für alle eine spannende Erfahrung, da wir ca. 30 Personen sein werden. Bisher habe ich nur mit Gruppen bis ca. 10 Teilnehmenden mit dem virtuellen Klassenraum gearbeitet.

Nach und nach führe ich ergänzend zu den üblichen Übersichten zum Stöbern gezielt Web 2.0-Tools so ein, dass sie mit einer sinnvollen Nutzung im Seminarkontext einhergehen. Aktuell beginnen wir Twitter als ein Tool zu erproben (#mpaed20), das zwar alle Teilnehmenden kennen, aber kaum jemand nutzt. Ich bin gespannt, wie das klappen wird.

Und wie immer, ist ein solches Seminar für Studierende und Lehrende mit einem verhältnismäßigem Extra-Aufwand verbunden. Aber es lohnt sich. So freue ich mich über einige Teilnehmende, die “eigentlich nur einen Teilnahmeschein brauchen” oder “gar nichts”, aber Interesse am Thema und der Arbeitsweise haben oder ihren Leistungsnachweis einmal in anderer Form als einer Hausarbeit oder eines Referats erwerben möchten.

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung einbindet, aber auch eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung “laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi ein Selbstversuch ;-)

Ich werde weiter berichten …

Thema: Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

GMW-Jahrestagung einmal anders …

Donnerstag, 16. September 2010 21:28

Abreise aus Zürich, die 15. Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) in Zürich ist vorbei.

Sie war anders als die vorangegangen. Einmal  hinsichtlich der unterschiedlichen Formate, die hier erprobt wurden: Pre-Conference als UnConference, interaktive Postersession und Learning Café als Alternative und Ergänzung zu klassischen Keynotes, Sessions mit Vorträgen sowie einer Podiumsdiskussion mit aktiver und hoher Publikumsbeteiligung zur Vertiefung von Themen, die auf der diesjährigen Tagung im Laufe der drei Tage in den Fokus rückten (u.a. eScience, wissenschaftliche Weiterbildung, Nachwuchsförderung). Zum anderen wegen der - im Gegensatz zu vorangegangenen Tagungen - über die Sessions hinaus auffällig geringen Präsenz von Medien und Services wie Vortragsaufzeichnungen, Twitternutzung und Twitterwall.

Auf Grund der besonderen Umstände (zeitgleich in Deutschland fand die DeLFI-Tagung, das diesjährige Aussetzen der MedidaPrix-Verleihung) war es mit ca. 250 Teilnehmenden eine kleine, aber feine Jahrestagung. Danke dafür an die Organisatoren. Das Tagungsprogramm war umfangreich und inhaltlich vielfältig und doch blieben viele Räume zum gemeinsamen Austausch und Kennenlernen. Das Conference Dinner fand auf dem Uetliberg statt – mit einem grandiosen Blick über Zürich. Highlight des Abends war selbstredend die wenig ernste, aber durchaus ernst zu nehmende “Abendlecture” von Joachim Wedekind und Koni Osterwalder zur Twitterkultur der versammelten Edu-Community, wie es so schön im Programm heißt.

Ein besonderer und bewegender Moment auf dieser Tagung war es, als im Rahmen der Mitgliederversammlung Rolf Schulmeister nach dem gesundheitsbedingten Rückzug seiner Kandidatur für den Vorstand, spontan per Akklamation zum Ehrenmitglied ernannt wurde.

Der Tagungsband steht zusätzlich wieder als PDF-Version zur Verfügung.

