Tag-Archiv für » Medienbildung «

… mit etwas Abstand betrachtet.

Montag, 18. März 2013 19:18

Im Zuge der diesjährigen dghd-Jahrestagung 2013 “Professionalisierung der Hochschuldidaktik” habe ich mich (erneut) mit dem Verhältnis von E-Learning und Hochschuldidaktik beschäftigt. Dieses war und ist meines Erachtens besonders aus zwei Gründen wichtig: „eLearning“, wie es die letzten 10 Jahre diskutiert und konzeptionell besetzt war, geht zunehmend in der Hochschuldidaktik oder im weiteren Feld des Lehren und Lernens an der Hochschule auf, worunter oder worin heute selbstverständlicher digitale Medien aufgehen. Doch - und das ist aus einer weiten medienpädagogischen Sicht der Hauptgrund - schließen allgmeine hochschuldidaktische Kompetenzen nicht zugleich auch spezifische medienbezogene Komptenzen mit ein. Dieses gehen mitnichten auch automatisch in einer hochschuldidaktischen Komptenz auf. Durchaus kann man die Beschäftigung mit Medien in der Lehre als Querschnittsaufgabe betrachten, wenn es um Planung, Leitung oder Methoden sowie das Thema Qualität geht. Doch nimmt das meiner Ansicht nach Medien nicht vollends in den Blick - heute sind Medien mehr als Werkzeuge, um Unterricht oder die Studienorganisation zu optimieren.

Die Rollen von Medien gehört umfassender thematisiert und reflektiert bevor man sie als Hochschullehrende/r einsetzt. So geht beispielsweise mit der Einbindung von Angeboten des Social Webs auch immer die Frage einher, was das offene Netz mit den Lehrenden und Lernenen macht. Die Lernenden werden mehr oder weniger selbstbestimmt Teil des Netzes und damit Teil der Netzkultur, wenn sie z.B. Beiträge im Netz im Seminarwiki verfassen und damit mehr oder weniger anonyme Spuren hinterlassen. Durch das Agieren und Reagieren im Netz werden die Lernenden (hoffentlich) von den Lehrenden und/oder Peers dazu angehalten sich als Teil der mediatisierten Welt wahrzunehmen und die eigene Position darin (kritisch) zu reflektieren - also verkürzt gesagt: angehalten einen Bildungsprozess mit und durch Medien zu erfahren.

Diese Sicht ist nicht neu, aber m. E. wird sie noch zu wenig betont, weshalb ich anknüpfend an meine Überlegungen von 2008 zu einer medienpädagogischen Kompetenz von Hochschullehrenden in der Zeitschrift für E-Learning dazu einen aktualisierten Beitrag auf der diesjährigen dghd-Tagung beigesteuert habe, den ich hier gerne zur Verfügung stelle:

Medienbezogene Professionalität von Hochschullehrenden fördern können from Kerstin Mayrberger

Thema: Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Forschung in der Medienpädagogik

Montag, 7. November 2011 15:40

Ende letzter Woche fand am 3. und 4. November an der Universität Leipzig die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE zum Thema “Methodologie und Methoden der medienpädagogischen Forschung” statt. Ausgerichtet wurde die Tagung dankenswerter Weise vom Team der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung um Bernd Schorb. Die eher familiären Atmosphäre bei ca. 50 Teilnehmenden erlaubte einen recht intensiven Austausch – doch, wie so häufig, hätte es noch noch mehr Zeit für einen ausührlicheren Austausch bedarf. Das Tagungsprogramm mit seinen systematischen, konzeptionellen sowie projektbezogenen Beiträgen zur Tagungsthematik deckte alle wichtigen Bereiche ab  – von der Entwicklungsforschung und Evaluation bis hin zu Qualitativer und Quantitativer Forschung im nationalen wie internationalen Bereich. Ähnlich wie bei der Herbsttagung 2010 in Zürich (vgl. meinen Rückblick), bei der es um Grundbegriffen der Medienpädagogik ging, standen  auch auf dieser Tagung letztlich wieder Fragen des Selbstverständisses der Medienpädagogik im Gefüge benachbarter Disziplinen wie der Empirischen Bildungswissenschaft im Zentrum, was sich besonders in der abschließenden Diskussion am Freitag zeigte.

