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ePortfolio-Arbeit – ein Zwischenfazit

Dienstag, 31. August 2010 20:15

Im April habe ich hier über den ins Rollen gebrachte ePortfolio-Stein berichtet. Im vergangenen Sommersemester hatte ich nun die Gelegenheit, meine Lehrerfahrungen aus dem WiSe 2009/10 im reorganisierten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft zu vertiefen (Stichworte: Bündelung von vier Lehrveranstaltungen mit vier Lehrenden, Lehre im Block, phasenweise Zuständigkeiten der Lehrenden). Zudem habe ich das SoSe genutzt, um die letzten Auswertungen zu einer explorativen ePortfolio-Studie aus dem WiSe vorzunehmen. Im WiSe hatte ich mit einigen Studierenden Gruppendiskussionen und Einzelinterviews zu ihrer Perspektive auf das Lernen und Geprüft-Werden mit ePortfolios durchgeführt und das Ganze inhaltsanalytisch ausgewertet. Ein Artikel dazu wird Ende des Jahres im gemeinsamen Sammelband von Torsten Meyer, Stephan Münte-Goussar, Christina Schwalbe und mir (nicht nur) zum ePortfolio-Track der Campus Innovation 2009 erscheinen. Auch auf der ECER-Konferenz in der letzten Woche hatte ich einige der Erkenntnisse mit Fokus auf die Gestaltung von Lernumgebungen mit e-Portfolios vorgestellt. Somit hat sich bei mir gerade ein leichtes Gefühl der Sättigung bezüglich der Auseinandersetzung mit e-Portfolios eingestellt. Dennoch werde ich in den folgenden Semestern weitere Varianten erproben, wo es möglich ist. Insgesamt ist es ein guter Moment, ein Zwischenfazit zu ziehen.

Beim Einsatz von e-Portfolios hatte ich vor allem die Idee des eLearning 2.0 vor Augen (im Sinne der Gestaltung von formalen Lehr- und Lernprozessen mit Social Software). Denn anhand der ePortfolio-Thematik lassen sich m.E. einige der Ideen hinter der “2.0-Idee” gut thematisieren, allen voran das partizipative Lernen bzw. die Öffnung von Lehre mit Social Software. So waren für mich im Verlauf der letzten beiden Semester in dieser Hinsicht (neben den vielfältigen Erfahrungen, die ich aus Lehrendensicht sammeln konnte) drei Punkte für meine weitere Forschung sehr entscheidend:

  1. ePortfolio-Arbeit heißt nicht automatisch partzipatives Lernen,
  2. Studierende haben ganz unterschiedliche Auffassungen von partizipativem Lernen (das Spektrum reichte von der Möglichkeit, sich an der Seminardiskussionen einzubringen bis hin zu eigenen Gestaltungsvorschlägen für den Seminarverlauf) und
  3. unter partizipativem Lernen wird je nach Kontext etwas anderes verstanden.

Diesen Punkte werde ich im Kontext schulischer Medienpädagogik mit Fokus auf Mediendidaktik und eLearning weiter verfolgen. Dabei interessiert mich vor allem der Bereich der mediendidaktischen Kompetenz von (angehenden) LehrerInnen vor dem Hintergrund des gegenwärtigen Medienwandels.

Thema: Forschung, Fragen, Reflexion | Kommentare (0) | Autor: mayrberger

Der Stein ist ins Rollen gebracht …

Montag, 26. April 2010 15:05

Die ePortfolio-Arbeit ist in den letzten Jahren im Bereich des akademischen eLearnings schon fast zu einem Trendthema geworden. Seit fast zwei Jahren beschäftige auch ich mich aus mediendidaktischer Perspektive näher mit dieser Thematik, weil sicher in der Auseinandersetzung damit zugleich zentrale Fragestellungen zum veränderten Lehren, Lernen und Prüfen “im Sinne von 2.0″ gut untersuchen lassen.