Von den Beiträgen, die ich gehört habe fand ich die Gesamteinschätzung zur Zukunft für E-Learning-Zentren (ELC) an Hochschulen von Nicolas Apostolopolous sehr anregungsreich. Er bezeichnete digitalen Technologien und Medien in der Hochschule als “strategische Waffen” für die Hochschulentwicklung, u.a. für die Entwicklung einer “Neuen Lehre”. Dabei stellte er die Konsolidierung von ELCs nach einer starken Phase der Initialisierung heraus und gab einen Ausblick für Neuausrichtungen. Dabei spielte der Gedanke der Vernetzung von Institutionen für eLearning und eScience und nach wie vor der Gedanke der Dezentralisierung (Fachkultur, Anknüpfung an Studien-Dekane) neben zentralen Einrichtungen eine wichtige Rolle. Er betonte - und da kann ich nur zustimmen - das “2.0″ und damit verbunden die Einführung anspruchsvoller Lehr- und Lernszenarien eben keine einfache Sache sei (”Mit eLearning muss man gerade jetzt anfangen”). So stellte er auch die berechtigte Frage, inwiefern die 2.0-Idee die Strukturen der ELC kannibalisiere. Daher wäre es an der Zeit ELC neu auszurichten und E-Teaching, E-Learning + E-Science + Multimedia (-Dienste) zusammen zudenken und sich gegenseitig stärken zu lassen, sprich die Geschäftsfelder der ELCs mit Blick auf eine E-University zu erweitern. Ich würde hier noch explizit ergänzen, dass gerade im Bereich E-Learning und E-Teaching auch eine enge Kooperation mit der Hochschuldidaktik erfolgen bzw. in diesem Bereich mitgedacht werden müsse. Im Learning Café hat mich die Diskussion um die Varianten von Peer-Review-Verfahren, die von Gabi Reinmann und Silvia Sippel moderiert wurde, sehr zum Nachdenken angeregt – gerade mit Blick auf den nicht unwichtigen Zusatz “peer reviewed” in der eigenen Publikationsliste (Wer sind eigentlich bei welcher Form des Reviews die Peers und welche Funktion hat das jeweilige Review?). Zu der Frage, wie die neuen Medien diese Prozesse unterstützen können, sind wir dann nur noch am Rande gekommen. Christiane Metzger berichtete über das ZEITLast-Projekt, bei dem auch ein Teilprojekt an der Universität Mainz angesiedelt ist. Sie stellte die neuesten Erhebungszahlen der Zeitbudgetanalyse von Studierenden vor, die zeigten, dass die viel beschworene extreme Überlastung von BA-Studierenden mehr einem subjektiven Eindruck, denn einer Tatsache entspricht – zumindest bei der vorliegenden Stichprobe. Es gab offensichtlich weitere Highlights wie die Pre-Conference, die u.a. von Sandra Hofhues und Thomas Bernhardt organisiert wurde sowie die Keynote von Rolf Schulmeister, über die viel zu hören war und an denen ich leider nicht teilnehmen konnte. Besonders gefallen hat mir der gute Mix von “alten” und “neuen” Formaten (eLearning-Café, Vorträge, Un-Conference) – wie immer ist es das angemessene Verhältnis zwischen Diskurs und Präsentation von (anspruchsvollen) Inhalten. Eine Linie, die so unbedingt weiter verfolgt werden sollte.

Ich selbst habe die Tagung nutzen können, um meine Ideen zum partizipativen Lernen im Sinne eines eLearning 2.0 vorzustellen. Meine Präsentationsfolien stelle ich hier zum Nachschauen zur Verfügung:

Nach dem Vortrag habe ich dazu noch einige anregende Diskussionen führen können. Über Nachfragen und Anregungen dazu freue ich mich.

Im kommenden Jahr findet die nächste GMW- zusammen mit der DeLFI-Tagung zum Motto “Wissensgemeinschaften” in Dresden statt. Man darf gespannt sein.

[Nachträge]: Weitere Eindrücke zur Tagung finden sich u.a. bei Thomas Bernhardt, Alexander Florian, Sandra Hofhues, Ralph Müller, Dominik PetkoGabi Reinmann, Mandy Schiefner.

