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MuK goes MOOC

Donnerstag, 2. Mai 2013 6:08

… oder „wenn, dann richtig.“

Seit 2011 gebe ich in jedem Wintersemester eine (verpflichtende) einführende Vorlesung in die Mediendidaktik und Medienpädagogik für Bachelorstudierende im BA MuK, BA Sozialwissenschaft und BA Erziehungswissenschaft mit Wahlpflicht Medienpädagogik. Nach zwei Durchläufen im eher „klassischen“ Vorlesungsmodus habe ich nun ein recht gutes Bild der doch heterogenen Studierendengruppe und ihren Erwartungen erhalten (sehr grob zusammengefasst: Theorieaffinität: eher gering; Praxisbezug: in vielfältiger Weise erwünscht; Mediennutzungserfahrung: eher gering; E-Learning: kaum Kenntnisse; Vorstellung der späteren Tätigkeit: noch unspezifisch; Interesse an Medienpädagogik/Mediendidaktik: bei Einzelnen vorhanden).

Deshalb hatte ich mir schon nach dem letzten Semester vorgenommen, für das kommende Wintersemester das Vorlesungsszenario ganz neu anzugehen und hierfür an meine früheren Erfahrungen mit einer Blended Learning-Vorlesung zur schulischen Medienpädagogik an der Uni Mainz anzuknüpfen. Es sollte eine Veranstaltung werden, die einerseits die Studierenden in die Lage versetzt, das Themenfeld der Medienpädagogik und Mediendidaktik zu überblicken, zu verstehen, was medienpädagogische Praxis in unterschiedlichen Feldern ausmacht und theoretisch wie konzeptionell medienpädagogisches Handeln beschreiben und analysieren zu können. Da die Integration von Medien in der pädagogischen Praxis auch immer eine Frage der Haltung und Einstellung ist, war es mir wichtig, die Studierende durch reflexive und diskursive Elemente mit Unterstützung von Fachtexten, Studien und Praxisbeispielen zu befähigen, zu einer fundierten Position zu gelangen. Dieses wollte ich in einem Blended Learning-Szenario umsetzen, damit die Studierenden schon in ihrem ersten Semester quasi beiläufig „E-Learning“ erleben können und in dieser Hinsicht medienbezogenen Kompetenzen erwerben können.

Mitte März wurden dann 10 Mooc Production Fellowships von iversity und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für die Konzeption und Durchführung von Massive Open Online Courses (MOOC) ausgeschrieben. Nach anfänglicher Skepsis, inwiefern es sich lohnt, dem Trend der MOOCs zu folgen und dem nicht unbeträchtlichen Aufwand in der Vorbereitung und Durchführung auch auf mich zu nehmen, habe ich mich mit meinem Team beraten und wir haben entschieden: Nach dem Motto „… wenn, dann richtig“ groß („Massiv“). Wir haben die schon bestehenden Ideen weiterentwickelt und eine offene („Open“), und interaktionsfördernde E-Learning-Veranstaltung („Online Course“) für eine Zahl X konzipiert, die eine breite Zielgruppe von Studierenden unterschiedlicher Bachelorstudiengänge inklusive aller Lehrämter sowie schon im Beruf stehende Fachkräfte anspricht und damit zu einer „Grundbildung Medien“ für diverse (medien-)pädagogische Berufsfelder beiträgt.

Deshalb bewirbt sich nun auch das Team der Professur für Mediendidaktik um einen Fellowship. Mit dem Preisgeld werden wir u.a. eine angemessene Betreuung der Teilnehmenden gewährleistet und die Produktion von offenen Lernmaterialien in Form von Open Educational Resources (OER) zur Gestaltung von (weiterer) Open Educational Practice (OEP) finanziert.

Nun hoffen wir natürlich, dass unser Konzept überzeugt und freuen uns über viele Stimmen für unseren MOOC hier!

[Nachtrag, 10.06.2013: Die 10 Gewinner aus über 250 Einreichungen stehen nun fest. Unser MOOC-Konzept ist zwar nicht dabei, doch ich werde ab dem kommenden Wintersemester dennoch die Veranstaltung "Einführung in die Medienpädagogik/Mediendidaktik" weiterentwickeln und neu organisieren sowie einige der Ideen zu realisieren.]

Thema: Lehre & Studium | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

… mit etwas Abstand betrachtet.

Montag, 18. März 2013 19:18

Im Zuge der diesjährigen dghd-Jahrestagung 2013 “Professionalisierung der Hochschuldidaktik” habe ich mich (erneut) mit dem Verhältnis von E-Learning und Hochschuldidaktik beschäftigt. Dieses war und ist meines Erachtens besonders aus zwei Gründen wichtig: „eLearning“, wie es die letzten 10 Jahre diskutiert und konzeptionell besetzt war, geht zunehmend in der Hochschuldidaktik oder im weiteren Feld des Lehren und Lernens an der Hochschule auf, worunter oder worin heute selbstverständlicher digitale Medien aufgehen. Doch - und das ist aus einer weiten medienpädagogischen Sicht der Hauptgrund - schließen allgmeine hochschuldidaktische Kompetenzen nicht zugleich auch spezifische medienbezogene Komptenzen mit ein. Dieses gehen mitnichten auch automatisch in einer hochschuldidaktischen Komptenz auf. Durchaus kann man die Beschäftigung mit Medien in der Lehre als Querschnittsaufgabe betrachten, wenn es um Planung, Leitung oder Methoden sowie das Thema Qualität geht. Doch nimmt das meiner Ansicht nach Medien nicht vollends in den Blick - heute sind Medien mehr als Werkzeuge, um Unterricht oder die Studienorganisation zu optimieren.

Die Rollen von Medien gehört umfassender thematisiert und reflektiert bevor man sie als Hochschullehrende/r einsetzt. So geht beispielsweise mit der Einbindung von Angeboten des Social Webs auch immer die Frage einher, was das offene Netz mit den Lehrenden und Lernenen macht. Die Lernenden werden mehr oder weniger selbstbestimmt Teil des Netzes und damit Teil der Netzkultur, wenn sie z.B. Beiträge im Netz im Seminarwiki verfassen und damit mehr oder weniger anonyme Spuren hinterlassen. Durch das Agieren und Reagieren im Netz werden die Lernenden (hoffentlich) von den Lehrenden und/oder Peers dazu angehalten sich als Teil der mediatisierten Welt wahrzunehmen und die eigene Position darin (kritisch) zu reflektieren - also verkürzt gesagt: angehalten einen Bildungsprozess mit und durch Medien zu erfahren.