Im letzten Wintersemester (2009/10) habe ich das erste Mal selbst mit ePortfolios in der alltäglichen akademischen Lehre in der Medienpädagogik gearbeitet, d.h. in einem eher “klassischen” Mittelseminar, zu einem eher “klassischen” Thema (“Ansätze von Medienkompetenz und -bildung”), mit regulären Studierenden (Diplom/Magister) im Hauptstudium unter den üblichen universitären Bedingungen (in der Regel wöchentliche Seminarsitzungen; zusätzliche Einbindung der universitären Lernplattform; Vergabe von “Scheinen” zum Schluss der Veranstaltung), etc. Einige der Studierenden haben freiwillig als alternative Form des Leistungsnachweises ein ePortfolio in Form eines Weblogs (mit Wordpress) zum Thema geführt. Die (medien-)didaktischen Erkenntnisse aus diesem ersten Durchlauf sowie die Ergebnisse der kleinen explorativen Studie, die ich begleitend durchgeführt habe, verschriftliche ich gerade systematisch und werde diese auch im Rahmen meines Vortrags auf der kommenden ECER-Konferenz in Helsinki vorstellen.

In diesem Seminar konnte ich wichtige Erfahrungen für die Gestaltung von Lernumgebungen mit ePortfolios als alternative Methode der Leistungsbewertung machen. Als wesentliche Punkte haben sich für mich die folgenden herauskristallisiert, die m.E. alle sehr stark mit einer klaren und für die Studierenden nachvollziehbaren Struktur des didaktischen Szenarios zusammenhängen:

  • Rolle der Lehrenden als Lernprozessbegleiterin und -prüferin
  • Festlegung von Lern- und Bewertungsphasen
  • Betreuung
  • Verbindlichkeit
  • Wertschätzung
  • Offenheit & Neugierde
  • Freiheit für Schwerpunkte/Interessen der Studierenden
  • Form, Funktion sowie Quantität und Qualität von “Artefakten” (Wahl- und Pflichtbeiträge)
  • Transparenz
  • Mehrarbeit (muss als Mehrwert ersichtlich sein)
  • Technik

Diese ersten Erfahrungen konnte ich jetzt in die Implementierung der ePortfolio-Arbeit in den kompletten Studienschwerpunkt Medienpädagogik im BA Erziehungswissenschaft der Universität Mainz einbringen und weiter entwickeln. In diesem Semester haben knapp 20 Studierende Medienpädagogik als vertiefende Studienrichtung als eine von fünf für die letzten 3 Semester in ihrem BA-Studium gewählt. Sie werden in diesem Schwerpunkt auch ihre BA-Arbeit verfassen, worauf das ePortfolio vorbereitet und hinführt.

Der Rahmen für die Einführung der ePortfolio-Arbeit ist hier relativ günstig, da zeitgleich eine Restrukturierung von Lehre in BA-Studiengängen am Beispiel dieser Studienrichtung erprobt wird. Dieses geschieht im Rahmen des Projekts “ZeitLast“. Wir sind insgesamt vier Lehrende (Stefan Aufenanger, Petra Bauer, Lena Groß und ich), die ihre vier Lehrveranstaltungen gemeinsam geblockt haben und dieses Semester zusammen gestalten. Grob sieht das Szenario so aus, dass es zwei feste Präsenztermine in der Woche mit dazwischen liegenden Selbststudienphasen gibt. Die Studierenden nähern sich einerseits projektorientiert der medienpädagogischen Praxis, andererseits erarbeiten sie sich in Phasen auch theoretische Zusammenhänge. Von uns Lehrenden wird jeweils eine thematische Phase gestaltet (Mediensozialisation, Medienkompetenz u. -bildung, Medienerziehung u. -praxis sowie zur Forschung); zusätzlich gibt es gemeinsame Termine für alle – wie in einem Workshop, nur über einen längeren Zeitraum ;-) .
Das ePortfolio (in Form eines Weblogs mit Wordpress erstellt) soll eine Art “persönlicher roter Faden” auf Seiten der Studierenden über die unterschiedlichen Themenphasen hinweg darstellen. Von Seiten der Lehrenden wird das Semester über einen gemeinsamen Kurs auf der Onlineplattform “moodle” gestaltet.
Die Betreuung durch uns Lehrende im Rahmen des Studienschwerpunkts erfolgt im Sinne eines Mentorenprinzips, d.h. jede/r von uns betreut eine kleine Gruppe von Studierenden über das ganze Semester. Daneben soll es Phasen des Peer-to-Peer-Tutoring und ein Tandemprinzip geben.