Thema: Ideen & Konzepte, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

ePortfolio-Arbeit – ein Zwischenfazit

Dienstag, 31. August 2010 20:15

Im April habe ich hier über den ins Rollen gebrachte ePortfolio-Stein berichtet. Im vergangenen Sommersemester hatte ich nun die Gelegenheit, meine Lehrerfahrungen aus dem WiSe 2009/10 im reorganisierten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft zu vertiefen (Stichworte: Bündelung von vier Lehrveranstaltungen mit vier Lehrenden, Lehre im Block, phasenweise Zuständigkeiten der Lehrenden). Zudem habe ich das SoSe genutzt, um die letzten Auswertungen zu einer explorativen ePortfolio-Studie aus dem WiSe vorzunehmen. Im WiSe hatte ich mit einigen Studierenden Gruppendiskussionen und Einzelinterviews zu ihrer Perspektive auf das Lernen und Geprüft-Werden mit ePortfolios durchgeführt und das Ganze inhaltsanalytisch ausgewertet. Ein Artikel dazu wird Ende des Jahres im gemeinsamen Sammelband von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Christina Schwalbe und mir (nicht nur) zum ePortfolio-Track der Campus Innovation 2009 erscheinen. Auch auf der ECER-Konferenz in der letzten Woche hatte ich einige der Erkenntnisse mit Fokus auf die Gestaltung von Lernumgebungen mit e-Portfolios vorgestellt:

In den folgenden Semestern werde ich weitere Varianten erproben, wo es möglich ist, um die Thematik auch mit Blick auf ein eLearning 2.0 insgesamt zu vertiefen. Insgesamt ist es ein guter Moment, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Beim Einsatz von e-Portfolios hatte ich vor allem die Idee des eLearning 2.0 vor Augen (im Sinne der Gestaltung von formalen Lehr- und Lernprozessen mit Social Software). Denn anhand der ePortfolio-Thematik lassen sich m.E. einige der Ideen hinter der “2.0-Idee” gut thematisieren, allen voran das partizipative Lernen bzw. die Öffnung von Lehre mit Social Software. So waren für mich im Verlauf der letzten beiden Semester in dieser Hinsicht (neben den vielfältigen Erfahrungen, die ich aus Lehrendensicht sammeln konnte) drei Punkte für meine weitere Forschung sehr entscheidend:

  1. ePortfolio-Arbeit heißt nicht automatisch partzipatives Lernen,
  2. Studierende haben ganz unterschiedliche Auffassungen von partizipativem Lernen (das Spektrum reichte von der Möglichkeit, sich an der Seminardiskussionen einzubringen bis hin zu eigenen Gestaltungsvorschlägen für den Seminarverlauf) und
  3. unter partizipativem Lernen wird je nach Kontext etwas anderes verstanden.

Diesen Punkte werde ich im Kontext schulischer Medienpädagogik mit Fokus auf Mediendidaktik und eLearning weiter verfolgen. Dabei interessiert mich vor allem der Bereich der mediendidaktischen Kompetenz von (angehenden) LehrerInnen vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Medienwandels.

Thema: Forschung, Fragen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Blick nach vorne: Impulse von der 6. iMedia 2010

Montag, 24. Mai 2010 21:48

Letzten Donnerstag hatte ich die Gelegenheit an der 6. iMedia, dem Forum Integrative Medienbildung in Rheinland-Pfalz, teilzunehmen. Dass die Integration und der Einsatz digitaler Medien in Schule und Unterricht in den unterschiedlichen Schulformen auf reges Interesse stößt, zeigt die Zahl der Teilnehmer/innen von rund 1.000 Personen – davon der größte Teil Lehrerinnen und Lehrer der unterschiedlichen Schulformen. Das Workshopangebot war vielfältig und man hatte im positiven Sinne die Qual der Wahl. Die Angebote zeigten (zumindest in den von mir besuchten Workshops) sehr anschaulich, wie z.B. Weblogs oder Whiteboards in den heutigen Unterricht sinnvoll integriert werden können.

Es war für mich eine gute Erfahrung zu sehen, dass das “Lernen 2.0″ beginnt, Einzug in alle Schulformen zu halten. Hier lässt es sich gut anknüpfen.

