Tag-Archiv für » Mediendidaktik «

Wenn die Pause zu lange währt, …

Donnerstag, 12. November 2015 15:02

… ist es nicht gut und Zeit ehrlich mit sich zu sein. Seit über einem Jahr habe ich hier nicht mehr geschrieben, obwohl in diesem Jahr viel im Zuge meines Starts in Hamburg passiert ist und zu berichten gegeben hätte (u.a. seit Oktober 2014 der Aufbau des Schwerpunkts “Digitalisierung von Lehren und Lernen” (DLL) im nunmehr Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL), der Start der Hamburg Open Online University an der Universität Hamburg (HOOU@UHH) sowie die wiss. Leitung der (erfolgreichen) Antragstellung zum Qualitätspakt Lehre zum Universitätskolleg (UK) für die Universität Hamburg – um nur die größten Projekte zu benennen.

Offenbar passt das regelmäßige Bloggen derzeit für mich nicht. Und das ist ein Grund an dieser Stelle einen Schlussstrich unter meinen privaten M:blog zu ziehen anstelle diesen so wie bisher stehen zu lassen. Noch schaue ich noch nach möglichen Alternativen – bis dahin bleibe ich weiterhin beim Microblogging auf Twitter aktiv - das passt derzeit offenbar ;-)

Thema: Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

MuK goes MOOC

Donnerstag, 2. Mai 2013 6:08

… oder „wenn, dann richtig.“

Seit 2011 gebe ich in jedem Wintersemester eine (verpflichtende) einführende Vorlesung in die Mediendidaktik und Medienpädagogik für Bachelorstudierende im BA MuK, BA Sozialwissenschaft und BA Erziehungswissenschaft mit Wahlpflicht Medienpädagogik. Nach zwei Durchläufen im eher „klassischen“ Vorlesungsmodus habe ich nun ein recht gutes Bild der doch heterogenen Studierendengruppe und ihren Erwartungen erhalten (sehr grob zusammengefasst: Theorieaffinität: eher gering; Praxisbezug: in vielfältiger Weise erwünscht; Mediennutzungserfahrung: eher gering; E-Learning: kaum Kenntnisse; Vorstellung der späteren Tätigkeit: noch unspezifisch; Interesse an Medienpädagogik/Mediendidaktik: bei Einzelnen vorhanden).

Deshalb hatte ich mir schon nach dem letzten Semester vorgenommen, für das kommende Wintersemester das Vorlesungsszenario ganz neu anzugehen und hierfür an meine früheren Erfahrungen mit einer Blended Learning-Vorlesung zur schulischen Medienpädagogik an der Uni Mainz anzuknüpfen. Es sollte eine Veranstaltung werden, die einerseits die Studierenden in die Lage versetzt, das Themenfeld der Medienpädagogik und Mediendidaktik zu überblicken, zu verstehen, was medienpädagogische Praxis in unterschiedlichen Feldern ausmacht und theoretisch wie konzeptionell medienpädagogisches Handeln beschreiben und analysieren zu können. Da die Integration von Medien in der pädagogischen Praxis auch immer eine Frage der Haltung und Einstellung ist, war es mir wichtig, die Studierende durch reflexive und diskursive Elemente mit Unterstützung von Fachtexten, Studien und Praxisbeispielen zu befähigen, zu einer fundierten Position zu gelangen. Dieses wollte ich in einem Blended Learning-Szenario umsetzen, damit die Studierenden schon in ihrem ersten Semester quasi beiläufig „E-Learning“ erleben können und in dieser Hinsicht medienbezogenen Kompetenzen erwerben können.

Mitte März wurden dann 10 Mooc Production Fellowships von iversity und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für die Konzeption und Durchführung von Massive Open Online Courses (MOOC) ausgeschrieben. Nach anfänglicher Skepsis, inwiefern es sich lohnt, dem Trend der MOOCs zu folgen und dem nicht unbeträchtlichen Aufwand in der Vorbereitung und Durchführung auch auf mich zu nehmen, habe ich mich mit meinem Team beraten und wir haben entschieden: Nach dem Motto „… wenn, dann richtig“ groß („Massiv“). Wir haben die schon bestehenden Ideen weiterentwickelt und eine offene („Open“), und interaktionsfördernde E-Learning-Veranstaltung („Online Course“) für eine Zahl X konzipiert, die eine breite Zielgruppe von Studierenden unterschiedlicher Bachelorstudiengänge inklusive aller Lehrämter sowie schon im Beruf stehende Fachkräfte anspricht und damit zu einer „Grundbildung Medien“ für diverse (medien-)pädagogische Berufsfelder beiträgt.