Letzten Donnerstag habe ich den Studierenden unsere Idee der ePortfolio-Arbeit vorgestellt und erläutert und Sie wurden von einer Tutorin in die Arbeit mit Wordpress eingeführt. Im Moment richten Sie ihr ePortfolio ein und schreiben am ersten Beitrag.

Zielvorstellung ist, dass die Studierenden des Schwerpunkts Medienpädagogik mit Hilfe Ihres ePortfolios gezielter ihren inhaltlichen Platz in der Medienpädagogik bzw. ihren Schwerpunkt finden können. Studiengangsbezogen bestehen die Erwartungen u.a. darin, dass sich die Studierenden über Zwischenschritte und Umwege bewusst(er) auf ihr Praktikum und ihre BA-Arbeit vorbereiten können, schon frühzeitig ihren Interessen folgen können und damit insgesamt motivierter und erfolgreicher studieren.

Die nächsten Wochen werden zeigen, inwiefern sich unsere Erwartungen erfüllen und wohin die Entwicklungen gehen werden …

Thema: Ideen & Konzepte, Lehre & Studium | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

Förderung von “guter Lehre” und/mit eLearning durch die “richtige” Haltung?

Montag, 9. November 2009 19:39

In der letzten Woche habe ich an zwei Veranstaltungen teilgenommen, die zwar nacheinander und an anderen Orten stattfanden, aber im Nachhinein eine klare Schnittmenge haben: Einmal war es am Mittwoch der Workshop “Was ist gute Lehre” des Hochschulevaluierungsverbundes Südwest an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz und von Donnerstag bis Freitag die Herbsttagung der Kommission Medienpädagogik in der DGfE zum Thema “Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung: Bildungs- und Lernprozesse mit (digitalen) Medien in der Schule und medienpädagogische Professionalisierung.”

Die erste Veranstaltung fokussierte die Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen in der akademischen Lehre. Die andere u.a. Bedingungen und Faktoren, die die erfolgreiche Integration von neuen Medien in Lehr- und Lernprozesse in Schule und Hochschule. Die Überschneidung lag für mich darin, dass es beiden Veranstaltungen bzw. Teilen davon, explizit um “gute Lehre” und Professionalisierungsprozesse ging. Verändertes Lehren und Lernen wurde hier plakativ an den Forderungen “Shift from teaching to learning” und “From Sage on the Stage to Guide on the Side” festgemacht. Konkret lassen sich hier sehr gut parallelen zwischen dem Eröffnungsvortrag von  Prof. Dr. Wolff-Dietrich Webler (Institut für Wissenschafts- und Bildungsforschung Bielefeld) einerseits und den Keynotes der Herbsttagung andererseits ziehen – hier besonders bei den Beiträgen rund um die SITES-Studie (SitesM2 und SITES2006) sowie den Folgestudien am Dortmunder Institut für Schulentwicklungsforschung.

Dabei ist mir eine Gemeinsamkeit besonders aufgefallen, die ich hier kurz skizzieren möchte: In beiden Veranstaltungen wurde den “angemessenen” Haltungen und Einstellungen von Lehrenden eine wichtige Rolle beigemessen. Auf der Herbsttagung hatte das Habituskonzept von Pierre Bourdieu Konjunktur und alle größeren empirischen Untersuchungen verwiesen darauf, dass es ein “Mehr” bedürfe, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen (vgl. dazu z.B. den Vortrag von Birgit Eickelmann, TU Dortmund “Empirische Befunde zur nachhaltigen Implementierung digitaler Medien in Schulen”). Es wurde auf Modelle Bezug genommen, die für Veränderungsprozesse neben der Technik und den Kompetenzen auf Seiten der Lehrenden auch den Willen oder die Motivation hervorhoben.

Das passte wiederum zu dem Tenor des Workshops am Mittwoch, an dem Webler gar eine Zusammenstellung zum “Erwerb für die Lehre förderliche Einstellungen und Haltungen” vorlegte, aus denen ich ausgewählte Aspekte zitiere:

  • “Respekt vor Studierenden als jungen Erwachsenen in einem spezifischen Entwicklungsstadium;
  • anhaltendes Interesse, Entwicklungsprozesse von Menschen zu fördern (über die Vermittlung lediglich von Stoff und Fach hinaus; Bereitschaft zur Hilfe
  • anhaltendes persönliches Interesse an beruflichen Qualifizierungsprozessen und an deren Anleitung
  • Bereitschaft die wiss. Verhaltensweisen nicht nur zu lehren, sondern zu leben
  • In dem pädagogischen Spannungsfeld zwischen Fördern und Auslesen vor allem zu fördern
  • …”