Diese Sicht ist nicht neu, aber m. E. wird sie noch zu wenig betont, weshalb ich anknüpfend an meine Überlegungen von 2008 zu einer medienpädagogischen Kompetenz von Hochschullehrenden in der Zeitschrift für E-Learning dazu einen aktualisierten Beitrag auf der diesjährigen dghd-Tagung beigesteuert habe, den ich hier gerne zur Verfügung stelle:

Medienbezogene Professionalität von Hochschullehrenden fördern können from Kerstin Mayrberger

Thema: Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Forschung in der Medienpädagogik

Montag, 7. November 2011 15:40

Ende letzter Woche fand am 3. und 4. November an der Universität Leipzig die Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik der DGfE zum Thema “Methodologie und Methoden der medienpädagogischen Forschung” statt. Ausgerichtet wurde die Tagung dankenswerter Weise vom Team der Professur für Medienpädagogik und Weiterbildung um Bernd Schorb. Die eher familiären Atmosphäre bei ca. 50 Teilnehmenden erlaubte einen recht intensiven Austausch – doch, wie so häufig, hätte es noch noch mehr Zeit für einen ausührlicheren Austausch bedarf. Das Tagungsprogramm mit seinen systematischen, konzeptionellen sowie projektbezogenen Beiträgen zur Tagungsthematik deckte alle wichtigen Bereiche ab  – von der Entwicklungsforschung und Evaluation bis hin zu Qualitativer und Quantitativer Forschung im nationalen wie internationalen Bereich. Ähnlich wie bei der Herbsttagung 2010 in Zürich (vgl. meinen Rückblick), bei der es um Grundbegriffen der Medienpädagogik ging, standen  auch auf dieser Tagung letztlich wieder Fragen des Selbstverständisses der Medienpädagogik im Gefüge benachbarter Disziplinen wie der Empirischen Bildungswissenschaft im Zentrum, was sich besonders in der abschließenden Diskussion am Freitag zeigte.

Interessant waren für mich im Laufe der zwei Tage einige Punkte. Dazu zählte am ersten Tag die Diskussion zum Verhältnis von Design Based Research-Ansatz und der Aktions- und Handlungsforschung in der Pädagogik aus den 1970er Jahren, die auch die Schwierigkeiten einschloss, eine nachhaltige Implementationsforschung im Rahmen heutiger Ressourcen über mehrere Zyklen zielführend zu ermöglichen. Zudem war es spannend, sich mit der großen Herausforderung für die Medienpädagogik auseinanderzusetzen einerseits als interdisziplinäre (Tei-)Disziplin (der Erziehungswissenschaft) offen und anschlussfähig sein zu wollen und zu müssen und andererseits einen spezifischen Kern bestimmen zu müssen, damit sie sich und ihre Zuständigkeit gegenüber anderen Disziplinen begründet behaupten kann. Ausgangspunkt hierfür war die eingangs von Gerhard Tulodziecki aufgeworfene Frage, was das genuin medienpädagogische an den vorgestellten Forschungsansätzen oder -perspektiven sei. Diese Frage zog sich  bis in die Abschlussdiskussion durch. Es konnte wie zu erwarten war, in der Kürze der Zeit nicht die Antwort gefunden werden, doch schien sich ein Minimalkonsens abzuzeichnen: Die Anwesenden stimmten eher darin überein, dass es sich bei der Medienpädagogik um eine Handlungs- und Reflexionswissenschaft handle. Als pädagogische bzw. heute eher erziehungswissenschaftliche Disziplin mit deutlichem Bezug zu den Sozialwissenschaften beinhaltet die Medienpädagogik dennoch immer auch eine normativen Perspektive (z.B. in Fragen der Medienkompetenzförderung oder Medienerziehung). Dieses mag damit zusammenhängen, dass eher Konsens darüber bestand, dass ein wesentlicher Kern von Medienpädagogik die medienbezogene Auseinandersetzung mit den erziehungswissenschaftlichen Kernbegriffen Bildung, Erziehung, Lernen sowie Entwicklung und Sozialisation meint. Dieses schließt Praxis, Theorie, Forschung und Entwicklung mit ein. Ausgehend von dem Bereich der medienpädagogischen Praxisforschung wurde so auch diskutiert, inwiefern es einer Unterscheidung zwischen Grundlagenforschung und Forschung und Praxisforschung und Evaluation bedürfe. Konsens war, dass in jeder Praxis auch grundlegende Fragestellungen mitbehandelt werden müssten bzw. grundlegende Forschung und Anwendungsorientierung sich ergänzen und nicht ausschließen oder gar in Konkurrenz stünden. Eine Rückbindung von Theorie und Praxis und umgekehrt, könne dazu dienen, den offenen Kern der Medienpädagogik zu stärken und weiter zu etablieren. Abschließend wurde so auch der Punkt besprochen, welche Position die Medienpädagogik heute mit ihrer spezifischen Perspektive in der Wissenschaftscommunity habe und wie sich diese auf die Förderung von Projekten bzw. die Antragstellung bei Drittmittelgebern auswirke. Dass sich die Medienpädagogik auf Grund aktueller Fördertendenzen nicht komplett “verbiegen” könne war Konsens, aber auch, dass sich die Medienpädagogik nur dann stärker etablieren könne (z.B. mit Blick auf Schaffung/Nicht-Streichung von Professuren), wenn sie sichtbarer im Bereich der Drittmittelforschung (z.B. DFG) werde. Ähnlich wie Mandy Rohs‘ ging es mir bei dem Punkt, dass ich einige Aspekte gerne vertiefend diskutiert hätte – ähnlich wie bei der letzten Herbsttagung.

Für die weiteren Tagungen gibt es also noch genügend Potenzial zum weiteren Diskutieren - so im nächsten Jahr an der Universität Hamburg :-).

Eine kurfristige Möglichkeit biete sich hierzu für Interessierte am 17.11.2011 in Nürnberg, wenn sich im Vorfeld der diesjähigen GMK-Jahrestagung die Initative “Keine Bildung ohne Medien trifft!”, um die zukünftige Ausrichtung und Organisation der Initative zu besprechen. Als ein weiterer Erfolg der Arbeit dieser Gruppe kann sicherlich die gemeinsame Publikation der Ergebnisse des bildungspolitischen Medienkongresses aus dem Frühjahr diesen Jahres in Form einer bildungspolitischen Broschüre dienen. Diese Broschüre, die mehrere Feedbackrunden durchlaufen ist, bis sie in der vorliegenden Form einen gewissen Konsens der medienpädagogischen Communtiy abbildet, liegt auch als PDF vor.