Deshalb bewirbt sich nun auch das Team der Professur für Mediendidaktik um einen Fellowship. Mit dem Preisgeld werden wir u.a. eine angemessene Betreuung der Teilnehmenden gewährleistet und die Produktion von offenen Lernmaterialien in Form von Open Educational Resources (OER) zur Gestaltung von (weiterer) Open Educational Practice (OEP) finanziert.

Nun hoffen wir natürlich, dass unser Konzept überzeugt und freuen uns über viele Stimmen für unseren MOOC hier!

[Nachtrag, 10.06.2013: Die 10 Gewinner aus über 250 Einreichungen stehen nun fest. Unser MOOC-Konzept ist zwar nicht dabei, doch ich werde ab dem kommenden Wintersemester dennoch die Veranstaltung "Einführung in die Medienpädagogik/Mediendidaktik" weiterentwickeln und neu organisieren sowie einige der Ideen zu realisieren.]

Thema: Lehre & Studium | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Partizipation im Studium

Dienstag, 23. April 2013 15:46

Aktuell beschäftige ich mich in verschiedenen Zusammenhängen mit dem pädagogischen Ideal der „Partizipation“ im Bildungskontext. Dabei versuche ich in den ganzen Phänomenen, die mir zwischenzeitlich begegnen nach Erklärungen zu suchen, unter welchen Bedingungen Partizipation im Lehr- und Lernprozess in welcher Weise funktionieren kann.

So bin ich aktuell dabei, rein konzeptionell die Idee einer partizipativen Mediendidaktik „nebenher“ auszuarbeiten.

Daführ lohnt sich flankierend immer auch ein Blick in die Praxis (an der Hochschule). So bin ich beispielsweise ganz gespannt, was nun die finalen Auswertungen der Masterstudierenden aus dem Lehrforschungsprojekt im vergangenen Semester zum Oberthema „Partizipation bzw. partizipatives Lernen mit digitalen Medien (im Studium und in der Freizeit)“ in ihren Gruppenprojekten ergeben werden - die Abschlusspräsentationen waren in dieser Hinsicht durchaus aufschlussreich. Denn auch hier deutete sich an, dass die Erwartungen an Partizipation stellenweise überzogen sind - selbst in solchen studentischen Gruppen, in denen man diese verstärkt vermuten würde.

Ähnliches haben Sandra Hofhues und ich auch hinsichtlich des Projekts „w.e.b.Square“ festgestellt. Das Projekt existiert nunmehr seit sieben Jahren und hat verschiedene mehr oder weniger partizipative Phasen durchlaufen. Aktuell bietet es aus konzeptioneller Sicht optimale Rahmenbedingungen für eine tatsächliche Partizipation von Studierenden bis hin zur Selbstorganisation. Doch das scheint offensichtlich nicht zu genügen. Sandra Hofhues hat schon hier auf unsere Reflexion dieser Situation im Rahmen der letzten Tagung der Sektion Medienpädagogik, die MWB 2013: Medien – Wissen – Bildung: Freie Bildungsmedien und Digitale Archive (11./12. April 2013 in Innsbruck) verwiesen. Die Folien trage ich hier gerne nach:

Bildungsmedien zwischen Sozialisation, Partizipation und Öffentlichkeit from Kerstin Mayrberger

[Link zum Einspieler im Vortrag: Was ist w.e.b.Square?]

Für die Publikation werden wir nun noch versuchen weiteren Fragen nachzugehen: Welche Anreize braucht Partizipation in diesem Kontext? Gibt es eine Art Lifecycle derartiger Projekte? Oder hängt es schlicht mit einer Generationsfrage zusammen? Möglicherweise können uns auch die aktuell am Projekt beteiligten darauf eine Antwort geben.

Zumindest bietet dieses Projekt einen guten Rahmen, um konzeptionelle Überlegungen zum partizipativen Lernen im Hochschulkontext zu hinterfragen und auch um auf dem Boden der partizipativen Tatsachen zu bleiben ;-)

Thema: Lehre & Studium, Reflexion, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

… mit etwas Abstand betrachtet.