Diese Liste kann man sicherlich noch erweitern und spezifizieren. Doch sie macht recht deutlich, dass es neben Fachkompetenzen, didaktischer Kompetenzen etc. ein “Mehr” braucht, um dem heutigen Anspruch einer subjektorientierten und kompetenzorientierten Lehre gerecht zu werden und als Lehrperson authentisch zu bleiben. Auch im eLearning ist es förderlich und sogar sinnvoll, wenn sich erst eine veränderte Sichtweise auf Lehren und Lernen einstellt (wozu auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Lehrpersönlichkeit zählt) und dann geschaut wird, welche aktuellen Medien dazu beitragen können, die eigenen didaktische Ideen (besser) zu realisieren (vgl. auch meine Überlegungen zu Lehren 2.0).

Was ich in der Podiumsdiskussion auf dem Workshop in Mainz als einen interessanten und provokativen Punkt – der allerdings nur kurz zum Schluss angesprochen wurde – mitgenommen habe, war die Frage danach, inwiefern man sich damit zufrieden geben müsse, dass es eben “gute Lehrende” gäbe mit der “richtigen” Einstellung und solche, “bei denen Hopfen und Malz verloren wäre”. Im Kontext von eLearning wird hier mit nicht ganz so direkter Konnotation gerne das Modell von Rogers “Diffusions of Innovations” zitiert, dem auch implizit ist, dass es da immer einen “Rest” gibt, der nicht überzeugt werden kann oder nur schwer zu überzeugen ist (“Laggards”).

Die Frage, die mich dann nach den beiden Veranstaltungen (wieder einmal) beschäftigt hat – gerade im Zuge der Diskussion um Professionalisierungsbestrebungen von Hochschullehrenden und in der Lehrerbildung – ist, inwiefern man über “mäßige” Lehre in Schule und Hochschule bzw. in formalen Bildungseinrichtungen einfach hinweg gehen darf? Oder kann man sich als Lehrende/r mittlerweile damit herausreden, dass die Verantwortung für den eigenen Lernprozess ja zunehmend bei den Lernenden liegt?

Nach wie vor denke ich und dazu hat im vergangen Jahr die kollegiale Auseinandersetzung am ZHW zum Qualitätsmanagement einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass man “gute Lehre” ebenso berechtigt “einfordern” wie “fördern” kann und sollte … und letztlich auch den didaktisch begründeten Einsatz von digitalen Medien in Lehr- und Lernprozessen. In diesem Sinne sollte es auch möglich sein, Haltungen und Einstellungen von Lehrenden nach und nach durch Überzeugungsarbeit zu verändern. Oder überwiegt da doch der Idealismus?

Thema: Fragen, Lehre & Studium, Position, Veranstaltung | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Mein E-Learning Statement für e-teaching.org

Donnerstag, 15. Oktober 2009 18:51

Das Statement habe ich während der eLearning 2009 in Berlin abgegeben – direkt vor dem Panel, in dem für die Abschaffung des Begriffs eLearning plädiert wurde. Mein Statement würde ich aber auch heute noch so formulieren. Einen Kommentar zur Begriffs-Diskussion folgt demnächst in einem eigenen Beitrag.

Thema: Position | Kommentare (1) | Autor: mayrberger

Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht – Potentiale und Herausforderungen”

Samstag, 26. September 2009 21:02

Die letzten beiden Tage standen ganz im Zeichen der Tagung “Neue Medien in Alltag, Schule und Unterricht – Potentiale und Herausforderungen”. Die AG Medienpädagogik im Institut Erziehungswissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Aufenanger hat zusammen mit dem Forschungsschwerpunkt “Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung (ZBH) der Johannes Gutenberg – Universität Mainz eine zweitägige Fortbildung im Tagungsformat (nicht nur) für Lehrerinnen und Lehrer in den neuen Räumlichkeiten der FH Mainz angeboten.
Die Veranstaltung war so organisiert, dass  vier “akademische” Plenarvorträge rund um das Thema “neue Medien” zu den Themenfeldern “Schulentwicklung”, “Mediensozialisation”, “Rechtsfragen” und “Lehren und Lernen” zur Orientierung angeboten wurden sowie eine Vielzahl an spezifischen Workshops, die an diese Themenfelder anschlossen (siehe Programm Do, 24.9. und Fr. 25.9.). Mit gut 150 Teilnehmenden war die Tagung ausgebucht.