Interessant waren für mich im Laufe der zwei Tage einige Punkte. Dazu zählte am ersten Tag die Diskussion zum Verhältnis von Design Based Research-Ansatz und der Aktions- und Handlungsforschung in der Pädagogik aus den 1970er Jahren, die auch die Schwierigkeiten einschloss, eine nachhaltige Implementationsforschung im Rahmen heutiger Ressourcen über mehrere Zyklen zielführend zu ermöglichen. Zudem war es spannend, sich mit der großen Herausforderung für die Medienpädagogik auseinanderzusetzen einerseits als interdisziplinäre (Tei-)Disziplin (der Erziehungswissenschaft) offen und anschlussfähig sein zu wollen und zu müssen und andererseits einen spezifischen Kern bestimmen zu müssen, damit sie sich und ihre Zuständigkeit gegenüber anderen Disziplinen begründet behaupten kann. Ausgangspunkt hierfür war die eingangs von Gerhard Tulodziecki aufgeworfene Frage, was das genuin medienpädagogische an den vorgestellten Forschungsansätzen oder -perspektiven sei. Diese Frage zog sich  bis in die Abschlussdiskussion durch. Es konnte wie zu erwarten war, in der Kürze der Zeit nicht die Antwort gefunden werden, doch schien sich ein Minimalkonsens abzuzeichnen: Die Anwesenden stimmten eher darin überein, dass es sich bei der Medienpädagogik um eine Handlungs- und Reflexionswissenschaft handle. Als pädagogische bzw. heute eher erziehungswissenschaftliche Disziplin mit deutlichem Bezug zu den Sozialwissenschaften beinhaltet die Medienpädagogik dennoch immer auch eine normativen Perspektive (z.B. in Fragen der Medienkompetenzförderung oder Medienerziehung). Dieses mag damit zusammenhängen, dass eher Konsens darüber bestand, dass ein wesentlicher Kern von Medienpädagogik die medienbezogene Auseinandersetzung mit den erziehungswissenschaftlichen Kernbegriffen Bildung, Erziehung, Lernen sowie Entwicklung und Sozialisation meint. Dieses schließt Praxis, Theorie, Forschung und Entwicklung mit ein. Ausgehend von dem Bereich der medienpädagogischen Praxisforschung wurde so auch diskutiert, inwiefern es einer Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und Forschung und Praxisforschung und Evaluation bedürfe. Konsens war, dass in jeder Praxis auch grundlegende Fragestellungen mitbehandelt werden müssten bzw. grundlegende Forschung und Anwendungsorientierung sich ergänzen und nicht ausschließen oder gar in Konkurrenz stünden. Eine Rückbindung von Theorie und Praxis und umgekehrt, könne dazu dienen, den offenen Kern der Medienpädagogik zu stärken und weiter zu etablieren. Abschließend wurde so auch der Punkt besprochen, welche Position die Medienpädagogik heute mit ihrer spezifischen Perspektive in der Wissenschaftscommunity habe und wie sich diese auf die Förderung von Projekten bzw. die Antragstellung bei Drittmittelgebern auswirke. Dass sich die Medienpädagogik auf Grund aktueller Fördertendenzen nicht komplett “verbiegen” könne war Konsens, aber auch, dass sich die Medienpädagogik nur dann stärker etablieren könne (z.B. mit Blick auf Schaffung/Nicht-Streichung von Professuren), wenn sie sichtbarer im Bereich der Drittmittelforschung (z.B. DFG) werde. Ähnlich wie Mandy Rohs‘ ging es mir bei dem Punkt, dass ich einige Aspekte gerne vertiefend diskutiert hätte – ähnlich wie bei der letzten Herbsttagung.

Für die weiteren Tagungen gibt es also noch genügend Potenzial zum weiteren Diskutieren - so im nächsten Jahr an der Universität Hamburg :-).

Eine kurfristige Möglichkeit biete sich hierzu für Interessierte am 17.11.2011 in Nürnberg, wenn sich im Vorfeld der diesjähigen GMK-Jahrestagung die Initative “Keine Bildung ohne Medien trifft!”, um die zukünftige Ausrichtung und Organisation der Initative zu besprechen. Als ein weiterer Erfolg der Arbeit dieser Gruppe kann sicherlich die gemeinsame Publikation der Ergebnisse des bildungspolitischen Medienkongresses aus dem Frühjahr diesen Jahres in Form einer bildungspolitischen Broschüre dienen. Diese Broschüre, die mehrere Feedbackrunden durchlaufen ist, bis sie in der vorliegenden Form einen gewissen Konsens der medienpädagogischen Communtiy abbildet, liegt auch als PDF vor.