Thema: Community, Veranstaltung | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Nachgang zur Tagung “Kreide war gestern – Neue Medien verändern Schule?!”

Samstag, 19. Februar 2011 11:28

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen des Einsatzes von digitalen Medien in Schule und Unterricht und den Chancen und auch Herausforderungen, die damit einhergehen (können). Ich selbst habe mit diesem überblickenden “Impuls” zum veränderten Lehren und Lernen mit digitalen Medien in der Schule zur Tagung “Kreide war gestern – Neue Medien verändern Schule?!” beigetragen:

Ein für mich sehr inspirierender Workshop, den ich besucht habe, war “iPad-Klasse im Einsatz! Wie ein Gerät unterrichtliche Prozesse verändert“. Hier gab es eine motivierenden Einblick, in das was in Schule (auch “nur” als Pilotversuch) aus medienpädagogischer Sicht möglich sein kann, wenn man will, gute Ideen hat und über medienpädagogische Kompetenz verfügt, um ein “rundes” Konzept auf die Beine zu stellen, das “guten” Unterricht mit digitalen Medien realisieren lässt. Besonders gefallen hat mir hierbei, dass auch zwei Schüler mit dabei waren und den Entstehungsprozess einer selbst programmierten App der “App-AG” der BBS (mit Stolz) selbst präsentiert haben und später als kompetente Ansprechpartner beim “Hands-on” dabei waren.

Insgesamt wurde mir aber auch auf dieser Veranstaltung (wieder einmal) deutlich, dass natürlich nach wie vor eine überzogene Technikzentrierung und Euphorie für das Neue (Spielzeug ;-) ) mit Blick auf die nachhaltige Veränderung von Lehr- und Lernprozessen nicht zielführend ist, ebenso wie das Ignorieren der Herausforderungen und Problemen, die mit der vermehrten Nutzung des Internets im Schulkontext auftreten können (nicht zwangsläufig auch müssen, wie andere gute Konzepte wiederum zeigen).

Doch - und das zeigen solche Fortbildungen/Tagungen mir auch immer wieder - “wer nicht wagt, der nicht gewinnt.” Und so braucht es immer wieder diejenigen “Innovators” und “Early Adopter” die mit Neugierde voran schreiten und auch trotz des häufigen Mehraufwands Spaß daran haben, die Möglichkeiten neuer Technologien für das Lehren und Lernen zu erkunden und auszuloten und ihre Erfahrungen auch kund zu tun. Es gilt letztlich gerade für Lehrer/innen eine zeitgemäße (professionelle) Position zwischen Technologieeuphorie und rein bewahrpädagogischem Bedenken zu finden – wie schon seit Beginn der Diskussion um den Einsatz von Computern im Unterricht. Und hier bedarf es m.E. in allen Phasen der Lehrer/innenbildung eine Beschäftigung mit dieser Thematik um zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit mit Bezug auf digitale Medien stetig beizutragen. Denn letztlich kann es für alle Lehrer/innen nur darum gehen, gemeinsam mit den Schüler/innen einen möglichst “guten Unterricht” zu gestalten – und dazu können digitale Medien sinnvoll eingesetzt ihren Beitrag leisten.

Was es nun braucht, sind (weitere) empirische Arbeiten, die die vorliegenden Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis und Ergebnisse sowie erkennbare Tendenzen aus Evaluationsstudien differenziert anschauen und damit die  unterschiedlichen Annahmen in der bestehenden Diskussion schlicht prüfen.

Es gibt viel zu tun …

Thema: Community, Forschung, Position, Praxis, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Rückblick auf mein “Mitmachseminar zum Mitmachnetz”

Mittwoch, 16. Februar 2011 7:24

Zu Beginn der Vorlesungszeit hatte ich hier einen Einblick in mein “Mitmachseminar zum Mitmachnetz” gegeben (offiziell: Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive), das in Kooperation mit dem Seminar “w.e.b.Square - wissenschaftliches Publizieren im Netz” an der Uni Augsburg stattfand und dort von Sandra Hofhues und Tamara Ranner angeboten wurde (vgl. Sandras und Tamaras Rückblick).

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich
unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit
partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige
Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung
einbindet, aber auch
eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen
Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik
darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus
plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem
Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung
“laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi
ein Selbstversuch ;-)

Die Erfahrungen, die ich dann im Laufe des Semesters machen konnte, waren - abgesehen vom verhältnismäßig hohen Organisationsaufwand, den dieses Seminar beanspruchte – sehr motivierend.