Ich war mit einem Plenarvortrag zum Thema “Schule 2.0?! – Verändertes Lehren und Lernen mit Social Software” beteiligt:

View more presentations from Mayke.

Aus diversen Gesprächen im Anschluss hieran und auch später, wurde mir sehr deutlich, dass – was bei dem Tagungspublikum natürlich auch nahe liegt – eine grundsätzliche Aufgeschlossenheit für die Integration von neuen Medien in die Lehre, sei es nun in Form von “1.0″ oder “2.0″ vorhanden ist, gerade auch weil die neuen Medien eine so bedeutende Rolle in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen spielen. Es zeigte  sich, dass nach wie vor “gute Beispiele” und “Anregungen für die Praxis”, wie z.B. in hochschuldidaktischen Fortbildungen auch, die mit relativ geringem oder zumindest angemessenem Aufwand umzusetzen sind, von großem Interesse sind. Gerade hier liegt m.E. auch ein Feld, dass vor allem im Bereich von Social Software noch weiterer Bearbeitung bedarf: Die Erprobung, Dokumentation und Evaluation von guter täglicher (Unterrichts-)Praxis.
Zum Abschluss habe ich ein “World Café” mit den verbliebenen ca. 40 Teilnehmenden durchgeführt, in dem es im Sinne eines Rück- und Ausblicks zur Tagung im groben um die Fragen ging, wie ich als Lehrperson selbst die Integration neuer Medien fördern  und wo ich überall Unterstützung erhalten kann und welche Erfahrungen da bisher vorliegen. Nachdem ich bisher selbst an unterschiedlichen Varianten von der Methode “World Café” teilgenommen hatte, war ich gespannt, wie diese Methode wohl bei diesem Publikum und vor allem nach einem langen Tagungstag ankommen würde. Es zeigte sich und das deckt sich auch mit meinen bisherigen Erfahrungen als Teilnehmerin, dass solche eher offenen Formate sehr gut angenommen werden und in diesem Fall noch einmal sehr gut wesentliche Gelingensbedingungen für die Integration von neuen Medien (nicht nur) in die Schule gemeinsam herausgearbeitet und (kritisch) diskutiert werden konnten. Ich nehme aus dieser Erfahrung und auch aus denen zur GMW 2009, über die ich hier berichtete, mit, dass offene Formate heute auf Tagungen (neben herkömmlichen Formaten) unbedingt einen Platz haben sollten. Impulse dieser Art erhoffe ich mir u.a. auch von meiner (erstmaligen) Teilnahme an einem BarCamp, der EduCamp 2010 an der Universität Hamburg.

Die vielfältigen Angebote, die professionelle Organisation sowie zahlreiche Möglichkeiten zum informellen Austausch trugen so auch dazu bei, dass vor allem zum Ende der Tagung verschiedentlich geäußert wurde, dass es so eine Art von Veranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer bitte häufiger geben solle. Eine Dokumentation zur Tagung (Download von Vortragsfolien, Fotos etc.) wird in den nächsten Tagen hier zu finden sein.

Thema: Ideen & Konzepte, Reflexion, Veranstaltung, Vortrag | Kommentare (2) | Autor: mayrberger

Eindrücke zur eLearning 2009 in Berlin

Freitag, 18. September 2009 11:13

In den vergangenen Tagen fand die gemeinsame Tagung E-Learning 2009 der GMW und der DeLFI in Berlin an der FU statt – allerdings habe ich mich in erster Linie als Teilnehmerin bei der GMW gesehen und mich vorwiegend in den dortigen Tracks aufgehalten.