Von der Stimmung her fand ich es sehr ermutigend und bereichernd, eine große Zahl von Lehrerinnen und Lehrer unterschiedlicher Schulformen zu erleben, die sich für den Einsatz digitaler Medien in ihre Schule und ihren Unterricht interessierten und auch mit vielfältigen eigenen Erfahrungen aufwarten konnten. Zugleich frage ich mich auch, weshalb es eine solche Herausforderung darstellt, z.B. heutigen Lehramtsstudierenden die Potentiale digitaler Medien für die Gestaltung von Schule und Unterricht plausibel zu machen – unter Berücksichtigung des eigenen Faches und darüber hinaus? Was muss sich hier auf welcher Seite ändern?

Persönlich habe mich im Zusammenhang mit der iMedia zwei Dinge gefreut: Erstens, dass ich die Gelegenheit hatte, mit den Themen, die mir zur Zeit wichtig sind, einen Impuls für die Tagung geben zu können. Und zweitens: Ich war die erste Frau seit 26 (!) Jahren, die den Impulsvortrag auf dieser Fortbildung bzw. Tagung gehalten hat :-)

Insofern stellte die Teilnahme an der iMedia für mich in jeder Hinsicht einen Blick nach vorne dar …

Meine Präsentationsfolien zum Nachschauen:

Thema: Reflexion, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Mein E-Learning Statement für e-teaching.org

Donnerstag, 15. Oktober 2009 18:51

Das Statement habe ich während der eLearning 2009 in Berlin abgegeben – direkt vor dem Panel, in dem für die Abschaffung des Begriffs eLearning plädiert wurde. Mein Statement würde ich aber auch heute noch so formulieren. Einen Kommentar zur Begriffs-Diskussion folgt demnächst in einem eigenen Beitrag.

Thema: Position | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht - Potentiale und Herausforderungen”

Samstag, 26. September 2009 21:02

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen der Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht - Potentiale und Herausforderungen”. Die AG Medienpädagogik im Institut Erziehungswissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Aufenanger hat zusammen mit dem Forschungsschwerpunkt “Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) der Johannes Gutenberg - Universität Mainz eine zweitägige Fortbildung im Tagungsformat (nicht nur) für Lehrerinnen und Lehrer in den neuen Räumlichkeiten der FH Mainz angeboten.
Die Veranstaltung war so organisiert, dass  vier “akademische” Plenarvorträge rund um das Thema “neue Medien” zu den Themenfeldern “Schulentwicklung”, “Mediensozialisation”, “Rechtsfragen” und “Lehren und Lernen” zur Orientierung angeboten wurden sowie eine Vielzahl an spezifischen Workshops, die an diese Themenfelder anschlossen (siehe Programm Do, 24.9. und Fr. 25.9.). Mit gut 150 Teilnehmenden war die Tagung ausgebucht.

Ich war mit einem Plenarvortrag zum Thema “Schule 2.0?! - Verändertes Lehren und Lernen mit Social Software” beteiligt:

View more presentations from Mayke.

Aus diversen Gesprächen im Anschluss hieran und auch später, wurde mir sehr deutlich, dass – was bei dem Tagungspublikum natürlich auch nahe liegt – eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für die Integration von neuen Medien in die Lehre, sei es nun in Form von “1.0″ oder “2.0″ vorhanden ist, gerade auch weil die neuen Medien eine so bedeutende Rolle in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen spielen. Es zeigte  sich, dass nach wie vor “gute Beispiele” und “Anregungen für die Praxis”, wie z.B. in hochschuldidaktischen Fortbildungen auch, die mit relativ geringem oder zumindest angemessenem Aufwand umzusetzen sind, von großem Interesse sind. Gerade hier liegt m.E. auch ein Feld, dass vor allem im Bereich von Social Software noch weiterer Bearbeitung bedarf: Die Erprobung, Dokumentation und Evaluation von guter täglicher (Unterrichts-)Praxis.
Zum Abschluss habe ich ein “World Café” mit den verbliebenen ca. 40 Teilnehmenden durchgeführt, in dem es im Sinne eines Rück- und Ausblicks zur Tagung im groben um die Fragen ging, wie ich als Lehrperson selbst die Integration neuer Medien fördern  und wo ich überall Unterstützung erhalten kann und welche Erfahrungen da bisher vorliegen. Nachdem ich bisher selbst an unterschiedlichen Varianten von der Methode “World Café” teilgenommen hatte, war ich gespannt, wie diese Methode wohl bei diesem Publikum und vor allem nach einem langen Tagungstag ankommen würde. Es zeigte sich und das deckt sich auch mit meinen bisherigen Erfahrungen als Teilnehmerin, dass solche eher offenen Formate sehr gut angenommen werden und in diesem Fall noch einmal sehr gut wesentliche Gelingensbedingungen für die Integration von neuen Medien (nicht nur) in die Schule gemeinsam herausgearbeitet und (kritisch) diskutiert werden konnten. Ich nehme aus dieser Erfahrung und auch aus denen zur GMW 2009, über die ich hier berichtete, mit, dass offene Formate heute auf Tagungen (neben herkömmlichen Formaten) unbedingt einen Platz haben sollten. Impulse dieser Art erhoffe ich mir u.a. auch von meiner (erstmaligen) Teilnahme an einem BarCamp, der EduCamp 2010 an der Universität Hamburg.