Die 12 Studierenden, von denen ein Drittel “nur” aus Interesse teilnahm und keinen Leistungsnachweis mehr benötigte, haben in Kleingruppen insgesamt an 5 Projektkonzeptionen zu einem medienpädagogischen Projekt unter Berücksichtigung von Web 2.0-Tools und -Themen ausgearbeitet und theoretisch bzw. konzeptionell begründet: “Aktive Medienarbeit im Kindertageszentrum - Filmproduktion als bildende Kommunikation”, “Web 2.0 Coaching für Eltern – Was macht mein Kind im Internet?”, “Weiterbildung 2.0″, “Digitale Spaltung“ (Schwerpunkt Sonderpädagogik), “Selbstdarstellung in Social Networks unter dem Aspekt des Datenschutzes. Am Beispiel von Facebook”.
Während die Projektideen sich zu Beginn des Semesters langsam formten und die Konzepte bis Weihnachten in einer ersten Fassung entstanden sind, haben wir uns parallel im Seminar u.a. mit Themen wie Medienkompetenz und Medienbildung, Mediennutzung und -sozialisation und der Frage nach den Chancen Grenzen von Selbstorganisation im Web 2.0 beschäftigt. Dieses war insofern für mich spannend, da die Studierendengruppen ihre Projektthemen im Rahmen der relativ breiten Vorgabe (Projektkonzept zum Einsatz/zur Thematisierung von Web 2.0 in der medienpädagogischen Praxis) komplett selbst wählen konnten. Die theoretischen Bezugsrahmen, die für alle Projekte von Interesse waren, wurden gemeinsam thematisiert, spezifische Ansätze wie z.B. die aktive Medienarbeit projektspezifisch angegangen. Letztlich war die Qualität des Produkts “Projektkonzept” eine leitende Prämisse. Hier lag auch neben einem “echten” Web 2.0-Erlebnis für die Studierenden der Ansatzpunkt in der Kooperation mit dem Seminar der Uni-Augsburg. Denn die Studierenden hatten (und das war für mich wie die Mainzer Studierenden neu) noch im Semester die Aufgabe, nach einem Reviewprozess über Weihnachten, der durch die Studierenden der jeweils anderen Uni und durch die jeweils zuständigen Lehrenden erfolgte, zu überarbeiten. Die beiden Projekte, die am stärksten überzeugen konnten, waren virtuell mit ihren Beiträgen zu Gast auf der diesjährigen 4. w.e.b.Square-Tagung mit dem Motto “Bologna 2011. Eine kritische Bilanz aus Studierendensicht”. Letztlich erhielten alle Mainzer Gruppen die Möglichkeit, ihr Projektkonzept für die Tagungsausgabe der Online-Zeitschrift “w.e.b.Square” vorzunehmen, was letztlich drei Mainzer Projekte auch wahrgenommen haben. Für mich hat dieses Element der Lehrveranstaltungen noch einmal gut gezeigt, dass man gerade in projektbezogenen Seminaren auch in der akademischen Lehre nicht nur auf das “akademische Endprodukt” für den Leistungsnachweis schauen sollte. Vielmehr ist es für alle Beteiligten gewinnbringend, wenn es über die üblichen Abschlusspräsentationen durch Vorträge hinaus eine angemessene interne (z.B. gemeinsame Seminarpublikation als Wiki oder “nur” PDF) oder öffentliche Form der Sichtbarmachung gibt – auch wenn es den Aufwand deutlich erhöht, der dann entsprechend einzukalkulieren ist.
Besonders spannend war für mich die technisch basierte virtuelle Vernetzung der beiden Seminare mit Hilfe eines virtuellen Klassenraums (hier: Adobe Connect). Für die Studierenden war es überwiegend neu, “von zu Hause” an zwei virtuellen Sitzungen im Seminar teilnehmen zu können. Die Sicherheit im Umgang mit dem virtuellen Klassenraum stieg zunehmend, z.B. bei den Mainzer Studierenden auch zusätzlich dadurch, dass wir dieses Werkzeug kurzfristig in einer Präsenzsitzung nutzten, als der Beamer ausgefallen war und so alle zumindest auf ihren Laptops einer Präsentation folgen konnten und zugleich auf rechtlicher Ebene eines “Moderators” im Kurs tätig waren. Gerade zur w.e.b.Square-Tagung in Augsburg zeigte sich aber das Merkmal der Ortsunabhängigkeit noch einmal sehr schön: Die Augsburger Studierenden waren bei “ihrer” Tagung vor Ort im Hörsaal, die beiden Referent/innengruppen aus Mainz saßen als Gruppe vor ihren Rechnern in ihren Privatwohnungen/WGs in Mainz und ich selbst war von Hamburg aus virtuell zugegen. Zu den Mainzer Vorträgen wurden wir mit Bild, Ton und Präsentation in den Hörsaal geschaltet und im Anschluss fand mit leichter Verzögerung sogar eine kurze Fragerunde statt (quasi eine “grüne Teilnahme”). Zeitgleich wurde die gesamte Tagung per Videostream öffentlich übertragen und begleitend getwittert (#websquare). Technisch ist das alles nicht neu, aber das technische Arrangement selbst zu organisieren und zu erleben war doch neu und nicht nur für die beteiligten Studierenden, die ihre Sache großartig gemeistert haben, recht aufregend. ;-)

Die Evaluation zum Schluss des Seminars in Mainz hat mir bestätigt, dass es für die Studierende ein erkenntnisreiches und erfahrungsreiches Seminar war, in dem sie sich medienpädagogisches Wissen erarbeitet, Kompetenzen erworben und eine begründete Position zum Web 2.0 gebildet haben – und das ist letztlich die Hauptsache. Besonders schön ist es zu wissen, dass zwei der entwickelten Projektkonzepte von den Studierenden noch in der Praxis umgesetzt
werden: eines im Rahmen einer regulären Tätigkeit im medienpädagogischen Bereich, das andere als komplett selbstorganisiertes Projekt der Studierendengruppe.

Dem Aspekt der “Vernetzung” werden wir drei Dozentinnen an andere Stelle weiter nachgehen.

Eigentlich hatte ich in diesem Wintersemester geplant, mich in Sachen Lehre “etwas zurück zu halten” und mehr Energie in Forschung(-santräge) und Publikationen zu stecken. “Eigentlich” … – für mich kann ich nur sagen, dass ich wichtige und gute Erfahrungen in dieser Lehrveranstaltung sammeln konnte, die mir zudem noch wertvolle Erkenntnisse für anstehende Publikationen zum partizipativen Lernen eröffnet haben. Insofern war es in jeder Hinsicht ein lohnenswertes Lehrprojekt, zugleich ein schöner Selbstversuch und eine tolle Kooperationserfahrung. :-)

Thema: Erfahrung, Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Einblick in die Lehre II: Universitäre „Massenveranstaltungen“ anders gestalten

Montag, 6. Dezember 2010 15:58

– ein Spagat zwischen hochschuldidaktischem Ideal und alltäglichen Hürden.

In diesem Beitrag möchte ich einen Einblick in erste Erfahrungen mit der Umsetzung eines Blended Learning-Konzepts zur „Einführung in die schulischen Medienpädagogik“ geben – einer sogenannten Massenveranstaltung in den Bildungswissenschaften an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die ich zusammen mit Petra Bauer und Hannah Hoffmann durchführe.