Montag, 18. März 2013 19:18

Im Zuge der diesjährigen dghd-Jahrestagung 2013 “Professionalisierung der Hochschuldidaktik” habe ich mich (erneut) mit dem Verhältnis von E-Learning und Hochschuldidaktik beschäftigt. Dieses war und ist meines Erachtens besonders aus zwei Gründen wichtig: „eLearning“, wie es die letzten 10 Jahre diskutiert und konzeptionell besetzt war, geht zunehmend in der Hochschuldidaktik oder im weiteren Feld des Lehren und Lernens an der Hochschule auf, worunter oder worin heute selbstverständlicher digitale Medien aufgehen. Doch - und das ist aus einer weiten medienpädagogischen Sicht der Hauptgrund - schließen allgmeine hochschuldidaktische Kompetenzen nicht zugleich auch spezifische medienbezogene Komptenzen mit ein. Dieses gehen mitnichten auch automatisch in einer hochschuldidaktischen Komptenz auf. Durchaus kann man die Beschäftigung mit Medien in der Lehre als Querschnittsaufgabe betrachten, wenn es um Planung, Leitung oder Methoden sowie das Thema Qualität geht. Doch nimmt das meiner Ansicht nach Medien nicht vollends in den Blick - heute sind Medien mehr als Werkzeuge, um Unterricht oder die Studienorganisation zu optimieren.

Die Rollen von Medien gehört umfassender thematisiert und reflektiert bevor man sie als Hochschullehrende/r einsetzt. So geht beispielsweise mit der Einbindung von Angeboten des Social Webs auch immer die Frage einher, was das offene Netz mit den Lehrenden und Lernenen macht. Die Lernenden werden mehr oder weniger selbstbestimmt Teil des Netzes und damit Teil der Netzkultur, wenn sie z.B. Beiträge im Netz im Seminarwiki verfassen und damit mehr oder weniger anonyme Spuren hinterlassen. Durch das Agieren und Reagieren im Netz werden die Lernenden (hoffentlich) von den Lehrenden und/oder Peers dazu angehalten sich als Teil der mediatisierten Welt wahrzunehmen und die eigene Position darin (kritisch) zu reflektieren - also verkürzt gesagt: angehalten einen Bildungsprozess mit und durch Medien zu erfahren.

Diese Sicht ist nicht neu, aber m. E. wird sie noch zu wenig betont, weshalb ich anknüpfend an meine Überlegungen von 2008 zu einer medienpädagogischen Kompetenz von Hochschullehrenden in der Zeitschrift für E-Learning dazu einen aktualisierten Beitrag auf der diesjährigen dghd-Tagung beigesteuert habe, den ich hier gerne zur Verfügung stelle:

Medienbezogene Professionalität von Hochschullehrenden fördern können from Kerstin Mayrberger

Thema: Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Tablets im Studium - Lernen mit mobilen Endgeräten?

Mittwoch, 13. Februar 2013 16:42

Ein stetiger (Forschungs-)Begleiter an der Professur für Mediendidaktik ist das Projekt „UniPAd“ geworden. Mittlerweile läuft es ein Jahr und entwickelt sich zu einer kleineren Langzeitstudie – so die aktuellen Teilnehmenden bis zum Ende ihres Studiums dabei bleiben können und wollen. Ein kurzer Bericht (PDF) dazu ist kürzlich im Hamburger E-Learning-Magazin zusammen mit anderen Beiträgen, die einen guten Einblick in aktuelle Ideen und Projekte zur Integration mobiler Endgeräte in Hochschule geben, erschienen.

Basierend auf den ersten Nutzungsergebnissen aus der Pilotphase im SoSe 2012 haben wir für das gerade auslaufende WiSe 12/13 eine standardisierte schrifliche Grundbefragung zum Nutzungsverhalten entwickelt und vor Weihnachten mit den gut 40 Teilnehmenden in den beiden Studiengängen BA und MA Medien und Kommunikation durchgeführt. Ziel soll es sein, diese semesterweise durchzuführen und in Teilen weiter zu entwickeln. Ergänzt wird diese Umfrage (weiterhin) durch Erhebungsmethoden, die der Exploration einzelner Phänomene dienen sollen und die uns einen Zugang zur persönlichen Lernumgebung von Studierenden mit mobilen Endgeräten ermöglichen sollen. Zudem wollen wir auf diese Weise weiterer Felder identifzieren, die es sich zu erfragen und zu erforschen lohnt.