Die vielfältigen Angebote, die professionelle Organisation sowie zahlreiche Möglichkeiten zum informellen Austausch trugen so auch dazu bei, dass vor allem zum Ende der Tagung verschiedentlich geäußert wurde, dass es so eine Art von Veranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer bitte häufiger geben solle. Eine Dokumentation zur Tagung (Download von Vortragsfolien, Fotos etc.) wird in den nächsten Tagen hier zu finden sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

“2.0″ als Chance für die akademische Lehre plausibel zu machen ist und bleibt eine Herausforderung

Sonntag, 21. Juni 2009 2:05

Vergangenes Wochenende fand der erste Teil meines Blended-Learning Workshops zu “Social Software in der Hochschullehre” im Rahmen des MoHE am Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung statt.
Wie immer ist es eine Bereicherung mich mit interessierten und zugleich anspruchsvollen Teilnehmenden des Studiengangs, die zugleich Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Fächern sind, über die Chancen und Grenzen der Integration von digitalen Medien in die akademische Lehre allgemein und hier im besonderen von Social Software auszutauschen.
Trotzdem die Vorkenntnisse, Erwartungen und Bedürfnisse der Teilnehmenden relativ heterogen waren, haben wir uns sowohl einen ersten Über- bzw. eher Einblick in die Tools verschafft und diese erprobt, als auch zentrale Punkte ansprechen können. Zum Teil wurde - trotz oder gerade auf Grund des hohen Anteils an Noviz/innen im Workshop - “der Finger in die Wunde gelegt”, d.h. es wurden auch Themen und Fragen angesprochen, deren mögliche “Lösungen” auch zur Zeit noch innerhalb der Fachcommunity diskutiert werden.

Einige dieser Aspekte notiere ich hier als Fragen, um auch weiterhin im Blick zu behalten, womit sich (nicht nur junge) Lehrende auseinander setzen:

  • Mehrmals wurde gefragt: Inwiefern stehen Aufwand und Nutzen der Integration von neuen Medien bzw. der Umsetzung von eLearning in einem adäquaten Verhältnis? Lohnt es sich, z.B. die knappe Zeit als Promovendin in aufwändige Lehre zu investieren statt in Forschungsprojekte?
  • Wo erhalte ich klare Handlungsempfehlungen her, wie Szenarienübersichten für unterschiedlichste Einsatzmöglichkeiten, Toolempfehlungen für konkrete Kontexte etc.?
  • Wie kann ich mit Widerständen im Kollegium oder bei den Studierenden gegenüber ungewohnten Lehr- und Lernmethoden (mit und ohne digitale Medien) umgehen?
  • Wie verändert sich meine Rolle als Lehrende/r im Zuge von “2.0″ – wie verändert sich das Verhältnis von Nähe und Distanz (Sollte ich z.B. jede “Freundschaftsanfrage” von Studierenden in eine Online-Community konsequenterweise angenommen werden? Wie erreichbar muss ich sein – 24/7? )? Wo bzw. habe ich als Lehrende meine persönliche Grenze?
  • Wie gehe ich mit Tools auf dem Web 2.0-Markt um, hinter denen ökonomische Interessen stehen (Sammlung von persönlichen Daten zu Marketingzwecken etc.)?
  • Wie gehe ich mit rechtlichen Aspekten um? Wie pragmatisch kann und will ich in dieser Hinsicht sein?
  • Lehre im Sinne von 2.0 heißt auch, die “Türen des Klassenraums zu öffnen”(z.B. in Form von Vorlesungsaufzeichnungen via Podcasting) - Wie gehe ich damit als Lehrende/r um?
  • Sind die Studierenden technisch so fit, wie behauptet wird? Wollen sie eLearning in seinen Varianten überhaupt?
  • Wie kann man Studierenden, die zunehmend in eine Konkurrenzsituation stehen (nicht nur um die späteren Arbeitsplätze, sondern z.B. auch um die begrenzten MA-Studienplätze) zum kooperieren und (halb-)öffentlichen Publizieren anregen und überzeugen?
  • Wie kann ich die Qualität der Inhalte (”User generated Content”) unterstützen und gewährleisten? Wie gehe ich mit Plagiaten um?
  • Kann ich Studierenden “zwingen” (z.B. qua Leistungsnachweis) ihre Inhalte ins öffentliche Netz zu stellen? … oder sich einen Account bei einem kommerziellen Anbieter einzurichten?
  • Wie kann ich die Lernenden motivieren, sich bei dieser Form des Lernens zu engagieren?
  • Wie kann ich die Online-Kommunikation und Partizipation fördern?
  • Reichen die technischen und auch personellen Ressourcen vor Ort aus?
  • Welche Implementierungsstrategien gibt es?
  • Inwieweit handelt es sich bei Social Software nicht um die “nächste Sau, die durch das Dorf getrieben wird”?
  • Wie gehe ich mit dem Widerspruch von eLearning 2.0 und den strukturellen Rahmenbedingungen an der Universität um (Fachkultur, Organisation, Vorgaben im Rahmen der BA etc.)?

Einige der Fragen haben wir ausführlicher besprechen können, andere konten wir nur anreißen und gemeinsam ein Spektrum an Handlungsmöglichkeiten erarbeiten. Bei einigen Fragen wurde in der Diskussion auch deutlich, dass es sich hier um die persönliche Haltung und Einstellung zum Lehren 2.0 handelt. In jedem Fall führten die Auseinandersetzungen dazu, dass einige mit neuen Impulsen und Reflexionen in die Online-Phase gegangen sind.

Zwar nehmen Praxiserfahrungen, empirische Untersuchungen und “best practice”-Beispiele deutlich zu (vgl. u.a. das Themenspecial zu Web 2.0 auf e-teaching.org oder ausgewählte Publikationen der GMW-Buchreihe “Medien in der Wissenschaft” oder der zeitschrift für e-learning), doch gibt es eben nicht DIE Handreichung, DAS Szenario und DIE Checkliste etc., um die Integration von digitalen Medien in die akademische Lehre (nicht nur im Sinne von 2.0) erfolgreich unter Berücksichtigung des jeweiligen fachspezifischen Kontexts und der  Fachkultur zu etablieren.

Ich verstehe die genannten Fragen, die nur einen Ausschnitt zeigen, auch weiterhin als Auftrag (an die Fachcommunity), noch breiter empirisch, konzeptionell aber auch ganz praktisch bzw. entwicklungsorientiert zu arbeiten, um die Veränderung von Lehren und Lernen mit Unterstützung digitaler Medien (nicht nur) im akademischen Bereich zu fördern und plausibel zu machen.

Der Workshop befindet sich im Moment in der Online-Phase und ich bin neugierig, wie die Teilnehmenden ihre zum Teil ersten eLearning-Erfahrungen aus Lehrenden- und Lernendenperspektive in vier Wochen einschätzen werden.

Thema: Community, Forschung, Fragen, Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (2) | Autor: mayrberger