Ausgegangen wurde von mir bei der Reorganisation von der Annahme, dass eine Veranstaltung mit einer sehr hohen Teilnehmendenzahl nicht zwingend einem traditionellen didaktischen Konzept mit starker Lehrendenzentrierung folgen muss und eine Integration von digitalen Medien im Sinne von Blended Learning dazu beitragen kann, die Studierenden aktiver zu beteiligen, um einen möglichst ertragreichen Lehr- und Lernprozess mit einem höheren und nachhaltigen Lernerfolg zu ermöglichen (vgl. Mayrberger/Schulmeister, 2009).
An der Blended Learning-Veranstaltung „Einführung in die schulischen Medienpädagogik“ nehmen im WiSe 2010/11 etwa 400 Studierende der Bildungswissenschaften. Sie müssen eine unbenotete Studienleistung erbringen. Die Veranstaltung umfasst 2 SWS und wird mit 3 bzw. 4 Leistungspunkten angerechnet. Betreut wird die Blended Learning Veranstaltung, die in Kooperation mit einer zweiten Veranstaltung stattfindet, die die Durchführung des Praxisblocks ermöglicht, von 3 Lehrenden und 4 Tutor/innen. Das didaktische Blended-Learning-Szenario lässt sich wie folgt skizzieren:

szenario-bl-medienpaed

Skizze Szenario Blended Learning-Einführung

In den drei Themenblöcken werden die vormals linear aufgebauten Themen der Vorlesung gebündelt und exemplarisch behandelt. Jeder Themenblock beginnt mit einer einführenden Vorlesungssitzung. Darauf folgt eine Online-Phase in der die Präsenzveranstaltungen ausfallen. Die Studierenden erhalten für diese Zeit eine Aufgabenstellung mit Materialien, die im Rahmen einer Forendiskussion innerhalb von 3 Wochen zu bearbeiten und in einer Gruppe von max. 10 Personen zu diskutieren ist. Der Themenblock schließt mit einer Abschlussveranstaltung im Plenum, in der Impulse aus den Online-Diskussionen in den Foren aufgegriffen, diskutiert und konzeptionell verortet werden. Zum Abschluss des Blocks verfassen die Studierenden einen Kurzessay von 2-3 Seiten als Studienleistung. Die Studierenden nehmen über das Semester an allen Präsenzveranstaltungen teil. Je nach Studienordnung wählen sie aus den drei Themenblöcken 1-2 Blöcke aus (je Block max. 200 Plätze), die sie vertiefend in Online-Phasen bearbeiten.
Im Praxisblock wird einmalig über einen Zeitraum von 14 Tagen in Kleingruppen à 5 Personen projektorientiert gearbeitet. Jeder Praxisblock beginnt mit einem Auftaktworkshop zur Vorbereitung auf die produktorientierte Gruppenarbeit in dem auch ein Interaktives Whiteboard zum Einsatz kommt. Ziel ist die Erstellung eines Screencasts, der online eingereicht wird. Die Teilnahme am Praxisblock ist für alle Studierenden verbindlich.
Technisch und organisatorisch wird diese Veranstaltung durch das Learning-Management-System ILIAS unterstützt (u.a. zur Bereitstellung von Materialien, zur Einteilung der Kleingruppen, der elektronischen Einreichung der Studienleistungen sowie zur Betreuung der Studierenden und zur Evaluation).
Wesentliche Erfahrung war bisher, dass die Studierende das Angebot zur zeitlichen Flexiblisierung angenommen haben (die Plätze im Block I zu Beginn des Semesters waren sofort ausgebucht). Eine gründliche Einführung in das eher komplexe didaktische Szenario und die E-Learning-Umgebung hat sich ausgezahlt. Die Grenzen der didaktische Reorganisation dieser Massenveranstaltung liegen letztlich im Bereich der personellen Ressourcen, um eine noch bessere Betreuung gewährleisten und Rückmeldungen zu den Aufgaben geben zu können. Denn fordert man Studierende auf, sich aktiv zu beteiligen, tun die meisten es erfreulicherweise auch, wie sich an zahlreichen und zum Teil ausführlicheren Diskussionen in den Foren zeigt. Eine weitere, erwartbare Herausforderung liegt in der technologieunterstützten Realisierung der didaktischen und der organisatorischen Ansprüche und Letzteres vor allem mit Blick auf die effiziente Organisation der Teilnehmenden und ihrer Leistungen.
Dieses komplexe Blended-Learning Szenario zeigt noch einmal gut, dass sich die Bereiche „IT-Service“ und „Didaktik“ gut ergänzen können und müssen, wenn anspruchsvolleres E-Learning mit vielen Akteuren funktionieren soll: Didaktisch begründete Ansprüche und Wünsche können zur Weiterentwicklung der jeweils verwendeten Software beitragen. Anders herum lädt so manches technische „Feature“, das die Organisation einer Massenveranstaltung verbessern kann, durchaus dazu ein, didaktische Überlegungen wo möglich anzupassen – ganz im Sinne eines Primats der Didaktik.

Quellen:
Mayrberger, K. & Schulmeister, R. (2009). E-Learning in Massenveranstaltungen. Editorial. Zeitschrift für E-Learning, Lernkultur und Bildungstechnologie, 4 (1), 4-7.

[Dieser Beitrag erscheint in dieser Form auch in der AUSGABE #5 des Hamburger E-Learning-Magazins "eLearning in Massenveranstaltungen", 12/2010]

Thema: Community, Lehre & Studium | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Einblick in die Lehre I: Mitmachseminar zum Mitmachnetz

Mittwoch, 24. November 2010 10:23

Die ersten Semesterwochen sind um und die Lehrveranstaltungen “laufen”, so dass nun Zeit ist, auch einen Einblick zu geben. Dieses Semester habe ich mir zwei Veranstaltungen vorgenommen, die jeweils für mich und die Studierenden neue Blended-Learnig-Szenarien darstellen – ein Seminar in der Erziehungswissenschaft und eine “Blended-Learning-Massenveranstaltung” in den Bildungswissenschaften/Lehrerbildung. Über Letzteres will ich demnächst ausführlicher berichten.

Mit dem Angebot des Seminars “Web 2.0 aus medienpädagogischer Perspektive” verfolge ich die Idee, meine konzeptionellen Ideen zum partizipativen Lernen in der formalen Hochschullehre zu erproben, ganz im Sinne eines “Mitmachseminars” zum “Mitmachnetz” mit Blick auf medienpädagogische Theorie und Praxis. Für diesen Versuch nutze ich die Gelegenheit, noch einmal ein Seminar für die “Altstudiengänge” mit Schwerpunkt (Medien-)Pädagogik im Diplom und Magister anbieten zu können, da man in diesem Rahmen ja doch etwas flexibler ist. Ich vermute, da die Veranstaltung als Blended-Learning Veranstaltung mit Blockanteilen in den Präsenzphasen geplant ist, die entweder Mo 18-20 Uhr oder an einem Samstag stattfinden, dass sich die Teilnehmerzahl daher letztlich auf knapp 15 beläuft. Für die Erprobung des Szenarios ist es aber optimal: Alle Anwesenden sind interessiert, motiviert und lassen sich auf diese Variante des Lernens, die hier noch nicht selbstverständlich ist, ein – so ist zumindest mein Eindruck nach den ersten Wochen. Da macht es auch von der Lehrendenseite aus Freude, mehr Kapazitäten in die Veranstaltung einzubringen, als gedacht.