Insgesamt bin ich gestern mit einem guten Gefühl von der Tagung weg gefahren – es war im positiven Sinne anstrengend und das ist ja immer ein gutes Zeichen. Das mag vor allem an den vielfältigen Beiträgen und anregenden Gesprächen mit KollegInnen gelegen haben.
Dennoch war ich auch ein wenig überrascht, dass sich zum Thema “eLearning 2.0″ – zumindest im Rahmen der Sessions, in denen ich war – zur Zeit natürlich etwas tut (wie man auch schon in den Beiträgen auf der letzten GMW-Tagung in Krems sehen konnte), aber wichtige Fragen nach wie vor als Herausforderungen beschrieben werden und kaum Zeit blieb, hier tiefer einzusteigen bzw. keiner der Vorträge, denen ich beiwohnte, sich der Herausforderung einer möglichen Antwort angenommen hat, um hieran weiter zu diskutieren. Dabei denke ich einmal an die Diskussion um Begriffe wie “eLearning” oder eben auch “eLearning 2.0″, an der sich sehr gut die unterschiedlichen und individuellen Perspektiven auf das Thema, aber auch “unser” Selbstverständnis von z.B. “Lehren und Lernen mit (neuen/digitalen) Medien”, “computerunterstützes Lernen” oder “technology enhanced learning” aufzeigen ließen. Die andere Frage – die mich auch gerade persönlich umtreibt – ist die nach der Passung der (eher informellen) Web 2.0-Idee in (eher formale) Lehr- und Lernkontexte. Hier wurden entweder implizit Anregungen gegeben oder  die Passung grundsätzlich auf Basis von aktuellen Nutzungszahlen von Web 2.0-Angeboten durch Jugendliche und Studierende in Frage gestellt. Zu der Frage dieser Passung wird es hoffentlich auf der kommenden GMW 2010 in Zürich mehr geben – zumindest ich fühle mich motiviert, dazu einen Beitrag zu leisten ;-)

Zudem habe ich im Rahmen dieser Tagung das erste Mal als “Grenzgängerin” erlebt, d.h. einerseits klassisch den Beiträgen vorne am Mikrofon zu folgen und parallel auch dem Geschehen im Netz via twitter (#bel09) Beachtung zu schenken und mich ebenfalls zu beteiligen. Das war eine sehr spannende Erfahrung, da beides seine Faszination hat und natürlich auch dazu führt, dass man sich phasenweise auf selektive Wahrnehmung und Multitasking einlassen muss, wenn man sich an den unterschiedlichen Kommunikationssettings beteiligen will (grob unterteilt in “Präsentation (mit Nachfragen)”,”virtueller Austausch” und “Face-to-Face-Gespräche” dazwischen). Dass es diese Ebenen im Rahmen der Tagung zwar gab wurde zwar durch das Vorhandensein einer Twitterwall transparent gemacht und zum Schluss mehrfach festgestellt – gerne auch mit Verweis auf die “jüngere Generation”, wobei ein Blick auf die Statistik zeigt, dass sich die Top 10 durchaus aus Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen zusammensetzt, aber eine Verbindung zwischen den Ebenen wurde noch nicht realisiert. Für kommende Tagungen wäre es m.E. hier auch sinnvoll vorab zu klären, welche Bedeutung dem Twittern beigemessen wird: Soll es eher einen zusätzlichen, illustrativen Charakter (nach innen und außen) haben oder phasenweise auch mit einbezogen werden? In diesem Zuge wäre es vielleicht auch eine Überlegung, sich auf eine “twitter etiquette” für diesen Kontext zu einigen, in dem traditionelle Tagungssettings gerade erst dabei sind, sich für neue Ideen zu öffnen – auch wenn es im Widerspruch zur Twitteridee stünde.

Weitere Eindrücke zur der Tagung geben Gabi Reinmann, Michael Kerres und Mandy Schiefner mit Matthias Rohs sowie Joachim Wedekind. Bilder von der Tagung finden sich u.a. auf der Tagungshomepage.

Nachtrag [20.09.09]: Der Tagungsband kann als PDF-Dokument beim Waxmann-Verlag hier heruntergeladen werden.

Nachtrag [22.09.09]: Überblick über die Rückblicke

Thema: Reflexion, Veranstaltung | Kommentare (9) | Autor: mayrberger

“Lehren 2.0″

Mittwoch, 12. August 2009 14:27

Im Juni hatte ich im Blogeintrag “2.0″ als Chance für die akademische Lehre plausibel zu machen ist und bleibt eine Herausforderung einige Punkte referiert, die im Kontext von Lehren und Lernen im Sinne von 2.0 ernst zu nehmen und zu bedenken sind und (nicht nur) für die medien- und hochschuldidaktische Fort- und Weiterbildung im Bereich eLearning in der Hochschule besonderes relevant erscheinen.