Zur Zeit sind wir dabei, den Projektstand und unsere Forschungsinteressen zusammenzuführen und zu konsolidieren. Dieses ist deshalb wichtig, weil die bisherigen Daten stellenweise durchaus ernüchternd sind, was die Gestalt und Nutzung der Persönlichen Lernumgebung angeht. (Nicht nur) Mit Blick auf die diesjährige GMW 2013, die passenderweise nach nach dem Stand der Dinge von E-Learning zwischen Vision und Alltag fragt, entwickeln wir zur Zeit unsere Fragestellung und auch das methodische Vorgehen weiter um diese Ernüchterung zu spezifizieren. Uns interessieren deshalb weitergehende Fragen wie die Folgenden:

  • Wie lassen sich Intentionen, Begründungen und Reflexion über (häufig beiläufige) Prozesse eines selbstgesteuerten Lernens und potenziell selbstorganisierten Wissenserwerbs erfassen?
  • Inwiefern ist die Persönliche Lernumgebung (PLE) an eigene Gestaltungsvorstellungen ausgerichtet, die möglicherweise als subjektive Didaktik bezeichnet werden könnten?
  • Und welche Rolle spielen für die Gestaltung und die Prozesse in der PLE das persönliche Interesse, die Interaktion und der Austausch mit Peers, der Kontext  und besonders die verwendeten (mobilen) Medien mit der passenden (Social) Software?

Gerahmt werden unsere Forschungsperspektiven nach wie vor von einer übergeordenten Idee der zunehmenden Entgrenzung von formalen Lernprozessen und welche Bedeutung diese für die Gestaltung von Lehren und Lernen mit digitalen Medien spielen (werden).

Wir hoffen, dass wir im Laufe des Jahres auf diese Fragen erste Antworten liefern können und schauen bis dahin auch interessiert auf die Erfahrungen in anderen Projekten.

Thema: Forschung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Partizipative Mediendidaktik

Mittwoch, 28. November 2012 5:09

Gestern hatte ich die Gelegenheit mit einem Beitrag im Rahmen der  Ringvorlesung Medien & Bildung 2012/13: »Medienbildung zwischen Utopie und Praxis« an der Universität Hamburg vertreten zu sein. Für mich war  dieser Termin besonders bedeutsam, weil er mich im positiven Sinne dazu angehalten hat das Thema „partizipatives Lernen mit digitalen Medien“ (wieder) anzugehen und (wieder) einen Schritt weiterzudenken (Die Vortragsdokumentation wird hier eingestellt werden).

Nachdem die letzten Wochen in erster Linie vom Start in das neue Semester (inkl. der sehr kurzfristigen Aufnahme von mehr als doppelt so vielen Studierenden wie üblich), anhaltenden Organisationsentwicklungsprozessen im Institut und Vorträgen und Tagungsbesuchen sowie vom „üblichen Unialltag“ geprägt war, ist jetzt wieder Zeit an diesem Thema weiterzuarbeiten, das mich nunmehr seit mehr als 3 Jahren umtreibt. Über Weihnachten will ich unter dem Oberthema einer „partizipativen Mediendidaktik“ dazu eine erste Ausformulierung vornehmen, die auf meinem Vortrag auf dem 5. Magdeburger Theorieforum „Partizipative Medienkulturen“ der Sektion Medienpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) im Juli 2012 basiert. Ausgangslage ist hier die Frage: „Inwiefern bedarf es im Kontext einer partizipativen Medienkultur auch einer partizipativen Mediendidaktik?“

Als Anker für meine Überlegungen gehe ich konzeptionell einerseits von dem „Mitmachpotenzial“ digitaler Medien aus (aktuell vor allem im Zuge der Entwicklungen im Social Web) und von der Idee einer veränderten Lehr- und Lernkultur die die Partizipationsgelegenheiten, -fähigkeiten und -bereitschaft der beteiligten Personen (und Organisationen) verstärkt. Unter dem (Arbeits-)Titel „Partizipative Mediendidaktik“ geht es mir darum, anknüpfend an bestehende Ansätze zur Allgemeinen Didaktik und Mediendidaktik spezifische Überlegungen zu einer Mediendidaktik auszuformulieren und zu differenzieren, die anknüpfend an die zentrale pädagogische Zielsetzung der Partizipation den Beziehungsraum in Verbindung mit Inhalten und Kompetenzen bei der Gestaltung von Lernumgebungen mit digitalen Medien in den Fokus nimmt.

Hierzu werden sicherlich auch die Ergebnisse aus dem Projekt „PaLerMe“ einen Beitrag leisten, dessen finale Auswertung nach einem Stellenwechsel jetzt wieder angegangen werden kann. Über den Fortgang werde ich hier relativ zeitnah berichten.

Thema: Forschung, Ideen & Konzepte, Reflexion, Vortrag | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

Mobiles Studieren erproben und beforschen

Mittwoch, 20. Juni 2012 9:46

Zeit für eine kleine Zwischenbilanz.