Ziel der Veranstaltung ist ein Produkt, das im Rahmen einer Projektarbeit in der Kleingruppe entwickelt wird: Die Studierenden arbeiten möglichst gute Konzepte für die medienpädagogische Praxis aus, in der Web 2.0-Tools und -Ideen im Zentrum stehen. Das Konzept wird theoretisch und konzeptionell eingeordnet und begründet und kann - so die Idee - dann nach dem Seminar in der Praxis erprobt werden. In 3 der 5 Gruppen ist von Beginn an eine praktische Erprobung mitgeplant, z.B. weil man neben dem Studium in der medienpädagogischen Jugendarbeit oder der Erwachsenenbildung tätig ist und das Konzept dort erproben will.

Die Teilnehmenden haben sich bis jetzt einen Überblick zum Thema verschafft und danach im Sinne des “Auftrags” ein Thema gewählt, das sie selbstständig vertiefen. In diesem Fall haben sich fünf Gruppen zu den Themenfeldern (Arbeitstitel der Gruppen) Aktive Medienarbeit/Medienproduktion, Soziale Netzwerke, Eltern, Erwachsenenbildung und Digitale Spaltung/Sonderpädagogik gefunden. Übergreifend diskutieren wir gemeinsam (vorwiegend online) übergreifende Fragestellungen (z.B. die Frage nach der Rolle von Digitale Kompetenzen (Ausgangslage war das Papier der BMBF-Expertengruppe und aktuelle Nutzungszahlen und daran anschließend die Frage nach der Relevanz und dem Verhältnis von Medienkompetenz und Medienbildung; die nächsten Wochen wird das Thema Selbstorganisation und Selbststeuerung Thema sein), die dann auch in die Projektkonzepte einfließen können. Natürlich geht es in diesem Seminar auch darum, Web 2.0-Tools kennenzulernen, um diese in die Projektkonzepte erfahrungsbasiert einbinden zu können.

Besonderes Highlight für alle Beteiligten ist die virtuelle Kooperation mit einer anderen Lehrveranstaltung einer anderen Uni zu einem ähnlichen Thema. In diesem Fall haben Sandra Hofhues (vgl. Sandras Kommentar zum Semesterstart) und ich seit März 2010 unsere Lehrveranstaltungsplanungen abgestimmt, nachdem wir die Idee zur Kooperation am Rande eines Panels auf der DOSS-Tagung in Dortmund hatten und beschlossen haben. Über den Anker der “Qualität” vernetzen wir die beiden produktorientierten Seminare. In der nächsten Woche werden sich die Seminare das erste Mal mit Hilfe von Adobe Connect vernetzen. Das wird für alle eine spannende Erfahrung, da wir ca. 30 Personen sein werden. Bisher habe ich nur mit Gruppen bis ca. 10 Teilnehmenden mit dem virtuellen Klassenraum gearbeitet.

Nach und nach führe ich ergänzend zu den üblichen Übersichten zum Stöbern gezielt Web 2.0-Tools so ein, dass sie mit einer sinnvollen Nutzung im Seminarkontext einhergehen. Aktuell beginnen wir Twitter als ein Tool zu erproben (#mpaed20), das zwar alle Teilnehmenden kennen, aber kaum jemand nutzt. Ich bin gespannt, wie das klappen wird.

Und wie immer, ist ein solches Seminar für Studierende und Lehrende mit einem verhältnismäßigem Extra-Aufwand verbunden. Aber es lohnt sich. So freue ich mich über einige Teilnehmende, die “eigentlich nur einen Teilnahmeschein brauchen” oder “gar nichts”, aber Interesse am Thema und der Arbeitsweise haben oder ihren Leistungsnachweis einmal in anderer Form als einer Hausarbeit oder eines Referats erwerben möchten.

Für mich als Lehrende ist es eine sehr spannende Erfahrung, da ich unterschiedliche Ansprüche erfüllen will/muss: Ein Seminar mit partizipativem Anspruch zu gestalten, das qualitativ hochwertige Produkte  befördern soll, angemessen viele Web 2.0-Tools zur Erprobung einbindet, aber auch eine Einführung in das Thema für Studierenden mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Vorerfahrungen im Bereich der Medienpädagogik darstellt. Für mich, die ihre Sitzungen in der Regel gerne im Voraus plant, ist es eine besondere Herausforderung die Gruppen mit maximalem Vorschuss für ein partizipatives Lernen im Rahmen der Lernumgebung “laufen zu lassen” und ad hoc bedarsorientiert Impulse zu geben – quasi ein Selbstversuch ;-)

Ich werde weiter berichten …

Thema: Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (4) | Autor: mayrberger

“… jetzt ist mir klarer, wie Sie das mit dem Gestaltungsbegriff meinen.”

Sonntag, 7. November 2010 19:49

… solche und ähnliche Äußerungen waren im Laufe der Herbsttagung der Sektion Medienpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZ), die es sich zum Auftrag gemacht hat, “Medienbildung im Spannungsfeld medienpädagogischer Leitbegriffe” zu diskutieren, zu hören. Und diskutiert wurde in der Tat - viel und vor allem theoretisch, was ich sehr bereichernd fand. Dazu ein kurzer Rückblick meinerseits:

Als Leitbegriffe wurden Mediendidaktik, Media Literacy und Medienerziehung ins Programm der Tagung aufgenommen. Dieses Mal konnte man sich schon vorab ausführlicher mit den Positionen der Referent/innen (hier) auseinandersetzen, die im Zuge der Tagung nur als kurze Impulse vorgetragen wurden, damit genügend Raum für gemeinsame Diskussionen blieb.