Thema: Community, Veranstaltung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Neuerscheinung: Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen

Donnerstag, 16. Dezember 2010 0:04

E-Portfolios und digitale Lerntagebücher, Social Networks und Bewertungs-Plattformen für Schulen, Lehrer und Lehrveranstaltungen – die aktuellen Entwicklungen der Medientechnologie fördern Transparenz und Öffentlichkeit. Durch die damit zusammenhängenden Kulturtechniken entwickeln sich neue Formen von Kontrolle und Selbstkontrolle. Die Individuen übernehmen selbst die Verantwortung für ihre Bildung. Durch freiere Wahl der Lernwege und -ziele verlieren traditionelle Verfahren der Leistungsmessung und Zugangsberechtigung an Bedeutung. Lernende können für ihre Kompetenzen und Talente direkt um Anerkennung werben. Die Liberalisierung von Bildung geht aber mit ihrer Ökonomisierung einher. Der Gegenstand der bildenden Bemächtigung ist nicht mehr die Welt, sondern die eigene Vita.

Vor dem Hintergrund der ambivalenten Mechanismen von Kontrolle und Selbstkontrolle eröffnen die Beiträge in diesem Band ebenso weite wie fokussierte Perspektiven auf neue Medientechnologie und die Konjunktur des Portfolios in der Bildung.

Meyer, Torsten; Mayrberger, Kerstin; Münte-Goussar, Stephan & Schwalbe, Christina (Hg.) (2011). Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen, Wiesbaden: VS-Verlag. (Medienbildung und Gesellschaft Bd. 19); 305 S. Br., ISBN: 978-3-531-17683-3, 39,90 Euro.

Mit Beiträgen von: Peter Baasch, Peter Baumgartner, Detlev Bieler, Iris Brucker, Thomas Czerwionka, Matthias Fink, Thomas Häcker, Sara Haese, Wolf Hilzensauer, Klaus Himpsl-Gutermann, Benjamin Jörissen, Rudolf Kammerl, Sönke Knutzen, Anne-Britt Mahler, Kerstin Mayrberger, Marianne Merkt, Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Corinna Peters, Sebastian Plönges, Ramon Reichert, Gabi Reinmann, Theo Röhle, Sandra Schaffert, Christina Schwalbe, Silvia Sippel, Thomas Sporer, Thomas Unruh

Reaktionen

Thema: Erfahrung, Forschung, Praxis, Publikationen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

“… jetzt ist mir klarer, wie Sie das mit dem Gestaltungsbegriff meinen.”

Sonntag, 7. November 2010 19:49

… solche und ähnliche Äußerungen waren im Laufe der Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZ), die es sich zum Auftrag gemacht hat, “Medienbildung im Spannungsfeld medienpädagogischer Leitbegriffe” zu diskutieren, zu hören. Und diskutiert wurde in der Tat - viel und vor allem theoretisch, was ich sehr bereichernd fand. Dazu ein kurzer Rückblick meinerseits:

Als Leitbegriffe wurden Mediendidaktik, Media Literacy und Medienerziehung ins Programm der Tagung aufgenommen. Dieses Mal konnte man sich schon vorab ausführlicher mit den Positionen der Referent/innen (hier) auseinandersetzen, die im Zuge der Tagung nur als kurze Impulse vorgetragen wurden, damit genügend Raum für gemeinsame Diskussionen blieb.