Nach einigen organisatorischen Vorarbeiten (Technik, Rechtliches, Logistik, Support) läuft nun seit gut acht Wochen im Rahmen meiner Professur für Mediendidaktik am imb das Projekt „UniPAd - iPads an der Universität Augsburg“. Für das Sommersemester 2012 wurden in einem Pilotvorhaben 50 Tablets (hier exemplarisch iPad 2, WiFi, 64 GB) an ausgewählte Studierende der Bachelor- und Masterstudiengänge „Medien und Kommunikation“ für sechs Monate ausgegeben (1:1), die ihnen zur freien Verfügung für Studium, Alltag und Freizeit stehen. Als Gegenleistung wird die Bereitschaft eingefordert, an Erhebungen teilzunehmen, die in diesem Semester laufend vom Team der Professur für Mediendidaktik zum Nutzungsverhalten und zu Gestaltungsprozessen persönlicher Lernumgebungen durchgeführt werden. Zusätzlich entstehen eine Reihe von Abschlussarbeiten in diesem Projektkontext mit spezifischen Fragestellungen u.a. zur Studienorganisation, zur Motivation und Ablenkung oder zu den Grenzen und Herausforderungen des Studieren mit iPads. Diese explorativ angelegten Teiluntersuchungen sollen dazu beitragen, eine Antwort darauf zu finden, inwiefern eine Entgrenzung formaler Lernprozesse durch den Einsatz mobiler Endgeräte wie Tablets im Studium stattfindet, sobald diese Geräte auch in der Freizeit bzw. im Alltag selbstverständlich zur Verfügung stehen. Studium wird hier erst einmal breit verstanden und umfasst Lehre, Betreuung, Prüfung sowie Selbststudium und die Organisation des Studienalltags. Zugleich geht es aber auch darum, kritisch wie konstruktiv zu hinterfragen, wie sich ein erfolgreiches mobiles Lernen zwischen didaktischem Mehrwert und Hype um den Einsatz von mobilen Endgeräten angemessen realisieren lässt.

Bei allen Möglichkeiten, die das persönliche iPad für die leichtere Organisation des Studiums und das bessere Bewältigen des Studienalltags bietet (u.a. Absprachen, Kommunikation, Materialien lesen und bearbeiten) und die – das bestätigen erste Ergebnisse unserer Untersuchungen – auch von den Studierenden gerne genutzt werden, bleiben nach wie vor eine Reihe an Herausforderungen offen. Dieses betreffen sowohl technische Rahmenbedingungen wie auch didaktische und methodische Fragen ein mobiles Lernen sinnvoll in der Hochschullehre zu realisieren und Möglichkeiten mobilen Lernens auszuschöpfen und sogar neu zu schaffen.

Aktuell beschäftigt mich aber vor allem die Frage, ob es angemessen war, Geräte ohne G3-Möglichkeit anzuschaffen (Intention: mehr Geräte für das zur Verfügung stehende Geld, dafür „nur“ WiFi aber 64 GB Speicher) bzw. ob weitere Anschaffungen mit G3 erfolgen sollten. Ich selbst arbeite “nur” mit WiFi und über W-Lan-Zugang zu Hause, in der Uni und per Hotspot unterwegs. Das klappt mit insgesamt gut. Aber  wie sich zunehmend in der Untersuchung zeigt, ist das (kostenfreie) W-Lan nocht nicht so allgegenwärtig, wie angenommen und selbst sehr medienaffine Studierende sind heute (zumeist aus Kostengründen) nicht selbstverständlich mit der neuesten Technik ausgestattet, d.h. nicht alle verfügen schon über Smartphones, mit denen sie beispielsweise auch unterwegs via Hotspot ins Netz käme oder haben ein W-Lan im privaten Umfeld zur Verfügung. Der Zugang zum Internet beschränkt sich daher für einige der Studienteilnehmenden nur auf das W-Lan-Netz der Universität Augsburg, das fast flächendeckend zur Verfügung steht. Entsprechend haben die Studierende ganz unterschiedliche Auffassungen davon, ob sie nun mit iPads mobil oder mobiler sind, als zuvor.
In diesem Zusammenhang entstand auch im Rahmen meines Masterseminars zum „Mobilen Lernen“ eine interessante Diskussion. Wir diskutierten die Frage, inwiefern Mobiles Lernen immer im Netz stattfinden müsse („always on“). Die Diskussion war teilweise kontrovers und schließlich  haben wir uns  darauf verständigt, dass mobiles Lernen mit Bezug zum derzeitigen allgemeinen Begriffsverständnis das Internet zentral einschließt, es sich aber auch um mobiles Lernen handelt, wenn phasenweise (geplant) ohne Verbindung zum Internet mit einem mobilen Endgerät gearbeitet wird (z.B. während einer Bahnfahrt oder unterwegs mit einer App zur Bestimmung von Pflanzen).