Natürlich wurde auch die Frage thematisiert, was eigentlich ein Leitbegriff der Medienpädagogik sei und ob dieses für alle die genannten Begriffe gelte. Relativ einig war man sich darin, dass Medienpädagogik das Dach bilde, was m.E. besonders im Zuge der immer wieder geführten Diskussion um das Verhältnis von Medienpädagogik und Mediendidaktik ein wichtiger Schritt ist. Gerhard Tulodziecki zeigte in seinem Impuls (und seinem sehr lesenswerten Beitrag) die Entwicklung der Leitbegriffe auf und stellte nebenbei fest, dass der Begriff der Medienkompetenz gar nicht zuerst von Dieter Baacke genutzt wurde. So manche Verbindung zwischen den Begriffen und Konzepten ist mir auf Grund der spezifischen Positionen der Kolleg/innen noch einmal in neuem Lichte erschienen. Dazu gehört z.B. der Zusammenhang von Medienbildung und Mediendidaktik im Sinne eines “Lernen mit Medien über Welt”, wofür es entsprechende Lernumgebungen bedarf. Aufschlussreich war es, einmal ausführlicher über den Zusammenhang von Medienbildung, Medienerziehung und Medienpädagogik als Handlungswissenschaft und die Rolle von Normen und Werten zu diskutieren. Gerade im Zuge der Diskussion um den Leitbegriff hat Dominik Petko darauf hingewiesen, dass sich die Medienpädagogik insgesamt und die Mediendidaktik im Besonderen vermehrt den Wirkungen und deren Evaluation zuwenden müsse, also mehr empirische Arbeit zu leisten wäre, was zwar keine neue Forderung ist, im Kontext dieser Tagung aber sehr gut platziert war. Dem kann ich nur zustimmen, wobei ich mich sicherlich eher den experimentierenden, denn den experimentellen Forschungsdesigns verbunden fühle. Wichtig war für mich noch einmal das Einvernehmen darüber, dass die Medienpädagogik als Handlungswissenschaft theoretisch, empirisch und praktisch einen Beitrag zu leisten habe – auch wenn im Rahmen dieser Tagung zugegebenermaßen das Theoretische die Überhand hatte. Damit sind nur einige Punkte genannt, die im Laufe der zwei Tage angesprochen wurden. Für die weitere Diskussion finde ich den Hinweis von Gerhard Tulodziecki wichtig, der sinngemäß darauf hinwies, die Begriffe weiterhin in einem Spannungsfeld zu halten und sie nicht schon jetzt als gegensätzlich oder komplementär festzuschreiben.

Im Zusammenhang der Tagung tauchte häufiger der Verweis auf die Begriffsverwendungen (besonders von Medienkompetenz und Medienbildung) innerhalb der Fachcommunity und außerhalb dieser in Praxis und Politik auf. Den Diskussionsteilnehmenden war sicherlich klar, dass die hoch differenzierenden Diskussionen nicht in erster Linie für die konkrete Praxis relevant sind und es hier eher um eine Diskussion um “Drinnen-Begriffe” statt “Draußen-Begriffe” ging. Doch darin sehe ich gerade die Herausforderung und Leistung in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Medienpädagogik für die unterschiedlichen medienpädagogischen Praxen: Ich will selbst ein klares Theoriegerüst haben, das sich eben in solchen Diskussionen wie die erlebte festigt, erweitert und verändert, um dann für die Praxis die entsprechenden Reduktionen vornehmen und die Anliegen der Medienpädagogik verständlich machen zu können.

Insgesamt war es eine sehr schöne und im positiven Sinne anstrengende Tagung im herbstlich, sonnigen Zürich (Danke an Heinz Moser und sein Team für die hervorragende Organisation und das Aufnehmen dieser Thematik als Tagungsthema!). Besonders gelungen war die Mischung der Teilnehmenden: Die knapp 40 Personen setzten sich zusammen aus allen Altersgruppen und Generationen von wissenschaftlich arbeitenden Medienpädagog/innen (vom Emeritus, der die Disziplin wesentlich mitgeprägt hat bis zur Doktorandin), so das ein intensiver fachlicher und persönlicher Austausch in konstruktiver wie kontroverser Atmosphäre möglich war. Ein besonderer Dank geht von mir an Dieter Spanhel und Gerhard Tulodziecki, die mit ihren lang ausgereiften Positionen und Überzeugungen die Diskussion immer wieder neu beflügelt haben. Für mich war es eine medienpädagogische “Sternstunde”, die mir wichtige Impulse für die weitere Auseinandersetzung mit medienpädagogischen Fragestellung besonders mit Fokus auf die Gestaltung von Lehr- und Lernumgebungen mit digitalen Medien gegeben hat.

Einige der Impulse werde ich noch ganz konkret in diesem Semester in die Blended-Learning-Vorlesung “Einführung in die schulische Medienpädagogik” und im Teil Medienbildung der Vorlesung “Lebenslanges Lernen und Medienbildung”, die ich mit meiner Kollegin Regina Egetenmeyer zusammen gebe, aufnehmen. Darin sehe ich meinen Beitrag, die Theoriediskussion auch für die Praxis von angehenden Lehrer/innen und Medienpädagog/innen fruchtbar zu machen.

[Für weitere Tagungseindrücke und -reflexionen sei auf die Beiträge von Benjamin Jörissen, Joachim Wedekind, Mandy Schiefner (Tag 1 und Tag 2), Michael Kerres und Jürg Fraevel sowie Beat Döbeli Honegger verwiesen.]

Thema: Community, Position, Reflexion, Veranstaltung | Kommentare (7) | Autor: mayrberger

Der Stein ist ins Rollen gebracht …

Montag, 26. April 2010 15:05

Die ePortfolio-Arbeit ist in den letzten Jahren im Bereich des akademischen eLearnings schon fast zu einem Trendthema geworden. Seit fast zwei Jahren beschäftige auch ich mich aus mediendidaktischer Perspektive näher mit dieser Thematik, weil sicher in der Auseinandersetzung damit zugleich zentrale Fragestellungen zum veränderten Lehren, Lernen und Prüfen “im Sinne von 2.0″ gut untersuchen lassen.

Im letzten Wintersemester (2009/10) habe ich das erste Mal selbst mit ePortfolios in der alltäglichen akademischen Lehre in der Medienpädagogik gearbeitet, d.h. in einem eher “klassischen” Mittelseminar, zu einem eher “klassischen” Thema (”Ansätze von Medienkompetenz und -bildung”), mit regulären Studierenden (Diplom/Magister) im Hauptstudium unter den üblichen universitären Bedingungen (in der Regel wöchentliche Seminarsitzungen; zusätzliche Einbindung der universitären Lernplattform; Vergabe von “Scheinen” zum Schluss der Veranstaltung), etc. Einige der Studierenden haben freiwillig als alternative Form des Leistungsnachweises ein ePortfolio in Form eines Weblogs (mit Wordpress) zum Thema geführt. Die (medien-)didaktischen Erkenntnisse aus diesem ersten Durchlauf sowie die Ergebnisse der kleinen explorativen Studie, die ich begleitend durchgeführt habe, verschriftliche ich gerade systematisch und werde diese auch im Rahmen meines Vortrags auf der kommenden ECER-Konferenz in Helsinki vorstellen.