Natürlich wurde auch die Frage thematisiert, was eigentlich ein Leitbegriff der Medienpädagogik sei und ob dieses für alle die genannten Begriffe gelte. Relativ einig war man sich darin, dass Medienpädagogik das Dach bilde, was m.E. besonders im Zuge der immer wieder geführten Diskussion um das Verhältnis von Medienpädagogik und Mediendidaktik ein wichtiger Schritt ist. Gerhard Tulodziecki zeigte in seinem Impuls (und seinem sehr lesenswerten Beitrag) die Entwicklung der Leitbegriffe auf und stellte nebenbei fest, dass der Begriff der Medienkompetenz gar nicht zuerst von Dieter Baacke genutzt wurde. So manche Verbindung zwischen den Begriffen und Konzepten ist mir auf Grund der spezifischen Positionen der Kolleg/innen noch einmal in neuem Lichte erschienen. Dazu gehört z.B. der Zusammenhang von Medienbildung und Mediendidaktik im Sinne eines “Lernen mit Medien über Welt”, wofür es entsprechende Lernumgebungen bedarf. Aufschlussreich war es, einmal ausführlicher über den Zusammenhang von Medienbildung, Medienerziehung und Medienpädagogik als Handlungswissenschaft und die Rolle von Normen und Werten zu diskutieren. Gerade im Zuge der Diskussion um den Leitbegriff hat Dominik Petko darauf hingewiesen, dass sich die Medienpädagogik insgesamt und die Mediendidaktik im Besonderen vermehrt den Wirkungen und deren Evaluation zuwenden müsse, also mehr empirische Arbeit zu leisten wäre, was zwar keine neue Forderung ist, im Kontext dieser Tagung aber sehr gut platziert war. Dem kann ich nur zustimmen, wobei ich mich sicherlich eher den experimentierenden, denn den experimentellen Forschungsdesigns verbunden fühle. Wichtig war für mich noch einmal das Einvernehmen darüber, dass die Medienpädagogik als Handlungswissenschaft theoretisch, empirisch und praktisch einen Beitrag zu leisten habe – auch wenn im Rahmen dieser Tagung zugegebenermaßen das Theoretische die Überhand hatte. Damit sind nur einige Punkte genannt, die im Laufe der zwei Tage angesprochen wurden. Für die weitere Diskussion finde ich den Hinweis von Gerhard Tulodziecki wichtig, der sinngemäß darauf hinwies, die Begriffe weiterhin in einem Spannungsfeld zu halten und sie nicht schon jetzt als gegensätzlich oder komplementär festzuschreiben.

Im Zusammenhang der Tagung tauchte häufiger der Verweis auf die Begriffsverwendungen (besonders von Medienkompetenz und Medienbildung) innerhalb der Fachcommunity und außerhalb dieser in Praxis und Politik auf. Den Diskussionsteilnehmenden war sicherlich klar, dass die hoch differenzierenden Diskussionen nicht in erster Linie für die konkrete Praxis relevant sind und es hier eher um eine Diskussion um “Drinnen-Begriffe” statt “Draußen-Begriffe” ging. Doch darin sehe ich gerade die Herausforderung und Leistung in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Medienpädagogik für die unterschiedlichen medienpädagogischen Praxen: Ich will selbst ein klares Theoriegerüst haben, das sich eben in solchen Diskussionen wie die erlebte festigt, erweitert und verändert, um dann für die Praxis die entsprechenden Reduktionen vornehmen und die Anliegen der Medienpädagogik verständlich machen zu können.

Insgesamt war es eine sehr schöne und im positiven Sinne anstrengende Tagung im herbstlich, sonnigen Zürich (Danke an Heinz Moser und sein Team für die hervorragende Organisation und das Aufnehmen dieser Thematik als Tagungsthema!). Besonders gelungen war die Mischung der Teilnehmenden: Die knapp 40 Personen setzten sich zusammen aus allen Altersgruppen und Generationen von wissenschaftlich arbeitenden Medienpädagog/innen (vom Emeritus, der die Disziplin wesentlich mitgeprägt hat bis zur Doktorandin), so das ein intensiver fachlicher und persönlicher Austausch in konstruktiver wie kontroverser Atmosphäre möglich war. Ein besonderer Dank geht von mir an Dieter Spanhel und Gerhard Tulodziecki, die mit ihren lang ausgereiften Positionen und Überzeugungen die Diskussion immer wieder neu beflügelt haben. Für mich war es eine medienpädagogische “Sternstunde”, die mir wichtige Impulse für die weitere Auseinandersetzung mit medienpädagogischen Fragestellung besonders mit Fokus auf die Gestaltung von Lehr- und Lernumgebungen mit digitalen Medien gegeben hat.

Einige der Impulse werde ich noch ganz konkret in diesem Semester in die Blended-Learning-Vorlesung “Einführung in die schulische Medienpädagogik” und im Teil Medienbildung der Vorlesung “Lebenslanges Lernen und Medienbildung”, die ich mit meiner Kollegin Regina Egetenmeyer zusammen gebe, aufnehmen. Darin sehe ich meinen Beitrag, die Theoriediskussion auch für die Praxis von angehenden Lehrer/innen und Medienpädagog/innen fruchtbar zu machen.

[Für weitere Tagungseindrücke und -reflexionen sei auf die Beiträge von Benjamin Jörissen, Joachim Wedekind, Mandy Schiefner (Tag 1 und Tag 2), Michael Kerres und Jürg Fraevel sowie Beat Döbeli Honegger verwiesen.]

Thema: Community, Position, Reflexion, Veranstaltung | Kommentare (7) | Autor: mayrberger