Insgesamt bleibt es interessant. Das Projekt wird auch im kommenden Semester laufen und so werden wir genügend Zeit haben, auch den Punkten nachzugehen, die sich in diesem „Explorationssemester“ als spannende Phänomene zeigen. Für mich selbst stellt dieses Projekt  eine sehr schöne Erfahrung dafür dar, wie sich Forschung und Lehre ganz im Humboldt’schen Sinne vereinen lassen und sich gegenseitig bereichern können.

Thema: Allgemein, Forschung | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

Tablets im Unterricht - ein Zwischenfazit

Freitag, 16. September 2011 19:07

Im Mai diesen Jahres hatte ich hier schon über die wissenschaftliche Begleitung des Projekts “iPad im Einsatz - Education 2013″ an einer gymnasialen Oberstufe berichtet, die ich zusammen mit Luise Ludwig durchgeführt habe. Zwischenzeitlich ist das die Pilotphase zur Einführung von iPads im Unterricht (als ein Beispiel für tablets im Unterricht)  abgeschlossen und es erscheint mir an der Zeit für mein Zwischenfazit. Dabei beziehe ich mich vor allem auf die Beobachtungen und Erfahrungen, die ich an unseren beiden Hospitationstagen an der BBS im Mai gemacht habe und auf die Gespräche mit den Lehrer/-innen und der Schulleitung bei der Präsentation der Ergebnisse. Für die Ergebnispräsentation haben wir zusammen mit der Schulleitung ein besonders Format gewählt: Sie wurde eingebettet in einen ganztägigen Studientag am Schuljahresbeginn zum Thema iPads, der zugleich die Auftaktveranstaltung für den iPad-Einsatz (1:1) in den beiden Abschlussklassen war. Das besondere war bei dieser Fortbildung , dass den Vormittag über die Schüler/innen und Lehrer/innen gemeinsam an Workshops teilnehmen konnten oder sich die ersten Ergebnisse der Studie gemeinsam anhörten. Im zweiten Teil des Tages wurde dann den Lehrenden der zweite Teil der Ergebnisse der Studie vorgestellt und den Nachmittag über in Fächergruppen gemeinsam an möglichen, realisierbaren Szenarien zum didaktisch sinnvollen Einsatz des iPad 2 im Unterricht gearbeitet wurde. So wurden Ideen für den Sportunterricht (z.B. Bewegungsabläufe mit der Kamera des iPads aufnehmen, um sie direkt im Anschluss (oder später) anschauen und besprechen zu können), den Chemieunterricht (z.B. von zentralen Abläufen einen Trickfilm mit Legetechnik handlungsorientiert erarbeiten zu lassen), den Deutschunterricht oder zum fächerübergreifenden Themenfeld “Gewalt”, bei dem die Fächer Recht, Psychologie, Gesundheit, Pädagogik usf. vernetzt wurden.

Mich hat besonders dieser Nachmittag beeindruckt. In dieser relativ kurzen Zeitspanne hat sich für mich wiederholt gezeigt, dass das Neue seine Zeit braucht, um sich didaktisch sinnvoll im Schulalltag zu integrieren, aber vor allem, dass die beteiligten Akteure für Neues gemeinsame(!) Zeit brauchen. Diese Beobachtung bestätigt hier zwar eher bisherige Erkenntnisse, die zur Implementation von Innovationen in Bildungsorganisationen wie der Schule vorliegen, doch lässt sich m.E. nicht oft genug betonen, dass es gerade bei der Einführung von neuen Technologien in die Schule nicht in erster Linie um die organisatorische und technische Einführung geht. Es ist zwar essentiell, dass die Technik a) vorhanden ist und b) funktioniert und problemlos im Lehr- und Lernalltag benutzt werden kann, doch nur das Vorhandensein von Geräten führt nicht dazu, dass sich ein didaktisch sinnvoller Einsatz quasi “nebenher” entwickelt. Man bleibt dann (nachvollziehbarerweise) doch erst einmal bei den bisherigen didaktischen Konzepten und methodischen Ansätzen und versucht diese mit den neuen Geräten umzusetzen oder zu optimieren. Um sich darüber hinaus auch Neues für die Verwendung des neuen digitalen Werkzug und Mediums zu überlegen, das der Weiterentwicklung der Technologie Rechnung trägt (Stichworte sind hier u.a. Lernorte, Mobilität, Individualisierung, Öffnung), bedarf es eine systematischen und kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den Grenzen (!) und Potenzialen der jeweils neuen Geräte für den Unterricht, aber auch für das gemeinsame Arbeiten der Schüler/innen untereinander sowie der Lehrenden mit den Lernenden.