Hintergrund hierfür waren die ersten Eindrücke der Auftaktveranstaltung eines Blended Learning-Workshops. Mittlerweile ist sowohl die Onlinephase als auch die Online-Abschlussveranstaltung vergangen und damit ein guter Zeitpunkt nochmals zurück zu blicken und auf exemplarische Herausforderungen einzugehen – sowohl auf Grund der gemachten Erfahrungen meinerseits als auch unter Zunahme von Punkten die im Rahmen der Veranstaltung durch die Teilnehmenden verstärkt diskutiert oder zum Abschluss rückgemeldet wurden. Da es sich bei den Teilnehmenden zugleich um Lehrende handelt, überwiegt naturgemäß die Auseinandersetzung mit der medien- und hochschuldidaktischen Perspektive auf die Gestaltung entsprechender Lernumgebungen und der eigenen (sich in der Regel dann ändernden) Rolle als Lehrende innerhalb dieser.

So haben die Teilnehmenden zum Abschluss der Online-Phase Aspekte zusammen getragen, die auf Grund ihrer gemachten Erfahrungen in dem Workshop dazu beitragen (können), dass man sich als Lernende/r eher motiviert und aktiviert fühlt und damit zugleich beschrieben, was sie für wichtige Aufgaben der Lehrperson im Rahmen von Blended Learning halten. Hier wurde vor allem deutlich, dass ein aktiver Part der Lehrenden (gerade bei Lernenden, die noch Anfänger/innen im Umgang mit Online-Tools sind) auch bei offenen Szenarien notwendig ist und eingefordert wird, z.B. regelmäßige Feedbacks geben, regelmäßig motivieren und aktivieren durch (Kurz-)Nachrichten, das setzen von und erinnern an Fristen sowie die persönliche Ansprache, wo es angebracht erscheint. Zugleich aber auch das Problem der Abgrenzung gesehen wird, d.h. wie häufig will ich betreuen, moderieren, motivieren, aktivieren etc. und auf der anderen Seite das “Zeitproblem” der Lernenden, dass man auch andere Dinge neben dem Onlinekurs zu tun hat und evtl. nur das Nötigste erledigt und sich minimal einbringt. Zudem war es den Telnehmenden wichtig, dass die Lerngegenstände einen persönlichen Bezug ermöglichen, wie z.B. der Entwurf und die Erprobung eigener Blended Learning Szenarien(-ausschnitte) und es motiviert, sich bei Peer-to-Peer Feedbacks  einzubringen, wenn man etwas von den anderen lernt oder mitnehmen kann (z.B. methodische Ideen, Möglichkeiten der Einbindung von Web 2.0-Tools in unterschiedlichen Kontexten). Nicht zuletzt ist für die Motivation eine gute technische Einführung (Förderung von Medienkompetenz) in die verwendeten Anwendungen und Werkzeuge notwendig, zugleich aber auch die Offenheit für die kritische und konstruktive Diskussion von Lehren und Lernen im Netz (z.B. Datenschutz, Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht, Kommerzialisierung/Werbung). Ebenso wird die Nachvollziehbarkeit der Auswahl von bestimmten Tools für das Szenario und weshalb man sich als Lernende/r (z.T. zusätzlich) damit auseinandersetzen sollte (in diesem Fall Adobe Connect, Wiki, Forum, Twitter und klassisches Mail) als relevant angesehen, also wie sinnvoll dass ganze Szenario subjektiv für den eigenen Lernprozess erscheint.

Nach nunmehr drei Workshops zum Themenfeld “Lehren und Lernen 2.0 in der Hochschule” innerhalb des letzten Jahres hat sich für mich gezeigt, dass es, wie sich in ähnlicher Weise auch schon in anderen Projektkontexten  bestätigt hatte (z.B. im Rahmen der diskursiven und partizipativen Strategie von KoOP), folgende Punkte sind, die Lehrende motivieren (können), ihre akademische Lehre mit digitalen Medien bzw. Social Software alternativ zu gestalten und damit zu verändern:

  • Beispiele vorgestellt zu bekommen und nachvollziehen zu können und diese kritisch zu diskutieren
  • selbst tätig zu werden und Werkzeuge auszuprobieren
  • aus der Perspektive der bzw. des Lernenden eigene Erfahrungen im Sinne von Lernen 2.0 zu machen
  • am eigenen Szenario zu arbeiten und die Inhalte sofort zu transferieren und damit selbst betroffen zu sein
  • Akzeptanz für die Veränderung von akademischer Lehre zu schaffen und die Möglichkeiten, dieses selbst zu tun

Was mir in diesen Veranstaltungen wieder deutlich wurde – gerade weil a) die 2.0-Tools immer vielfältiger und zahlreicher werden und zum Ausprobieren einladen und b) die Teilnehmenden vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Disziplinen spezifische Szenarien entwickelt haben – sind in erster Linie die folgenden Punkte:

  • “Neues Lernen mit neuen Medien” wörtlich zu nehmen, d.h., dass es erstens um die Veränderung von Lehren, Lernen und Prüfen gehen muss und damit einhergehend die Bereitschaft der Lehrenden und Lernenden (idealerweise auch auf Seiten der Organisation) sich und ihre Lehre ebenfalls zu verändern und erst im zweiten Schritt zu fragen, in welcher Form digitale Medien angestrebte Veränderungen (im jeweiligen Fach) unterstützen oder im besten Fall erst ermöglichen können (Stichwort “Primat der Didaktik”)
  • Auch eine Lernumgebung (in formalen Kontexten), die im Sinne von 2.0 gestaltet ist, braucht sinnvolle und angemessene Phasen sowohl der Konstruktion als auch der Instruktion (Stichwort “Didaktischer oder gemäßigter Konstruktivismus”)
  • “Lehren 2.0″ ist ein (lebens-)langer Prozess und hat auch etwas mit professioneller Gelassenheit zu tun (Stichwort: “Didaktische Innovationen brauchen Zeit”)

Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen der letzten Jahre in Forschung, Entwicklung und Praxis komme ich im Moment zu dem Schluss, dass die persönlichen Haltungen und Einstellungen sowohl auf Seiten der Lehrenden als auch der Lernenden der Anknüpfungspunkt für weitere Veränderungsprozesse sind, um die sich bietenden Möglichkeiten des sich stetig ändernden Netzes für ein Lehren und Lernen im Sinne von 2.0 zu nutzen und auszuschöpfen. Dazu zählen für mich – wenn man das Konzept des Web 2.0 ernst nehmen will und das Subjekt in das Zentrum der Lehre stellt – besonders Aspekte wie “Authentizität”, “Wertschätzung” und “Vertrauen” im gemeinsam gestalteten Lehr- und Lernprozess, aber auch ganz traditionelle Konzepte wie die “Subjektorientierung”, “Handlungsorientierung” und das “Lernen am Modell” – auch im Sinne von “walk what you talk”.

Diese vorläufigen eher grundlegenden (und im Grunde auch nicht neuen) Erkenntnisse stellen momentan (m)eine (didaktische) Grundlage dar, für die weitere Auseinandersetzung mit spezifischen Fähigkeiten, die die Gestaltung von Lernumgebungen bzw. Lernlandschaften im Sinne von “Lehren und Lernen 2.0″ heute von Lehrenden verlangt. Abgesehen von erweiterten medienbezogenen Kompetenzen stellt sich für mich die Frage, ob aus (medien-)didaktischer Perspektive auch in formalen bzw. institutionellen Lernkontexten nicht neue Aspekte hinzukommen müssten (und die oben aufgezeigten Erfahrungswerte doch noch zu kurz greifen) und es sich eben nicht tendenziell um “alten (didaktischen) Wein in neuen (technisch unterstützten) Schäuchen” handelt und sich der Schwerpunkt der (medien-)didaktischen Diskussion und damit einhergehend methodischen Auseinandersetzung lediglich verlagert?

Anregend finde ich zu diesem Thema die Antworten auf “The big Question” vom Juli diesen Jahres im LC Blog:

New Skills and Knowledge for Learning Professionals? – In a Learning 2.0 world, where learning and performance solutions take on a wider variety of forms and where churn happens at a much more rapid pace, what new skills and knowledge are required for learning professionals?

Wie sehen das andere?

Thema: Forschung, Fragen, Lehre & Studium, Reflexion | Kommentare (1) | Autor: mayrberger