In diesem Seminar konnte ich wichtige Erfahrungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit ePortfolios als alternative Methode der Leistungsbewertung machen. Als wesentliche Punkte haben sich für mich die folgenden herauskristallisiert, die m.E. alle sehr stark mit einer klaren und für die Studierenden nachvollziehbaren Struktur des didaktischen Szenarios zusammenhängen:

  • Rolle der Lehrenden als Lernprozessbegleiterin und -prüferin
  • Festlegung von Lern- und Bewertungsphasen
  • Betreuung
  • Verbindlichkeit
  • Wertschätzung
  • Offenheit & Neugierde
  • Freiheit für Schwerpunkte/Interessen der Studierenden
  • Form, Funktion sowie Quantität und Qualität von “Artefakten” (Wahl- und Pflichtbeiträge)
  • Transparenz
  • Mehrarbeit (muss als Mehrwert ersichtlich sein)
  • Technik

Diese ersten Erfahrungen konnte ich jetzt in die Implementierung der ePortfolio-Arbeit in den kompletten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft der Universität Mainz einbringen und weiter entwickeln. In diesem Semester haben knapp 20 Studierende Medienpädagogik als vertiefende Studienrichtung als eine von fünf für die letzten 3 Semester in ihrem BA-Studium gewählt. Sie werden in diesem Schwerpunkt auch ihre BA-Arbeit verfassen, worauf das ePortfolio vorbereitet und hinführt.

Der Rahmen für die Einführung der ePortfolio-Arbeit ist hier relativ günstig, da zeitgleich eine Restrukturierung von Lehre in BA-Studiengängen am Beispiel dieser Studienrichtung erprobt wird. Dieses geschieht im Rahmen des Projekts “ZeitLast“. Wir sind insgesamt vier Lehrende (Stefan Aufenanger, Petra Bauer, Lena Groß und ich), die ihre vier Lehrveranstaltungen gemeinsam geblockt haben und dieses Semester zusammen gestalten. Grob sieht das Szenario so aus, dass es zwei feste Präsenztermine in der Woche mit dazwischen liegenden Selbststudienphasen gibt. Die Studierenden nähern sich einerseits projektorientiert der medienpädagogischen Praxis, andererseits erarbeiten sie sich in Phasen auch theoretische Zusammenhänge. Von uns Lehrenden wird jeweils eine thematische Phase gestaltet (Mediensozialisation, Medienkompetenz u. -bildung, Medienerziehung u. -praxis sowie zur Forschung); zusätzlich gibt es gemeinsame Termine für alle – wie in einem Workshop, nur über einen längeren Zeitraum ;-).
Das ePortfolio (in Form eines Weblogs mit Wordpress erstellt) soll eine Art “persönlicher roter Faden” auf Seiten der Studierenden über die unterschiedlichen Themenphasen hinweg darstellen. Von Seiten der Lehrenden wird das Semester über einen gemeinsamen Kurs auf der Onlineplattform “moodle” gestaltet.
Die Betreuung durch uns Lehrende im Rahmen des Studienschwerpunkts erfolgt im Sinne eines Mentorenprinzips, d.h. jede/r von uns betreut eine kleine Gruppe von Studierenden über das ganze Semester. Daneben soll es Phasen des Peer-to-Peer-Tutoring und ein Tandemprinzip geben.

Letzten Donnerstag habe ich den Studierenden unsere Idee der ePortfolio-Arbeit vorgestellt und erläutert und Sie wurden von einer Tutorin in die Arbeit mit Wordpress eingeführt. Im Moment richten Sie ihr ePortfolio ein und schreiben am ersten Beitrag.

Zielvorstellung ist, dass die Studierenden des Schwerpunkts Medienpädagogik mit Hilfe Ihres ePortfolios gezielter ihren inhaltlichen Platz in der Medienpädagogik bzw. ihren Schwerpunkt finden können. Studiengangsbezogen bestehen die Erwartungen u.a. darin, dass sich die Studierenden über Zwischenschritte und Umwege bewusst(er) auf ihr Praktikum und ihre BA-Arbeit vorbereiten können, schon frühzeitig ihren Interessen folgen können und damit insgesamt motivierter und erfolgreicher studieren.

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwiefern sich unsere Erwartungen erfüllen und wohin die Entwicklungen gehen werden …

Thema: Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (3) | Autor: mayrberger

Neuerscheinung: Fokus Medienpädagogik

Dienstag, 26. Januar 2010 16:29

(Neue) Medien stellen in der sich wandelnden Gesellschaft für Prozesse von Erziehung, Bildung, Sozialisation, Lernen und Organisationsentwicklung eine zentrale Größe dar und werden mit zunehmender Mediatisierung der Lebens- und Arbeitswelt bedeutsamer.

Dieser Sammelband zeigt eine Vielzahl an Perspektiven aktueller empirischer und theoretischer Fragestellungen im (Um-)Feld der Medienpädagogik auf. Namhafte nationale und internationale Autorinnen und Autoren

  • beschäftigen sich mit systematischen und konzeptionellen Fragestellungen der Medienpädagogik mit Blick auf Medienkompetenz, Medienbildung und Media Literacy;
  • diskutieren aus überwiegend empirischer Perspektive die sozialisatorische Bedeutung von (neuen) Medien in, mit und für Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen und gehen auf die medienpädagogischen Konsequenzen ein. Stichworte sind hier Medienalltag, Digital Divide, Gender, Computerspiele, Gewalt, Internet und Web 2.0;
  • setzen sich mit der Veränderung von Lehr- und Lernprozessen mit neuen Medien in unterschiedlichen Bildungskontexten wie Schule und Hochschule auseinander und gehen auf Besonderheiten der Netzkultur ein.

Das Buch gibt auch einen Einblick in die Themen und Projekte, die in der AG Medienpädagogik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bearbeitet werden – denn dieses Buch ist zugleich eine Festschrift für den Erziehungswissenschaftler und Medienpädagogen Stefan Aufenanger anlässlich seines 60. Geburtstags.

Bauer, P., Hoffmann H. &  Mayrberger, K. (Hrsg.) (2010). Fokus Medienpädagogik – Aktuelle Forschungs- und Handlungsfelder. München: koaped.

München 2010, 420 Seiten ISBN-10 3-86736-110-X ISBN-13 978-3-86736-110-1 (22,80 €)

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Thema: Publikationen | Kommentare (0) | Autor: mayrberger