Die Diskussion um den Einsatz von tablets (und pressewirksamer iPads ;-) im Unterricht legt den Finger wiederholt in die technische, organisatorische und didaktische Wunde der Schulen, wenn es um eine adäquate Ausstattung und Infrastruktur für die Umsetzung moderner Unterrichtskonzepte mit Medien geht und die damit verbundene medienbezogene und didaktische Fortbildung alle beteiligter Akteure (vgl. dazu auch die Diskussionen in den letzten 10 Jahre zum Einsatz von Laptops in Schulen wie z.B. im Kontext des SEMIK-Projekts). Denn die Arbeit in einem Projekt wird nicht weniger, wenn erst einmal ein Satz von X Laptops, Netbooks oder iPads angeschafft wurde und z.B. das W-Lan zuverlässig funktioniert – dann beginnt erst die wirklich herausfordernde Arbeit, um eine langfristige, didaktisch motivierte Akzeptanz bei allen Akteuren zu erzielen. ;-)

Soviel zu meinem aktuellen Fazit.

Darüber hinaus haben Luise Ludwig und ich in einem Workshop zu „Lerninfrastruktur in Schulen: 1:1-Computing“ im Rahmen der Tagung “Wissensgemeinschaften” in Dresden einige unserer Ergebnisse und Einschätzungen vorgestellt. Zum Workshop wird noch ein Tagungsband erscheinen. Vorgestellt haben wir zur Diskussion zum Teil über den Text hinaus die folgenden Punkte:

Der Workshop in Dresden war insgesamt sehr informativ und es gab interessante Diskussionen (Danke an die Organisatoren!). Eine weitere Vernetzung ist geplant.

Thema: Allgemein, Forschung, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Forschungsprojekt: PaLerMe

Montag, 18. Juli 2011 12:52

Die Vorlesungszeit neigt sich dem Ende. Dafür nimmt nun das Projekt PaLerMe (Partizipative Lehr- und Lernumgebungen mit digitalen Medien im Unterricht gestalten können. Eine empirische Studie zur mediendidaktischen Kompetenz von Lehrkräften“; http://www.zbh.uni-mainz.de/329.php) langsam an Fahrt auf. Zusammen mit Dipl. Päd. Dominika Bock beschäftige ich mich bis Frühjahr kommenden Jahres aus einer vornehmlich mediendidaktischen Perspektive mit dem Einsatz von Social Software im Unterricht in unterschiedlichen Schulstufen und -formen und welche mediendidaktischen Kompetenzen im Rahmen einer umfassenden medienpädagogischen Kompetenz dafür auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer wichtig sind. Dafür sollen bundesweit ausgewählte, schulische Best-Practice-Beispiele zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht untersucht werden. Dabei bedienen wir uns in erster Linie qualitativer Methoden der Schul- bzw. Unterrichtsforschung zur Untersuchung unterschiedlicher Blended-Learning-Szenarien in den unterschiedlichen Schulen.
Den Ausgangspunkt des Projekts PaLerMe stellen die Annahmen dar, dass ein erfolgreicher Einsatz von digitalen Medien, die ein hohes Maß an Aktivität und Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, wie beispielsweise Blogs oder Wikis (Social Software), erfordern, im Unterricht nicht selbstverständlich ist. Zugleich wird zur Zeit davon ausgegangen, dass solche Software-Anwendungen das Potenzial besitzen, Unterricht auf partizipativer Ebene positiv zu beeinflussen und damit einen Beitrag zum Lernerfolg leisten zu können. Dafür braucht es wiederum (nicht nur) bestimmte mediendidaktische Kompetenzen auf Seiten der Lehrerinnen und Lehrer. Dieses Annahmen sollen im Rahmen des Projekts PaLerMe anhand ausgewählter Beispiele empirisch untersucht werden. Ziel der Untersuchung ist ein Ausloten von Gelingensbedingungen für partizipatives Lernen mit digitalen Medien im Unterricht, speziell mit Social Software ganz im Sinne des „Mitmachnetzes“. Im Wesentlichen geht es mir bei dem Projekt mit Fokus auf ein medienbezogenes, partizipatives Lernen als Variante offener, schülerorientierter Lernformen darum, zur aktuellen Diskussion um “Web 2.0″ in Schule und Unterricht eine empirische Perspektive als (mögliche) Brücke zwischen Theorie und Praxis beizusteuern. Darüber hinaus soll das Projekt einen Beitrag zur medienbezogenen Lehrer(aus)bildung leisten und - wenn möglich - allgemeine konzeptionelle Überlegungen für eine ‘partizipative Mediendidaktik’ in formalen Bildungskontexten empirisch fundieren und weiter entwicklen.
Die konzeptionellen Vorarbeiten sind für den Moment abgeschlossen und die Akquise ist am Laufen, so dass - wenn alles klappt - die ersten Erhebungen nach den (jeweiligen) Sommerferien erfolgen können.
Für den Fall, dass es vielleicht in der Bundesrepublik noch eine passende Klasse einer Grundschule, Sekundarstufe I oder II gibt, die zu unserem Vorhaben passen würde und die wir bisher nicht angeschrieben haben, freue ich mich über einen Hinweis an: mayrberger (at) uni-mainz.de

Thema: Forschung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Projektbegleitung “iPad im Einsatz - Education 2013″ an der BBS Prüm/Eifel

Donnerstag, 26. Mai 2011 13:02

Seit Ende März diesen Jahres begleite ich zusammen mit Luise Ludwig die knapp 3-monatige Pilotphase des Einsatzes von persönlichen iPads in den zwei Klassen der gymnasialen Oberstufe der BBS in Prüm/Eifel. Den Projektstart haben wir am 22. März 2011 mit einer gemeinsamen Kick-Off-Veranstaltung in Prüm bestritten. Das Projekt wurde von Seiten des Schulleitungsmitglied Herrnn OStR Ralf Loskill initiiert und voran getrieben.

Zur Zeit sind in jeder Klasse bis zu den Sommerferien gut 10 Schüler/innen mit einem “persönlichen” iPad von der Schule ausgestattet worden, das sie die Zeit über auch mit nach Hause nehmen sollen. Ziel der Pilotphase ist es, erste, systematische Erkenntnisse über den Einsatz der bisher vorhandenen iPads im Unterricht zu erhalten, um dann auf dieser Basis die angestrebte flächendeckende Einführung von personalisierten Laptops (1:1) in den beiden Klassen für die kommenden Schuljahre (Klasse 12 und 13) vornehmen zu können.

Nachdem wir bis zu den Osterferien vor allem die Nutzung der iPads auf Seiten der Schüler/innen betrachtet haben und sie u.a. kurze Erfahrungsprotokolle haben verfassen lassen, ist seit Anfang Mai der Unterricht mit iPads stärker im Fokus. Deshalb waren wir die letzten beiden Tage auch vor Ort und haben in ausgewählten Unterrichtsstunden der Fächer Mathematik, Englisch, Deutsch und Psychologie hospitiert und systematische Beobachtungen vorgenommen. Wir haben auch die Gelegenheit genutzt, Interviews mit ausgewählten Lehrer/innen und den “iPad-Schüler/innen” zu führen. Mitte Juni werden wir dann an der Schule die (ersten) Ergebnisse präsentieren und Empfehlungen für den weiteren Projektfortgang mitbringen, die wir dann gemeinsam mit der Schulleitung, den Lehrer/innen und den Schüler/innen diskutieren werden. Das heißt für uns, die nächsten 3 Wochen wird es viel zu tun geben in Sachen Aufbereitung der Daten und Auswertung. Hierbei unterstützt uns im Projekt Adrian Weidmann.

Die ersten Eindrücke aus den ausgewählten Unterrichtsbeobachtungen zeigen, dass die Nutzung des Geräts als Werkzeug im Unterricht u.a. zum Recherchieren, Nachschlagen, Aufbereiten von Inhalten oder Präsentieren relativ schnell alltäglich geworden ist. Bei der Gestaltung des Unterrichts zeichnen sich allerdings spezifische Formen des Medieneinsatzes ab, aber auch übergreifende Muster, die wir uns noch näher anschauen werden. In den Gesprächen mit den Schüler/innen und Lehrer/innen zeigt sich ebenfalls, dass wenn der “Neuigkeitseffekt” erst einmal vorbei ist, das Gerät relativ nüchtern betrachtet wird und recht klar die Vorteile, aber auch die Grenzen gesehen und benannt werden. Auch ist der Bedarf an Einführungen und Fortbildungen nicht zu unterschätzen. Wir sind gespannt, was die systematische Analyse der überwiegend qualitativ erhobenen Daten bringen wird.

Über das Projekt hinaus freuen wir uns über die Vernetzung mit anderen “iPad-Projekten”, wie z.B. dem “paducation“-Projekt in Hamburg und der entsprechenden mixxt-Plattform.

Thema: Forschung | Kommentare (2) | Autor: mayrberger